Familienalltag mit Humor

Unser total dufter Abend in der Rettungsstelle

14. November 2019

Kürzlich haben wir mit einem Kind einen Abend in der Rettungsstelle verbracht. Wieder mal, das passiert uns ja öfters. Es war mal wieder einer dieser Nachmittage…. Beide Kinder spielten im Kinderzimmer (“Seid bitte nicht zu wild, passt auf”), oder eher: spielten und stritten sich gleichzeitig. Eltern von mehreren Kindern kennen ja sicherlich diese “Sonderform” des Spielens und wie viel manchmal dabei passieren kann. Ich sass unten im Wohnzimmer und machte “noch schnell was am Computer” und nebenher drollfzigtausend andere Sachen.

Plötzlich: Schreien. Meine Tochter schreit laut, immer lauter, SEHR laut. Ich spurte hoch ins Kinderzimmer und sehe meine Tochter mit schmerzerfülltem Gesicht, bitterlich weinend und sich den Arm haltend. Also tue ich das, was ich sonst immer tue. Sie in den Arm nehmen, trösten, “Ist bald wieder gut”- Sagen, beide Kinder ermahnen, warum man mir denn niiiiieee zuhört. “Ihr seht doch was passieren kann.” Wenig später kommt mein Mann heim.

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Constanze weint immer noch und der Arm hängt mittlerweile schlaff runter. Und los geht der Stress. Was machen wir? Sollen wir abwarten? Ins Krankenhaus? Bisschen Creme drauf? Kühlpack? Und der Rattenschwanz an Eltern-Gestresse, als Mama und Papa sich gleichzeitig überlegen, wie die nächsten Tage wohl organisiert werden sollen.

 

All das und das weinende Kind. Wir beschliessen kurzerhand, dass Mann und Tochter in die Rettungsstelle des Krankenhauses fahren. Wir haben eins in der Nähe, zum Glück. Zu Hause  ist die Stimmung schlecht, weil ich mir große Sorgen um meine Tochter mache. Sebastian wird derweil immer stiller. “Ich habe so ein schlechtes Gewissen, Mama.” Ich versuche, mahnend zu sein, ihn trotzdem zu trösten und bringe ihn ins Bett.

Mama, ich bin “gearztet” worden

Benedikt gibt mir die ersten Updates aus dem Krankenhaus.

“Wir sind drangekommen.”

“Sie weint nicht mehr und ist ganz vergnügt.”

“Jetzt wurde sie geröntgt.”

“Sie macht Witze mit den Ärzten.”

“Es ist nichts.”

“Constanze verlangt trotzdem lautstark eine Schiene. Die Ärzte lachen.”

Wie bitte? NICHTS?

Meine Tochter hat so geweint, als wäre mindestens ein Gelenk ausgekugelt oder der Arm gebrochen. War jetzt mein Mann UMSONST für drei Stunden in der Rettungsstelle?

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Die beste Medizin: Der Placebo-Effekt!

Um 22:30 Uhr empfange ich eine bestens gelaunte Tochter, die mir erstmal ihren grossen Verband zeigt.

“Riech mal Mama, der Verband riecht nach “Waldfriede”(So heisst das Krankenhaus) und eine super Spritze habe ich auch bekommen!” Constanze “spritzt” mir sofort damit in den Arm. Ich schnuppere am Placebo-Ärmchen, das stark nach Desinfektionsgel duftet. Mhhh, toll.

“Constanze, Du hattest also gar nichts?”

“Nein, Mama JETZT geht’s mir gut, denn ich bin “gearztet” worden.”

Ähem, wie meinen? Ich bin baff. Natürlich bin ich sehr erleichtert und glücklich, dass nun doch nichts mit ihrem Arm ist. Aber wir haben gerade offenbar das deutsche Gesundheitssystem umsonst bemüht. Mir ist das unangenehm und ich schicke dankbare Gedanken an das Team der Rettungsstelle des Krankenhauses Waldfriede, die offenbar auch mit kleinen, sehr süßen Hypochondern sehr gut umgehen können. (Ist keine Werbung, sondern Dank)

“Schatzi, in der Rettungsstelle ins Krankenhaus gehen Menschen, denen es SEHR schlecht geht. DIE brauchen die Zeit der Ärzte. Kannst Du demnächst vielleicht weniger… dramatisch…weinen, dass wir erst mal abwarten können?”

