Leben mit Kindern

Schwiegereltern Probleme? Wie mein Verhältnis zu den “Schwiegis” besser wurde

13. November 2018

Schwiegereltern Probleme kennt fast jeder von uns. Es ist sehr selten, dass man sich mit  Schwiegermutter und Schwiegervater bestens versteht. Bei uns war und ist Humor der Kitt, der Familienfeiern zusammenhält. Wenn man zusammen lachen kann, verbindet das, obwohl man vielleicht trotzdem vollkommen unterschiedlich ist. Bei meiner Gastautorin Sarah war das nicht so. Sie hatte immer das Gefühl, das die lieben Schwiegereltern von einem ganz anderen Planeten kommen und man tatsächlich nicht dieselbe Sprache spricht. Auch fühlte sie sich als Schwiegertochter nicht richtig angenommen. Sie erzählt uns heute ganz offen, wie sie gelernt hat, damit umzugehen.

Schwiegereltern Probleme oder: Ein bizarres Verhältnis….

Lernt man schlussendlich den Partner fürs Leben kennen und beschließt, den Rest dieses besagten Lebens mit ihm verbringen zu wollen, heiratet man meistens automatisch noch ein mehr oder weniger großes Stück „Fremdfamilie“ mit. Das kann super oder nicht so super sein…Denn nur weil man seinen Partner liebt, heißt das eben noch lange nicht, dass man das auch für seine Familienmitglieder empfindet.

Im Falle von meinen Schwiegereltern und mir würde ich salopp von einer zeitweise doch recht belustigenden Koexistenz sprechen, in der man sich gegenseitig akzeptiert und versucht bestmöglich miteinander auszukommen, auch wenn das nicht immer ganz so einfach ist.

Ich beobachte das bizarre Verhältnis zwischen ihnen und mir nun schon seit über 7 Jahren. Nach anfänglichen Schwierigkeiten der Akzeptanz meinerseits, inzwischen mit zunehmender Belustigung und amüsierter Verblüfftheit. 

Unsere Herkunftsfamilien könnten unterschiedlicher nicht sein

Meine eigenen Eltern waren immer sehr locker, in jeglicher Hinsicht. Ich bin mit zwei jüngeren Schwestern aufgewachsen und wir wurden nach dem Prinzip des Vertrauensvorschusses erzogen. Kurzum: Wir durften so lange mehr oder weniger machen was wir wollten, bis etwas schiefging. Unser heutiges Verhältnis würde ich als zwanglos und freundschaftlich beschreiben.

Bei meinem Mann und seinen Eltern ist das Ganze etwas anders. Er ist das jüngste von drei Kindern und der einzige Junge. Mein Schwiegervater ist Gymnasialdirektor und meine Schwiegermutter Französin – dort herrschte ein etwas anderes „Klima“. Sehr autoritär, sehr streng, sehr kurze Leine, viele Verbote. Probleme wurden totgeschwiegen.

Bis heute ist das Verhältnis zwischen meinem Mann und seinen Eltern zwar auf der einen Seite freundlich und respektvoll, aber insgesamt einfach furchtbar steif. Schwierige Themen bespricht man am allerliebsten per Email…auf keinen Fall „Auge in Auge“ an einem Tisch.

Für mich, mit meiner liberalen Erziehung und meiner offenen Art und großen Klappe, ist diese Konstellation denkbar schwierig. Ich weiß auch nach so vielen Jahren einfach nie, worüber ich mich mit meinen Schwiegereltern unterhalten soll. Sie wirken auf mich so verklemmt und verschroben – wir haben auch irgendwie gar keine gemeinsamen Themen und scheinbar fehlt das gegenseitige Interesse und Verständnis.

