Leben mit Kindern

Mütter vor dem Burnout: Mental Load und wie wir wieder rauskommen

25. Juni 2020

Ich bin so urlaubsreif wie schon lange nicht mehr. Der Mental Load, den wir (berufstätige) Mütter spüren, hat in Corona-Zeiten nochmal ganz neue Dimensionen erreicht. Das Schlimme: Es scheint, so gut wie keinen Ausweg zu geben. Meine Kollegin Laura Fröhlich vom Blog Heute ist Musik schreibt heute über diesen Zustand und wie wir da raus kommen.

Sie hat außerdem ein ganz neues Buch rausgebracht: “Die Frau fürs Leben ist nicht das Mädchen für alles. Was Eltern gewinnen, wenn sie den Mental Load teilen.” Eine lohnenswerte Urlaubslektüre für Mütter, gerade auch wenn es nach den Sommerferien mit Homeschooling und Co. weitergehen soll.

Wenn ich es nicht mache, tut es keiner

Bis vor Kurzem wusste ich jedenfalls eines ganz genau: Wenn ich mich nicht um die Familien-Organisation kümmere, tut es keiner. Merke ich nicht, dass die Zahnpasta zur Neige geht, schreibe ich keine neue auf den Einkaufszettel und besorge sie nicht, werden wir bald mit einer leeren Tube im Bad stehen. Wenn ich mich nicht um den Kindergeburtstag meiner Tochter kümmere samt Geschenken, Kuchen und Konfetti, werden wir nichts für den Gabentisch haben.

Kommt dir das bekannt vor? Machst du auch all die Arbeit zu Hause, die nie aufhört und die keiner sieht? Weißt du auch immer Bescheid, wo die Siebensachen deiner Lieben sind, und macht es dich ebenso müde, dass dein Kopf voll damit ist? »Hey, Laura, wo liegt mein Geldbeutel?« oder »Mama, wo ist mein Fußballtrikot?«

Manchmal dachte ich, ich wäre die Sprachassistentin meiner Familie.

Du bist garantiert diejenige, die an alles denkt, die organisiert und plant, neu kauft oder ersetzt, tröstet und ermutigt, sich Termine merkt und daran erinnert, nachhakt und immer an die Ersatzklamotten für die Kinder denkt. Ich wette, wenn du morgens aufwachst, bricht sich eine Lawine von Aufgaben Bahn durch dein Gehirn. Wie dir und mir geht es Millionen von Frauen, und ich habe mich lange gefragt, wieso wir diese mentale Last tragen, auch Mental Load genannt, die für unsere psychische Gesundheit weitreichende negative Konsequenzen hat. Ich bin diesen Fragen auf die Spur gegangen. Was führt dazu, dass wir plötzlich in der Rolle der Kapitänin stecken, die als Einzige den komplizierten Alltag mit seinen endlosen Aufgaben im Blick hat? Welche Rolle spielen dabei unsere Partner und wieso verd*** noch mal schlafen sie abends entspannt auf dem Sofa ein, während wir den Urlaub auf dem Ponyhof planen und Matschhosen in Größe 110/116 bestellen?

12,5 Milliarden Stunden unbezahlte Sorgearbeit

Weltweit leisten Frauen und Mädchen den Großteil der Haus-,Pflege- und Fürsorgearbeit – pro Tag sind das laut einer Oxfam-Studie 12,5 Milliarden Stunden. Legt man den Mindestlohn zugrunde, ist das eine Wirtschaftsleistung, die das Vermögen der Superreichen übersteigt.

Aber diese Leistung taucht nicht in der Statistik auf, weil Hausarbeit, Pflege- und Fürsorgetätigkeiten in Familien, Haushalten und Gemeinschaften als selbstverständlich betrachtet werden. Wer sich kümmert, verliert, das gilt auch für Mütter in Deutschland. Sie verdienen im Schnitt 61 Prozent weniger als Väter, weil sie in Teilzeit arbeiten, generell schlechter bezahlt werden als Männer oder andere Berufe wählen, und leisten dafür insgesamt 52 Prozent mehr unbezahlte Sorgearbeit.