“Ich hatte Aua und die Ärztin hat mich gefragt, ob ich einen Verband und eine Spritze will und JETZT geht es mir wieder gut, ich bin gearztet worden.”

Yes, you ‘ve been doctored…

Ich bringe die Patientin ins Bett (der Mann braucht erstmal einen Whiskey) und wasche ihr die Hände, nicht ohne mir Ermahnungen anhören zu müssen, dass kein Wasser an den Verband darf (What????)

Am nächsten Morgen erzählt Constanze ihrem Bruder in epischer Breite von ihrer Nah-Tod-Erfahrung und verlangt man müsse den Verband nun wechseln. Wir lachen, sind erleichtert aber auch besorgt. Haben wir überreagiert, hatte sie wirklich so schlimme Schmerzen oder war das pures Drama? Es ist schwer, da die richtige Entscheidung zu treffen. Letztendlich denken wir: “Lieber einmal zu viel zum Arzt als zu wenig.” Es ist nicht einfach, das richtig einzuordnen und man will den Kindern ja auch nicht absprechen, dass sie große Schmerzen haben. Trotzdem ist unser Bedarf an Krankenhaus erstmal gedeckt.

Und wer weiß, wozu das gut ist. Vielleicht wird sie ja später andere Menschen auch mal “arzten”. Ich denke nun mal über eine private Zusatzversicherung für meine Tochter nach. Würde sich evtl. lohnen. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie bitte Constanze und ihre super Spritze…….

Ist Euch sowas auch schon mal passiert? Bitte sagt ja!

 

 

 

 

 

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19 Kommentare

  • Reply Christine 1. Dezember 2016 at 8:43 am

    Jaaa 🙁 Man weiss nie, wie mans richtig macht! Ich hab gleich zwei Drama-Kinder, beim dritten weiss ich wenigstens, dass ich rennen muss, wenn er mal weint! Die Große googelt ihre Diagnosen schon mal vorher selber und verlangt dann wegen irgendwelcher fremdländisch klingender Syndrome zum Arzt gebracht zu werden…

    Ich denke, bei schlaff herunter hängendem Arm wäre ich aber auch in die Notaufnahme gefahren, ein gebrochener Arm ist schnell mal übersehen – auch schon passiert :-((

    • Reply Frau Mutter 1. Dezember 2016 at 12:47 pm

      danke! ja, ich wollte auch nicht abwarten bei dem armen Ärmchen;) Aber das Googlen klingt auch super! Grins, lg nina

  • Reply M 1. Dezember 2016 at 9:17 am

    Wir hatten auch schon oefters die Wunderheilung in der Arztpraxis oder der Notaufnahme… Bei uns in der Nofaufnahme laufen aber auch immer so tolle Kinderfilme…, wo soll man auch sonst hin, wenn die Eltern den Medienkonsum zu Hause einschraenken… 🙂

    • Reply Frau Mutter 1. Dezember 2016 at 12:48 pm

      oh gott, wie witzig. da hat das krankenhaus bestimmt volle Bude!!! lg nina

  • Reply Babsi 1. Dezember 2016 at 11:18 am

    Ja, klar. Hatten wir auch schon öfter. Meine Jungs sind auch ziemlich wild und da kommt es des Öfteren vor, dass sie sich “schwer” verletzen und wir die Ambulanzstelle aufsuchen. Bis jetzt war noch nie was Ernsteres. Aber die Art von Drama, wie du sie beschreibst, gab es auch schon sehr oft. Aber so wie du schreibst, denken wir auch: Besser Zuviel als Zuwenig zum Arzt.
    Und: wenn sie älter werden nimmt das Drama proportional ab 😉
    Liebe Grüße Babsi

