Familienalltag mit Humor

Pubertät bei Jungen: Was Mama jetzt lernen muss

6. September 2018
Junge schaut auf Fluss hinaus

Pubertät bei Jungen: Die landläufigen Klischees sind bekannt. Die Jungs werden schlaksig, schießen in die Höhe, kriegen Piepsstimmen. Muffelige und müffelnde Wesen, nur noch im Zimmer und mit dem Bildschirm verklebt. Wir stehen als Eltern nun mit unserem Sohn vor diesem gefürchteten und oft belächelten “Ding”, der Pubertät. Für mich ist super wichtig, dass wir diese Jahre in Liebe verbringen, möge kommen was wolle. Es ist einfach und billig, sich über die Pubertät von Jungen oder Mädchen lustig zu machen und ja, Humor hilft und lässt Herausforderungen kleiner wirken. Andererseits wird den Beteiligten, Eltern wie (Noch-) Kindern, echt viel abverlangt. Übrigens werden Eltern, wenn sie das “Mittelalter” erreichen, ja nicht besser. Die ganze Familie geht also durch eine Phase und die einzig Normale bei uns ist also noch unsere 7jährige Tochter. Die muss jetzt den Laden zusammen halten. Nee, Spaß beiseite. Letztens im Sommerurlaub hatte ich ein Aha-Erlebnis zur beginnenden Pubertät unseres Jungen, von dem ich Euch erzählen möchte.

Pubertät bei Jungen: Junge, Junge, wie aaaaanstrengend

In unserem Sommerurlaub in Italien fing die Pubertät an, ich kann fast genau den Tag sagen. Wir waren mit Freunden in einem Wasserpark. Sebastian war super happy, eeendlich mit einem Gleichaltrigen spielen (oder sollte ich sagen “chillen”?) zu können. Komisch, durch Kirchen und Schuhläden trotten fand er gar nicht so toll wie die Eltern. Kaum hatten wir unseren Liegeplatz belegt, war er auch schon weg und kam die nächsten Stunden nur kurz zum Wasser trinken und Chips essen zu uns.

Schließlich suchten wir den ganzen Wasserpark ab und fanden ihn mit seinem deutschen Freund an einer Attraktion, in der man auf einem gelben Luftreifen in einen Strudel fährt. Aber er war nicht allein. Bei den beiden schwammen vier halbwüchsige (halbstarke!) Jungs. Ich schaltete sofort in den “Glucken-Mama”-Modus”. “Wer ist das, wollen die irgendwie Ärger, Mama muss Brut beschützen….!” So etwas schoss mir durch den Kopf.

Nun habe ich schon ein bisschen dazu gelernt. Ich schwamm also betont lässig und “gechillt” auf meinem gelben Luftreifen an die Jungs-Gruppe heran, während ich meinen Mann suchte, als weitere Respektsperson.

“Hallo Sebastian. Hier ist Maaaama!” (Okay, nicht besonders lässig. Das ich das bin, konnte er ja nun auch sehen. Aber ich wollte halt klarmachen, dass Muddi nun da ist. Und “Mama” ist ja schließlich auch ein italienisches Wort)

 

“Mama, geh weg!”

Die Antwort des Sohnes war:

“Mama, geh weg. Ich rede mit Italienern. ”

AHA. SOSO. Ich schaute wohl recht verdattert, während ich versuchte mich auf meinem Luftreifen an der Wand festzuhalten, damit ich nicht weiter strudelte.

Massimo, Luca und Andrea lächelten höflich. Die Situation wurde etwas peinlich, als noch mein Mann mit großem “Wohoo” auf seinem Luftreifen angeplantscht kam.

“Ey, Alter. Schwimmt mal WEITER.”

“Okay, wir dürfen AUCH hier sein und schwimmen hier in der Nähe, okay?” Warum klang ich gerade wie meine eigene Mutter in meiner Pubertät?

Die Alten schwammen also weiter, immer in Blicknähe.

Loslassen, um das Kind wachsen lassen zu können

Ich sah den Sohn, wie er fröhlich lachte, gestikulierte und mit den großen Jungs redete. Bei der nächsten Runde schaute ich beim Vorbeischwimmen betont in die andere Richtung,  schnappte aber Wortfetzen auf.

“Do you know Mario Balotelli?”
“Yes.”
“You like?”
“Yes, I like.”
“But I like Zlatan also.”
“Zlataaan.”

Und plötzlich war ich einfach nur glücklich. Mein Sohn ging auf andere (groooße!) Jungs zu und redete mit ihnen, kommunizierte in einer anderen Sprache und knüpfte Kontakte. All die Nachmittage, in denen wir “Englisch- Vokabeln lernen ist wichtig, dann kannst Du Leute aus anderen Ländern verstehen” predigten, waren plötzlich nicht umsonst. Die Werte, die wir ihm vorleben, unsere “Erziehung” wenn man so will, sah ich plötzlich in diesem Moment im Wasserpark-Strudel auf meinem gelben Luftreifen von meinem Sohn angewandt und umgesetzt.

Irgendwann kamen die beiden Freunde mega stolz und gefühlt zehn Zentimeter größer zu uns.
“Mama, ich habe mit 15Jährigen geredet. Auf Englisch!”

“Wie chillig!” Sohn Augen rollend ab.

Pubertät von Jungen ist auch etwas Schönes! WIRKLICH!