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Pflichtprogramm Schwiegereltern Besuch

Besuche bei meinen Schwiegereltern laufen immer nach dem gleichen Schema ab. Wir kommen dort an. Es gibt einen Aperitif im Wohnzimmer. Anschließend Mittagessen. Dazu Wein. Um ein extra Glas Wasser muss ich nach all den Jahren leider immer noch jedes Mal bitten. Bei Tisch werden meinem Mann von meiner Schwiegermutter die neuesten Todes- und Krankheitsfälle, aus dem Mini-Kaff in dem man wohnt, erzählt.

Wenn ich in das Gespräch eingebunden werde, dann immer auf die gleiche Art und Weise: Ich werde gefragt wie es meiner Mutter geht. Anschließend bin ich wieder raus und es werden die aktuellen Geschehnisse und Heldentaten der Familie meiner Schwägerin zum besten gegeben.

Ich stelle mir einfach Hundewelpen vor und trinke noch ein Glas Wein

Ich beschäftige mich währenddessen mit der Nahrungsaufnahme unserer Kinder, denke an Hundebabys und hoffe, dass der Wein schnell in meinem Hirn ankommt und das Ganze etwas smoother macht.

Wenn wir dann damit fertig sind, wird eine „Dorfrunde“ also ein kleiner Spaziergang unternommen, der vor allem dazu dient, dass auch die letzte Oma im hintersten Winkel des Ortes mitbekommen hat, dass meine Schwiegereltern Sonntagsbesuch von ihrem Sohn und Familie haben. Das ist ganz wichtig!

Aber seit wir die Kinder haben, ist es etwas einfacher geworden für mich. So kann ich mich bei Besuchen auf die Kinder konzentrieren und bin abgelenkt und habe „was zu tun“. Außerdem lockern die Kinder durch ihre natürliche Fröhlichkeit das Ganze einfach etwas auf.

Schwiegereltern Probleme und wie ich zu mehr Gelassenheit kam

Und inzwischen nehme ich all das wirklich gelassen. Es sind ein paar Stunden, alle paar Wochen und die gehen im Grunde schnell vorbei und danach ist erstmal wieder Ruhe. Das war aber nicht immer so. Am Anfang habe ich mich sehr viel, vor allem über meine Schwiegermutter, aufgeregt. Es verging damals kein Treffen, bei dem sie nicht unter Beweis stellen musste, wie vermeintlich gut sie ihren Sohn doch kennt.

Die Pfeilspitzen in meine Richtung schoss sie äußerst geschickt und immer genau in den Momenten, wenn es außer mir auch sonst kein anderer mitbekam. So wurde ich an der Haustür zum Beispiel mit dem Satz: „Ich küsse dich jetzt nicht, ich will ja dein MakeUp nicht zerstören.“  begrüßt.  Als die Kinder geboren wurden und später als Babys anfingen zu fremdeln, hat sie sich immer darüber beschwert, dass die Kinder sie ja nicht gut genug kennen würden und deshalb diese Reaktion zeigten. Ergo: Wir sollten öfter kommen…. Öfter gekommen sind wir zum Glück dann trotzdem nicht und generell hat der Druck, den meine Schwiegermutter anfangs versucht hat immer wieder auszuüben, nachgelassen.

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Auch die Schwiegereltern sind lockerer geworden

Wir werden nicht mehr bei jeder Verabschiedung gemaßregelt, dass wir nicht lange genug geblieben sind. Sie kauft meinem Mann keine T-Shirts mehr. Sie hat akzeptiert, dass ihr Sohn ein erwachsener mündiger Mensch ist ….Die Kinder werden nicht mehr genötigt auf den Schoß zu kommen oder Küsschen zu geben und man ist nicht mehr beleidigt, wenn sie dies verweigern. 

Meine Haltung hat die Haltung der Schwiegis geändert

Und ich selbst bin inzwischen auch von einer anfänglich doch recht rebellischen Einstellung nach dem Motto: „man muss Dinge offen ansprechen und direkt klären“ in eine gewisse Lethargie à la „hinnehmen und akzeptieren“ verfallen. Was nicht heißt, dass ich mich dahingehend generell verändert habe. Eigentlich ist das immer noch meine Überzeugung.