    • Reply Frau Mutter 1. Dezember 2016 at 12:49 pm

      Das Drama nimmt ab? Super, dann kann ich ja wieder Drama-Queen werden;) LG nina

  • Reply Diana 3. Dezember 2016 at 2:00 pm

    Hier das gleiche bei 4 Töchtern desöfteren beim Arzt aber muss dazu sagen das ich diejenige bin wo auf Kh plädiert wo Mann und GrosseEltern sagen ich würde übertreiben nun ja Blinddarmdurchbruch etliche Brüche astmahanfälle wo sauerstoffgehalt schon unter 70 % lag … Blutvergiftung wegen eines Mückenstiches haben mich gelehrt zu reagieren 😉 sogar Ärzte meinten da ist nix ich Bitte röntgen und tatsächlich jedesmal ein Bruch trotz das meine Kinder den Arm oder die Hand bewegen konnten sind alle leider sehr schmerzunempfindlich …. deswegen sage ich auch einmal zuviel wie einmal zu spät …

  • Reply Carmen Peters 3. Dezember 2016 at 2:56 pm

    Drama haben wir hier auch genug, aber ich bin eher eine der Mamas die sich mit viel Geduld mit dem Kind hinsetzt und tröstet bis zum umfallen. Ausm Wasserhahn kommt bei uns Zauberwasser, Mamas super teure Creme ist auf einmal eine Creme gegen die größten Schmerzmittel, unbekannter Saft ist Schmerzsaft… klappt alles 🙂
    Ich gehöre eher zu denen, wenn ich ins Krankenhaus fahre, dann gehts eigentlich immer direkt in den OP, also auf letzter Minute :-))
    Ob das jetzt besser ist weiß ich auch nicht, aber ich mags nicht, wenn man wirkich kranken Menschen die Zeit stehlt. Nichts gegen Dich, aber bei dem Arm hätte ich wohl eher abgewartet.

    • Reply Frau Mutter 4. Dezember 2016 at 8:30 am

      hallo carmen, alles gut! Jede Mutter macht das so wie sie das für richtig hält und das ist doch das Beste! Danke für deine Erfahrung. LG Nina

  • Reply Michelle Weniger 19. Januar 2017 at 9:13 pm

    Ich hatte mal was ähnliches. Ich bin gestürzt, hab mir den Ellenbogen ausgerenkt und bin dann ins Krankenhaus. Auf den Röntgenbildern war aber nichts zu sehen. Bei mir ist der Knochen schlicht und ergreifend bei der Positionierung fürs Röntgen wieder in das Gelenk. Ich hab danach noch ne schiene bekommen und konnte dann nach hause fahren.

  • Reply Jennifer 20. Januar 2017 at 7:58 am

    Ich arbeite selbst in einer Notaufnahme und kenne kleine Patienten und ich kann dich beruhigen, in den meisten Fällen kommt nichts dabei rum aber die kleinen Zwerge sind stolz wie Oskar wenn sie einen Verband bekommen und eine Spritze zum spielen. Bei Kindern lässt es sich immer schwer einschätzen ob wirklich was ist oder nicht, darum verzeih ich den Kurzen, dass sie mit “nichts” ins Krankenhaus kommen 😉

    • Reply Frau Mutter 20. Januar 2017 at 8:47 am

      danke liebe Jennifer, für Deinen Kommentar. Das beruhigt mich jetzt ungemein;) lg nina

      • Reply Jennifer 20. Januar 2017 at 9:28 am

        Als Tipp: Sollte wirklich mal was mit Ärmchen oder Beinchen sein, Kinder sind da meist schlauer als wir Erwachsene – Kinder lassen die Extremitäten einfach hängen, auch über einen längeren Zeitraum und benutzten den Arm dann zum spielen einfach nicht mehr oder treten einfach nicht mehr auf. Da kann man dann meist schon erahnen, dass wirklich was ist.
        Es gibt übrigens eine Verletzung, Chassaignac nennt sich das, da wird das Ellenbogengelenk ausgekugelt bei den Kleinen zB. wenn sie fallen und man hält sie schnell am Arm fest – passiert ja mal ganz schnell und dann schreien und weinen sie und bewegen den Arm nicht mehr. Manchmal renkt man ihn “aus versehen” wieder selbst ein zB beim Jacke anziehen. Gibt es ganz häufig, weiß nur keiner 🙂 Bei 2 – 4 Jährigen sehr häufig – kann auch bei Engelchen flieg passieren aber bitte jetzt keine Panik deswegen bekommen, wir sind alle groß geworden mit Engelchen flieg, dass ist immer eine Kann muss aber nicht Situation 🙂

