Leben mit Kindern

Alles nur Geldmacherei! Ist frühkindliche Förderung überhaupt sinnvoll?!

9. Januar 2020

Als ich das erste Mal Mutter wurde, ging es kurz nach dem Wochenbett los mit der frühkindlichen Förderung: PEKip, Baby-Yoga, Baby-Massage. Oder war das eigentlich nur “frühmütterliche Förderung”. Warum macht man das alles? Um irgendwelche “Fenster” in der kindlichen Entwicklung nicht zu verpassen? Weil man sich dann als Eltern besser fühlt oder bringt es tatsächlich was? Oder um als Mutter oder Vater in Elternzeit mal “rauszukommen” aka “Frühförderung der Eltern” ?

Gastautorin Sophie hat da eine klare Meinung. Für sie ist frühkindliche Förderung ein Hype- und eine Möglichkeit mit der Unsicherheit von jungen Eltern Geld zu verdienen und sie ist wütend, dass “der ganze Scheiß” als Standard ausgegeben wird.

Von musikalischer Beschallung bis Babykino: “Was soll der Scheiß”?

Der Hype um die frühkindliche Förderung fängt ja streng genommen schon im Mutterleib an. „Mozärtliche“ Musik zur Förderung sprachlicher und musischer Fähigkeiten, da fragt sich doch die ein oder andere werdende Mutter: Versäume ich etwas, wenn ich da nicht mithalte? Noch nie was gehört von mangelnder Intelligenz aufgrund fehlender pränataler Beschallung?

Die Gebärmutter als „erstes Klassenzimmer“, alles schon gelesen. Ja, ganz klasse, wenn Lichtstrahlen durch die Bauchdecke gejagt werden, um Kontakt mit dem Baby aufzunehmen. Darüber hinaus gibt es internationale Forscherteams, die beispielsweise das Kurzzeitgedächtnis von Föten erforschen. Und wie? Indem sie es ärgern, stören, testen, testen, testen. Ganz ehrlich: Was soll der Scheiß? Testet mal selber wie ihr reagiert, wenn ihr aus dem Tiefschlaf gerissen solchen Impulsen ausgesetzt werdet.

Wieso müssen die kleinen Wesen denn schon irgendwas können? Am liebsten würden diese Leute dem Neugeborenen wohl direkt eine Medaille für seine ersten Fähigkeiten verleihen, welche es dann mit zwei kleinen Fingerchen und mit eindrucksvollem Kunststück dankbar entgegennimmt. Mich nervt diese höher-schneller-weiter-Mentalität.

Oder Babykino, kennt ihr Babykino? Wie kann man so etwas machen? Da gibt es doch tatsächlich 2D/3D/4D-Zentren, die neben einer Ultraschalluntersuchung, vermutlich sehr langgezogen, Kinosessel für Freunde und Familie anbieten. Popcorn gefällig? Unfassbar! Wieso müssen Menschen überall eingreifen, sich allmächtig aufführen? Fühlen sie sich besser, sicherer, wenn sie denken, über alles die Kontrolle zu haben?

Frühkindliche Förderung ist vor allem eins: Ein Geschäft

Was meiner Einschätzung nach immer mehr zunimmt, sind die Geschäfte, die mit (werdenden) Eltern gewittert werden. Das geht ja nach der Geburt weiter. Und häufig ist es einfach die Unsicherheit der Eltern, die dabei schamlos ausgenutzt wird. Verpasse ich etwas, wenn ich mein Kind nicht zum Baby-Musik-/Yoga-/Massage-Kurs anmelde oder: Riskiere ich gar die Sicherheit meines Kindes, wenn ich mich nicht für den teuersten Kindersitz (bzw. den Testsieger) entscheide?

Aber zurück zur Förderung: Da sitze ich vor einer Weile im Rückbildungskurs, schneit zum Ende eine liebe Kollegin rein, die ihren „Babyzeichenkurs“ anpreisen will. Ich: „Soll ich jetzt auch noch mein Baby malen oder was?“ Da fängt die sympathische Dame (das war sie wirklich) an, uns etwas über Zeichensprache zu erzählen und feine Liedchen mit uns zu singen. Und zwar in diesem Moment, wo alle schon über eine Stunde unruhige, quengelige Rückbildung hinter sich haben und es kaum erwarten können, an die frische Luft zu kommen.

Ein Baby schrie los als die Mama es ablegte und die nette Frau sang ganz schnell und rhythmisch „The wheels on the bus“. Ob ihr‘s glaubt oder nicht, das Baby beruhigte sich. Wow, cool! Zufall? Ausgetüftelte Strategien? Sie versicherte, dass schnellere Lieder besser zur Beruhigung dienen als ruhige. Ich habe es mal ausprobiert. Also hier funktioniert es nicht!

Mamas, traut euren Instinkten!

Ich finde wir Mamas können uns selbst und unseren Instinkten viel mehr vertrauen, ohne gleich hunderte von Euro für neumodische Babykurse hinzublättern. So findet doch jedes Elternteil ganz eigene Wege, um seinen Nachwuchs zu trösten, zu verstehen oder in den Schlaf zu begleiten. Und meine Antwort auf Fragen wie „Und, was kann sie schon alles?“ lautet „Atmen und lächeln!“ Das sollte doch fürs erste reichen.

Wie steht Ihr zu dem Thema?

Foto: Pixelio, Helene Souza + Pixabay

 

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