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Feminismus im Animationsfilm: Collien Ulmen-Fernandes über ihre Rolle bei “Mister Link – Ein fellig verrücktes Abenteuer”

31. Mai 2019

(Anzeige) Der Feminismus hat Einzug gehalten im Animationsfilm, hurra! Ich durfte für Euch vorab den neuen Kinder- und Familienfilm “Mr. Link – Ein fellig verrücktes Abenteuer” anschauen und mit Collien Ulmen-Fernandes über ihre ganz besondere Synchronrolle im Film sprechen. Als Mutter habe ich schon viele Animationsfilme gesehen. Da geht es häufig um Werte wie Selbstvertrauen, Mut und Freundschaft, aber noch häufiger wird Kindern immer noch die traditionelle Prinzessinnen-Geschichte gezeigt. Vorhersehbare Plots, traditionelle Rollenmuster, passive Frauen als “Deko”. Dieser Film ist wirklich etwas besonderes, denn er zeigt eine Handlung und weibliche Hauptrolle, die stark von herkömmlichen Erzählmustern abweicht. Colliens Rolle, Adelina Fortnight, ist so gar nicht gefällig und dekorativ, hat ihren eigenen Kopf und setzt sich durch. Ich habe mit Collien über diese Traumrolle und die Bedeutung von Gleichberechtigung und Emanzipation bei Kinderfilmen gesprochen.

“Mr. Link – Ein fellig verrücktes Abenteuer”: Worum es im Film geht

Der charismatische Sir Lionel Frost (herrlich “snobby” gesprochen von Christoph Maria Herbst) hält sich selbst für den weltführenden Erforscher von Mythen und Monstern – was seine kleinkarierten High Society Kollegen allerdings ganz anders sehen. Um endlich von dieser Abenteurer-Elite akzeptiert zu werden, begibt sich Sir Lionel auf eine Reise mit dem Ziel, die Existenz des legendären Vorfahren des Menschen, des sagenumwobenen ‚Missing Link‘, zu beweisen.

Und tatsächlich wird er fündig: Das Wesen, das er Mister Link (gesprochen von Bastian Pastewka) tauft, entpuppt sich als harmlose, überraschend clevere und gefühlvolle Kreatur. Mister Link ist der Letzte seiner Art und deswegen sehr einsam. Doch er hat noch eine Hoffnung: An einem sagenumwobenen Ort namens Shangri-La sollen einem Gerücht nach entfernte Verwandte von ihm leben! Sir Lionel muss nicht lange überredet werden und die beiden ziehen gemeinsam los. Unterstützt werden sie dabei von Adelina Fortnight (Collien Ulmen-Fernandes), einer unabhängigen und klugen Abenteurerin….

Collien Ulmen-Fernandes: “In Kinderfilmen brauchen wir mehr starke Frauenfiguren”

Was hat Dich an diesem Film fasziniert? Warum wolltest Du die “Adelina Fortnight” synchronisieren?

Ich finde toll an der Figur der “Adelina Fortnight”, dass sie tatsächlich zur Handlung beiträgt und die Weichen stellt. Ich kenne das selbst als Schauspielerin ganz anders. Gerade in Roadmovies sind weibliche Rollen oft so gestaltet, dass die “Jungs es machen”, also die Handlung voran treiben, und man selbst als Frau trottet hinterher. Adelina ist stark und unabhängig und eben alles andere als passiv.

Dieser Film zeigt ja auch eine kleine Liebesgeschichte, die so ganz anders erzählt wird, wie wir das sonst aus Filmen kennen. 

Ich bin sehr dankbar für diese Rolle und dafür wie der Film erzählt wird.  Das Ende ist wirklich überraschend, aber an mehreren Stellen im Film wird mit Geschlechterklischees gebrochen und das ist wirklich mutig.

Hat die klassische Prinzessinnen-Geschichte ausgedient und sollten wir mit unseren Kindern mehr Filme wie “Mr. Link” anschauen?

Definitiv sollten wir das! Nach meiner Ansicht hat die klassische Prinzessinnen-Geschichte leider noch nicht ausgedient. Im Gegenteil. Ich finde, dass traditionelle Rollenmuster in Kinderfilmen immer noch sehr präsent sind. Gerade auch durch das Gender-Marketing beispielsweise im Spielzeug-Handel oder auch bei Bekleidung wird das noch verstärkt. Da sieht man dann auf Zahnbürsten und Co. wieder nur passive, dekorative weibliche Figuren, während das männliche Pendant mutig und aktiv sein darf. Zu diesem Ergebnis ist übrigens auch meine Dokumentation bei ZDF-Neo “No more boys and girls” gekommen. (sehr sehenswerte Doku, Anm. der Redaktion).

Wir machen gerade eine Rolle rückwärts hin zu konservativen Geschlechterrollen und als Eltern müssen wir hier gegensteuern!

Du bildest als “Adelina Fortnight” wahnsinnig viele Stimmlagen ab. Wie bereitest Du Dich eigentlich für eine Synchronrolle vor?

Es war mir wichtig, dass Adelina eher eine tiefe Stimme hat, ich wollte aber nicht durchgängig so sprechen. Gerade auch, wenn sie ihre sanfte Seite zeigt und sich für Mr. Link einsetzt, spricht sie höher. Das war eine super Zusammenarbeit mit dem Synchronregisseur. Ich war mir anfangs überhaupt nicht sicher, ob ich Synchronsprechen überhaupt kann, das positive Feedback hat mir sehr geholfen. Ich habe mich vorher immer “eingesprochen”, aber ansonsten habe ich mir das Synchronsprechen autodidaktisch im Prozess beigebracht.

Man hat ja beim Synchronsprechen kein Gegenüber, wie ist das denn?

Ich habe quasi mit Hugh Jackman gespielt. Ich hörte seine Sätze auf englisch und musste ihm dann auf deutsch antworten! (spricht Sir Lionel Frost in der Originalversion, Anm. der Redaktion) Interessant war es dann später meinen Gegenpart auf deutsch, also Christoph Maria Herbst zu hören.

Was nimmst Du von der Rolle der Adelina für Dich persönlich mit?

Ich finde es wichtig, dass man lernt als Frau auch mal auf den Tisch zu hauen. Ich bin ja klein und zierlich und da hat man noch mehr gegen Klischees zu kämpfen. Adelina ist keine “klassische Beauty”, sie sieht auch aus wie eine emanzipierte Frau. Ich finde es toll, dass Laika sich getraut hat (die Produktionsfirma, Anm. der Redaktion) so eine Frauenfigur zu erzählen, die eben nicht gefällig ist und auch nicht so aussieht. Gerade in einem Animationsfilm ist das sehr besonders.

Ich bin bei meiner Tochter ständig dabei Bücher, Serien und Filme mit zu traditionellen Rollenmustern auszusortieren. Ich bin auch sehr dankbar für Maria Furtwänglers Studie. In Animationsfilmen für Kinder kommen bsw. auf neun männliche Tierfiguren eine weibliche, die dann auch noch tendenziell eher passiv ist. Figuren wie Adelina gibt es leider noch viel zu selten!

Liebe Collien, danke fürs Interview und viel Erfolg für diesen wichtigen Film!

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