Leben mit Kindern

Beziehungsprobleme: Wie eine Paartherapie helfen kann

12. Juli 2018
Frau hakt sich bei Mann unter

Ich kenne einige Paare, die bei Beziehungsproblemen eine Paartherapie gemacht haben. Die Ergebnisse sind ganz unterschiedlich. Gelungene (Krisen-) Kommunikation in einer Partnerschaft ist schon schwierig genug und man streitet sich ja oft immer über dieselben Sachen. Ich finde es gut, wenn Paare heutzutage den Schritt wagen, denn mutig ist eine Paartherapie allemal. Aber kann man alles reparieren? Paartherapie, was bringt das überhaupt? Wie läuft eine Paartherapie ab und natürlich: Ist eine Paartherapie immer erfolgreich? Über diese Fragen und den Ansatz der systemischen Paartherapie spreche ich heute mit der Paartherapeutin Angelika Kaddik.

Beziehungsprobleme: Wie sinnvoll ist eine Paartherapie?

“Eine Beziehung ist Arbeit”. Das widerspricht ja eigentlich vollkommen unserer romantischen Vorstellung, oder? Wären Beziehungen einfacher, wenn wir nicht von soviel Romantik und auch Kitsch umgeben wären?

Wenn wir uns verlieben und die Schmetterlinge unser Herz, unseren Bauch aber auch unser Hirn flatternd bevölkern, dann kann es ja manchmal gar nicht kitschig und/oder romantisch genug sein. Alles ist so leicht und klappt wie von allein. Wir tun Dinge nur aus Liebe – gerne sogar mal auch über unsere eigenen Grenzen hinweg. Wir lieben uns dieses Lieblingswesen so schön, wie wir es gerne hätten. Und selbst wenn wir in uns vielleicht schon kleine Zweifel spüren, dass da doch etwas nicht so ganz passend sein könnte – macht nichts- das kriegen wir schon irgendwie mit all unserer Liebe gelöst. Wäre doch gelacht!

Ja und dann sind sie irgendwann weg oder zumindest nicht mehr so agil, diese Schmetterlinge. Und dann merken wir doch tatsächlich, dass unser Lieblingsmensch doch nur ein ganz normales Wesen mit Ecken und Kanten ist. Der sich – aus der eigener Wahrnehmung heraus – plötzlich verändert hat. Der plötzlich so normal, so anstrengend und sogar manchmal richtig blöd sein kann. Und das ist genau der Moment, an dem es spannend wird.

Und das ist genau so auch der Moment, an dem aus Verliebtheit eine Liebes-Beziehung entsteht. Ja, und das ist mit Beziehungsarbeit verbunden. Sich kennen zu lernen, anzuerkennen, dass aber auch mein Partner ein eigenständiger Mensch mit eigenen Päckchen aus der Vergangenheit ist. Mit eigenen Wahrnehmungen, Bedürfnissen, Werten, Erwartungen, Wünschen usw.
Aber um Ihre Frage zu beantworten: Ich denke, die Dosis macht auch hier das Gift. Es darf gerne ein bisschen anstrengend und zugleich kitschig und romantisch sein. Wenn beide ihren Spaß daran haben …..

Paartherapie: Was bringt sie und wann sollte man damit anfangen?

Gibt es eigentlich ein gefährliches Alter für Beziehungen? Sind  Ehen oder Beziehung zu manchen Zeitpunkten besonders gefährdet?

Es gibt tatsächlich mehrere Lebensphasen, die für eine Beziehung „gefährlich“ oder anstrengend sein können. Ich knüpfe mal an die erste Frage an – die erste Verliebtheit ist verschwunden, die Erkenntnis, dass wir uns tatsächlich nur einen normalen Menschen ausgesucht haben, mit dessen Macken – gepaart mit unseren eigenen erst einmal auseinandersetzen müssen. Wir müssen Grenzen erkennen, Klarheiten schaffen, Rücksichten nehmen, Gemeinsamkeiten finden, die der Liebe trotz der entdeckten Unterschiedlichkeiten ihren Raum lässt.

