Familienalltag mit Humor

Mein neues Lebensgefühl 40+: Jetzt bin ich mal wieder dran!

22. Februar 2019

Mein neues Lebensgefühl 40+ lautet in Anlehnung an Willy Brandt ungefähr so: Mehr Egoismus wagen! Schon seit ein paar Jahren macht sich ein Gefühl in mir breit: Wo stehe ich? Was will ich? Und wer um Himmelswillen bin ich heute überhaupt? Ich bin mit fast 45 Jahren nicht dieselbe Person wie mit 35, aber irgendwie auch noch die 12jährige Nina und die 20jährige. Man ändert sich mit den Jahren, aber natürlich bleiben manche Dinge gleich. Familie und Kinder machen es einer Frau und Mutter ganz schön leicht, jahrelang nur “Alltag zu schrubben.” Bei mir kam in der Familie auch noch ein Pflegefall hinzu, darum will und musste ich mich intensiv kümmern und das bleibt auch noch so. In der letzten Dekade ist viel um mich herum passiert und ich hatte für viele andere die Verantwortung. Unsere Kinder sind nun (fast) groß, 8 und 12 Jahre alt, eine ganz andere Hausnummer als vor ein paar Jahren noch….

Ganz deutlich wurde mir das am letzten Wochenende: Sohn und Tochter waren beide ausgeflogen und übernachteten bei Freunden. Nachmittags um 15 Uhr war alles getan: Eingekauft, gewaschen, Hausaufgaben erledigt.

Die Kinder sind groß: Wer bin ich und was will ich jetzt?

Mein Mann und ich saßen untätig auf der Couch rum….

“Du, wir brauchen jetzt ein Hobby”, sagte ich zu ihm. Es ist Samstagnachmittag und wir haben Zeit für uns? Ich lauschte- es war still im Haus. Kein Kind, dass “Abputzen” rief oder nur “Mamaaaaaa”. Wahnsinn, so müssen sich “empty nesters” fühlen. Ein unwirkliches Gefühl. Haben wir uns so in den 30ern gefühlt?

Irgendwie toll, aber auch irgendwie überfordernd. So lange habe ich alles gewuppt. Eine Massage hier, ein Stadtbummel da, das war “me-time”.

Und jetzt soll es plötzlich wieder regelmäßig und mehr “Me-Time” geben? Bis dann irgendwann das ganze Leben wieder mein sein soll? WAHNSINN.

Ich bin auf mich selbst zurückgeworfen

Ich bin etwas ratlos und auch wehmütig. Ich fühle mich auf mich selbst zurückgeworfen und frage mich ernsthaft, ob ich mich im letzten Jahrzehnt zwischen all dem Hadern und dem Gehetze zur Vereinbarkeit etwas verloren habe.

Berufstätige Mütter haben unterbrochene Lebensläufe, haben sie aber auch unterbrochene Biographien? Haben wir nicht nur im Beruf ausgesetzt, sondern auch “bei uns”? Haben wir die Beziehung zu uns selbst vielleicht sogar am meisten vernachlässigt?

“Ist der Job der richtige für mich und sollte ich nicht mal wieder Sport machen”? – diese Fragen sind ja auch nur die Spitze des Eisbergs…Es geht im viel mehr- um Identität.

waldweg mit grünen Bäumen

Zeit innezuhalten und auf das gelebte Leben zurückzuschauen

Jetzt mit Mitte 40 lasse ich mein gelebtes Leben mit allem was dazu gehört Revue passieren Das ist nicht immer angenehm und in der Tat ist manches unwiederbringlich vorbei. Wer die Mitte des Lebens ehrlich anschaut und Zwischenbilanz zieht, wird nicht nur auf Schönes zurückblicken. Ich lerne gerade, mich damit zu versöhnen.

Dankbarkeit, Versöhnung, ganz viel nach innen schauen. Ich habe begonnen, mir dafür Zeit zu nehmen und es ist schon erstaunlich, was alles so “hochkocht”.  Was ist mir wichtig, für mich?Dazu gehört Beruf und Familie aber auch so banale Dinge wie: “Wieviel Small-Talk kann ich in meinem Leben überhaupt noch vertragen?”  Ehe, Familienplanung, Beruf,Haus, Garten, Auto. Große Baustellen sind das gewesen für die man viel Energie braucht.

