Leben mit Kindern

“Eine Mutter die sich beschwert, passt nicht ins Bild”: Marlene Hellene und ihr neues Buch

16. Juni 2020

Seid Ihr auch gerade so urlaubsreif? Arbeit, Familie, Homeschooling hat ganz schön an unseren Nerven genagt. Ich stelle Euch heute ein Buch meiner Kollegin Marlene Hellene vor, das euch garantiert sofort aus dem doofen Alltag wegbeamt. Marlenes Humor ist auf Twitter und Co. sehr berühmt, zurecht. Auch in “Zu gross für die Babyklappe” wird der Mutter-und Familienalltag humorvoll, aber auch durchaus sehr sozialkritisch unter die Lupe genommen. Ich habe mit Marlene über Ihr Buch gesprochen.Du sprichst in Deinem Buch das Tabu an, als Frau und Mutter wütend zu sein. Wie hast Du das für Dich persönlich gelöst? Wie kann man lernen, es nicht allen Recht machen zu wollen?

Oh, das viel mir wahnsinnig schwer. Tut es jetzt häufig noch. Tief in mir drinnen steckt eine Fünfjährige, die von allen gemocht und gelobt werden möchte. Auf der anderen Seite schaut mir aus dem Spiegel aber eine vierzigjährige Frau entgegen, die keine Lust mehr hat, Ungerechtigkeiten klaglos hinzunehmen. Mittlerweile schaffe ich es immer häufiger, dass die große Marlene sich gegen die kleine durchsetzt und in die Schlacht zieht. Und das ist gut und wichtig. Die Wut ist ja trotzdem da und wenn wir sie aus Angst vor Ablehnung immer nur runterschlucken, vergiftet sie uns letztlich von innen. 

Thema Gleichberechtigung und Mutterschaft auf Instagram. Siehst Du hier ein Rollback in die traditionelle Mutter-Rolle? Glaubst Du, dass Mütter sich so wenig angreifbar und idealisiert darstellen, damit es besser klickt? Oder sind wir einfach so drauf in Deutschland?

Gerade auf Instagram fällt mir diese Darstellung der traditionellen Mutter-Rolle enorm auf. Es existieren unzählige, zum Teil sehr große Accounts, auf denen Frauen sich als aufopfernde Supermuttis präsentieren. Da wird gekocht, gebacken und genäht. Babys werden gewickelt, gebadet, gefüttert. Alle sind sehr glücklich und gehen in der Mutterrolle voll auf. Und das am besten 24/7, weil „ein Kind braucht schließlich seine Mama“. Und ja, das gibt Klicks, Likes und Herzchen. Offensichtlich verkaufen sich Illusionen gut, scheinbar wollen die Zuschauer diese „heile Welt“. Leider ist diese Darstellung total einseitig und meines Erachtens sogar gefährlich. So sieht das wahre Elternleben nicht aus. Vorenthalten wird den Followern die Überforderung, der Ehekrach, die Angst, die Müdigkeit, das genervt sein und die vollgespuckte Bluse. Man sieht nur vermeintliche Perfektion, die man natürlich nie erreichen kann. Ich kann mir vorstellen, dass das viele Mütter in die Verzweiflung treibt. 

Gerade zum #CoronaEltern haben wir gespürt, dass unsere Gesellschaftskritik oft als Jammern abgetan wird. Warum, denkst Du, sollen insbesondere Mütter immer die Klappe halten? 

Weil Muttersein per se schon Glückseligkeit bedeutet. Bedeuten soll. So will es die Gesellschaft, so sind wir sozialisiert. Eine Mutter, die sich beschwert passt da nicht ins Bild. Mit so einer stimmt etwas nicht. Die liebt ihre Kinder nicht genug, die ist undankbar oder gar krank. Schließlich hat Maria sich auch nicht beklagt, als sie ihren kleinen Jesus in einem Stall gebären musste. Nein, die war glücklich und demütig. Und so sollen gefälligst alle Mütter sein. 

Ich merke, dass ich mit älteren Kindern in der jetzigen  Phase meiner Mutterschaft viel eher bei mir bin als noch vor vier Jahren. Wie können wir es hier jungen Müttern leichter machen?

Das geht mir ähnlich. Umso größer die Kinder werden, umso freier werde ich. Mutterschaft ist ein stetiger Fluss. Probleme, die heute noch total groß und unüberwindbar schienen, sind morgen schon vergessen. Und das ist etwas, das man kommunizieren muss. Wir können jungen Müttern etwas von der Last nehmen, indem wir unsere Erfahrungen teilen und ihnen zeigen, dass letztlich alles gut und irgendwann alles einfacher wird. Keiner wird später mehr fragen, wann das Kind windel- oder schnullerfrei wurde, ob man gestillt hat oder ob das Gemüse immer bio war. Wir müssen jungen Müttern helfen, sich von überzogenen Ansprüchen frei zu machen und auf sich selbst zu vertrauen.  

Dein idealer Tag: Wie wäre der? Was müsste dabei sein, was auf jeden Fall nicht?

Ich bin recht unoriginell zufrieden zu stellen: Sonne, Sommer, Strand und Meer. Mein Mann, meine Kinder (aber nicht die ganze Zeit), gutes Essen und ein spannendes Buch. Abends vielleicht noch ein Cocktail mit Freundinnen. Mehr brauche ich nicht um glücklich zu sein.

Liebe Marlene, danke für Dein super Buch und viel Erfolg damit!

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