Leben mit Kindern

Eltern Lehrer Beziehung: Warum sind die Eltern von heute so nervig?

22. November 2018

Die Eltern Lehrer Beziehung ist nicht immer einfach. Aus Muttersicht ist klar: Ich möchte engagierte Lehrer für meine Kinder und habe Interesse an einer guten Beziehung zum “Lehrkörper”. Natürlich bin ich auch typische Mutter und und würde beim geringsten Verdacht einer schlechten Behandlung meiner Kinder “auf der Matte stehen.” Aber ich will es auch wirklich nicht übertreiben und finde Respekt und auch Vertrauensvorschuss dem Lehrer gegenüber wichtig. Eine Lehrerin schreibt heute anonym, wie es für sie ist, mit “schwierigen Eltern” umzugehen und was sie sich für die Eltern Lehrer Beziehung wünschen würde.

Eltern Lehrer Beziehung Warum muss es oft so mühsam sein?

“Hätten Sie mal kurz einen Moment?” Es ist 7:52 Uhr und ich stehe vor der Klassenzimmertür, als mich Frau B. jäh aus den Gedanken an die bevorstehende Stunde reißt. Ehe ich mich versehe, hat mich die mit Sicherheit über 30-jährige Frau in ein Gespräch darüber verwickelt, warum sie die Hausaufgabe für heute leider nicht erledigen konnte und ihr Sohn keinesfalls einen Strich bekommen darf. Als ich wenig später an meinem Schreibtisch eintreffe, erwartet mich dort schon Mike, der mir mit schüchternem Ton zu erklären versucht, warum seine Mutter auch heute nicht zum bereits zweimal verschobenen Gesprächstermin erscheinen wird. Zwei ganz alltäglich Situationen aus der Schule? Zweifellos. Doch wer steckt hinter diesen Vorkommnissen, die mir das Lehrerinnenleben zuweilen wesentlich erschweren? Ebenfalls keine Frage: Eltern!

Wunderbare Eltern …

Klar, es gibt sie. Rücksichtsvolle Eltern, die stets den richtigen Ton treffen und eine perfekte Balance zwischen Unterstützung und Selbstständigkeit ihrer Kinder finden. Nach einem Gespräch mit den Eltern von Fynn kann ich mit voller Inbrunst erklären, warum Eltern und Lehrer einen gemeinsamen Erziehungsauftrag haben und wie wunderbar der sich in der Praxis umsetzen lässt. Angefangen beim obligatorischen Kuchen backen bis hin zur tatkräftigen Hilfe als Lesementoren kann ich mich immer auf diese Eltern verlassen. Taucht ein Problem mit einem Kind auf, suchen die Eltern gemeinsam mit mir nach Lösungen und zeigen sich offen für meine Vorschläge.

… und weniger angenehme Eltern

Wenn es nur mit allen Müttern und Vätern so einfach wäre! Stattdessen begegnen mir im Schulalltag leider zunehmend Eltern, die mir, ihren Kindern und zuweilen auch sich selbst das Leben schwer machen. Grob lassen sich diese Eltern in zwei Typen unterteilen.

Nerviger Elterntyp Nummer 1: Helikoptereltern

Der Begriff der “Helikoptereltern” hat nicht ohne Grund in den letzten Jahren Schlagzeilen gemacht. Egal ob Erstklässler oder gestandener Viertklässler, diese Eltern kreisen ständig um ihren Nachwuchs und behindern meine Arbeit damit oft erheblich. Wie soll ein Kind selbstständig werden, wenn ihm sein Vater den vergessenen Turnbeutel unter Garantie hinterherträgt? Wie kann ich überprüfen, ob ein Kind seine Aufgaben verstanden hat, wenn im Zweifelsfall die Mutter die Hausaufgaben erledigt oder die Texte für das Referat vorschreibt?

Wo bleibt meine Zeit für die Unterrichtsvorbereitung, wenn ich gefühlt jeden zweiten Tag umfangreiche Mails besorgter Eltern beantworten muss, die einen Rechtschreibfehler auf Arbeitsblatt 3 entdeckt haben? Wie kann ich neue didaktische Erkenntnisse umsetzen, wenn Eltern wöchentliche Diktate und strikten Frontalunterricht fordern? Helikoptereltern übersehen nicht nur, dass ich auch noch für mindestens 20 andere Kinder da bin, sondern verkennen zudem, dass auch Lehrer mal Pause brauchen. Nicht zuletzt schaden sie dabei langfristig auch ihrem Kind. Wer ständig vom Helikopter umschwirrt wird, lernt alles außer Selbstständigkeit.

