Erfahrungen

Achtung: Rentner!

25. September 2012

“Wir sind die verlorene Grosselterngeneration. Unsere Kinder geben kein Geld mehr zu Hause ab, sie lassen sich nichts mehr von uns sagen, sie werden uns im Alter nicht pflegen, aber dafür können wir gerne die Enkelkinder beaufsichtigen”, so Karl-Heinz, 65. Solche Leidensgeschichten habe ich auf meinem Besuch in der Heimat anlässlich des 70. Geburtstages meiner Mutter am letzten Wochenende gehört. Ich hatte ja nur ein klein wenig über die Unvereinbarkeit von Kindern und Karriere genölt und schon kamen die Retourkutschen…

Die rüstigen Rentner auf Frau Omas Geburtstagsfeier waren aber auch ein Schreckensbild des Alters. Frau von der Leyen muss diese Senioren vor Augen gehabt haben, als sie kürzlich vor der Altersarmut gewarnt hat:

Hannelore, 67 klagte darüber, dass die Nordic-Walking-Stöcke schon wieder teurer geworden sind. Und “Aldi Süd” habe die auch wieder erst nächstes Jahr im Angebot.

Dieter, 70, kritisierte völlig zu Recht, dass nun auf der “Queen Mary” auch nur noch Kreti und Pleti beim Captain’s Dinner sässen. Manchmal würden sogar Familien mit Kindern mitreisen. Ts, ts, ts…

Rosel und Heidi gerieten darüber in Streit, ob man wirklich nur in Bad Wörishofen ordentlich kneippen könne oder eventuell auch anderswo.

Gerhard beklagte, dass man ihm mit fast 74 Jahren nun doch seinen lukrativen Berater-Vetrag gekündigt hatte, da ihm “so ein Jungspund” den Arbeitsplatz streitig gemacht hat.

Keiner wollte meinen “Ich hab es so schwer mit Teilzeitjob und Kindern-Geschichten” zuhören. Bei der letzten Runde “Eckes Edelkirsch” wurde es mir dann aber zu bunt:

“Und was ist eigentlich mit Generationengerechtigkeit, wenn ich schon keine Gleichberechtigung mehr erleben darf? Wer bezahlt MEINE Kuren, Kreuzfahrten und Nordic-Walking-Kurse, wenn ich dann endlich mit 83 in Rente darf?”

“Ei, Kind, da musst Du privat vorsorgen. So ein netter Banksparplan bei der Sparkasse oder so eine rüstige Rente!”

“Äh, Karl-Heinz, meinst Du vielleicht “RIESTER-RENTE”?

“Ja, genau die Riester-Rente, die ist doch sischä!”

Nein, Lieber Karl-Heinz, Dieter, Rosel, Heidi und Co. “Sischä” ist nur, dass ich nie, aber auch nie ein Kreuzfahrtschiff von innen sehen werde. Höchstens als rüstige Reinigungskraft in ca. 40 Jahren.

Foto: Ilka Plassmeier/Pixelio

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4 Kommentare

  • Reply Xeniana 25. September 2012 at 6:03 am

    Reinigungsfachkraft…Super Idee.Es geht ja auch so.Man /Frau muss nur ein bischen kreativ sein.Vielen Dank für den netten Einfall.Jetzt freu ich mich doch auf die Rente:) Darauf einen Eckes Edelkirsch!

  • Reply Juli 25. September 2012 at 6:27 am

    Oh, tolles Thema und immer wieder so eine Sache! Hier wird man angemacht wenn man sich mal traut in eine der vielen nur von Rentnern bevölkerten Bäckereien zu gehen und sich mal kurz hinzusetzen, weil
    ” Damals konnten wir mit unseren Kindern ja nicht einfach so im Café herumsitzen…” gefolgt von eindringlichen, vorwurfsvollen Blicken… Ähm, ja, sorry, dafür werden wir es uns wohl mit knapp 70 nicht mehr leisten können oder nach der 8 std Schicht keine Kraft mehr übrig haben uns entspannt im Café zu treffen.
    Und wenn ich mir die Renten meiner Oma und altersgemäß passenden Bekannten so anschaue (70-95Jahre), frage ich mich wozu ich überhaupt noch das Geld aufbringen sollte um sie zu unterstützen, die haben ja alleine teils mehr oder genau soviel zur Verfügung wie wir als Familie (da momentan nur einem Verdiener). So lange Bofrost & Nahostrundreisen noch bezahlt werden können, ist die Altersarmut wohl noch ein Stück weg – zumindest bei den großen Meckerern, da bin ich mir “sischä”! 😉

    LG
    Juli

  • Reply miravos 25. September 2012 at 2:09 pm

    und wie war die Feier sonst so? 🙂

  • Reply fraumutter 25. September 2012 at 2:56 pm

    @xeniana: schön, dass Du es so positiv siehst
    @Juli: das ist tatsächlich ziemlich beängstigend wie hoch einige Renten im Vergleich zum Einkommen einer (steuerzahlenden) Familie sind…
    @miravos: ach, ganz nett. Jetzt weiss ich wo meine Steuern hingehen..

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