Leben mit Kindern

Verwöhnte Kinder: Was wird aus der “Generation on demand”?

9. April 2018
verwöhnte kinder

Verwöhnte Kinder gibt es in jeder Generation. Sind unsere Kinder nun besonders verwöhnt? Kriegen sie zu viel zu schnell und ja…auch gerne noch ein iphone obendrauf? Und warum reicht das dann trotzdem alles nicht? Ist dies das Ergebnis unseres Wohlstandes, sind wir Eltern “schuld”? Oder ist das alles ganz normal? Meine Gastautorin Sandy macht sich dazu heute Gedanken.

Verwöhnte Kinder: Generation on demand?

Lucia (5 Jahre) langweilt sich nach fünf Minuten beim Spaziergang im Wald. Justus (7 Jahre) hält keine Autofahrt ohne Tablet aus. Janosch (10 Jahre) konstatiert nach einer Stunde beim Kindergeburtstag im Schwimmbad: „Hier ist es voll Scheiße. Wann fahren wir wieder?“

Liebe Eltern, schnallt Euch an, hier kommt die „Die Generation on demand“! Sie fährt auf der Überholspur, nach dem Motto, wer bremst, verliert. Sie folgt der in der Soziologie so oft beschriebenen Generationen X, Y und Z: Darunter fallen Kinder vom Trotz- bis ins Grundschulalter, geboren etwa von 2006 bis 2014, die schon jetzt meinen, schlauer zu sein, als ihre Eltern, Erziehungsberechtigten und Lehrer.

Die „Generation on demand“ ist eine bedarfsgesteuerte Generation, die ständig am (ein)fordern, (ab)verlangen und Erwartungen- stellen ist und dabei jeglichen Manieren und Werten trotzt.

Vor der eigenen Haustüre kehren

Ich beobachte dieses Phänomen im Freundeskreis, in der Schule und – zu guter letzte und zugegeben – bei uns daheim. Die Generation on demand ist in vielerlei Hinsicht verwöhnt. Das interessante an den bedarfsgesteuerten Kindern ist, dass wir hier nicht nur von Kindern sprechen, die 24/7 vor dem Smart- TV geparkt werden und aufgrund der Rahmenbedingungen oder Herkunft eine eher überschaubare Perspektive für die Zukunft haben. Weit gefehlt! Die irritierenden Verhaltensweisen, die prä-pubertierende Abgebrühtheit und beobachtete Respektlosigkeit scheinen mir ganz besonders häufig bei Familien der oberen Mittelschicht ins Auge zu fallen.

Bei Kindern von Juristen und Geschäftsführern, denen es materiell an nichts fehlt, die mit sieben Jahren eine Playstation im Kinderzimmer und mit Acht das eigene Handy haben (neuestes IPhone, wohlbemerkt). Denen die Türen für fast alles offen zu stehen scheinen.

Been there, done that. – Was soll da noch groß kommen, außer Langeweile?

Die Kinder der „Generation on demand“ sind abgeklärt, alles ist jederzeit verfügbar, wird immer schneller. Trends kommen und gehen: Während wir den Zauberwürfel jahrelang bespielten, da die Lösung nicht er-googelt werden konnte, erobern heute Trends wie der Fidget Spinner binnen wenigen Wochen die globalisierte Welt und verschwinden ebenso schnell wieder in der Versenkung. Been there, done that.

Ich kann es kaum verübeln, wenn Kinder ein Hörspiel nicht zwei Mal hören wollen, wenn ihnen das Fernsehprogramm öde erscheint, weil doch die Mediathek oder online Datenbank jede Serie und Folge auf Abruf zur Verfügung stellt. Sie kennen es nicht anders. Die heutigen Kids haben quasi mit Ende der Grundschule schon alles gesehen, alles ausprobiert, alles mitgemacht. Was soll da groß noch kommen – außer Langeweile?

Eltern bleiben zurück

Es scheint mir ein Zeitgeist einer neuen Generation zu sein, der sich verselbständigt hat, ohne dieses Verhalten anhand seiner Mitmenschen – aka Eltern, Erziehungsberechtigten und Lehrer – als okay abzusegnen. Die Kinder machen, was sie wollen und das in einer rasanten Abgeklärtheit, die oftmals nur zu einem perplexen Kopfschütteln führt, weil man als Erwachsener schlichtweg überfordert ist.

Dem permanenten Erwartungsdruck der Kinder kann man in ihrer Dichte, Schnelligkeit und Intensität nicht stand halten. Die Generation on demand gibt Vollgas und nimmt Erwachsene nicht für voll. Wie auch, unsere Generation steht ja – im direkten Vergleich – quasi auf dem Standstreifen.

