Leben mit Kindern

Mein Kind will seine Brille nicht tragen: Was tun?

3. Februar 2021

Wie wohl jede Brillenträgerin erinnere ich mich noch genau an den Tag, an dem ich der Kurzsichtigkeit „überführt“ wurde: Zu Besuch bei einer Tante, stellte ebendiese schockiert fest, dass ich ein Schild am Straßenrand nicht lesen konnte. Zu diesem Zeitpunkt war ich neun und mir war sehr wohl seit geraumer Zeit bewusst gewesen, dass meine Augen nicht so gut waren, wie die der anderen Kinder… nur hatte ich es natürlich niemandem gegenüber erwähnt, wollt ich doch unter keinen Umständen eine “Brillenschlange” sein! Tatsächlich wurden wir in den 1980er Jahren so genannt..

Meine Gastautorin Sabine schreibt heute wie es war überhaupt herauszufinden, dass ihr Kind eine Brille braucht, wie sie ihre Tochter an die Brille gewöhnt hat und was man tun kann, wenn das Kind die Brille nicht tragen will.

Meine eigene Brillen-“Karriere”

In den darauffolgenden drei Jahrzehnten habe ich diverse Brillenmoden mitgemacht „Brille tragen“ wurde Teil meiner Kindheit, glücklicher Weise kamen ab Mitte der 80er in Kunststoffmodelle auf, bei denen man selbst die Gläser wechseln konnte – je nach Outfit oder Laune besaß ich ein blaues und ein rosa Brillengestellt – und schwelgte mich im farbenfrohen Pop- Glück der Eighties (rückblickend natürlich ein optisches Massaker, wenn ich meine Brille plus Frisur auf Fotos von damals betrachte…).

In meinen Twens stieg ich erleichtert auf Monats- Kontaktlinsen um, trug und vertrug diese zum Glück auch von morgens bis spätabends, um nicht zu sagen bis zum nächsten Morgengrauen – so ein Tag im Leben eines studierenden Twenty-Something kann schon mal 48 Stunden lang sein, bis die Wolken wieder rosa sind. Als ich mit Dreißig das erste Mal schwanger wurde, war auch diese Phase vorbei: Ein durcheinander geratener Hormonhaushalt dazu schlaffreie Nächte mit zu stillendem Baby brachte trockene Augen – das vertrug sich hinten und vorne nicht mit mehr mit diesen mittlerweile Tageslinsen. Wobei mein größtes Problem in dieser Zeit eigentlich die Tränensäcke waren…

Heute mit Ü-40 habe ich endlich Frieden mit der Brille gefunden – ich bin passionierte Brillenträgerin geworden, mein Mann findet mich mit Brille attraktiver als ohne: „schlau und schön“, manchmal auch „schlau und sexy“, je nachdem.

Anzeichen, dass das Kind eine Brille braucht

Diesen Frieden als Brillenträgerin zu schließen war wohl unumgänglich, denn es kam, was kommen musste: Bei unserer Tochter wurde nun eine Kurzsichtigkeit festgestellt! Die Wahrscheinlichkeit, dass bei drei Kindern nicht auch wenigstens eines meine schlechten Augen geerbt hat, ging ja auch gegen Null, wenn man drüber nachdenkt. Allerdings habe ich das lange nicht bemerkt und so flog unsere Neunjährige offensichtlich eine Weile unter unserem Radar, was ihre Sehleistung angeht zumindest…

Zum Augenarzt gehen

Schlau wie Mama damals, hat sie es gemacht: Ganz unschuldig und schulterzuckend erst in der Augenarztpraxis zugegeben, ihr sei schon manchmal in der Schule aufgefallen, dass sie von hinten die Tafel nicht sooo gut erkennen könne… Allerdings wunderte sich die Augenärztin bei einem Einstiegswert von -2,5 Dioptrin doch etwas (zu Recht) und den streng bis vorwurfsvollen Blick in meine Richtung konnte sie sich nicht verkneifen: „Und Ihnen ist das erst jetzt  aufgefallen?“ wollte sie wissen.

