Familiengeschichten

Ich möchte die Zeit anhalten oder: Was ich als Mutter bereue

17. November 2016

Die Zeit anhalten. Das wäre manchmal schön. Letzte Woche war ich für vier Tage auf Lesereise in Baden-Württemberg. Zeit alleine, ohne Kinder. Als Constanze und Sebastian kleiner waren, wäre ich mit fliehenden Fahnen aus der Türe gewesen. Zeit alleine war sehr kostbar für mich. Mal keinen sehen und hören für eine kurze Zeit. Kein Geschrei, kein Gequengel. Vor allem mal für ein, zwei Tage nicht dauernd ZUSTÄNDIG sein. Für 10.000 Dinge gleichzeitig,

Während meiner Zeit alleine kürzlich habe ich gemerkt, wie sehr ich die beiden vermisse, die prima ohne mich zurecht kamen! Oma und Opa waren angereist und ich war ABGEMELDET. Ich rief zweimal täglich an und wenn ich fragte: „Wie geht es Euch?“ hiess es dann: „Super“ und….“Ich kann jetzt nicht telefonieren, ich gebe Dich mal an Constanze weiter.“ Die Tochter war auch leider sehr busy und ich durfte dann mit Oma oder Opa reden.

Was ich als Mutter bereue….

Mmmpf. Vermissen die mich denn gar nicht? Am nächsten Tag sagte ich dann:“ Ich vermisse Euch so!“ (Die Frage „Ihr mich auch?“ habe ich mir tatsächlich verkneifen können). Wenigstens kam nach circa einer Minute Denkzeit die Antwort, dass sie mich ja auch vermissen würden, aber nun leider wirklich keine Zeit mehr hätten, weil sie mit Oma noch ein Bild malen müssten…

Als die Kinder klein waren und ich, todmüde, mit dunklen Augenringen und dauer-gestresst (weil übermüdet) war, sagten mir ältere Damen im Supermarkt oft: „Geniessen, sie es. Sie werden so schnell groß.“

„Was für ein doofer Spruch“, dachte ich damals. „Ich kann es doch gar nicht abwarten, dass sie groß werden.“ Manchmal habe ich damals schon geahnt, dass ich mich zuviel mit dem beschäftige, was alles (noch) nicht klappt, anstelle die Zeit mit meinen Babies richtig zu geniessen. Vereinzelt ist es mir gelungen, aber ich war keine so glückliche Baby- und Kleinkindmutter.

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Und dann sind sie groß…und bald weg

Manchmal denke ich, wie total dumm von mir das war. Ich konnte glaube ich, wirklich  die Babyzeit meiner Kinder nur punktuell geniessen. Es gab viele bleierne Tage, Wochen, Winter. Ja, meine Kinder haben beide viel geschrieen als Babys und das macht das Geniessen manchmal etwas schwer. Aber trotzdem! Sie sind nie mehr klein und pummelig und vermissen tun sie mich bald auch gar nicht mehr.

Nun haben wir gerade eine sehr schöne Zeit mit den Kindern, mein Mann meint sogar, die beste Zeit. Der Sohn (kurz) vor der Pubertät, die Tochter kurz vor der Einschulung. Man kann viel mit ihnen unternehmen, Windeln und Schnuller gehören der Vergangenheit an und alle schlafen (meistens) durch.

Weniger meckern, mehr geniessen!

Diesen Fehler der Babyzeit wollte ich nicht nochmal begehen. Ich geniesse bewusst die Zeit mit meinen Kindern, auch wenn wir natürlich trotzdem einen ganz normalen Alltag haben mit müden Tagen, Mathe üben, Streit, nicht ins Bett wollen etc.

Aber ich halte viel öfters inne bei schönen Momenten und pfeife mich zurück, wenn es mal anstrengender ist. Sebastian ist zehn Jahre alt. Nochmal zehn Jahre und er ist aus dem Haus. Und dann? Ich kann mir das noch überhaupt nicht vorstellen. Darauf kann einen doch keiner vorbereiten! Die Zeit zusammen wird jetzt schon weniger. Das mich die Kinder brauchen, in meiner Nähe sein wollen, mit mir spielen, meine Meinung hören wollen. Ich will nicht auf diese Jahre zurückblicken und an mich als eine meckernde , dauer-gestresste Mutter erinnern, aber der Alltag macht mir manchmal einen Strich durch die Rechnung. Dann klinge ich lieber wie eine leicht sentimentale, ältere Dame, die sich über einen Kinderwagen beugt…

Eben beim Abgeben im Kindergarten sagte mir meine Tochter, dass ich sie nun nicht mehr ausziehen müsse, sie das alles ja alleine könne.

„Dann bin ich ja komplett nutzlos“, jammerte ich ein bisschen.

