Reisen mit Kindern

Unser Haustausch: Die Idee für den nächsten Familienurlaub?

19. April 2018
Haustausch

Haustausch. Ist das jetzt DIE Idee für einen kostengünstigen Familienurlaub oder kauft man da eher die Katze im Sack? Ist das vielleicht sogar wie früher beim Schüleraustausch? Kürzlich haben wir mit einer Londoner Familie für eine knappe Woche die Häuser getauscht und ich habe sooo viele Zuschriften dazu von Euch bekommen. Ihr habt Euch zum Thema Haustausch einen Erfahrungsbericht sehr gewünscht, hier ist er!

Haustausch: Wie kommt man überhaupt dazu?

Tatsächlich wurde ich schon oft über den Blog von kommerziellen Seiten für Haustausch kontaktiert, aber ganz ehrlich war uns das zu sehr mit Risiko behaftet. Schöne Bilder machen kann heutzutage jeder und was ist, wenn man dann in einer pittoresken Betonwüste landet, anstatt in der Villa mit Seeblick und S-Bahnanschluss?

Mein Mann arbeitet in einer internationalen Firma und ist gut vernetzt mit all seinen ausländischen Kollegen. Vor einem Jahr stand schon mal Dublin auf dem Haustausch-Programm, aber das hat dann doch nicht funktioniert. Als nun Londoner Kollegen einen Haustausch vorschlugen, waren wir sofort dabei. Mein Mann ist in dieser Stadt aufgewachsen und wir alle sowieso sehr anglophil. Also haben wir recht schnell Nägel mit Köpfen gemacht. Natürlich kann so ein persönlicher Bezug auch von Nachteil sein ( und Haftpflichtversicherungen machen auch hier sicher Sinn), aber wir hatten so ein besseres Gefühl, schließlich vertraut man auch sein Hab und Gut Anderen an.

Haustausch in London und Berlin

Über Ostern fuhren wir also nach good old England und bezogen unser Haus in der Nähe des Arsenal-Stadiums (ja genau, inklusive “Pint” drinkenden Fans am Samstag). Joe, die Katze, war auch Bestandteil des Deals und täglich zu versorgen. Die englische Familie wohnten bei uns am grünen Rand Berlins. So far so good. Really?

Haustausch

Das Leben der anderen leben

Wie bei einem Schüleraustausch lebt man für eine gewisse Zeit “das Leben der anderen”, was interessant ist und den Horizont erweitert, aber natürlich nicht wie im Hotel ist. Natürlich gibt es kulturelle Unterschiede. Während ich wie eine “schwäbische Hausfrau on Steroids” noch vor der Abfahrt unser Haus geputzt habe, präsentierte sich das englische Haus eher im bewohnten Zustand. Die cleaning lady würde sowieso ein Tag später kommen, also warum der Stress. Ja, warum eigentlich?

Andere Länder, andere Sitten. Jede Nationalität hat tatsächlich eine andere Auffassung von Ordnung und jede Familie lebt anders, auch bei uns. Dafür erwartete uns ein herrliches Frühstück mit der weltbesten Peanut Butter und Weetabix. Auch bei unserer Rückkehr nach Berlin wurden wir bekocht. Jolly good!

Auch ein wichtiger Punkt: In Deutschland genießen wir einen sehr guten Lebensstandard, in anderen Ländern und Städten, gerade London, muss man horrende Kauf- und Mietpreise berappen, so dass man sowieso einfach enger und weniger komfortabel wohnt. The “Preis-Leistungsverhältis” doesn’t live here, sorry. Eine gewisse deutsche Erwartungshaltung, wie was, wann und in welcher Qualität zu sein hat, ist beim Haustausch (oder beim Reisen generell) also nur hinderlich.

Gerade auch beim Thema Haustiere muss man vorher wissen: Will ich das (die Kinder sagen JAAAA), gibt es vielleicht sogar Allergien und fände ich es schlimm, wenn die Katze dann doch morgens ins Bett hüpft und neben der Butter auf dem Esstisch spazieren geht. Eines Morgens hatte Joe, die Haustausch-Katze sich auch den Küchenfußboden übergeben. Es ist gut, wenn dann wenigstens ein Katzenfreund das wegmachen will.

Haustausch Regeln helfen! (sagen die Deutschen…)

Was beiden Familien geholfen hat, ist eine Art “Gebrauchsanweisung” für die jeweiligen Häuser. Wie funktioniert die Spülmaschine, wie der Herd, welche Tür ist wie abzuschließen und welches Futter möchte die Katze wann essen?

Gerade auch bei Familien sollte man mit den Kindern vorher abklären: Mit welchen Sachen dürfen die anderen Kinder spielen, welche Lieblingsteddys sind tabu? Das haben wir nicht gemacht, aber beim nächsten Mal würde ich das anders machen. Wir fanden es okay, dass alles gegessen und getrunken wird. Aber ich habe mich ja auch nicht bei den Diamantringen meiner Haustausch-Partnerin bedient. Für Kinder ist manches eben auch wertvoll und sie müssen vielleicht nicht alles teilen.

 

Haustausch ist wie Schüleraustausch

Als Jugendliche habe ich unzählige Schüleraustausch-Programme mitgemacht. In Canada sagten mir die Gasteltern, ich würde zuviel essen. In der Bretagne wurde ich täglich mit frischen Crèpes gefüttert. Am Gardasee habe ich mich verliebt (ins Essen) und in London jeden Nachmittag mit den süßesten Kindern ever gespielt. Aber keine Wattepads in die Toilette werfen durfte ich. Under no circumstances! Immer bin ich mit ganz vielen Erwartungen losgereist und wurde dann positiv (und auch manchmal) negativ überrascht. Gut getan hat es mir immer.

Wir verreisen um zu sehen, wie es anderswo ist und vielleicht auch, um zu hinterfragen, ob wir das alles so richtig machen in Deutschland oder ob es auch anders (besser) geht. Haustausch macht toleranter und man erlebt wirklich einen Einblick, wie eine Familie in einem anderen Land lebt. Gleichzeitig lernt man sein eigenes Land wieder ein bisschen mehr schätzen oder das, was man zu Hause hat.

Auch ist natürlich super, dass man viel mehr Platz hat, als wenn man in einem kleinen Hotelzimmer wohnen würde,  eine Küche und immer genug Spielsachen, wenn man sich mal von der letzten Museumstour ausruhen will.

Wir alle, gerade auch unsere Kinder, haben den Haustausch sehr genossen. Es ist eben so: Andere Länder, andere Sitten!

Habt Ihr schon mal einen Haustausch gemacht oder plant Ihr einen? Ich freue mich über Kommentare und Tipps!

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