Nun bin ich mal wieder dran!

“Meine Familie kommt an erster Stelle”, das lese ich gerade in meiner Filterblase immer wieder. Das ist auch immer noch bei uns in Deutschland gesellschaftlich so gewollt. Eine gute Mutter stellt sich hinten an. (Gesunder) Egoismus von Frauen (mit Kindern) wird zumindest nicht beklatscht. “Warum hat die denn Kinder bekommen, wenn sie x, y und z macht.”

Ich frage mich, ob es auf ein ganzes Leben hin gesehen gut für uns Mütter ist, uns so lange hintenanzustellen. Dürfen wir nach den intensiven Jahren der Kleinkindzeit nicht sagen: So, und nun bin ich mal wieder dran!?

Wahrscheinlich hätten wir es immer sagen sollen, von Anfang an.

Nicht immer wird dem Verständnis entgegen gebracht. Immer öfter gelingt es mir aber, mich von den Wertvorstellungen anderer frei zu machen. Auch von meinen eigenen ursprünglich gelernten Wertvorstellungen, das nennt man dann wohl persönliche Entwicklung.

Ich merke an mir, dass ich weniger gefällig sein will. Neinsagen fällt mir immer leichter. Vielleicht auch, weil man den Bullshit anderer Menschen viel schneller durchschauen kann.

Ich bin gesund und in keiner Notsituation. Ich schätze mich glücklich, dass ich mir all diese Gedanken überhaupt machen darf. Vielleicht brauche ich also gar kein Hobby?

Nun bin ich mal wieder dran. Wie toll ist das denn?

Ich freue mich zu hören, wie das bei Euch aussieht!

 

 

 

 

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11 Kommentare

  • Reply Maria 22. Februar 2019 at 8:46 am

    Ich habe ehrlich gesagt schon bammel… nein eher Angst, wenn es soweit ist.
    Ich bin Vollzeit arbeiten und dieses gehetze kenne ich zu gut, ABER es erfüllt mich.
    Ich liebe es Mutter zu sein und ich glaube genau das ist mein Hobby. Zwischendurch gibt es Oma und Opa Tage, wo ich mich gut beschäftigen kann, aber ich bin am Abend nicht ausgelastet und kann ewig nicht einschlafen.

    Ich hätte gerne jedes 3-4 Jahr ein neues Baby XD. Meine Kinder sind jetzt 9 und 4 und der große wird jetzt schon flügge. Ich lasse Sie alles machen und bin auch nicht der Glucken-Typ… ich leide innerlich vor mich hin. Meine Hoffnung sind nun 100 Enkelkinder, welche ich betuddeln kann 😉 Ich weiß nicht wie es wird, aber dieses kleine Stück für Stück Selbstständigkeit macht sich jetzt schon bemerkbar …

    Ich weiß noch nicht wie ich es ausgleichen soll… vielleicht werde ich ja dann eine verrückte Katzenfrau … 😉

  • Reply Frau Mutter 22. Februar 2019 at 8:50 am

    So toll, dass Du von Erfüllung sprichst. Das ist doch die Hauptsache und davon profitiert deine Familie sicher! Ich denke, man muss sich echt damit beschäftigen. Die Kinder sind schnell groß und dann? lg nina

  • Reply Nadine 22. Februar 2019 at 9:30 am

    Mir geht es recht ähnlich 😉 Allerdings habe ich mich in Beziehung “Wertvorstellung” anderer schon recht lange losgesagt. Entweder man mag mich oder nicht. Ich werde nächsten Monat 44, bin alleinerziehende Mama von einem 8 jährigen Sohn, habe einen Job und renne mir jeden Tag die Hacken ab (was ich aber gerne mache, eine gute Orga ist alles;-)). Dafür genieße ich dann die Wochenenden an welchen mein Sohn bei seinem Papa ist. Wichtig ist es auf jeden Fall sich selbst eine “QUALITY TIME” zu gönnen. Ich habe z. B. jeden Mittwoch Abend für mich und meinen Sport, da passt dann der Papa auf 🙂 Gott sei Dank funktioniert das bei uns echt super!
    Dann noch ein Kompliment an Dich. Ich finden Deinen Blog super und verfolge Ihn regelmäßig, auch wenn ich heute das erste Mal etwas kommentiere.