Text:Sandy Bossier-Steuerwald

Verwöhnte Kinder, fordernd, “Generation on demand”- wie seht Ihr das?

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6 Kommentare

  • Reply Stefanie 9. April 2018 at 8:43 pm

    Oh je… du sprichst /schreibst mir aus der Seele. Sehe es bei meiner 2011 Geborenen. Alles ist langweilig und schnell nicht mehr interessant. Richtig vertieftes Spielen mit einer Sache kaum möglich. Schade, dass wir/ unsere Generation ihnen eine unbeschwerte Kindheit verwehrt. Aber vielleicht machen wir uns auch zu viele Gedanken. Wer weiß, welche Kompetenzen in 10/15 Jahren gefordert sind. Vielleicht passen unsere Kinder dann (leider) voll ins dann “normale Schema”.

  • Reply Janet 12. April 2018 at 8:46 am

    Toll geschrieben. Auf den Punkt.
    Es ist auch oft Thema bei uns in der Familie, mit Freunden und öfters auch mit Kunden.
    Wir als Eltern sind noch anders gross geworden und versuchen uns ganz viel davon zu erhalten und unseren Kindern (9,12) mit auf den Weg zu geben. Vorallem Wertschätzung und Respekt, den Sinn für die Natur und das Erfreuen an wenigen und einfachen Dingen im Alltag.
    Es ist ein Generationending und Lauf der Zeit, die Weiterentwicklung von Technik und einfach allem… Und es wäre auch nicht gut, wenn es keine Weiterentwicklung gebe.
    Differenzieren nach Notwendigkeit ist oft der Ballanceakt, wie wir finden.

  • Reply Artur 12. April 2018 at 8:52 am

    Wieder einmal so ein toller Beitrag danke!

  • Reply Kathrin 13. April 2018 at 3:20 pm

    Diese Thema beschäftigt uns sehr, am meisten das innere Konflikte wenn das Kind was verlangt und finanziell keine Belastung gibt, dann sollte er das bekommen? Wir wünschen uns als Eltern alles für unseren Kindern geben, aber was wenn es unseren Kinder beschädigt? Wenn zu viel ist einfach zu viel?

  • Reply Katja Gosselke 23. April 2018 at 2:40 pm

    Also, ich glaube und sehe das in meiner eigenen Familie, das dieses Phänomen rückläufig ist sobald man als Familie mal wieder näher zusammen rückt!!!
    Wer spielt den heute noch mit Kindern ganz schnöde Gesellschaftsspiele?
    Wer kann als Erwachsener aushalten, die Kinder mal selber was machen lassen ohne immer daran zu denken wie lange das nun wieder dauert oder was es für Zeit kostet anschließend wieder alles aufzuräumen…
    Wenn wir diese Problematik bei unseres Kindern feststellen, so ist das doch eigentlich nur der Spiegel unseres eigenen Tuns und Handeln!!!
    Eltern müssen sich erstens wieder trauen auch Eltern zu sein, sprich auch Grenzen und Regeln aufstellen und diese auch selber einhalten zu können, und auch etwas entspannter werden und nicht immer perfekte kleine Erwachsene haben zu wollen!!!!

    • Reply Käte 30. Mai 2018 at 8:55 am

      Bei meiner siebenjährigen Tochter kann ich das zum Glück nicht beobachten. Sie darf durchaus ab und zu etwas auf Netflix gucken (Paw Patrol steht gerade hoch im Kurs, bei unserer Vierjährigen eher Peppa Wutz), aber nicht jeden Tag und je höchstens zwei Folgen, so dass der im Artikel beschriebene Gewöhnungseffekt nicht eingetreten ist. Ich begrenze das auch sehr bewusst. Die meiste Freizeit verbringt sie zusammen mit ihrer jüngeren Schwester mit Malen, Basteln, Spielen (Verkleiden usw.) und Toben im Garten auf Schaukel/Trapez und Trampolin. Über Langeweile beschwert sie sich nur ganz selten. Ich mache eigentlich gar nichts Besonderes mit den Kindern – mein übliches Nachmittagsprogramm besteht daraus, den Bedarf an Essen und Trinken zu erfüllen (damit vergeht schonmal viel Zeit;-)), mit der Großen ein paar Mal die Woche Klavier zu üben (nicht immer beliebt bei ihr) und sie ansonsten spielen zu lassen, was sie wollen. Die Große geht zudem einmal die Woche zum Chor, den sie sehr liebt. Für die Kleine gibt es Schwimmkurs. Keine scheint sich zu langweilen und ein Gefühl von “alles schon gesehen und gemacht” hat unsere Siebenjährige noch nicht. Hoffentlich bleibt es so, man weiß ja nie!

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