Wie erkenne ich, ob mein Kind eine Brille braucht

Und ich erzählte kleinlaut von dem Sonntag vor nur vier Wochen, an dem meine Tochter die Serientitel aus der Mediathek von der Couch aus nicht lesen konnte. Und als ich sie verwundert darauf ansprach, sofort in Krokodilstränen ausbrach. In dem Moment wusste ich sofort, was Sache war. Es mir fiel, wie Schuppen von den eigenen Augen und ich rief umgehend am Montag in der nächsten Augenarztpraxis an und bekam einen Termin 14 Tage darauf. Zur „Erstuntersuchung“, wie es hieß, die, das war mir sehr klar, nur noch formell vonnöten war, um festzustellen, dass meine Tochter eine deutliche Kurzsichtigkeit von mir geerbt hat.

Was tun, wenn das Kind die Brille nicht tragen will? Einfühlsame Gespräche!

Natürlich teilte ich meiner Neunjährigen gegenüber meiner Erkenntnis nicht gleich so deutlich. Wir sprachen abends unter vier Augen öfters darüber, was es bedeuten würde, eine Brille zu tragen und ich erzählte ihr meine Geschichte, wie es sich damals für mich anfühlte. Wir recherchierten, welche Promis heute Brille tragen und gar Stolz zum Markenzeichen machen und wie viel Prozent der Menschheit Brille tragen. Und wie gut es ist, dass die Optik überhaupt eine Brille erfunden hat! Wir nahmen uns Zeit, uns als ganze Familie an das Thema zu gewöhnen. Die Geschwister wurden ebenfalls unter vier Augen „bearbeitet“ und um einen sensiblen Umgang gebeten.

Die Kinderbrille kaufen: Ein Shopping-Event für Mama und Tochter

„Mama, eigentlich freue ich mich jetzt auf meine Brille,“ sagte unsere Tochter dann das erste Mal, als sie die Verordnung für die Gläser in Händen hielt. Puh, Erleichterung bei Mama und Papa. Aber ihre Vorfreude schwankte natürlich noch. Ich versuchte, ihr das Thema Brillen-Shopping möglichst schmackhaft zu machen und nahm mir extra an einem Freitag für sie frei und befreite sie schriftlich von der Schule.

Ich schrieb der Klassenlehrerin einfach offenherzig, worum es ging und bat sie, es sensibel wie diskret in der Klasse zu handhaben. Dann folgte ein Mama-Tochter-Shopping Trip durch jegliche Optiker dieser Stadt. Am ersten Tag schafften wir sechs Läden, dann war die Konzentrationsfähigkeit vorbei. Wir belohnten uns mit Donuts und neuen Winterschuhen. Am nächsten Tag, ein Samstag, stürzten wir uns erneut ins Getümmel, diesmal eine Freundin und enge Vertraute der Familie im Schlepptau.

Meine Tochter sollte im Mittelpunkt stehen und die Freundin kam als Style-Beraterin mit – anschließend ein Drei-Kugel-Eisbecher mit Sahne und Streusel und strahlendem Kind.

Welches Brillenmodell passt zu meinem Kind? Erfahrungen beim Optiker

Da wir an diesem Punkt jedoch immer noch unentschieden bzw. unsicher waren in punkto „das perfekte Brillenmodell“, nahmen wir uns eine Auszeit von einer knappen Woche und schliefen über die gesehen Brillenmodelle. Wir hatten Handyfotos von der engeren Auswahl gemacht und gingen für daheim nach dem Ausschlussprinzip vor. Nach einer längeren Beratung in einem Kinderbrillenfachgeschäft an Brillenshoppingtag Nummer drei, fiel die Entscheidung: Meine Tochter selbst war an dem Punkt, wo sie endlich ihre Brille wollte.

Wie gewöhne ich mein Kind an die Brille?

Insofern war es wirklich gut, sich ein bisschen Zeit zu nehmen, um mein Kind an die Brille zu gewöhen: An den Gedanken, fortan eine Brille zu tragen, ihre Freundinnen in der Schule nach und nach darüber zu informieren und auch der Oma per Videocall die Nachricht des Jahres zu überbringen, hatte sie sich genug Zeit genommen, jetzt war sie soweit.