Nerviger Elterntyp 2: Ist-mir-doch-egal-Eltern

“Ihre Tochter hat gravierende Probleme in Mathematik. Wenn sie nicht am Förderkurs teilnimmt, ist ihre Versetzung ernsthaft gefährdet.” “Ihr Sohn konnte am Ausflug leider nicht teilnehmen, weil mir keine Einverständniserklärung vorlag. Er war sehr enttäuscht”. Wenn ich solche und ähnliche Sätze ausspreche, sitze ich meist nach dem fünften geplatzten Gesprächstermin endlich vor Eltern der Ist-mir-doch-egal-Kategorie. Dieser Elterntyp lässt sich an einem einfachen Merkmal erkennen: Er ist in der Schule in keinster Weise präsent.

Angefangen bei den Unterschriften für Klassenarbeiten über die Teilnahme an Elternabenden bis hin zur fehlenden Gesprächsbereitschaft, diese Eltern betrachten die Schule offenbar als feindliches Terrain, von dem sie so gut wie möglich fernbleiben. Die daraus resultierenden Probleme liegen auf der Hand: Um gerade schwächere Kinder optimal fördern zu können, bin ich auf die Zusammenarbeit mit den Eltern angewiesen. Trotz längerer Schulzeit und zunehmender Nachmittagsbetreuung verbringen Schulkinder nun einmal einen großen Teil ihres Lebens in der Familie – und damit unter dem Einfluss ihrer Erziehungsberechtigten. Kommt von dort keinerlei Anerkennung für schulische Erfolge oder äußern sich die Eltern sogar abwertend über die Schule, ist die nachlassende Motivation der Kinder alles andere als verwunderlich. Da laufe ich gegen Windmühlen an!

 

Die Eltern Lehrer Beziehung in einer idealen Welt

Was ich mir wünsche sind Eltern, die ihr Kind auf der einen Seite begleiten und ihnen auf der anderen Seite den nötigen Freiraum lassen, um sich zu entfalten. Wer offen mit mir ins Gespräch geht, mit dem arbeite ich gerne zusammen – und habe bisher noch immer eine zufriedenstellende Lösung gefunden. Auf den Versuch kommt es an!

Fotos: copyright: Shutterstock (Monkey Business) und Shutterstock (Anna Nahabend)

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6 Kommentare

  • Reply KK 22. November 2018 at 10:11 am

    Und die andere Seite?
    Lehrer, die Termine nur in der großen Pause anbieten und es als mangelnde Mitarbeit der Eltern sehen, dass nur ein Elternteil kommt.
    Die soviel Hausaufgaben geben, dass sie es nicht mehr korrigiert bekommen, und dies von den Eltern erwarten. Und die Eltern vor den anderen Kindern kritisieren (hat Deine Mutter wieder nicht…)
    Lehrer, die offiziell keine Helikoptereltern wollen, sich aber beschweren, warum man nie zum Tür- und Angelgespräch auf denn Schulhof wäre. Weil mein 2-Klässler alleine in die Schule kommt und geht?
    Es gibt auch beratungsresistente Lehrer.. Bei meinem Kind mit diagnostizierten Wahrnehmungsstörungen sind die unzähligen Aushänge im Klassenzimmer eine Katastrophe. Die Leine, die quer durchs Klassenzimmer gespannt wird mit den Kunstwerken, schon fast ein Attentat 😉 Geändert haben freundliche Anfragen bei 3 Lehrern hier nie etwas. Obwohl das sicherlich der Aufmerksamkeit von 2/3 der Klasse guttun würde.
    Lehrer, die dauernd zu spät kommen, die Schüler dafür aber schimpfen.
    Auch schön: PFLICHT-Schulveranstsltungen am Freitag Abend. Da hab ich dann auch keine Lust mehr Kuchen zu backen…
    Ja, es sind meine Kinder. Aber Euer JOB!

    Vertrauensvorschuss? Ist bei mir leider aufgebraucht. Vertrauen muss man sich erarbeiten.

