Leben mit Kindern

Einsame Mütter: Wie ein Netzwerk helfen kann

30. März 2018
einsame mütter

Einsame Mütter sind gar nicht so selten. Unsere Herkunftsfamilien wohnen oftmals hunderte Kilometer entfernt und die beste Freundin ist vielleicht noch in einer ganz anderen Lebensphase. Ich selbst war auch ganz schön alleine, als die Kinder kamen und dieser Blog ist auch ein Ergebnis meiner damaligen Situation. Gerade in der überwältigenden ersten Zeit ist Austausch mit Gleichgesinnten so wichtig. Dieses Problem hat die Berliner Mama Charlotte erkannt, beim Schopf gepackt und kurzerhand die geniale kostenlose App Momunity gegründet, die Mütter in ihrem Umkreis vernetzt. Egal, ob man nicht alleine zum Spielplatz gehen möchte oder einen gebrauchten Buggy sucht. Alles aus dem “Mütterkosmos” (und neue Freundinnen) findet man zukünftig bei Momunity.

Heute spreche ich mit Charlotte über das Problem der Einsamkeit von Müttern und wie man Abhilfe schaffen kann.

Einsame Mütter: Gleichgesinnte verzweifelt gesucht!

Charlotte, was hast Du nach den Geburten Deiner Kinder unternommen, um andere Mütter zu treffen oder hattest Du schon ein gutes Netzwerk?

Ich hatte mit der Geburt meines ersten Kindes tatsächlich noch überhaupt kein Netzwerk und wurde völlig überrumpelt vom Muttersein. Auch wenn sich eigentlich gar nicht viel änderte, änderte sich gefühlt ALLES. Mein Job war weg, meine Nächte waren dahin, meine Freiheit ebenfalls. Ich bekam meine Freunde kaum noch zu Gesicht und überhaupt fühlte ich mich manchmal sehr isoliert und einsam. Mein Tagesablauf kollidierte völlig mit dem meiner kinderlosen Freunde. Wenn ich mich morgens um halb sechs aus dem Bett quälte, kamen meine Freunde überhaupt erst von der Party nach Hause. Tagsüber hatte ohnehin kaum jemand Zeit – alle arbeiteten. Und abends? Naja, sind wir mal ehrlich, anfangs war ich viel zu eingebunden oder zu müde, und nach einiger Zeit wurde ich dann auch schon gar nicht mehr in die Abendplanung eingebunden (lacht).

Auch wenn sich viele der Freundschaften nach einiger Zeit wieder erholten, hatte ich das Gefühl, das sich das soziale Umfeld stark veränderte – und auch nicht ohne Grund. Meine Interessen und Prioritäten verschoben sich ja auch. Ich wollte mich natürlich mit anderen Müttern über Kinderthemen unterhalten, Tipps einholen und Probleme bequatschen. Um Gleichgesinnte zu treffen, besuchte ich Rückbildungs- und Eltern-Kind-Kurse. Na klar, auch wegen der Lütten, aber in erster Linie um andere Mommys kennenzulernen.

Auf Spielplätzen traf ich ab und zu mal eine sympathische Mutter, die ich aber meistens wieder aus den Augen verlor, weil wir dummerweise keine Kontaktdaten ausgetauscht hatten. Meine Große ist jetzt fünf. Mittlerweile habe ich ein ziemlich großes Netzwerk, kenne viele tolle Mütter aus den verschiedensten Umfeldern. Einige sind zu richtig guten Freundinnen geworden – mit anderen liebe ich es einfach gemeinsam etwas mit den Kids zu unternehmen, auch um die vielen Nachmittage nicht alleine bestreiten zu müssen. 

Wenn man Mutter wird, ist das super toll, aber manchmal sind die Tage auch mühsam, langweilig und schlichtweg einsam. Warum müssen Mütter andere Mütter treffen?

Ja, Mutter zu sein ist unglaublich toll und erfüllend. Ich bin überglücklich meine beiden Töchter zu haben, die wirklich großartig sind. Aber machen wir uns nichts vor und sprechen es ruhig auch mal aus: Mutter sein ist oft wahnsinnig anstrengend und zum Verzweifeln. Der Alltag kann schon ziemlich monoton und langweilig sein, sich sehr einsam anfühlen und einen an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringen. Spätestens, wenn man sich dabei ertappt, wie man minutenlang apathisch fiktive Nudeln im Puppenkochtopf umrührt, sollte man sich fragen, ob das alles so seine Richtigkeit hat (lacht).

Nein, im Ernst, wir Mütter sind ja auch noch Frauen, mit eigenen emotionalen Bedürfnissen. Wir brauchen zwischendurch auch gute Gespräche und nette Gesellschaft. Das macht den Alltag mit Kids einfacher und das Muttersein lebenswerter. Außerdem ist das Bedürfnis nach Austausch mit anderen Mommys ja ohnehin schon riesig. Haben wir doch einfach so viele gemeinsame Themen, die uns berühren und dieselben Probleme, die uns beschäftigen. Wir sitzen alle in einem Boot und tun tagtäglich dieselben Dinge. Das ist nicht zuletzt der Grund, warum wir Mütter uns noch viel mehr zusammen tun und die Tage mit Kids gemeinsam bestreiten sollten!