Mental Load legt ein System offen, das Frauen diskriminiert und Männer privilegiert. Das zu erkennen kann schmerzhaft sein, aber es ist ein wichtiger Schritt in Richtung Gleichberechtigung. Was wir grundsätzlich brauchen, sind strukturelle Veränderungen, die es Familien und vor allem Müttern leichter machen. Ich wünsche mir Frauen, die mit Protestschildern und Trillerpfeifen auf die Straße gehen und Veränderungen fordern, wie es die Isländerinnen getan haben. Aber wie sollen sie das schaffen, wenn sie viel zu müde sind von all der Care-Arbeit und keine Kraft mehr haben für den Aufstand? Auch aus diesem Grund muss die Revolution zu Hause beginnen. Das Private ist politisch, und indem wir uns mit unserer Lage auseinandersetzen und Veränderungen im Kleinen anstreben, bewegen wir gemeinsam Großes. Worum geht es in diesem Buch? Mental Load heißt, an alle Aufgaben,Termine und täglichen Routinen denken zu müssen, und das ist besonders im Familienalltag ein unendlicher Berg an Dingen. Es bedeutet auch, unter dieser mentalen Last zu leiden, denn der Kopf hat nie Pause, und das kann krank und traurig machen. Ich habe es selbst erlebt, aber meine Geschichte ist nichts Besonderes und könnte in vielen anderen Familien genauso erzählt werden. Wenn du bisher wie ich die Kapitänin des Familienschiffs warst, setz nun deine Kapitänsmütze ab, leg die Füsse hoch und komm mit mir auf eine Reise, auf der wir gemeinsam mit unseren Partnern dafür sorgen, dass der Lärm in unseren Köpfen endlich leiser wird.

Warum können wir so schwer “Nein” sagen?

Wir widmen uns in diesem Buch auch unserer Psyche und gehen der Frage auf den Grund, wie sehr uns unsere Erziehung prägt, warum es uns so schwerfällt, Verantwortung abzugeben und wieso wir Frauen unter dem eigenen Perfektionismus leiden. Das hat weitreichende historische Gründe und ist nicht so einfach abzulegen.Welche Auswirkungen hat die mentale Last auf uns selbst, auf unsere beruflichen Karrieren und auf die gesamte Gesellschaft? Schritt für Schritt machen wir uns im dritten Teil des Buches daran, Lösungen zu finden. Wie können wir unser eigenes Bild vom Muttersein verändern und unsere hohen Ansprüche überdenken? Wie ist es möglich, den Mental Load mit unserem Partner zu besprechen und die Arbeitslast mithilfe digitaler und analoger Werkzeuge gerechter zu verteilen? Dabei kommt immer wieder Ärztin und Coach für Konflikt- und Stressmanagement Dr. Mirriam Prieß zu Wort, die uns wichtige Hintergründe unseres Verhaltens erläutert. Am Ende jedes Kapitels findest du eine kurze Zusammenfassung, die du zur Hand nehmen kannst, um anderen Menschen das Problem mit demMental Load zu erklären.

Mein Mann Anton ist gerade Brot holen. Außerdem hat er sich heute in seiner Mittagspause um einen Stapel Fotos für die Freundebücher der Kinder gekümmert. Ich bestelle dafür die Überweisung zum Hals-Nasen-Ohrenarzt und schreibe eine Mail an den Steuerberater. Das Familienalbum erstellen Anton und ich am Wochenende zusammen, und außerdem haben wir beschlossen, dass es Wichtigeres zu tun gibt, als den Keller auszuräumen – nämlich mal in Ruhe miteinander Kaffee zu trinken. Wie wir das hingekriegt und unser Zuständigkeitsdilemma gelöst haben, verrate ich dir in meinem Buch “Die Frau fürs Leben ist nicht das Mädchen für alles. Was Eltern gewinnen, wenn sie den Mental Load teilen.”

Lange genug haben die Frauen das Familienorchester dirigiert. Es wird Zeit, dass wir uns diesen Job mit den Männern teilen.

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