Die Pubertät mit unserem Jungen wird sicher nicht immer ein Spaziergang, aber an diesem Tag habe ich eins begriffen: Dein Kind entfernt sich von Dir, damit es wichtige, EIGENE Erfahrungen machen kann. Du musst Dein Kind loslassen und Vertrauen haben. Du warst ein gutes (und manchmal schlechtes) Vorbild, Deine Werte hast Du weitergegeben. Alles wird gut!

Aber “Geht weg” tut trotzdem noch ein kleines bisschen weh…. Hoffen wir einfach, dass wir Eltern in ein paar Jahren wieder “Kommt her” hören werden.

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8 Kommentare

  • Reply tine 6. September 2018 at 11:42 am

    Hallo Nina, oh ja die Pubertät. Ich denke wir sind auch bald mittendrin, allerdings zuerst mit der Tochter und dann mit dem Sohn. Das wird bestimmt sehr interessant werden. Ich hoffe nur wir können es cool angehen 😉 schließlich haben wir das alle durchgemacht. Aber wenn dieses “loslassen” nicht immer so schwierig wäre
    Ganz viel Kraft und eine Portion Humor 🙂
    VLG

    • Reply Frau Mutter 6. September 2018 at 1:11 pm

      Hallo Tine, danke für dein feedback und Dir auch alles Liebe! gruß nina

  • Reply Melinda 7. September 2018 at 10:14 am

    Super Artikel, ja läuft bei uns auch so ähnlich….

  • Reply Nicole 13. September 2018 at 2:27 pm

    Es gibt so einen schönen Spruch von Mark Twain, den man sich in den “schwierigen Zeiten” ins Gedächnis rufen sollte: ” Als ich 14 war, war mein Vater so unwissend. Ich konnte den alten Mann kaum in meiner Nähe ertragen. Aber mit 21 war ich verblüfft, wieviel er in 7 Jahren dazugelernt hat”. Auch wir werden alle diese Jahre mit unseren Kindern schaffen und Erfahrungen sammeln….;-)

    • Reply Frau Mutter 13. September 2018 at 3:37 pm

      Das ist ein sehr guter Spruch, Nicole. Sehr weise, der Herr Twain. lg nina

  • Reply Frau Göllner 20. September 2018 at 12:22 pm

    Ach, wie oft ich “GEH. WEG.” von meiner nicht mal 5jährigen Tochter schon gehört habe, kann ich gar nicht mehr zählen. Ich bin also bestens vorbereitet auf die Pubertät 😉

  • Reply TanjaR. 15. November 2018 at 11:05 am

    schöne Randnotiz, aber zu einem Thema (gehen lassen,- frei sein lasen), das mich jetzt nicht so schreckt oder trifft. Ich finde andere Punkte viel belastender und herausfordernder: das Ein-Igeln, der Widerstand, das nicht mehr funktionieren altbewährter Kommunikation, Autoritätsverlust… — das alles finde ich viel gravierender und viel schlimmer, damit zurecht zu kommen, – als meinen Sohn eine Strasse weiter entfernt von der Bushaltestelle absetzen zu müssen, damits nicht “oberpeinlich” wird …

  • Reply Heidi 17. Mai 2019 at 7:44 am

    Ich habe schon 2 Jungs durch die Pubertät bekommen. Beide wurden rebellisch. Für beide wurde die Schule zum Monster. Einfach “ziehen” lassen, sich mit seinen Kumpels treffen lassen, ist das Eine. Das Andere ist, ….. mit wem trifft sich der pubertäre Junge? Umgang formt den Menschen. Resultat: 1. Junge (hochbegabt), traf sich mit gut situierten Leuten, da das Milieu in unserem Umfeld noch gut war. Aber zunehmend wurde er fauler und schulunlustiger und schafft wegen viel Freiheit von Mama nur den Hauptschulabschluss. Er hat keine Ausbildung durchgehalten und versucht jetzt, mit 21 jahren, sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser zu halten.
    2. Junge ist jetzt 16 und trifft sich wegen viel Freiheit von Mama mit Leuten aus dem Drogenmilieu. Schule wird seit 1 Jahr geschwänzt, dann mal wieder besucht und letztlich gänzlich verweigert. Mama darf ihn nicht einsperren, darf ihn nicht zur Schule schleifen, darf ihn nicht “züchtigen”, sonst wird es von dem eigenen Kind angezeigt, weil die kids ja ihre Rechte kennen, ….. sondern muss zusehen, wie das eigene Kind ins Verderben rennt. Und wenn es dann nach 2 Wochen völlig verwahrlost mal wieder zu Hause kommt und um Liebe und Einlass bettelt, sagt Mama natürlich JA, mein Kind. Also ganz so einfach ist es mit dem “Loslassen” nicht. Wir haben uns die Typen angeschaut, mit denen er sich traf, wir haben mit denen auch gesprochen, aber umso mehr wir unserem Kind die Risiken zu solchem Umgang erklärten, umso mehr fühlte er sich zu denen hingezogen. Unsere innige Liebe zueinander zeigt lediglich, dass sie wissen, dass sie immer zu ihrem Elternhaus zurückkehren können, dass wir bedingungslos hinter ihnen stehen. Was Eltern dabei aushalten müssen, ist Hochleistungssport. Wer auf dem Land wohnt, hat wahrscheinlich mehr Glück als Kinder, die in einer Großstadt aufwachsen. Viel Glück für alle Eltern, bei denen die Pubertät bei ihren Kindern noch bevor steht. 😉

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