Kind und Erziehung

Kinderbücher unter der Lupe: Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat

16. November 2011

Kindern vorzulesen ist wichtig. Für Kinder und für Eltern. Für die Sprachentwicklung, für das abendliche Aneinanderkuscheln. Von den körperlichen und seelischen Qualen, die Eltern während der Lektüre von so manchen Kinderbüchern erleiden müssen, ist leider nie die Rede.

Ich bin Buchhändlerin und Germanistin von Hause aus. Ich habe keine sonderliche Karriere hingelegt, aber nach all der brotlosen Literaturwissenschaft könnte ich heute auch den Fahrplan tiefenpsychologisch interpretieren. Heute versuche ich also, den tieferen Sinn des Bilderbuches “Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat” von Werner Holzwarth und Wolf Erlbruch zu ergründen.

Beim “Standardwerk der analen Phase” von Werner Holzwarth und Wolf Erlbruch geht es um A-a und NUR darum.

Der Inhalt: Der Maulwurf hat plötzlich Exkremente auf seinen Kopf und will wissen, wer der Urheber ist. Ist klar, warum sollte man einem Kind auch etwa beibringen sollen, Kotkontakt tunlichst zu vermeiden und sich nach Kontakt mit Pupsi die betroffenen Körperstellen zu waschen? Nein, wir wollen das A-a, Pardon, das Thema, auswalzen. Im Laufe des Buches sucht der Maulwurf, wohlgemerkt ohne die Kackawurst vom Kopf zu entfernen, mehrere Tiere auf. Er vergleicht sein Pupi mit dem des jeweiligen Tieres. Es findet also eine Stuhlgang-Konferenz, eine A-a- Podiumsdiskussion, statt.

Was will uns der Autor damit sagen: “Es ist okay, wenn Du Dein A-a inspizierst. Entdecke Deinen Körper mit allen seinen Extrakten, egal ob fest, flüssig oder gasförmig. Sei stolz darauf. Dein A-a gehört Dir ganz allein, Du bist der Bestimmer über Dein A-a. Tiere untersuchen ihre Exkremente, warum nicht auch wir Menschen? Es ist egal, was Deine Eltern Dir sagen, Dein Pupi ist gut, es gehört zu Dir. Du und Dein A-a seid Freunde.” Thank you very much, Herr Holzwarth und Herr Erlbruch. Zwischen zwei Windelwechseln meiner Tochter hätte ich fast vergessen, wie A-a aussieht und riecht. Gottseidank dient Ihr Buch mir als Erinnerungsstütze.

Foto: VHein/Pixelio

Das könnte auch interessant sein…

17 Kommentare

  • Reply Käfer 16. November 2011 at 7:39 am

    Du sprichst mir aus der Seele. DAS Buch habe ich meinen zukünftigen Erben vorenthalten und es war mir schon bei der ersten Buchvorstellung (ogottograus – das ist länger her, als mein Sohn lebt – bin ich uralt?) mehr als suspekt.

    Es gibt so viele schöne Bücher, auch über Maulwürfe, warum dann dieses Buch immer wieder neu aufgelegt und vor allem gekauft wird, bleibt mir ein Rätsel. Wer da wohl ein Problem hatte und vorallem welches, als er das schrieb / zeichnete?

    Mit vielen Grüßen von jemanden, dem zwei große Bücherwände nicht ausreichen, die Druckerzeugnisse unterzubringen, die man unbedingt behalten muss

    Käfer

  • Reply Kaddi 16. November 2011 at 7:43 am

    Ach Frau Mutter sei doch nicht so kleinlich, der nächste Schritt der Sprösslinge wartet nach dieser Lektüre definitiv: Kunst mit A-a… an Wänden, Möbeln und anderen Exkre… äh Experimenten. Ein Buch, dass ich nicht kannte.. LG Kaddi

  • Reply fraumutter 16. November 2011 at 7:46 am

    @Käfer: siehe auch andere “Buchbesprechung” zu Maulwurf Grabowski http://frau-mutter.com/2011/09/20/wertvolle-kinderbucher-neu-interpretiert-der-maulwurf-grabowski-von-luis-murschetz/

    @Kaddi: Ach Du Schande-Kotkunst-das wurde mir bei meinem Sohn zum Glück erspart

  • Reply Kaddi 16. November 2011 at 8:27 am

    Also nur um Missverständnissen vorzubeugen, das wurde mir bisher auch erspart und ich denke/glaube/hoffe, dass die Kinder aus diesem Alter raus sind… ähem, warum ist es gerade so ruhig im Wohnzimmer? LG

  • Reply Käfer 16. November 2011 at 5:57 pm

    Jaja, den bösen Beitrag über Maulwurf Grabowski hat mir ein wenig weniger Platz im Bücherregal eingebracht… 😉

    Ich mag überhaupt nicht, wenn jemand interessant über Bücher schreibt, ich will die dann meistens lesen, also meistens auch haben (die hiesige Bibliothek – für ne Landeshauptstadt sähr winzig – ist durchgelesen, also was lesbar ist).

    Übrigens darf ich “Den Zauberer der Smaragdenstadt” bzw. den 2. Teil dazu meiner Tochter vorlesen, zum 3. Mal… aber am zerlesenen Zustand der Bücher kann man ablesen, dass ich diese Bücher früher schon gern gelesen hab. Sind nämlich meine. 😀

    LG Käfer

    PS: Kotkunst oder Marmeladendeko sind mir zum Glück auch erspart geblieben. Dafür hab ich schöne Muster an der einfarbigen Tapete. In allen Filzstiftfarben….

