Erfahrungen

Mama verreist alleine: Nach mir die Sintflut

8. November 2011


Sieben Wochen, sieben Monaten oder sieben Jahre nach der Geburt Deines Kindes bricht er durch: der Fluchtreflex. Flucht vor dem Wäscheberg, dem Wickeltisch, den “Warum bin ICH eigentlich nicht mehr die Nummer Eins-Gesprächen” mit dem Mann. Natürlich hat Mutter Natur vorgesorgt und redet Dir bei Deinen Reiseplänen sofort ein schlechtes Gewissen ein. “Warum will ich alleine sein? Warum bin ich denn nicht glücklich und zufrieden zu Hause? Vernachlässige ich meine Familie? Bin ich eine schlechte Mutter? Eine schlechte Frau? Ein schlechter Mensch?”

Das schlechte Gewissen reist mit

Wenn Mutter Natur hier nicht erfolgreich war und Du kein schlechtes Gewissen bei solchen Wünschen hast (Herzl. Glückwunsch!), kommen Dir sicherlich gerne nahe Verwandte zu Hilfe.
”Warum willst Du denn alleine verreisen, Du bist doch jetzt Mutter! Muss ich mir etwa Sorgen machen um Eure Ehe?” Merke: Das ist dann keine EINMISCHUNG, sondern wahrhaftige SORGE. Bitte wiederholen!
Fogende Antwort bietet sich an:“Nein, Du und der Rest der Familie sollte sich Sorgen machen, wenn ich nicht sofort und alleine verreisen kann. Geh weg von der Tür, ICH WILL HIER RAUS!!!!”

Gesagt, getan. Du hast Dich durchgesetzt und verreist für ein Wochenende in ein Wellness-Hotel, zur Freundin oder gleich ins Ausland (Mein Reisetipp: Buche immer Billigflieger, bei den häufigen Flugausfällen muss man den Urlaub zwangsläufig verlängern.)

Wo ist….?

Kaum bist Du am Flughafen klingelt das Handy. Dein atemloser Mann ist dran. “OK jetzt ist es sieben Uhr morgens, jetzt gebe ich ihr den Gemüse-Fleisch-Brei, oder?”
“Nein, jetzt die Milch mit den Reisflocken!”
“Und wo ist die?”
“Na, in der Küche, im rechten Schrank, im zweiten Fach von unten, ganz rechts.”
“Und wo ist die?”
“Die Küche ist in unserer Wohnung, Schatz.”
“Und wo ist die?”
“In Berlin
“Und wo ist das?”
“In Deutchland”
“Und wo ist das?”
“In Europa, auf der Nordhalbkugel”
“Und wo ist das?”
“In der Welt”
“Und wo ist das?”
“Im Alderaan System, der Heimat von Prinzessin Leia.”
(Star-Wars Verweise haben auf Väter wie Söhne eine stets sedierende Wirkung)

Spätestens hier solltest Du einfach das Handy ausschalten. Mach Dir keine Sorgen, Du kannst alleine verreisen. Dein Baby wird versorgt werden. Es wird satt, obwohl es zu jeder Mahlzeit Gemüse-Fleischbrei bekommt. Der Body wird über der Strumpfhose angezogen, so dass die Kleine wie Jane Fonda in ihren besten Aerobic-Zeiten aussieht. Auch wird die Familie nach Deiner Reise nur noch Rosafarbenes tragen, weil Dein Mann die Waschmaschine betätigt hat. Bei Deiner Rückkehr sollst Du ihn loben für seine Bemühungen und ihm versichern, er sei noch die Nummer 1. Sonst kannst Du Deine Reisepläne für das kommende Jahr gleich vergessen!

Foto: Stephan Bratek/pixelio

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5 Kommentare

  • Reply mama007 8. November 2011 at 8:07 am

    Genau. Vor allem der Teil “Bin ich ein schlechter Mensch?” und “Warum willst du ALLEINE verreisen?” .
    Ich hoffe SIE hatten zumindest einen SChlechtes-Gewissen-Freien Urlaub, Frau Mutter!
    Ihre Mama007

  • Reply Kullerkäfer 8. November 2011 at 8:12 am

    Ob es da nicht besser wäre, der Mann fährt weg, sodass frau nur noch EIN Baby zu versorgen hat?

    Interessant bleibt es auch später, wenn das Baby – inzwischen 20 Jahre alt – auf Arbeit anruft und fragt,

    wo denn Mama (sic!) bleibe,
    ob denn Brot im Hause wäre (und wo),
    ob er denn das angekommene Päckchen öffnen dürfe…

    Flucht gelingt IMMER nur mit ausgeschaltetem Händie

    LG Kullerkäfer

  • Reply Reini 9. November 2011 at 12:48 pm

    Oha…da kann ja noch was auf mich zukommen. Ich habe natürlich vor, das alles ganz anders zu machen und Mann und Kind zur Eigenständigkeit zu erziehen…wie Millionen Mütter vor mir sich das auch vorgenommen haben 😉
    Ich schätze, ein wenig Gelassenheit hilft…es wird schon keiner verhungern und erfrieren. Leider bin ich der größte Kontrollfreak des Universums *heul*

    Ich hoffe, Dein Urlaub war frei von Gewissensbissen und Du hast ihn richtig genossen!

    Liebe Grüße
    Reini

  • Reply Andrea 9. November 2011 at 9:24 pm

    Rosa ist noch nichts geworden, was mein Mann gewaschen hat. Kleiner leider eine ganze Menge : -(

  • Reply Mittelmaßmama 13. November 2011 at 10:09 am

    Jetzt weiß ich wieder, warum ich mich für “Karriere” entschieden habe: Alle paar Wochen zwei himmlische Nächte allein in einem großen Doppelbett – in irgendeinem Hotel.
    Morgens ein Frühstücksbuffet mit frisch gekochtem Ei und krossem Speck. Dazu leichte Konversation mit Kollegen. Ihr könnt Euch garnicht vorstellen, wie entspannt Mama nach Hause kommt.

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