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Pubertät: Wenn aus Kindern Persönlichkeiten werden

14. Januar 2019
Kind am Berg

(Anzeige/Gastbeitrag) Lernen und Pubertät – geht das überhaupt zusammen? Viele Eltern würden die Frage wohl mit einem deutlichen Nein beantworten. Ich glaube, dass das ein Missverständnis ist. Das Gehirn der pubertierenden Kinder und Jugendlichen ist ja nicht außer Betrieb. Es wird nur umgebaut. Unser Nachwuchs ist während der Pubertät von allem etwas: gleichzeitig kleines Kind und Erwachsener, verletzend und verletzbar, fremdbestimmt und individuell, lernfaul und wahnsinnig kreativ.

Nein, das Gehirn ist nicht geschlossen, wie es eine Mutter während des letzten Studienkreis-Talks nannte. Stellen Sie sich einfach vor, Ihr Kind ist ein zwölf Jahre altes Einfamilienhaus. Sie wollen gründlich umbauen, weil Sie einige Räume nicht mehr brauchen, andere dafür größer werden müssen. Leider gehen Sie dabei nicht planvoll vor, sondern fangen an verschiedenen Stellen an, immerzu steht alter Kram im Weg, das Neue kann noch gar nicht wirken. Alles dauert viel zu lange, aber irgendwann ist es geschafft.

So ist es auch bei den Kindern: Während der Pubertät werden sie nicht nur geschlechtsreif. Sie bilden die Persönlichkeit aus, die sie erkennbar zu einem besonderen Menschen machen. Ein wahnsinnig spannender, aber eben auch anstrengender Prozess. Als Eltern ist es unsere Aufgabe, die Jugendlichen auf diesem Weg zu begleiten und darauf zu vertrauen, dass aus ihnen tolle Erwachsene werden.

Schulsystem ist nur bedingt für Pubertierende geeignet

Wenn nun auf diese chaotische Baustelle ein äußerst geordneter, strukturierter Bauleiter kommt, wird’s schwierig. Der Bauleiter ist in unserem Fall die Schule. Natürlich könnte sich der Bauleiter an manchen Stellen etwas mehr auf die chaotischen Auftraggeber einlassen. Stichwort: positive Verstärkung. Jugendliche sind sehr gut, wenn sie aktiv und kreativ arbeiten können, weniger gut hingegen beim stupiden Auswendiglernen.

Sie sind entdeckungsfreudig, meinungsstark und durchaus motiviert. Und sie reagieren wenig auf Kritik und stark auf positive Verstärkung. Deshalb spielen sie auch so gern Computerspiele. Die bedienen Faktoren wie Kreativität, Aktion, positives Feedback. Schule jedoch muss auf viele Kinder und Jugendliche gleichzeitig Rücksicht nehmen, muss bestimmtes Wissen vermitteln, folgt einem Rahmenplan. Da hilft dann manchmal nur stupides Auswendiglernen. Da die Jugendlichen in der Pubertät vor allem wissen wollen, warum sie etwas lernen sollen, ist das eine schwierige Zeit.

Allerdings sollten wir das System Schule nicht über alles stellen. Sie ist ja ein wichtiger, aber nicht der einzige Lernort. Zentral ist, dass die Jugendlichen die Möglichkeit haben, positive Lernerfahrung zu machen. Oft hat das mit Inhalten zu tun, die nicht oder nur sehr begrenzt in der Schule thematisiert werden. Wenn Schule die Möglichkeiten nicht bietet, kann dies etwa durch Sportverein oder Theatergruppe kompensiert werden.

Das positive Erleben färbt dann auch häufig wieder auf die schulischen Lernleistungen ab. Und auch, wenn die Jugendlichen sich abgrenzen und erwachsen wirken, sollte man dennoch Unterstützung anbieten – gerade wenn Dinge nicht optimal laufen. Ein Signal wie „Ich sehe dich, ich sehe, wie du dich bemühst, aber du musst noch nicht alles allein schaffen. Ich bin für dich da, wenn du mich brauchst“ beschämt das Kind nicht und gibt ihm den nötigen Halt in schwierigen Phasen.

Motivieren in schwierigen Zeiten

Hinzu kommt: Kritik prallt direkt ab, die wird gar nicht verschaltet in den Gehirnzellen. Jugendliche selbst können allerdings gut austeilen und legen mit Vorliebe den Finger in die Wunde, sprich: in unsere Schwächen. Eltern sind nicht mehr die strahlenden Helden, ihr Verhalten wird hinterfragt. Wer mit sich selbst im Reinen ist, hat es da leichter.

Ansonsten muss man einfach lernen, nicht alles persönlich zu nehmen. Jugendliche verletzen meistens nicht absichtlich. Besser ist es, die kleinen positiven Dinge im Alltag zu sehen, eine helfende Hand hier, ein freundliches „Guten Morgen“ dort – nehmen Sie es wahr, erkennen Sie es an. Bleiben Sie zugewandt und liebevoll, auch wenn es schwerfällt. Darauf reagieren Jugendliche sensibel!

Alles im Griff – oder auch nicht

Je älter die Jugendlichen werden, desto länger muss die Leine werden. Sie müssen immer mehr Verantwortung für sich und ihr Tun übernehmen. Da ist es natürlich hilfreich, dass sie grundsätzlich alles im Griff haben und allein können. Wenn dann allerdings die Englisch-Arbeit verhauen ist, liegen bei uns Erwachsenen schnell die Nerven blank.

„Du musst…“ hilft dann überhaupt nicht. Besser: erfragen, wie Sohn oder Tochter denn gelernt und woran es aus ihrer Sicht gelegen hat, dass das nicht funktioniert hat. Dann darf auch mal ein Tipp gegeben werden, welche Strategie er oder sie beim nächsten Mal ausprobieren könnte.

Und wenn Sie trotz aller Bemühungen doch verletzt, Ihre Grenzen überschritten sind, Sie keinen Zugang zu Ihrem Nachwuchs finden, in der Schule alles drunter und drüber geht – lassen Sie es mal raus. Es darf auch mal krachen. Ein Gewitter reinigt die Luft.

Max Kade, Pädagogischer Leiter Studienkreis

Der Autor:

Max Kade ist Pädagogischer Leiter des Nachhilfeanbieters Studienkreis und ausgebildeter Lehrer. Als Vater von zwei Jugendlichen ist er auch privat zum Experten in Sachen Pubertät gereift.

 

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