Dann kommt das erste Kind und die Paarbeziehung wird durch die neue Elternrolle oft in den Hintergrund gerückt. Viele Paare vergessen es aufgrund der neuen Situation, als Eltern ein Paar zu bleiben. Das neue Leben mit einem Kind ist anstrengend, und so ist es manchmal einfacher, vor dem Fernseher abzuhängen, als sich um die Beziehung zu kümmern. Bitte nicht missverstehen – vor dem TV abzuhängen, kann ganz wunderbar sein … aber wenn sonst so gar nichts mehr passiert, wenn plötzlich bemerkt wird, dass eigene Bedürfnisse nicht mehr erfüllt werden, man sich vom Partner vielleicht nicht mehr gesehen fühlt, wenn aus der eigenen Überforderung heraus Ansprüche geltend gemacht werden, Schuldzuweisungen passieren …. dann kann so eine Beziehung schon mal ins Schwanken geraten.

Anstrengend für Beziehungen können aber auch Ereignisse sein, die uns das Leben vor die Füße wirft: Krankheiten, Todesfälle, Arbeitslosigkeit, finanzielle Probleme, Außenbeziehungen, Jobwechsel, Umzüge usw.

Später gehen die Kinder aus dem Haus. Das ist auch noch einmal ein Zeitpunkt, um die Beziehung zu überdenken. Wie stabil ist unser Beziehungsfundament? Gibt es uns als Paar eigentlich noch oder hat unsere Elternrolle alles überdeckt? Das ist oft auch ein Moment, der uns an unsere eigene Endlichkeit erinnert, der uns manchmal fragen lässt, ob „das“ nun alles war und was denn nun noch kommen mag.

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Zunächst ist es ja schon mal ein Schritt seinem Partner zu sagen: Ich will eine Therapie. Wie machen Sie Menschen Mut, die sich nicht trauen ihrem Partner eine PT vorzuschlagen?

Ja, es ist tatsächlich oft so, dass einer mehr Bedarf an Unterstützung hat als der andere. Wenn ich Klienten am Telefon habe, die sagen, dass ihr Partner nicht mitkommen will, dann biete ich erst einmal ein Einzelgespräch und Kommunikation an. Das kann beim Sortieren helfen, um für sich ein bisschen klarer zu werden.

Denn wenn ich für mich klarer bin, dann kann ich meinem Partner auch eher sagen, was ich mir wünsche, anstatt zu sagen, was ich alles nicht mehr will. Oft ist es auch so, dass einer der Partner den Anspruch hat, das Problem selber lösen zu müssen, es soll auch keiner mitbekommen, dass es in der Beziehung nicht stimmt. Und manchmal sieht der Partner auch einfach kein Problem, weil in seiner Wahrnehmung doch alles ok ist und der Partner allein das Problem hat. Der soll sich dann gefälligst auch allein darum kümmern.

Die meisten Paare, die zu mir als Therapeut in die Praxis kommen, sind in großer Not. Und die meisten haben auch schon eine ganze Menge selber versucht, damit „es“ wieder besser werden kann. Manchmal gelingt es auch für eine Zeit und dann fallen beide aber wieder in ihr altes Beziehungsmuster zurück und es wird wieder oder noch schwerer. Oft erlebe ich aber auch, dass der, der vom Partner zu einer Therapie „überredet“ wurde, hinterher sagt, wie gut es doch getan hat, über die Probleme sprechen zu können und ein bisschen Werkzeug an die Hand zu bekommen, um etwas anders machen zu können.

ein kind mehr lieben als das andere

Wie erfolgreich ist eine Paarberatung?

Kann Therapie eine Beziehung immer retten? Kann man tatsächlich alles reparieren?

Nein. Ich als Therapeutin kann das Problem der Paare nicht lösen und schon gar nicht „weg machen“. Das ist der Job des Paares. Ich kann nur unterstützen, begleiten, Angebote zur Veränderung machen und Impulse setzen. Und manchmal stellt sich im Laufe der Sitzungen auch heraus, dass eine Trennung die beste Lösung für das Paar ist. Dann begleite ich sie – wenn gewünscht – auch durch die Trennung hindurch.