  • Reply Jacky 20. Januar 2017 at 8:21 am

    Das kommt mir bekannt vorMein kleiner hat mit 3j mal eine Stufe übersehen als er die Leiter vom spielhaus runter ist.An diesem Tag ließ er sich tragen. Am 2.Tag sind wir zum kiarzt und der schickte uns ins kh…obwohl alles gut aussah…sie konnten sich nicht erklären warum er nicht mehr laufen konnte.Im kh….geröngt….alles i.o.sagte der kichirurg….mein kleiner bekam eine gipslonguette und der Arzt meinte er könnte ruhig auftreten mit dem Fuß wenn er das will.Nach ein paar tagen lief er er dann wieder und die Schiene konnte ab.

  • Reply Sanotti 20. Januar 2017 at 12:35 pm

    Oh ja, der Zwerge war 19 Monate alt und machte nach dem Rumtoben mit Papa ein Riesen Gechte und bewegte seinen linken Arm nicht mehr, so nach dem Motto bloß nicht belasten. Nach 45 Minuten nicht enden wollenden Geschrei haben wir ihn angezogen, ins Auto gepackt und sind mit zwei Autos zur Notaufnahme gefahren. Fazit: Bei Ankunft im KH war der Zwerg wieder bester Laune, im KH bekam er einen Teddy und wir wurden unverrichteter Dinge wieder nach Hause geschickt (die Schwester meinte vielleicht hat sich beim Toben das Radiusgelenk ‘ausgeklingt’ und beim Anziehen der Jacke sei es wieder an seinen Platz gehuscht, geröntgt hätte man den Zwerg aller Wahrscheinlichkeit nach nicht wegen der Strahlenbelastung). Weiterhin beobachten und wenn er nochmal weint und den Arm wieder schont nochmal anreisen….

  • Reply Annette 14. November 2019 at 11:43 am

    Au wei. Ja klar ist uns das auch schon passiert. Mein Kleiner ist eigentlich unglaublich hart im Nehmen, das heisst, wenn er richtig doll schreit und weint dann läuten bei mir sofort die Alarmglocken.

    Wir hatten auch schon den Kindernotarzt da, weil sich der Kleine mit ca. 1 Jahr heißen Tee über den Oberkörper geschüttet hatte und ich absolut nicht abschätzen konnte, ob alles okay ist, wenn die Haut keine Blasen schlägt, oder der komplett rote Oberkörper bedeutet, dass da gleich ein Schock hinterher kommt und mein Kind kollabiert.

    Letzten Endes war nichts. Wir mussten nicht mal ins Krankenhaus. Zum Glück. Aber ich war so dankbar, dass sie so schnell da waren.

    • Reply Frau Mutter 14. November 2019 at 12:41 pm

      Es ist aber gut, wenn man sein Kind so gut kennt, dass man das gut einschätzen kann! Alles Gute!

      • Reply Annette 15. November 2019 at 9:40 am

        Danke.

        Ich staune jedes mal aufs Neue, was der weg steckt. Und zwar schon immer.
        Den haut es aus vollem Lauf der Länge nach hin, oder von irgend einem Klettergerüst runter und ich frage “Alles in Ordnung?” – “Alles okay, Mama.” und rennt weiter. Bloß keine Zeit mit Kuscheln und Trösten verschwenden.

  • Reply Rita Dreher 30. November 2019 at 5:11 pm

    Hallo,
    das kommt mir alles doch sehr bekannt vor. Habe mich beim Lesen an die ein oder andere Situation bei mir zuhause erinnert gefühlt.

    Wünsche allen eine gute Besserung 😉

    Grüße
    Rita

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