  • Reply Andrea 17. November 2011 at 6:55 pm

    Danke!
    Ich hatte schon befürchtet, ich wäre die einzige, die das Buch nicht mag. Trotzdem lauert es immer noch an exponierter Stelle in den Kinderbuchabteilungen mehrerer Buchhandlungen, die ich gelegentlich besuche. Entweder sind das die letzten Restbestände oder die Kot-Kunst ist doch ein beliebteres Hobby, als ich bisher angenommen hatte. Hoffen wir mal, dass es Restbücher sind…
    Liebe Grüße, Andrea

  • Reply fraumutter 18. November 2011 at 2:38 pm

    Das freut mich, Ihr lieben Leser! Das eine “Buchbesprechung” so viele Kommentare bekommt….

  • Reply RALV 18. November 2011 at 6:37 pm

    Mut zur Mindermeinung: Ich find das Buch echt lustig. 🙂

    • Reply Bine Hübsch 27. Februar 2013 at 2:00 pm

      Allein schon, dass der Kinderbuchklassiker auf Kunstkitschworte wie Aa oder Pupsi verzichtet, macht ihn in meinen Augen zu einem verdienten Klassiker, der garantiert noch lange seinen exponierten Platz in den Buchhandlungen behalten wird.

  • Reply fraumutter 18. November 2011 at 7:15 pm

    Danke, RALV, ich freue mich über ALLE Meinungen udn im besten Fall wird im Kommentarfeld richtig diskutiert.Grüsse nach NYC

  • Reply bruedergoedde 19. November 2011 at 12:04 pm

    Ich liebe das Buch! Ich stehe dazu: Es ist genial!

    Mit freundlichen Grüßen

    bruedergoedde
    http://elchkinderbuch.wordpress.com/

  • Reply Kaddi 29. November 2011 at 10:08 pm

    Ähm zu dem Thema fällt mir das noch ein, wenn Du erlaubst:
    http://www.amazon.de/gp/product/B0014G15PI/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&tag=dddwnb-21&linkCode=as2&camp=1638&creative=19454&creativeASIN=B0014G15PI
    Liebe Grüße

  • Reply fraumutter 30. November 2011 at 7:00 am

    UNGLAUBLICH, danke für diesen Lacher!

  • Reply Frau DonauKwelle 14. Dezember 2011 at 11:02 pm

    Auch ich als noch-nicht-Mutter habe mich schon immer gefragt, wer dieses Buch seinen Kindern vorlesen möchte. Aber seit ich regelmäßig mit dem Boxer meiner Schwester spazierengehe weiß ich immerhin, woher die Idee zum Buch kommt: unser Boxer erledigt sein Geschäft nämlich am liebsten auf Maulwurfshügeln!

  • Reply fraumutter 15. Dezember 2011 at 5:50 am

    Über diese Eigenschaft von Boxern wusste ich auch noch nicht!!

  • Reply Uti 22. März 2012 at 1:09 pm

    Ich finde das Buch sehr gut und es kommt auch super bei den Lesungen an. Es ist nun mal ein Thema, was Kinder interessiert, egal ob Mama, Papa, Oma oder Opa das braune Häufchen ekelhaft finden. Vielleicht ist ja deshalb das Buch entstanden und die Auflagenzahl sowie die Veröffentlichung des kleinen Maulwurfs in vielen Sprachen sollte ein klein wenig Beachtung finden. Und trotzdem, die Rezension ist nicht zu verachten, mir sind so einige Lacher entfleucht und das ohne braunes Häufchen. 😀

  • Reply Das Ulli 27. Februar 2014 at 8:11 am

    Dieses Buch besitze ich und habe es – man glaubt es kaum – meinen Kindern sogar vorgelesen. Gekauft habe ich es damals, weil ich mich in der Buchhandlung halb kaputtgelacht hatte; nicht nur über die Geschichte, sondern auch über die niedlichen Zeichnungen. Allerdings wäre es mir gar nie in den Sinn gekommen, dieses Buch unter dem pädagogischen Aspekt des Annehmen-des-eigenen-Körpers-mitsamt-seinen-Ausscheidungen-und-blah zu sehen. Schließlich handelt es sich im Buch ja um Tierexkremente und nicht um die Kategorie “Dingsda geht aufs Töpfchen” etc.
    Ich habe in diesem Buch tatsächlich einen ganz anderen Gesichtspunkt entdeckt: Wir wohnen auf dem Land, genauer, direkt am Wald und hier gibt es doch das eine oder andere Tier, dessen Vorhandensein man nicht nur anhand seiner Spuren im Schnee oder Matsch, sondern tatsächlich wesentlich häufiger anhand seiner Exkremente entdecken kann. Und, so unfassbar es scheinen mag, dieses Buch hat tatsächlich dabei geholfen, meinen Nachwux auf diese tierischen Exkremente aufmerksam zu machen; sie lernten zu unterscheiden, was da sein Häufchen hinterlassen hat, bzw. diese Häufchen überhaupt erst einmal zu entdecken – und damit, zu erkennen, an welchen Stellen welche Tiere leben.

    Möglicherweise bleibt dieser Nutzen des Buches dem Stadtmenschen völlig verborgen, doch ich muss sagen, für den Landmensch macht das durchaus einen Sinn, abseits jedweder absurden Körperpädagogik.

  • Kommentieren

    Newsletter abo
    Wöchentlicher Newsletter von Frau Mutter mit den besten Beiträgen und extra Goodies für Euch!
    Nein, Danke
    Danke für Dein Abo. Bitte bestätige Deine E-Mail Adresse. Bitte checke Deine E-Mails und folge einfach den Anweisungen.
    Wir respektieren Deine Privatsphäre und werden Deine Daten nicht an Dritte weitergeben.
    Nichts mehr verpassen und heute den Newsletter von Frau Mutter abonnieren.
    ×
    ×
    WordPress Popup