Eine Trennung ist immer ein sehr trauriges Ereignis und ich finde es sehr wichtig – gerade wenn Kinder da sind – Klarheiten zu schaffen, die Absprachen und Vereinbarungen möglich machen. Dazu gehört u.a. das Anerkennen, dass es einmal einen Grund gab, dass das Paar zusammen war, dass sie sich einmal geliebt haben oder immer noch lieben, diese Liebe aber nicht mehr ausreicht, um zusammenbleiben zu können. Aber auch, um irgendwann zu verzeihen und sich entschuldigen zu können. Das liest sich vielleicht gerade einfach – ist es aber überhaupt nicht. Auch das ist harte Arbeit.

Übungen in der Paartherapie

Im Alltag werden Konflikte oft schlecht oder gar nicht mit Kommunikation gelöst, wie kann ein Therapeut hier helfen?  Was ist anders, wenn man sich vorm Therapeuten streitet?

Die meisten Paare bemühen sich, vor dem Therapeuten respektvoll zu kommunizieren. Das klappt aber nur bedingt. Wenn es emotional wird, dann gehen die Paare auch ganz schnell wieder in ihr gewohntes Kommunikationsmuster. Ich bin dafür immer sehr dankbar, weil ich mir dann ein Bild davon machen kann, welche Schwierigkeiten, Missverständnisse und Trigger auftreten, die es beiden schwer macht, sich gegenseitig zu verstehen.

In der zweiten Sitzung biete ich meinen Paaren deshalb auch immer einen kleinen Kommunikations-Crashkurs an. Das sind dann immer sehr spannende Momente, in denen es nicht nur schwer ist, wir oft auch sehr viel Spaß haben, weil viele Beispiele, die ich erwähne, den Paaren in ihrem Beziehungsleben sehr bekannt vorkommen. Ich nutze dann diese Beispiele, um die jeweiligen Situationen zu klären und gemeinsam mit dem Paar herauszufinden, wie eine vielleicht ähnliche schwere Situation das nächste Mal anders gelöst werden könnte.

Viele lange zusammenlebende Paare leben ja wie in einer gut funktionierenden WG und oft auch nebeneinander her? Wie findet man den Weg von WG zurück zu Paar?

Hierbei kommt es ja immer darauf an, ob beide dieses WG-Leben schätzen und mögen und damit auch ganz wunderbar leben können/mögen. Sobald aber einer unglücklich, unzufrieden ist, ist es wichtig, genau das auch zu kommunizieren. Es macht nämlich wenig Sinn, nur Andeutungen zu machen und darauf zu warten, dass der Partner das doch schon irgendwann einmal selber mitkriegen müsste, dass es mir nicht gut geht.

Dann hofft man nämlich an dem anderen vorbei und wird immer unglücklicher und frustrierter. Also: reden hilft. Und es ist wichtig zu sagen, was fehlt und was man sich wünscht. Es Es ist nicht hilfreich, dem Partner zu sagen, was er nicht tun soll. Damit ist noch lange nicht geklärt, was denn stattdessen nötig ist. Und wenn es schwer ist und man das Gefühl hat, es alleine nicht hinzukriegen, dann kann eine Paarberatung sehr unterstützend und hilfreich sein.

Wer bezahlt die Paartherapie?

Was kostet eigentlich eine Paartherapie und wie lange sollte man sie machen?

Das ist sehr unterschiedlich und von Stadt zu Land verschieden. Durchschnittlich muss das Paar aber mit ca. 100,00 – 150,00€ pro Sitzung (90 Minuten) rechnen. Eine Paarberatung ist grundsätzlich keine Kassenleistung und von den Paaren selbst zu zahlen – es ist also eine Investition in die Beziehung.

Beziehungsprobleme gibt es viele: Was sind die häufigsten und gibt es allgemeine Tipps für das Funktionieren einer Beziehung?

Die meisten meiner Paare kommen mit folgenden Problemen zu mir in die Praxis:
Kommunikationsprobleme – „Du verstehst mich einfach nicht….“,
Eifersucht, Sex
Untreue
Liebeskummer
Trennungen /Trennungsabsichten
Erziehungsprobleme
Der verflixte Alltag – inkl. der angenommenen Selbstverständlichkeit des Partners
Eigene schwere Päckchen, die die Beziehung belasten ( Trauer, Erkrankungen, Traumata, berufliche Probleme usw.)
Sexuelle Probleme
Kinderwunsch

 

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