Familienalltag mit Humor

Wie kinderfreundlich ist Deutschland oder Ein Hoch auf ältere Damen!

30. Mai 2018
Kind mit Maske kinderfreundlich

Kinderfreundlich- kann man unser Land so bezeichnen? Vordergründig gibt es viele Vorteile für Familien. Eltern genießen Elterngeld, Kindergeld, theoretisch gibt es Anspruch auf einen Kitaplatz. Im Alltag sieht das oft ganz anders aus. Sind Familien mit (kleinen) Kindern wirklich willkommen oder eher nur geduldet? Damit meine ich gar nicht, dass es auch Bereiche geben muss, wo Erwachsene unter sich bleiben dürfen. Ruhebereiche in der Sauna, das eine oder andere Restaurant oder Café- man muss die Kinder nicht überall hin mitnehmen. Zumindest wenn sie noch nicht verstehen können, warum man hier oder dort besser nicht laut brüllen oder wild rumrennnen sollte.

Kinderfreundlich und “gesellschaftsfähig”

Aber man kann Eltern auch durchaus vertrauen, dass sie ihre Kinder einschätzen können. Was mir oft fehlt ist eine gewisse Milde Kindern, Eltern und ihrem Verhalten gegenüber. Die meisten Eltern geben sich die größte Mühe, damit sich die Kinder “gesellschaftsfähig” verhalten. Erziehung ist Arbeit und macht tatsächlich allen Beteiligten nicht immer Spaß. Was die anderen Leute sehen ist nur “das laute Kind”,”das quengelnde Kind”, die “überforderten Eltern.”

Das geht aber in alle Richtungen. Milde und freundlich sollten wir alle mehr zueinander sein, das würde vieles erleichtern. In einer Stadt wie Berlin, wo Menschen schon mit einer sehr gesunden Aggressivität auf die Straße gehen, ist das nochmal wichtiger. Wir wollen eine kinderfreundliche Gesellschaft, vielleicht sollten wir zunächst bei unserer Freundlichkeit anfangen.

Kürzlich war ich mit meiner Tochter bei DM. Eine lange Schlange, endlich waren wir dran. Da fällt Constanze beim Bezahlen ein, dass sie noch dringend eine Hochzeitskarte braucht (Hochzeitspläne sind mir nicht bekannt, aber man kann ja nie wissen…)

In der Sorge die anderen Kunden nicht aufzuhalten, sagte ich: “Das ist jetzt zu spät, komm weiter, beim nächsten Mal.” Was man halt so halt auf Lager hat als Mutter an “Mit-Kind-im Supermarkt-Sätzen”.

Nur alles reibungslos halten, nicht die anderen Menschen behindern. Ja warum eigentlich?

Kinder und Politiker

Der Stresstest für Kinderfreundlichkeit im Supermarkt

“Aber ich will eine Hochzeitskarte kaufen, Du hast es mir versprochen!”

Plötzlich meldet sich eine ältere Dame hinter uns. “Such Dir doch in Ruhe Deine Karte aus und dann bezahlst Du vor mir.”

“Das ist aber nett, DANKE”, sagt meine Tochter und flitzt zum Kartenständer, um sich eine extra tolle Karte mit schnäbelnden Tauben auszusuchen.

Ich bedanke mich in der Zwischenzeit nochmal. Meine Tochter bezahlt umständlich mit ihrem Geld, die ganze Prozedur dauert -natürlich-länger.

Sie dreht sich nochmal zur Dame um, lächelt sie an und sagt noch einmal: “Danke.”

Ich bin erleichtert und möchte gehen, als die Frau sagt: “Was für ein freundliches und hübsches Kind.”
Constanze strahlt. Ich strahle. Zwischen Feuchttüchern einpacken, nach dem Autoschlüssel kramen und Kind an die Hand nehmen geht die Sonne im Drogeriemarkt auf.

Was für ein wunderbarer, freundlicher Satz. Wie schön ist das, so etwas zu hören. Als Kind und als Mutter. Mit Nachsicht behandelt und gesehen zu werden und so wertgeschätzt. Und wie selten ist das bitte?
In den USA oder Italien ist man kaum fünf Minuten in der Öffentlichkeit und schon wird man für seine tolle “family” oder “famiglia” gelobt. Und fragt sich dann oft als Deutsche: “Die wollen mir bestimmt was verkaufen oder warum sind die so nett?”

Nachsicht hilft

Wir gehen wie auf Wolken zum Auto. Was für einen Unterschied das macht zu all den Gesichtern von Passanten, die eher genervt oder auch einfach nur gleichchgültig auf Kinder reagieren.

Ich denke noch lange über die Begegnung nach und mir fällt auf: Es sind oft immer ältere Damen, die junge Mütter anlächeln, eine Frage zum Kind stellen oder freundlich mit Kindern sprechen. Wenn ich es mir genau überlege, fast ausschließlich. Warum ist das so? Vielleicht ja, weil sie sich noch gut daran erinnern können, wie das war, als sie mit ihren eigenen Kindern an der Kasse im Supermarkt standen.

Constanze und ich fahren nach Hause. Vor uns fährt ein gepflegter Golf aus dem Jahr 1994. Der Golf parkt in 324 Zügen rückwärts ein, zwischendurch wird der Rückwärtsgang gesucht. Ich will gerade schimpfen, da sehe ich eine ebenso gepflegte ältere Dame am Steuer. Sie parkt ein, entschuldigt sich, ich lächele und winke. Geht doch!

kinderfreundlich

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