    • Reply Frau Mutter 22. Februar 2019 at 9:49 am

      Liebe Nadine, glaube Dir gerne, dass Du Dir die Hacken abrennst. Wahnsinn, was gerade Alleinerziehende schaffen. Und wie gut, dass Du für Dich ein Gleichgewicht gefunden hast. GROSSARTIG! LG Nina

  • Reply Dresden Mutti 22. Februar 2019 at 1:03 pm

    Ich bin gerade noch mitten drin, aber fühle mich auch schon relativ frei. Ich bin 31, die Kinder sind 4 und 5 Jahre alt und sie hängen so viel bei Freunden rum, dass ich auch viel Zeit für mich finde. Nach der anstrengenden Babyzeit, die bei mir mit dem Berufseinstieg zusammenfiel, ist das sehr cool und ich kann es genießen.

    • Reply Frau Mutter 22. Februar 2019 at 4:05 pm

      oh wow, da hattest Du aber viel, was zusammen kam. Schön, dass es nun entspannter ist;)

  • Reply hauptstadtpflanze 22. Februar 2019 at 3:19 pm

    Dein Beitrag spricht mir aus dem Herzen! Es ist gar nicht so einfach, wenn die Kinder größer werden und damit das eigene Leben wieder mehr Gewicht im Alltag bekommt. Anknüpfen ans vorher geht nicht so schlicht und etwas Neues will eben erst aufgebaut werden. Gefühlt stecke ich mitten in diesem Prozess. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge (und doch noch ziemlich gebremst von diesem Unding VEREINBARKEIT.
    Viele Grüße, Svenja

    • Reply Frau Mutter 22. Februar 2019 at 4:06 pm

      Ja genauso ist es. Einfach weitermachen wie vorher geht nicht. Manchmal ist dieses “Neuerfinden” anstrengend, aber immer auch eine Chance!

  • Reply Barbara 23. Februar 2019 at 12:36 pm

    Toll. Das finde ich wichtig – das Neinsagen 🙂

    LG

  • Reply Seeland 14. April 2019 at 10:00 pm

    Danke für den Artikel. Mir geht es gerade genau so. Meine Zwillinge werden 9.
    Sie spielen alleine draussen, besuchen Freunde, haben Hobbies, erledigen selber die Hausaufgaben. Und ich habe plötzlich Zeit.
    Was soll ich damit nur anfangen nach Jahren des Dauerstress zwischen Arbeit und Kindern?
    Ich muss mich auch gerade neu erfinden. Die Interessen aus der Zeit vor den Kindern Karriere, Party, Reisen passen auch nicht mehr. Es ist ein neues Lebensgefühl. Aufregend!

  • Reply Conni 17. Mai 2019 at 8:12 am

    Der Bericht passt gerade zu meinem Leben.

    Der Sohn wird mit zehn Jahren immer unabhängiger, fährt selbständig zu Freunden und ich trete immer mehr in den Hintergrund.
    Das gefällt mir sehr gut. Ich genieße das richtig.
    Es herrscht auch ein anderes Miteinander, mehr auf Augenhöhe. Man diskutiert anders, unterhält sich über “Erwachsene” Themen wie Forschung, Ökologie…
    Ich muss sagen, das ist die beste Zeit.

    Der Baby- und Kleinkindphase trauere ich nicht hinterher. Im Gegenteil.
    Es ist schön, die Verantwortung immer mehr abzugeben, weil das Kind eigene Entscheidungen trifft, sich selbst findet und ganz eigenständig von mir denkt und handelt.
    Mein Sohn ist in vielerlei Hinsicht komplett anders als ich und das ist super spannend!

    Auch liebe ich es, meinen Hobbies ausgiebig nachzugehen.
    Wanderungen, Radtouren, Sport, in die Sauna gehen…

    Es ist fantastisch. Jetzt beginnt mein zweiter Frühling 🙂

    Liebe Grüße,
    Conni

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