  • Reply Frau Mutter 22. November 2018 at 10:16 am

    Liebe KK; danke für deinen Kommentar. Ich stimme Dir in einigen Punkten zu und bin auch oft frustriert, besonders was die Hausaufgaben angeht…Gerade für Kinder mit besonderen Bedürfnissen kann ich mir vorstellen, dass man schnell an seine Grenzen kommt. Du hast recht beide Seiten wollen und sollen gehört werden, und nur so kann sich was ändern. Du kannst gerne, auch anonym, etwas hier schreiben, wenn Du magst. lg nina

  • Reply SilkeAusL 22. November 2018 at 6:43 pm

    Uns wurde schon in der 1.Klasse gesagt, dass die Lehrerin nicht von jedem Kind die Hausaufgaben kontrollieren kann. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob und wie sie es überhaupt macht, aber ich nehme an, sie schaut immer bei wechselnden Kindern drüber.
    Was hängen geblieben ist, wird in Tests ermittelt.
    Wo liegt für Euch Eltern das Problem, die Hausaufgaben zu kontrollieren? Ok, ab irgendeiner Stelle der weiterführenden Schulen ist bei mir sicher auch ein Punkt erreicht, wo ich dann nicht mehr weiterhelfen kann.
    Aber die Grundschul-Hausaufgaben kontrolliere ich täglich und gehe sie wenn nötig mit dem Kind noch einmal durch. Obwohl sie die HA in der Betreuung macht. Hier habe ich aber die Erfahrung gemacht, dass es nicht mal auffällt, wenn die Aufgabe komplett(sinnhaft) falsch gemacht wird.
    Ich möchte ja auch gerne wissen, wo mein Kind steht. Und hoffe, dass sie in der weiterführenden Schule die HA zwar selbständig macht, aber sich traut, mich zu fragen.
    Bei uns in der Schule wird man auch nicht genötigt, irgendwo mitzumachen. Es gibt 2-3 Veranstaltungen im Jahr, wo gebeten wird, mitzuhelfen. Und da wird sich schon fast drum gerissen, etwas beitragen zu können(wobei es oft dieselben sind- mich soll’s nicht stören, wenn sie es gerne machen…Ich backe dann lieber einen Kuchen ).
    LG Silke

  • Reply KK 22. November 2018 at 7:52 pm

    Das eine Lehrerin nicht alle HA durchsehen kann, verstehe ich. Es werden aber leider auch die richtigen Ergebnisse nicht gemeinsam besprochen (so war das bei uns früher).
    Wir machen das jetzt halt auch zuhause. Laut Studien ist dieses Vorgehen aber einer der Gründe, warum Deutschland bei Pisa so schlecht abschneidet. Es gibt einfach Eltern die das nicht leisten können. Aus welchen Gründen auch immer (fehlende Schulbildung/Zeit/Energie).
    Die Mitarbeit der Eltern wird auch bei uns nicht erzwungen. Was mich stört, sind Pflichttermine außerhalb des eigentlichen Stundenplans. Da ist eigentlich nur Schulpflicht für die Kinder. Ich lasse meine Erstklaesslerin aber nicht abends um 19:00 im Dunkeln nach Hause fahren…also wird es auch mein Termin.
    Ich wollte auch nur klarmachen, dass alles zwei Seiten hat. Es gibt sicherlich sehr engagierte Lehrer, die von über- oder minderbehütenden Eltern gefrustet sind.
    Leider gibt es auch desillusionierte Lehrer, die nur ihr Pflichtprogramm durchziehen, oder übereifrige, die vergessen, dass die Kinder zur Schule gehen und nicht die Eltern.

  • Reply KK 22. November 2018 at 7:55 pm

    Oh und das Problem mit den Hausaufgaben im Hort gibt es hier auch…die Option haben wir daher gestrichen…

  • Reply Andrea 22. November 2018 at 10:17 pm

    Noch eine andere Sichtweise: ich arbeite im Einzelhandel (Öffnungszeit zum Glück “nur” bis 20h; außerdem wird erwartet&vorausgesetzt, dass man flexibel ist) und WÜRDE mich sehr gern mehr in der Schule einbringen- ich habe Zwillinge im 1.Schuljahr- leider scheitert es entweder an der Uhrzeit oder daran, dass ich keine festen Tage habe, an denen ich frei habe.
    Unser Arbeitsplan steht 3-4 Wochen im Voraus und ist immer unterschiedlich. Darum kann ich z.B. nicht sagen: “Ich komme dann jeden Mittwoch zum Obstschnippeln”
    Habe mich mehrfach als “Springer” angeboten, aber das ist auch nicht gewollt.
    Schade.

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