Eltern Interviews

“Büllerbü reloaded”: Warum wir Kinderbücher über modernes Familienleben brauchen

4. September 2018

(enthält affiliate link) Als Kind habe ich am liebsten Bücher gelesen, die entweder sehr realistisch waren oder “von früher”, also einen historischen Bezug hatten. Magie, Zauberer und Märchen sind nie so an mich heran gekommen. Bei all den Chancen, die magische Settings für ein Kinderbuch bieten, finde ich Bücher, die auch die Kids in ihrer Realität abholen, sehr wichtig. Ich spreche heute mit Autorin Verena Friederike Hasel über dieses Thema und ihr neues Buch “Wir Rüben aus der großen Stadt”, das in einem urbanen Umfeld spielt und verschiedene Familienformen darstellt.Uns hat das Buch sehr gut gefallen, es eignet sich besonders gut auch zum Vorlesen und Anschauen, da die Illustrationen sehr schön geworden sind. Viele “moderne Themen” von Trennung der Eltern, über Berufstätigkeit der Mutter bis Allergien kommen vor und werden kindgerecht erzählt.

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Viele erfolgreiche Kinderbücher haben magische Elemente. Warum ist das so? Ich habe als Kind zum Beispiel immer lieber “Geschichten aus dem Leben” gelesen….

Ich denke, unsere Welt ist selbst für Kinder so kompliziert geworden, dass es schön ist, da mal zu entfliehen. Und ich liebe „Harry Potter“ auch, aber es gibt da doch diesen Hashtag: „Für mehr Realität auf Instagram.“ Ich würde mir auch für Kinderbücher mehr Realität wünschen.

In Deinem Buch wird die Geschichte einer Art “Wahlverwandschaften – Patchworkfamile” erzählt- Ist Büllerbü in der Großstadt angekommen? Eine urbane Familien-Utopie?

Wir kennen ja alle das Sprichwort: „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen.“ Nur wohnen viele von uns längst nicht mehr auf dem Dorf. In meinem Buch haben sich urbane Menschen das Dorf, das vielen von uns irgendwie fehlt, in die Stadt geholt. „Wir Rüben aus der großen Stadt“ ist sozusagen Bullerbü reloaded. Also Bullerbü im 21. Jahrhundert.

“Wir Rüben aus der großen Stadt” ist Dein erstes Kinderbuch. Was war beim Schreiben anders für Dich und wer sind Deine Autoren Vorbilder (Kinderbuch)?

Ich musste mich daran gewöhnen, stark in Kapiteln zu denken, damit es dann auch keine Tränen gibt, wenn die Eltern sagen, dass es zum Einschlafen nur ein Kapitel gibt. Mein Vorbild war natürlich Astrid Lindgren. Sie habe ich noch einmal sehr genau gelesen und dabei überlegt, welche Themen ein modernes Bullerbü braucht. Nur ein Beispiel: Bei Lindgren sind die Rollen von Vater und Mutter klar verteilt. Bei den „ Rüben” sind sie fluide. Wie das ist, als Mutter berufstätig zu sein, das ist ein wichtiges Thema in den „ Rüben”, sowohl für die achtjährige Ich-Erzählerin als auch für ihre Mutter.

Ein Kind in Deinem Buch bekam zur Trennung der Eltern ein Handy, der andere hat mit Neurodermitis zu kämpfen. Warum ist es so wichtig, unsere aktuelle Gesellschaft auch im Kinderbuch abzubilden?

Geschichten sind Rüstzeug, um das Leben zu bewältigen. Umso wichtiger ist es, dass Kinder ihr eigenes Leben auch mal in einem Buch wiederentdecken. Meine „Rüben“ sollen aber kein Problembuch sein, im Gegenteil. Das Leben der Rüben ist zwar mal anstrengend und chaotisch, aber auch fröhlich und optimistisch und bunt.

Lebt Ihr als Familie im echten Leben so wie die Rüben?

Nein, aber ich habe mal Menschen besucht, die heute um die siebzig sind, aber ihre Kinder tatsächlich gemeinsam großgezogen haben. Jeder hatte seine eigene Wohnung im Haus, ansonsten haben sie sich alles geteilt. Zum Beispiel hat jeder an einem anderen Tag auf sämtliche Kinder aufgepasst. Auch sonst hat jeder beigesteuert, was er konnte und mochte. Der eine hat mit den Kindern gebastelt, der andere Fußball gespielt. Eine Frau, die dort lebte, sagte mir, dass sie glaube, dass es ihre Ehe gerettet habe, dass es damals in der Rush Hour ihres Lebens so viel Unterstützung in ihrem direkten Umfeld gegeben habe.

Liebe Verena, danke für das Interview und viel Erfolg mit Deinem Buch!

 

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