Leben mit Kindern

Wenn Eltern Lehrer sind: 10 praktische Tipps zum Thema Homeschooling

20. März 2020

Homeschooling- was noch vor einer Woche für viele wie eine Kuriosität aus den USA klang, ist nun durch die Schulschließungen Realität geworden. Für viele von uns Eltern kommt Homeschooling mit “Homeofficeing” zusammen. Wir haben nun die erste Woche hinter uns gebracht und 10 praktische Tipps für Euch zusammengetragen, wie es reibungsloser ablaufen kann, dazu noch ein paar Buchtipps, wer sich zusätzlich zum Thema belesen möchte.

Mit einem Zehnjährigen, der sich mit Konzentration und Motivation massiv schwer tut und einer Achtjährigen, die in der Grundschule ein Selbstläufer ist, wissen mein Mann und ich aus erster Hand, um die unterschiedlichen Bedingungen, die Kinder für Anforderungen der Schule mit sich bringen.

Diese nun aufgrund der aktuellen Krisensituation in Deutschland atok ins Home Schooling – oder auch Hausunterricht – zu übersetzen, ohne selbst Pädagogen zu sein, ist eine große Herausforderung für alle Eltern. Dank LehrerInnen im Freundesreis, einem kürzlich absolvierten „Hausaufgaben- Seminar für Eltern“ und ausgewählter Literatur zum Thema (siehe unten), können wir Euch hiermit jedoch nützliche Top Ten Tipps an die Hand geben, mit der auch in Eurer Familie der Unterricht daheim gelingen kann!

Homeschooling: 10 praktische Tipps

1.Eine angenehme Arbeitsatmosphäre ist das A und O. Damit sich Dein Kind wohlfühlen kann, müsst Ihr einen Lernort schaffen, der ideale Arbeitsbedingungen ermöglicht. In der Regel haben Kinder bereits einen Schreibtisch, der jetzt ein bisschen aufgeräumt werden muss. Achte darauf, dass es ausreichend hell ist, eine Schreibtischlampe wird im Idealfall durch den Einfall von Tageslicht ergänzt. Ein Fenster in der Nähe ermöglicht auch die regelmäßige Versorgung mit Frischluft.   Dein Kind muss sich gut konzentrieren können, alle Utensilien von Schreibblock bis gespitztem Bleistift, von Lesebuch bis Duden sollten im Vorfeld bereitgestellt werden.

2.Routine statt Chaos. Allgemeine Strukturen sind bei der Heimarbeit enorm wichtig, besonders, wenn Ihr als Eltern selbst zusätzliche Home-Office Zeiten  in den Tag integrieren müsst. Wie in anderen Lebensbereichen bilden klare Regeln das Grundgerüst, an dem sich alle Familienmitglieder orientieren können. Klärt im gemeinsamen Gespräch mit den Kindern Tagesabläufe und Zeiten, dabei muss nicht wie in der Schule um acht Uhr gestartet werden! Passt es in Eurer Familie besser um neun Uhr, fein! Wann essen wir zu Mittag, wann machen wir Feierabend? Hört Euch auch Gegenvorschläge der Kinder an und wägt ab: Spricht bspw. etwas dagegen, abends im Bett die Leseaufgaben für Deutsch zu machen? Eins muss nur allen klar sein: Die gemeinsam erarbeiteten Tagesabläufe sind nicht verhandelbar, denn es besteht Schulpflicht. So erspart Ihr Euch tägliche Diskussion.

3. Nun erstellt Ihr gemeinsam einen konkreten Wochenplan, der schulische Inhalte für die Kleinsten visualisiert und Routine ermöglicht. Macht Euch hierfür zunächst einen Überblick über den zu bewältigenden Schulstoff und den vorhandenen Zeitraum: Wie viele Tage bleiben, bspw. bis zu den Osterferien? Für den Home- Schooling- Stundenplan eignen sich White Board, Pinnwand oder eine große Pappe und selbstklebende Post-its – für jedes Schulfach eine andere Farbe. Auf das Post-it schreibt Ihr folgende Informationen: Aufgabe (Bsp. Mathe Arbeitsblatt Nr. 3), Zeit (Wie viel Zeit plane ich für diese Aufgabe?) und benötigtes Arbeitsmaterial (Buch, Geodreieck, Kariertes Blatt)? Nach getaner Arbeit, dürfen die Kinder die Post-its abreißen und zerknüllen, ein befriedigender Moment – ähnlich dem 2DO-Listen Abhacken für Mama.

4. Welcher Lerntyp ist mein Kind? Vielleicht wisst Ihr, dass man grundsätzlich vier unterschiedliche Lerntypen unterscheiden kann: auditiv, visuell, haptisch und kommunikativ. Als Eltern könnt Ihr Eure Kinder enorm unterstützen, wenn Ihr wisst, wie Euer Kind am Besten lernt. Insbesondere für das sture Auswendiglernen von Formeln, Gedichten oder Vokabeln, erspart Ihr Euch viel Frust, wenn Ihr hierbei den Lerntyp des Kindes beachtet. Hierfür findet Ihr entsprechende Selbsttests und Ideen für gezielte Lernübungen im Internet.

5. Die Schulstunde dauert in Deutschland 45 Minuten und überschreitet die Konzentrationsspanne eines Kindes eigentlich grundsätzlich. Während Kinder von 7 bis 10 Jahren sich gut 20 Minuten konzentrieren können, schaffen 10 bis 12Jährige 25 Minuten und 12-15Jährige ganze 30 Minuten. Dann ist es Zeit für eine Pause! Je früher Du eine Pause einlegst, desto schneller erholt sich Dein Kind! In kurzen Pausen könnt Ihr einen Snack essen, über etwas Anderes, als Schule reden oder Musik hören. Mama bekommt einen Kaffee und Deinem Kinde tut Bewegung sehr gut. Nach drei Intervallen dieser Art empfiehlt sich eine große Pause (bis zu 30 Minuten).

