Familienalltag mit Humor

Der Elternbeirat oder: Achtung, wichtige Väter!

12. Juni 2018

Der Elternbeirat ist die Versammlung aller Elternsprecher einer Schule. Und natürlich geht es da so gleichberechtigt, respektvoll und gerecht vor wie in einem xbeliebigen Meeting im Büro. Väter (Männer) hören zu, halten ihre Wortbeiträge informativ und knapp, übernehmen gerne lästige Aufgaben, sind sich für nix zu schade und sagen ünerhaupt ungern nein. NICHT. Heute ein Rant über die neuen, wichtigen Väter, die sich auch im Elternbeirat profilieren und Frauen gerne das Kuchenbacken überlassen.

Meine Gastautorin Heike hat die Faxen dicke. Nun gibt es wichtige Männer nicht nur bei laaangen Meetings im Arbeitsleben, sondern auch im Elternbeirat. Da lässt es sich auch schön wichtig sein. Mansplaining und Frauen undankbare Jobs zuteilen geht auch gut da. Natürlich lieben wir aber moderne Väter, die sich engagieren und auch gerne mal Protokoll schreiben oder nach dem Schulfest spülen. Selten sind sie immer noch.

Elternbeirat oder Büro-Meeting?

Kurz blickt er auf. Ein gelangweiltes pfffff entweicht seinen maulig-rumhängenden Mundwinkeln. So…. Frau… äh… Heike, ja, danke für die Wortmeldung…. Wir werden das bestimmt in Betracht ziehen. Ja, auch ins Protokoll nehmen. Blick auf den Nebenmann. Der mich milde anlächelt. Aber meine Meinung ist beiden trotzdem wurscht. Jetzt noch eine Wortmeldung von der da hinten, aber wirklich die letzte, sagt er schon etwas genervt. Nur eine zarte, weibliche Nachfrage, Entschuldigung dafür. Irgendwo verhaltenes Gelächter.

Was sich anfühlt, wie so ein Scheißmeeting mit einem Haufen wichtiger Männer, denen die dennoch in Mehrheit anwesenden Frauen natürlich nicht das Wasser reichen können, ist keins. Es ist mal wieder Elternbeiratssitzung! Und die Männer, die Väter, tauchen auf wie aus dem Nichts. Gierig nach Amt und Würden.

Elternbeirat Väter: Total engagiert, involviert und gerne wichtig

Ein bisschen privates Eierkraulen. Sie kommen plötzlich aus ihren Ecken gekrochen, die sie hart verteidigen, wenn es um Teilzeitarbeit, Muffin backen, Kindergeburtstag, Schuhe kaufen und Spielverabredungen geht. Sobald in der Schule oder auch im Kindergarten jedoch ein Amt zu besetzen ist, sitzt der Papa drauf und gibt es nicht mehr her. Sitzung leiten, Anwesenheit überprüfen, Schulordnung mitbestimmen, Gelder zuteilen oder die Wortmeldungen der Reihe nach ordnen – alles, was Papa kann, ist Bestimmer sein, Chef spielen. Sich auf die Brust trommeln.

Ein Elternabend oder lieber gleich next Level Elternbeiratsversammlung ist bei dem eher akademisch geprägten Umfeld unserer Grundschule so etwas wie ein Pitch um den Abend. Wer sagt den wichtigsten Satz, wer geht als Daddy of the Day ins Bett und hat wieder alles – Arbeitstag und Elternabend – gerockt.

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Männerarbeit und Frauenarbeit- auch im schulischen Ehrenamt

Die Väter entscheiden übers Datum vom Sommerfest oder die Art der Veranstaltung. Die Mamas schleppen den Kuchen an. Die Väter geben sich Vorträge über Medienkonsum, die Mütter wissen, wo man am besten die Fernbedienung versteckt. Während er sich aufspielt, als würde große Schulpolitik hier und heute gemacht, bringt sie die Kleinen ins Bett und räumt die Bude auf. In dieser kleinen Blase eines Elternbeirats spiegelt sich das wieder, was Frauen/Mütter so jeden Tag erleben. Und woran sie leider auch mit Schuld sind. Denn wenn sie was sagen wollen, tun sie es zu leise. Wenn sie anderer Meinung sind, tuscheln sie mit der Sitznachbarin darüber. Und wenn sie zum 10. Mal von einem Mann einfach unterbrochen werden, lassen Sie es 10 mal geschehen.

Juhuu, hier gibt es auch “Mansplaining”!

Der Elternabend ist der Spielplatz für Väter, die sich nicht scheuen, ganz klar zu machen, was ihrer Meinung nach gar nicht geht („Das muss an die Presse!“), bitte schleunigst gemacht werden muss („Das ist Job der Klassenleitung!“) oder als To-Do verteilt werden darf („Bitte ein Doodle einrichten!“). Und die am Ende des Tages sehr zufrieden damit sind, dass sie ihren Anteil an der Erziehung der Kinder geleistet haben. Die wenigsten von Ihnen sind auf dem Mailverteiler der Klasse mit aufgeführt oder gar in einer dieser schrecklichen WhatsApp-Gruppen.

Nein, in der Zeit müssen sie ja Büffel jagen, äh Entschuldigung, arbeiten gehen und weiter furchtbar wichtig sein, während die Frauen im Teilzeit-Büffel-Jagen nicht ganz so erfolgreich und deshalb auch nicht ganz so ernst zu nehmen sind.

Während ich vor mich hingrummele und mir vorstelle, dem Typen gegenüber die selbstgebackenen Muffins seiner Mutti in den Mund zu stopfen bis er endlich mal seine Klappe hält („Leute, ihr wisst wahrscheinlich nicht, wie Schulpolitik läuft…“), erklärt einer die Sitzung für beendet. Die Frauen räumen die Gläser weg.

Kennt Ihr auch, oder?

Heike Schmitt (40) lebt mit ihren drei Jungs in Hamburg und arbeitet dort als Creative Director Copy. Auf ihrem Blog schreibt sie über das, was sie in ihrem Job am meistem nervt: viel zu wenige Frauen in Führungspositionen.

Fotos: privat, Pixabay

elternbeirat

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2 Kommentare

  • Reply Sabine 13. Juni 2018 at 8:20 am

    Ja, genauso! Wir haben auch diese Väter bei uns im Elternbeirat. Ach nee, Elternabend und viel witziger finde ich immer, wie sie sich dann beschweren, dass der Elternbeirat nichts macht.
    Irgendwann haben wir herausgefunden, dass einer dieser “beschwerer” Papas eigentlich doch im Elternbeirat ist – denn seine Frau ist im Elternbeirat. War das dann indirekte Kritik der Frau oder eher komisches Verhalten von ihm?

  • Reply Chrisi 19. August 2018 at 10:29 am

    Hallo,
    sehr lustig geschrieben.
    Aber so ist es nun einmal. Solche Aufschneider gibt es immer.
    Doch leider lassen sie den konstruktiven Beitrag am Elternabend vermissen.
    Komisch, oder?

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