Aber in Bezug auf meine Schwiegermutter versuche ich mich weniger aufzuregen und mir manche Dinge auch einfach egal sein zu lassen. Weil das die einzig schlaue Vorgehensweise ist/war. Sie wird sich nicht mehr ändern und ihr Einfluss hat merklich abgenommen, je länger wir zusammen waren unsere Beziehung sich gefestigt hat.

Auch mein Mann hat sich geändert

Mein Mann, der anfangs in Bezug auf Meinungsäußerungen mehr als zurückhaltend seinen Eltern gegenüber war und teilweise Dinge vor ihnen verheimlicht hat (meine Schwiegereltern durften z.B. auf keinen Fall erfahren, dass ihr damals 30jähriger Sohn raucht), hat sich dagegen ein ganzes Stück gewandelt und ist inzwischen durchaus der Meinung, dass man ihnen Dinge mitteilen müsste, von denen ich mit meiner Erfahrung sagen würde, dass sie entweder a) kein Interesse daran haben, sie  b) zu privat sind und sie  c) damit überfordern.

Man ändert ältere Menschen halt nicht mehr

Ich kann mit den Schwiegereltern Problemen mittlerweile ganz gut leben. Man reift ja über die Jahre und lernt, Dinge und Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind. Das hat mir viel gebracht und ich schone meine Nerven und mein Herz damit langfristig sehr. Die Quintessenz für mich ist, dass es sich nicht lohnt zu kämpfen und etwas verändern zu wollen, was seit Jahren Bestand hat.

Im Grunde spielt das ja auch für unser direktes Leben als Familie überhaupt keine Rolle und es wird kein Einfluss genommen. Irgendwann kam ich zu der Erkenntnis, dass der Kampf den ich gekämpft habe, niemals einen Sieger hervorbringen würde. Und dass der ganz große Verlierer in der Nummer mein Mann ist.

Er ist der Einzige gewesen, der dadurch Stress hatte und dem damit weh getan wurde. Eltern hat man nun mal einfach. Die sucht man sich nicht aus, aber man liebt sie ja trotzdem. Auch wollte ich meinen Kindern ja nicht ihre Großeltern vorenthalten und umgekehrt! Und wenn man einfach mal versucht negative Energie in positive umzuwandeln, stellt man fest, dass da echt was Gutes bei rauskommen kann. Unsere Kinder finden Oma und Opa nämlich wirklich super toll.

Ich will meinen Kindern nicht Opa und Oma madig machen

Und da meine Schwiegereltern Rentner und alle meine Nichten und Neffen inzwischen Teenager sind, genießen unsere Mäuse das Privileg von viel verfügbarer Zeit und Aufmerksamkeit. Was für meinen Mann und mich im Umkehrschluss bedeutet, dass uns Freiräume geschaffen werden, in denen wir die für uns so wichtige Paarzeit haben dürfen. Am Ende wird eben meistens doch alles gut und wenn man es schlau anstellt, sind alle glücklich!

Und das Beste zum Schluss: Meine Schwiegereltern sind nun mal so wie sie sind. Aber sie haben meinen Mann groß gezogen und dazu beigetragen, dass er der Mensch wurde, der er heute ist und den ich über alles liebe.

Dafür danke ich ihnen.

Fotos: privat und Shutterstock Von YAKOBCHUK VIACHESLAV

 

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1 Kommentar

  • Reply Ruth 20. Dezember 2018 at 2:22 pm

    Auch du wirst mal eine Schwiegermutter und wirst dann merken, was du deinen Schwiegereltern fälschlicherweise vorgeworfen hast. Viele Dinge merkt man eben leider erst wenn es zu spät ist. Jeder Mensch hat seine Gewohnheiten und die muß man ja auch nicht unbedingt ändern. Komm erstmal in das Alter.

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