Leben mit Kindern

Teenager-Mama: Darum findet mein Sohn mich so peinlich!

1. September 2020

Im Sommerurlaub haben mein Mann und ich gemerkt: Die Pubertät is here to stay. Die Kindheit unseres Sohnes verabschiedet sich jeden Tag mehr. Das Kind wächst jeden Tag gefühlt 10 Zentimeter. Die Jeans, die letzte Woche noch passten, sind schon wieder zu kurz. Schuhe scheinen sowieso nur noch ein halbes Jahr zu passen. 30 Minuten nach dem Mittagessen kann ein Laib Brot verputzt werden. Aber es passiert auch viel in ihm drin. Es scheint, dass auch wir Eltern über Nacht in ein neues Zeitalter eingetreten sind. Wir sind ab jetzt peinlich, lost, ober-lost. Ich möchte mich auch gar nicht darüber beschweren, daran kann ich mich selbst noch gut bei mir selbst erinnern. Augenrollende Eltern braucht kein Teenie. Aber diese neue Phase in meiner Mutterschaft, die ober-peinliche, darf auch mit Humor eingeläutet werden. Wie sonst soll Mama denn sonst damit zurechtkommen?

Ich bin peinlich oder wie der Sohn es nennt: LOST

“Du bist so lost, Mama. Übelst lost.”

Ich habe einen gut gemeinten Ratschlag zum Referat des Kindes. Ich kann meine Argumente untermauern mit 13 Jahren eigener Schulerfahrung und 135 Referaten vor gelangweilten Kommilitonen im Studium.

“Mama, hör auf mit deinen 80er Jahre Stories. Du bist lost.”

——-

Ich verstehe nicht, warum “Wie die Hose an den Fersen auf die Sneaker fällt” ein Grund dafür ist, eine niegelnagelneue Jeans gar nicht mehr anzuziehen. (Habe ich wirklich “niegelnagelneu” gesagt?)

“Mama, Du verstehst es einfach nicht. Du malst Dir die Wangen rosa an. Hallooooo?”

——

Ich schaue ihm beim “Fortnite” Spielen zu. Der Sohn mit Headset, hoch konzentriert, nur manchmal ruft er “Diggah” oder ” Hello, my name is Sebastian from Berlin.”

“Du, da läuft eine ballernde Frau durch ein Wohngebiet. Das kann nicht gut für Dich sein. Lies lieber mal ein Buch.”

“Mama, ich game hier mit Jason aus Liverpool und lerne dabei ENGLISCH. Du bist lost. Geh aus meinen Zimmer, JETZT.”

——

“Ich habe heute Sophia auf der Straße getroffen. So ein nettes Mädchen, sie hat auch nach Dir gefragt. Verabrede Dich doch mal mit der! Früher, im Kindergarten, habt ihr immer soooo schön gespielt. Ihr könnt ja mal ins Kino oder ein Eis essen……”

“Mama, wie PEINLICH ist das jetzt bitte?” (Spätestens hier komme ich mir vor wie Loriot im Gespräch mit seinem Sohn in “Pappa ante Portas”)

Ich stelle aber auch fest, dass ganz allgemein unsere Lebensführung, wie ich meinen Tag verbringe, wo wir wohnen, worüber ich lache und mit seinem Vater rede, wie ich mich anziehe und schminke nur noch eines ist: Übelst lost.

Die Abnabelung der Kinder ist normal- warum ist das trotzdem so schwer?

Ich weiß, das ist normal. Ich weiß, das ist gesund und ganz natürlich. Unser Kind wird erwachsen, sein eigener Mensch. Das geht nicht ohne Abnabelung und Ablehnung. Nie würde ich ihm das übel nehmen.

Trotzdem: Es fühlt sich so blöd an, wenn man offensichtlich plötzlich zum Trottel mutiert ist. Ich habe außerdem Bedenken, dass ich diesen Trottel-Status jetzt erstmal für die nächsten Jahre gepachtet habe.

Praktisch von heute auf morgen in der Gunst gesunken von 100 auf 3,5. Oder kann man heranwachsenden Kindern einfach nichts mehr vormachen? Könnte sein……

Kürzlich fiel mir ein alter Brief von Sebastian in die Hände:

“Mama, Du bist toll. Ich liebe Dich. Danke, dass Du mir so viel ermöglichst. Du siehst echt toll aus und Dein Humor ist von der feinsten Sorte.”

Momentan hole ich diesen Brief jeden Tag hervor, streiche über die Schrift, halte ihn verliebt an meine peinlich rosa geschminkte Wange und denke wehmütig an diese Zeit zurück. Denn sie kommt nie wieder, so wie sie war. Unser Kind wird uns nie mehr als diese krassen Superhelden sehen, die wir sowieso nie waren.

Aber es besteht Hoffnung, dass die Kinder uns nach der Pubertät trotzdem wieder lieben. Oder?

Ich habe diesen Text dem Sohn natürlich vorher zu lesen gegeben. Schließlich will ich ja, dass er mir später mal ein schönes Seniorenheim aussucht.

Sein Urteil: “Kannste veröffentlichen, aber Du bist echt cringe.”

Ich frage mich wann ich ihm beichten soll, dass ich bald Tanz-Videos auf TikTok veröffentlichen werde……(keine Angst, mache ich nicht!)

Wer von Euch hat Teenies zu Hause? Kommt Euch das bekannt vor?

Guter Beitrag? Teile ihn auf Pinterest!

Das könnte auch interessant sein…

4 Kommentare

  • Reply Daniela Behr- Geiffiths 1. September 2020 at 11:20 am

    So gut geschrieben. “Lese” dich so gerne. Danke!!! Meine Kinder pubertieren noch nicht. Aber die 8-jährige kanns jetzt schon manchmal ein bisschen.

    • Reply Frau Mutter 1. September 2020 at 1:50 pm

      Liebe Daniela, danke für Dein Feedback!

  • Reply Karo 1. September 2020 at 7:04 pm

    Hier! Es ist schlimm; auch einen Jungen. Und er fand mich mal supertoll. Bei Jungs ist die Falltiefe als Mama evt. noch mal höher als bei Mädchen. Hachz – bei uns gibt es aber noch ab und zu Momente, wo er wieder ‚klein‘ ist. Bitte halte uns auf dem Laufenden! Ich finde deine Texte mega und kein bisschen lost.

  • Reply c. 1. September 2020 at 9:13 pm

    Da triffst du den Nagel aber sehr gut auf den Kopf…. kenn ich alles nur zu gut. Mein großer wird jetzt 15. :-/
    Aber am Abend die Füße auf dem Sofa kribbeln, darf ich noch wie früher 😉

  • Kommentieren

    Newsletter abo
    Wöchentlicher Newsletter von Frau Mutter mit den besten Beiträgen und extra Goodies für Euch!
    Nein, Danke
    Danke für Dein Abo. Bitte bestätige Deine E-Mail Adresse. Bitte checke Deine E-Mails und folge einfach den Anweisungen.
    Wir respektieren Deine Privatsphäre und werden Deine Daten nicht an Dritte weitergeben.
    Nichts mehr verpassen und heute den Newsletter von Frau Mutter abonnieren.
    ×
    ×
    WordPress Popup