Erfahrungen

Familie hat viele Gesichter: Die Patchworkfamilie

24. September 2014

Patchworkfamilie

Dieser Beitrag kommt von Katharina, die Wirtschaftspsychologin und in einer sogenannten „Patchwork-Familie“ aufgewachsen ist. Ich kenne sie über die Familien-App Familonet, die wir schon mal getestet haben. Auf die Frage, ob sie Geschwister hat, antwortet sie meistens „ Insgesamt sechs. Einen Halbbruder, eine Halbschwester, drei Stiefbrüder und eine Stiefschwester“. Das verwirrt viele, zu Recht. “Wie viele Parteien, Eltern und Kinder involviert sind kann ich selber nicht mehr sagen. Meine Geschwister haben ja selber wiederum Stief- und Halbgeschwister. Ich weiß nur, dass ich es prima finde eine so große Familie zu haben”, sagt sie. Ich persönlich habe auch noch eine Patchworkfamilie, die leider in Amerika lebt. Meine “Patchworkschwester” habe ich Euch auch schon mal vorgestellt.

Wenn es „richtige“ Geschwister gibt, gibt’s denn dann auch „falsche“?

“Also wie die Natur manchmal mitspielt – da haben beide Eltern blauen Augen und das Kind hat grüne!”, amüsiert sich ein älteres Ehepaar am Nachbartisch. Solche Kommentare bin ich gewohnt. Denn vor allem in älteren Generationen ist es unverständlich, dass das möglicherweise nicht an verwirrten Genen liegt. Aber: Es gibt eben noch andere Konstellationen außer “Mutter, Vater, Kind”. In diesem Fall war ich einfach mit meiner Mutter und meinem Stiefpapa im Restaurant.

Ein weiteres häufiges (und lustiges) Szenario meiner Kindheit: Meiner Stiefschwester Catharina und mir wurde beim Spielen zu zweit gerne mal langweilig. Aufgeschlossen wie wir beide waren, wurden mit Vorliebe auch mal Passanten angequatscht, ausgefragt oder zum Mitspielen bei Gummi-Twist überredet. Die fanden uns dann meist ganz niedlich und fragten: “Na, wie heißt ihr beiden denn?” Prompt kamen zwei Antworten: “Katharina” sagte ich, und “Catharina,” sagte meine Schwester und fügte stolz hinzu: “Aber mit C“.

Schweigen. “Aha… soso – seid ihr Geschwister?” Eine Augenbraue wanderte hoch. Wir bejahten. “Und wie alt seid ihr?” “Sechs” sagte meine Stiefschwester und “Sechs” sagte ich. Völliges Unverständnis machte sich breit. Die Tatsache, dass wir sowohl den gleichen Namen haben als auch gleich alt sind, wurde als Unsinn verbucht. Welche Eltern nennen denn ihre beiden Töchter “K/Catharina”? Und wie soll das bitte zeitlich passen, wenn beide gleich alt sind? Erst im Nachhinein kann ich die Verwirrung verstehen und muss darüber sehr lachen. Den Trend hin zur Patchworkfamilie und zu Stiefgeschwistern gab es schließlich nicht immer.

Der einzige Satz, der mich wirklich ärgert: „Hast du denn auch richtige Geschwister?“ Was sind denn bitte richtige Geschwister? Gibt’s denn dann auch falsche? Für mich ist es absolut normal, dass Geschwister nicht leiblich sein müssen damit sie einem ans Herz wachsen. Im Endeffekt ist es doch egal, wie man es definiert – wichtige Menschen im Leben sind eben wichtige Menschen, dafür braucht es keine Berechtigung. Ich plädiere dafür, dass in KiTas auch mal “Mutter, Stiefpapa, Halbgeschwisterchen” gespielt wird.

Wer von euch lebt in einer Patchwork-Familie und hat ähnliche Erfahrungen gemacht? Welche Hürden musstet ihr schon meistern?

Dies ist ein Gastbeitrag von Familonet. Mehr Infos zu App und Unternehmen hier.

Foto: © Karl-Heinz Laube /Pixelio

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6 Kommentare

  • Reply Fleur 24. September 2014 at 4:35 pm

    Bei uns wirds erst richtig kompliziert.
    Ich habe zwei Schwestern, eine halbe und eine …tja, dafür gibt es leider kein Wort. Es ist nicht meine Stiefschwester, es ist die Halbschwester meiner Halbschwester. Sandra und Tanja. Tanja und Sandra haben den gleichen Vater und Tanja und ich die gleiche Mutter. Die war erst mit Tanjas Vater zusammen und dann mit meinem. Daraus wurde dann eine richtige Patchwork Familie mit dicker Männer Freundschaft, was kaum einer Glauben kann. Als dann die beiden neu entstandenen Familie kurz nacheinander Dandra und mich bekamen, wuchsen wir gemeinsam auf, fuhren zusammen in Urlaub usw. Auch wenn wir nie gemeinsam gelebt haben ist Sandra genauso meine richtige Schwester wie Tanja auch.
    Wir haben nun auch im gleichen Jahr geheiratet und Kinder bekommen. Die gehen nun in die gleiche Kita und jedes Mal wenn man erklären soll warum sich hier aber keiner auch nur die Spur ähnlich sieht, erfährt man immer wieder, dass fast jeder irgendeine Art von Patchwork lebt. Ist doch toll!

  • Reply Frau Mutter 24. September 2014 at 4:54 pm

    Das ist eine tolle Geschichte, Fleur. Danke dafür!

  • Reply #101. Blogwoche | Bloggen. Leben. Nähen. 26. September 2014 at 8:51 am

    […] wird heute mit den Familienthemen. Frau Mutter hat eine Gastautorin gebeten, über das Leben in einer Patchworkfamilie zu schreiben. Wohlgemerkt ist diese groß geworden, bevor Patchwork zum Alltag gehörte. Nicht nur […]

  • Reply Familonet Blog 2. Oktober 2014 at 3:23 pm

    […] Hier geht’s zum Gastbeitrag auf Frau Mutter’s Website. […]

  • Reply Sally Widnok 11. Oktober 2014 at 1:08 am

    Hallo,

    ein sehr interessanter Artikel. leider gibt es noch viel zu wenige zu diesem Thema. Daher habe ich besonders für Frauen, also für Patchwork-Frauen, einen Blog gestartet. ich freue mich auf Euch, als Leser! http://www.patchwork-women.de

  • Reply René 15. November 2018 at 9:02 pm

    Das mit dem Namen und den “richtigen” oder “falschen” Geschwistern kennen wir auch. Wir sind eine Patchworkfamilie mit vier Kindern. Zwei heissen Jan(n)ik. Das gibt manchmal auch etwas Verwirrung und komische Gesichter. Aber wir finden es eher lustig als störend. Am Telefon dürfen wir immer nachfragen, welchen Jan(n)ik er/sie denn sprechen möchte, den großen oder den kleinen?
    Zum Glück kennt man irgendwann die Freunde der Kinder.

    Liebe Grüße, René

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