Mamas und Beziehungen ändern sich….

Vielen sind ihre Freunde ohne Kinder weiterhin wichtig (sind sie ja auch!). Was ist das Besondere an Beziehungen von Müttern untereinander und warum geht es nicht ohne?

Kinderlose Freunde sind super wichtig. Ich empfinde sie immer als Tür zu meinem „alten“ Leben. Mit ihnen werden ganz andere Unterhaltungen geführt, in der Regel auch mal nicht über die Kinder geredet. Das tut echt gut. Aber es gibt eben auch viele Themen, die ich mit ihnen nicht besprechen kann. Entweder, weil sie diese nicht verstehen würden oder weil ich sie ihnen nicht zumuten möchte. (lacht)

Auch wenn man natürlich nicht mit allen Müttern auf einer Wellenlänge ist – und so unterschiedlich wir als Menschen auch alle sein mögen – so sehr verbindet uns doch einfach die gemeinsame Lebenssituation. Von der Geburtserfahrung mal ganz abgesehen. Wir haben die gleichen Themen, die gleichen Probleme. Das gegenseitige Verständnis ist selbstredend, die bemitleidenden Blicke aufbauend.

Wir können ohne Worte kommunizieren und erfahren Zuspruch durch die einfache gegenseitige Anwesenheit. Wir können gleiche Erfahrungen teilen und eben auch mal über volle Windeln sprechen. Außerdem muss man ja ganz plump feststellen: wer hat denn unter der Woche für gemeinsame Aktivitäten Zeit außer nicht- oder teilzeitarbeitende Mütter? Aus der Not entwickelt sich also eine Art Zweckbeziehung. Und daraus können wiederum wunderbare Freundschaften entstehen!

Praktisch, lokal und kostenlos: Die Momunity App

Erkläre doch mal kurz, wie die Momunity App funktioniert! Was kann sie denn alles und ist das Ganze für den User kostenfrei?

Ja, die App ist kostenfrei. Momunity ist eine Netzwerk-App für Mütter, mit der sich Mütter austauschen, für gemeinsame Aktivitäten verbinden, zu spontanen Treffen dazu stoßen und neue Freunde finden können. Bei Momunity finden Mütter Antworten auf all ihre Fragen, bekommen Erfahrungstipps und können sich von Anderen inspirieren lassen, sich gegenseitig supporten und stärken. Auch wenn Momunity den überregionalen Austausch ermöglicht, geht es im Kern aber um die lokale Vernetzung mit Moms aus der direkten Umgebung.

So gibt es einen Newsfeed, den man gezielt auf den eigenen Wohnstandort anpassen kann. Je nach dem wie weit man den Radius ziehen möchte, erhält man eben auch nur solche Beiträge von Nutzern aus genau diesem Umfeld. Das hat den Vorteil, dass ich Themen, die mich geografisch nicht interessieren einfach ausblenden kann, aber immer im Blick behalte, was in meiner Region mit Kids los ist und was meine befreundeten Mütter gerade treiben. Auf einer Map kann ich sogar sehen, wo sie ihren Nachmittag verbringen und nach Herzenslust „mal eben“ dazu stoßen. Ganz spontan, kurzfristig und ohne lange Verabredungsprozesse.

Momunity bietet aber noch mehr. Ich kann mein gesamtes Mutternetzwerk bündeln, aber individuell mit jedem Einzelnen kommunizieren. Vor jeder Veröffentlichung eines Beitrags kann ich selber entscheiden, für wen dieser sichtbar ist. Ob für die Öffentlichkeit oder ausgewählte Kontakte oder Gruppierungen. WhatsApp und Facebook sind dagegen so flexibel wie ein Betonrohr (lacht)…

…Apropos WhatsApp und Facebook. Bislang kommunizieren Mütter mit anderen Müttern über genau diese Kanäle. Was kann Momunity, was die bestehenden Kommunikationsmittel nicht können?

Facebook ist für viele Dinge einfach zu öffentlich oder zu unspezifisch. Ich möchte mein komplettes Mutterdasein nicht mit meinen Ex-Arbeitskollegen oder meiner Backpacker-Freundin teilen. Es gibt mittlerweile natürlich Mami-Facebook-Gruppen. Selbst wenn einige sogar mehr oder minder stadtspezifisch sind, so werde ich aber auch hier mit Beiträgen konfrontiert, die für mich geografisch einfach nicht relevant sind. Ich kann meine Beiträge auch nicht an einzelne Mütter aus dieser Gruppe senden, wenn ich mich z.B. mit nur ein paar Mädels dieser Gruppe treffen möchte. Das nervt einfach. 