6. Während wir im Schulalltag oftmals schon durch den Weg zur Schule mit dem Rad oder zu Fuß an die frische Luft kommen und uns bewegen, fällt das beim Home- Schooling weg. Dabei ist Bewegung sehr wichtig, insbesondere, wenn Du einen kleinen Zappelphillip zuhause hast. Bewegung bringt nicht nur den Kreislauf, sondern auch das Gehirn in Schwung! Bewegung motiviert und erhält die Leistungsfähigkeit. Wer länger stillsitzen muss, hat ein Recht, dem folgenden Bewegungsdrang nachzugehen: Lass Dein Kind mit dem Roller um den Block fahren, das Treppenhaus hoch und runter rennen, zehn Minuten mit dem Seil springen, Frisbee spielen oder auf dem Trampolin hüpfen, sofern vorhanden. Danach lernt es sich wieder leichter!

7. Nimm Unterstützung durch Angebote im Fernsehen mit pädagogisch wertvollem Inhalt wie Sendung mit der Maus und Löwenzahn an. Auch Online Bildungsprogramme wie www.Schlaukopf.de und www.planet-schule.de motivieren Kinder, die sich gerne mit digitalen Medien beschäftigen. Zudem gibt es Apps für Smartphones, die Eltern helfen, den Alltag mit Home- Schooling zu bewältigen wie bspw. die Antolin- Leseförderung- App: www.antolin.westermann.de. Und sogar für Sportunterricht wird seit Neustem auf YouTube gesorgt, wie bei Alba’s täglicher Sportstunde für Grundschüler!

8. Bleib kreativ und erfinde Schulfächer, die Spaß machen! Oftmals vergessen wir vor lauter Eifer über den Hauptfächern wie Mathe und Deutsch Nebenfächer wie Musik und Kunst. Dabei bieten gerade diese Inhalte den Kindern eine oftmals angenehme Abwechslung, wenn nicht Ausgleich. Mehr noch: Kreativ sein hilft, Emotionen zu verarbeiten – in Ausnahmesituationen wie derzeit, übrigens auch uns Eltern! So lassen sich bspw. Fächer wie Sachkunde oder Naturwissenschaften mit Themen wie Frühling und Ostern vereinen. Macht kleine Experimente im Bad mit den Kindern, musiziert, bastelt, zieht Euch Kresse auf dem Fensterbrett und schreibt Beobachtungsprotokolle. Heute Doppelstunde „LEGO-Bauen mit Papa“ oder „Ostereier- Bemalen- auf dem Balkon“! Interdisziplinäres Lernen und die schönen Künste sollten im Home- Schooling ihren Platz finden!

9. Arbeite punktuell nach dem Belohnungsprinzip, auch wenn es nicht immer pädagogisch PC erscheint. Lässt sich Dein Kind an schwierigen Tagen mit der Aussicht auf ein paar Kekse motivieren, ist das völlig okay. Kleine Belohnungen nicht- materieller Art wie „15 Minuten länger Aufbleiben“ oder gemeinsam UNO spielen sind ebenfalls motivierend für frustrierte Kinder. Dabei sollte das Belohnungssystem jedoch nicht zur Regel werden!

10. Die derzeitige Situation des Home- Schooling resultiert nicht aus freien Stücken und ist für Groß und Klein schwer zu begreifen. Viele Kinder sind verunsichert oder zu jung, um diese Krise in seiner Gänze zu verstehen. Dabei sollten wir als Eltern nicht vergessen, noch mehr Geduld mit den Kindern aufzubringen, als sonst schon. In der Theorie klingt Home- Schooling schön, aber wenn es einfach mal nicht klappen will, so what?! Schmeißt Euren Tagesplan über den Haufen und nehmt Euch ein reuelose Auszeit – seht es den Kindern und vor allem Euch nach. Quality Time mit extra schmusen und kuscheln ist jetzt angesagt!

Quellen & hilfreiche Literatur zur Inspiration Homeschooling

Thomas Gordon: Familienkonferenz: Die Lösung von Konflikten zwischen Eltern und Kind 

Lymann K. Steil, Joanne Summerfield, George DeMareAktives Zuhören. Anleitung zur erfolgreichen Kommunikation. Sauer, Heidelberg 1986.

Zudem existiert ein unkonventionelles Konzept des sog. „Unschooling“, mehr dazu hier: Alan Thomas: Bildung zu Hause: Eine sinnvolle Alternative. tologo, 2007

Jesper Juul: Dein kompetentes Kind, Reinbek bei Hamburg (Rowohlt Taschenbuch Verlag), 2016 

Elena Seidenbach: Lernmethoden für Kinder: Wie Lernen zum Kinderspiel wird

Stephan Portner. Systemischer Coach und Berater: www.beratung-therapie-berlin.de

Waldorf inspirierte Konzepte aus dem anglo-sächsischen Raum gibt’s auf dieser Website: www.christopherushomeschool.com

Lernen in Freiheit. Zur Bildungsreform in Schule und Universität. Kösel, München 1984

Text: Sandy Bossier-Steuerwald

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1 Kommentar

  • Reply Roman 23. März 2020 at 11:42 am

    Danke für den Tipp mit den Bildungswebsiten!
    Ich und meine Frau sind aktuell ziemlich überfordert mit der Situation, da hilft jeder Tipp.
    Vielen lieben Dank und lieben Gruß,
    Roman

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