Leben mit Kindern

Freundschaften halten ein Leben lang. Stimmt nicht!

18. Juni 2020

Freundschaften, die fürs Leben halten. Das ist eine schöne Vorstellung, ja, ein Ideal. Nur wenige von uns schaffen das. Ich wünsche mir, dass ich mit meinen aktuellen Freunden ein Leben lang befreundet bin, aber wer weiß das schon? Gerade Freundschaften zwischen Eltern sind anfällig, das habe ich schon oft festgestellt.

Die Freundschaft mehr oder weniger gekündigt zu bekommen-oder auch nur “geghostet” zu werden, wie es so schön heißt, das ist auch mit Scham behaftet. Heute lest Ihr von Sabine, der genau das passiert ist.

Es war Freundschaft auf den ersten Blick

Ich erinnere mich gut an die erste Begegnung mit Mary und ihrem Sohn Theo. Wir trafen uns beim Babyschwimmen- Schnuppertermin und waren uns augenblicklich sympathisch. Als frische gebackene Erstlingsmütter mit Anfang Dreißig, unerfahren und neugierig, hatten wir hinreichende Gesprächsthemen.

Wir wurden dicke Freundinnen, gingen gemeinsam joggen, in Kindercafés und nach dem Abstillen sogar mal Tanzen. Auch unsere Männer tickten sich prima, sodass wir zusammen Ausflüge und später Urlaube machten. Wir teilten eine intensive Zeit, dieser neue Lebensabschnitt „eigene Familie“ war für uns alle gleichermaßen emotional und aufregend. Wir feierten Silvester zusammen und durften bei der Hochzeit von Mary und Paul am Tisch des Braupaars sitzen. In dieser Zeit wohnten wir noch im selben Kiez, nur eine Querstraße voneinander entfernt. Die Jungs waren drei, als wir sie in eine gemeinsame Kita- Gruppe steckten und ihre Schwestern auf die Welt brachten.

12 Jahre später ist die Freundschaft beendet: Was ist passiert?

Heute, fast zwölf Jahre später, haben wir keinen Kontakt mehr. Was passiert ist? Darüber haben mein Mann und ich oft gesprochen, aber es gibt eigentlich keinen bestimmten Grund. Vielleicht könnte man es so beschreiben, dass wir uns wie ein altes Ehepaar „auseinandergelebt“ haben – so abgedroschen es klingen mag. Mary und Paul zogen in ein Haus, wohnten räumlich plötzlich 20 Minuten entfernt. Das wäre sicherlich kein Grund gewesen, den Kontakt zu canceln, wenn man wirklich gewollt hätte. Aber mit dem Umzug kam ein anderes Umfeld.

Rückblickend bin ich der Meinung, unsere Söhne waren an sich schon immer sehr verschieden. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass Paul, Theos Papa, sich charakterlich verändert hat: Während er sich vor zehn Jahren noch extrem relaxt dem Studentenleben hingab, geht er inzwischen einem äußerst lukrativen Job nach, der ihm einiges an Disziplin und Härte abverlangt. Mary zog bei allem mit, ich frage mich, ob sie glücklich sind. Der monetäre Erfolg brachte auf jeden Fall einen veränderten Lifestyle mit sich, am 31.12 luden sie fortan neue Freunde zum Fondue ein.

via GIPHY

Wir haben ein neues Umfeld…und neue Freunde

Die Abstände, in denen wir uns trafen, wurden immer größer. Auch wir zogen in ein Haus und erweiterten unseren Freundeskreis durch die Kinder. Mittlerweile haben wir im Einzugsgebiet von Kita, Hort und Schule mit drei Kindern viele „Gleichgesinnte“ kennengelernt – Eltern, die sich aufgrund ihrer familiären Situation in derselben Lebenslage befinden wie wir. Darüber sind mein Mann und ich überaus glücklich, denn ein gut funktionierendes Netzwerk aus Menschen mit Kindern im gleichen Alter versteht einen oftmals besser, als die eigenen Eltern oder Geschwister.

Sind Freunde auch Lebensabschnittspartner?

Manchmal fragen wir uns, ob wir auch diese Freundschaften wieder verlieren werden. Was mit ihnen passieren wird, wenn unsere Kinder eines Tages flügge werden. Oder wenn schlimme Krankheit oder Schicksalsschläge ins Spiel kommen. Familien, bei denen Scheidungen ganze Freundeskreise auseinanderreißen, kennt man mit Ü40 mindestens über zwei Ecken, wenn nicht gar direkt. Beziehungen entfremden sich, da sind Freundschaften nicht ausgenommen, so ist wohl der Lauf der Dinge. Es empfiehlt sich, einfach dankbar für die tolle Zeit und die gemeinsamen Erfahrungen zu sein, die man mit ihnen macht. Mit einem ausdrucksstarken wie wahren Zitat bedanke ich mich abschließend hier bei all den Marys, Pauls und Theos dieser Welt: „People come into your life for a reason, a season, or a lifetime. When you figure out which it is, you will know exactly what to do (…) It is said that love is blind, but friendship is clairvoyant. Thank you for being a part of my life.“

Foto: Pixabay

Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht?

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