WhatsApps ist dagegen wiederum zu persönlich, statisch und verbindlich. Vor allem bei einem größeren Mutternetzwerk versinkt man irgendwann in einem Wust von WhatsApp Gruppen. Dann gibt es die Pekip-Gruppe, die Kita-Gruppe, die Moms-Best-Friend-Gruppe, die Schwimm-Gruppe und etliche mehr. Die Gruppen sind dabei leider immer auf einen bestimmten Personenkreis festgelegt. Was aber, wenn ich mich an diesem heutigen Tag mit Freunden aus verschiedenen dieser Gruppen treffen möchte oder eine spezifische Frage habe, die nur bestimmte Moms betrifft? Eine solche Individualisierung ist schlichtweg nicht möglich.

Ich bin der Meinung, wir Mütter brauchen ein eigenes Netzwerk, in dem wir unter uns sind, wo wir uns mit Gleichgesinnten verbinden, gegenseitig supporten und austauschen können – abgestimmt auf unsere jeweiligen individuellen Bedürfnisse.

Du sagst, wir Mütter sollten uns vereinen und gegenseitig mehr im Muttersein unterstützen. Eine tolle Vision…

Ja, früher war es die Familie, die in dieser isolierten Anfangszeit für die Mutter da war und die Kids in ihre Obhut nehmen konnte. Da wohnten alle unter einem Dach oder zumindest im gleichen Dorf. Heutzutage gibt es dieses Konstrukt nur noch sehr selten – vor allem in Großstädten nicht, wo viele Zugezogene leben und sich vieles sehr anonym abspielt. Diese Isolation mit dem Kind ist also für uns Mütter relativ neu.

Ich habe oft die Erwartung an mich selbst verspürt, dass ich es alleine schaffen müsste, sonst wäre ich keine „gute“ Mutter. Ich bin ja auch dafür verantwortlich, dass es das Kind gibt. Mittlerweile aber bin ich der Überzeugung, dass diese ständige Zweisamkeit uns Müttern gar nicht gut tut – genauso wenig wie unseren Kindern. Es gibt dieses afrikanische Sprichwort „It takes a village to raise a child“. Daraus können wir sehr viel Wahres ziehen, finde ich.

Selbst wenn wir dieses „Familiendorf“ nicht (mehr) vor unserer Haustür haben, können wir für andere Mütter “Familie” sein und gegenseitige Unterstützung geben. Manchmal reicht da die einfache Gesellschaft einer „Leidensgenossin“ schon aus. Ich sehe so häufig Mommys, die alleine Kinderwagenschiebend unterwegs sind oder stumm auf dem Spielplatz sitzen. Und ich weiß, die meisten von diesen Müttern, würden sich nichts sehnlicheres wünschen, als dies zusammen in netter Begleitung zu tun. Also, worauf warten wir noch?

Das stimmt, gerade in Großstädten sind alte Freunde und Familie oft weit weg und das Bedürfnis nach Support ist groß. Kann die Momunity da Abhilfe schaffen?

Absolut! Genau um diesen „echten“ Support geht es bei Momunity. Als ich meine erste Tochter bekam, zogen wir aus Berlin Mitte an den ruhigen Stadtrand. Ich hatte kaum soziale Kontakte, geschweige denn meine Familie in der unmittelbaren Umgebung. Zu meinem Glück wohnen zwar meine Schwiegereltern in der Stadt, aber Berlin ist riesig und ich überlegte mir in der Regel dreimal, ob ich mit den jammernden Kindern auf dem Rücksitz für einen kurzen Nachmittag noch mal quer durch die Stadt fahre.

Wir Mütter sind so sehr darauf angewiesen, soziale Kontakte in unserer direkten erreichbaren Umgebung zu knüpfen. Solche, die uns auch mal unter die Arme greifen können und spontane Gesellschaft leisten. Genau darauf beruht die Idee und Initiative von Momunity.

Liebe Charlotte, danke für deine tolle Idee und das Vernetzen von uns Mamas!

einsame mütter

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3 Kommentare

  • Reply Viola 1. April 2018 at 1:07 pm

    Oh ja, über so eine App hätte ich mich bei meinem ersten Kind auch gefreut!
    Die Veränderung von Jobwelt zu Mamasein ist wirklich nicht einfach und da hilft
    es, sich so vernetzen zu können – tolle Idee!

  • Reply Customwriting 1. April 2018 at 11:52 pm

    Was für ein wunderbarer Beitrag. Vielen Dank dafür. Ja so ist es, wir können die negativen Dinge fokussieren oder uns auf die vielen schönen Momente besinnen. Ganz tolle Idee, das Erlebte aus 2 Versionen darzustellen. Ich wünsche dir, das du auch bei dem 2. Kind deiner Intuition traust. Aus Erfahrung weiß ich, wie schwierig es ist, wenn um dich herum alle irgendeine andere Meinung zu haben scheinen. Bleib bei dir. Hingabe ist wohl das größte Geschenk, was ich aus meinem Muttersein mitnehme. Liebe Grüße aus Norddeutschland KAREN

  • Reply Antje 4. April 2018 at 8:30 am

    Gibt es leider nur für Apple..oder gibt es die auch für Android?

  • Kommentieren

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