Mittlerweile haben wir die angefertigte Brille eine Woche daheim. Wir haben in der Woche bereits einen ersten bzw. weiteren Gang zum Optiker unseres Vertrauens hinter uns gebracht, um die Brille nachzustellen, da sie zu locker war und bei Bewegung die Nase um einen halben Zentimeter runterrutschte. Wir haben den ersten Schockmoment hinter uns, in dem ich dachte, die Brille sei verloren, da nicht mehr auffindbar und Brillenetui leer beim Abholen aus der Schule (sie tauchte am Boden des Ranzens unter der Federtasche wieder auf), es folgte eine Standpredigt von mir und beleidigtes Rumgezicke einer Neunjährigen.

Noch geben wir ihr ein bisschen Karenzzeit und räumen ein, die Brille stundenweise auch mal abzusetzen. Ich denke, das ist fair. Aber bald muss sie sich wohl an die Brille gewöhne, bis sie sich mit dieser versöhnt, so wie ich. Ich hoffe, es dauert nicht auch drei Jahrzehnte, wie bei mir…

Meine Tipps: Was tun, wenn das Kind dieBrille nicht tragen will

  • Tipp 1: Beim Brillengestell unbedingt das Kind entscheiden lassen, lieber eher emotionale Hilfestellung geben und als Eltern beratend beiseite stehen! Das Kind muss die Brille jeden Tag tragen und sollte sich 100%ig wohl damit fühlen.

 

  • Tipp 2: Eine professionelle Beratung bei einem Optiker für Kinderbrillwn ist goldwert und schützt vor Fehlentscheidungen. Im Gegensatz zu manchen Franchise Unternehmen ist im Laden auch ein Optiker vor Ort.

 

  • Tipp 3: Optiker Ketten sind andererseits auch für Kinderbrillen natürlich im Preis unschlagbar. Gerade bei der Erstbrille, tendiert man dazu, die Entscheidung fürs richtige Gestell zu verwissenschaftlichen. Hier gilt es zu bedenken, dass sich der Geschmack des Kindes, die Gläserstärke sowie die Kopfgröße des Kindes innerhalb eines Jahres wenig bis sehr stark verändern wird. Insofern vielleicht eine Hilfe bei der finalen Entscheidung des Brillengestells zu wissen, „wenn‘s in einem Jahr nicht mehr gefällt oder passt, dann wenigstens kein Vermögen ausgegeben…

 

  • Tipp 4: Mittlerweile kann man bei bestimmten Optikern Kinderbrillengestelle kostenfrei mit nach Hause nehmen, um sie dann in Ruhe tagelang vor dem Spiegel auszuprobieren.

 

  • Tipp 5: Schließen Sie eine Brillenversicherung ab, gegen Kratzer wie Verlust, gerade bei Kindern dürfte sich das rentieren!

Das könnte auch interessant sein…

1 Kommentar

  • Reply Uta 4. Februar 2021 at 3:50 pm

    Wie schön, dass das nicht nur bei uns (gleiches Alter) diese Probleme gibt! Allerdings hat uns bei meiner Tochter der Verdacht auf Winkelfehlsichtigkeit zu einem speziellen Optiker geführt. Dieses latente Schielen gleicht das das Gehirn in vielen Fällen aus. Wenn aber Probleme beim Lesen und Schreiben auftreten, kann man da wohl mit einer Prismabrille deutliche Verbesserungen erreichen. WENN der Kandidat die Brille trägt.

    Bei uns war schon die (eingeschränkte) Auswahl des Brillengestells eine mit Tränen begleitete Katastrophe und als die Brille dann da war, wurde sie nicht lange getragen.

    Teurer Spaß leider. Aber immerhin klappt es nun auch so mit dem Lesen und Schreiben auch ohne besser, aber es strengt doch mehr an als es sein müsste…

    Liebe Grüße und viel Glück mit eurer Brille,
    Uta

  • Kommentieren

    Newsletter abo
    Wöchentlicher Newsletter von Frau Mutter mit den besten Beiträgen und extra Goodies für Euch!
    Nein, Danke
    Danke für Dein Abo. Bitte bestätige Deine E-Mail Adresse. Bitte checke Deine E-Mails und folge einfach den Anweisungen.
    Wir respektieren Deine Privatsphäre und werden Deine Daten nicht an Dritte weitergeben.
    Nichts mehr verpassen und heute den Newsletter von Frau Mutter abonnieren.
    ×
    ×
    WordPress Popup