„Du bist nutzlos beim Kindergarten abgeben …und vielleicht beim Autofahren….aber beim Küssen und Kuscheln bist Du nutz-voll, Mama!“

Dem ist ja nichts hinzuzufügen………

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10 Kommentare

  • Reply MeKa 17. November 2016 at 10:51 am

    Genau das geht mir zur Zeit auch so oft durch den Kopf! Meine Kinder sind im gleichen Alter, ich hab auch die Baby/Kleinkindzeit nicht so genossen (bin dafür zu gestresst…) und bin auch jetzt manchmal eher am meckern als am geniessen. Also versuche ich es mir so oft wie möglich zu sagen, nicht meckern sondern kuscheln!!!

  • Reply Frau Mutter 17. November 2016 at 7:34 pm

    Meka, ist doch gut, wenn einem das bewusst wird, dann kann man es auch ändern;) lg und schon mal ein schönes Wochenende Nina

  • Reply Natalia 17. November 2016 at 8:12 pm

    Die Zeit fliegt für uns Mamas so schnell manchmal. Ich versuche es auch immer zu genießen, dass mal der eine mal der andere die Mama doch noch brauchen
    LG, Natalia

  • Reply Katharina 17. November 2016 at 9:53 pm

    So. Jetzt heulen ich. Genauso isses. Und ich hasse es, dass es soviele Stressoren in unserem Leben gibt.
    Wenn man so viel zu tun hat ist es umso wichtiger die kleinen Dinge zu sehen und zu genießen. Aber es ist es wert!

  • Reply Maria Binder 18. November 2016 at 8:47 am

    Du sprichst mir aus der seele! Danke für deinen tollen Bericht. Ich bin auch grad wehmütig weil ich die babyzeit null genießen konnte. Ich fühlte mich einfach dauerüberfordert. Über jahre. Ich glaube aber es geht den neisten so (wenn sie ehrlich sind/wären). Und es ist doch wundervoll, dass wir jetzt in unsere mutterrolle gefunden haben und die zeit mit den kids (auch) genießen können. Somit ist es nicht zu spät 🙂
    Alles Liebe!

  • Reply Krümel 24. November 2016 at 7:43 pm

    Toll geschrieben. Ja die Zeit ist so kostbar und oftmals wissen wir die schönen Momente nicht richtig wertzuschätzen. Leider können wir die Zeit nicht anhalten, aber was uns bleibt, sind die schönen Erinnerungen.

  • Reply M.Daniela 1. Februar 2017 at 8:10 am

    Heute Nacht kam eine Hand um mich“Ich liebe Dich so Mama“Aus den selben Sorgen wie Du liege ich Nachts oft zwischen Kindern.Ja nicht rühren,sonst ist die Nacht vorbei.Ich schlafe nicht,könnte wenigstens einen in sein Bett tragen…Aber wie lange hauchen sie noch „Ich habe Dich lieb Mama???“ Und schlafen seelig weiter.Daher bleiben sie bei mir

  • Reply Alex von livelifegreen.de 1. Februar 2017 at 11:23 am

    Hallo,
    Was für ein schöner Text und sooooo wahr. Ich stecke im Moment noch in der übermüdet Kleinkinder Phase. Täglich nehme ich mir vor die Zeit zu genießen, und leider scheitere ich oft noch an meinen Ansprüchen… Aber ich gebe mir wirklich Mühe :-D!
    Vielen Dank für deine Worte. Sie geben mir wieder neue Motivation ;-)…
    Liebe Grüße
    Alex

  • Reply Nadin 2. Februar 2017 at 11:05 am

    Du hast wirklich aus der Seele viele Müttern gesprochen! Ich fühle mich grade auch so! Ich sag mir jeden Tag“ bitte pass auf, wie du mit deine Kinder umgehst! Bitte mekere nicht soviel“ guckmal wie unglücklicH sind die Kinder, wenn du gestresst bist und rum schreist“ . Besonderes erste Kinder bekommen davon mehr! Ich versuche es, jedesmal jeden Tag! Aber sehr erfolgreich bin ich leider nicht und besser gesagt hällt nicht lange, eine ruhige, vorbildliche Mutter zu sein! Es gibt viele Anforderungen von alle Seiten. Ich muss vieles vielen Recht machen! Warum auch immer. Ich hoffe ich schaffe bald mich besser verhalten und mehr Zeit mit meine Kinder verbringen können und weniger mekern! Ich wünsche mir so doll! Die Zeit vergeht schnell und ich habe das Gefühl, wenig zeit habe ich um alles wieder gut zu machen.

  • Reply Kati 2. Februar 2017 at 3:04 pm

    Toller Beitrag. Ich kenne das leider auch. Man ist gestresst und überlegt es dann oft wenn das Kind fragt „spielen wir was“ und dann sagt man. Ich muss erst Wäsche machen. Oft sieht man auch nur das schlechte, nicht gut sowas, aber leider ist es einfach so. Eltern sein ist eben nicht leicht und nicht nur die Kinder müssen an sich arbeiten. PS. Ich bin auch oft traurig wenn die Tante umjubelt wird und ich angeschrieben bin XD
    LG Kati

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