Frau Mutters Tipps

Bitte mal leiser schreien: Kinderlärm ist manchmal nervig, aber erlaubt!

13. Oktober 2014

Kinderlaerm Frau Mutter Blog

“Kannst Du bitte mal leiser schreien, Baby?” “Würdest Du dich bitte weniger intensiv ärgern, Trotzkind?” Es ist nicht immer einfach, das Ruhebedürfnis der Umgebung mit dem ganz natürlichen Verhalten von Kindern in Einklang zu bringen. Ich befinde mich eigentlich jeden Nachmittag in einem Dilemma, wenn die Kinder draussen spielen und sich natürlich nicht in Zimmerlautstärke unterhalten. Dann gehen die älteren oder kinderlosen Nachbarn vorbei und schauen grimmig und beschweren sich auch mal. Ich persönlich finde es total schwer, hier zu einem Ausgleich zu kommen. Deswegen habe ich mich mal ein bisschen schlau gemacht….

Kinderlärm ist natürlich, aber man lebt nicht allein

An manchen Tagen renne ich alle 15 Minuten aus dem Haus, um die Kinder zu ermahnen und dann denke ich wieder: Warum eigentlich? Sie spielen und dazu gehören “Geräusche”. Lachen, rufen, singen und alles was dazu gehört. Trotzdem ist Rücksichtnahme wichtig. Die achtzigjährigen Nachbarn benötigen ihren Mittagsschlaf und ich versuche ihre Mittagsruhe zu respektieren. Die Kinder verstehen das auch schon ganz gut.

Wer wie wir mit seinen Nachbarn keinen Kriegszustand möchte und gleichzeitig seinen Kindern einige Freiheiten zugestehen und sie nicht ständig ermahnen will, steht vor einem Dilemma: Wie weit dürfen wir unseren Kindern erlauben, ihrem Drang zum Toben und Spielen nachzugeben und wann provozieren sie mit ihrem unbeschwerten Vergnügen einen handfesten Nachbarschaftsstreit herauf, der auch vor Gericht landen könnte?

Kinderlärm ist keine Lärmbelästigung

Zum Glück für uns Eltern hat die Rechtssprechung in der Vergangenheit in der Regel so entschieden, dass Kinderlärm keine Lärmbelästigung darstellt. Auch der Bundesgerichtshof kam im Januar 2003 zum dem Schluss, dass üblicher Kinderlärm hinzunehmen ist, da er bei Familien zu den normalen Wohngeräuschen zählt. Babygeschrei zu den Ruhezeiten stellt daher eben sowenig einen Grund für eine Mietminderung dar wie fröhliches Spielen mit Freunden am Nachmittag. Auch draußen dürfen sich Kinder in der Regel nach Herzenslust austoben: Nicht nur auf den offiziellen Spielplätzen, sondern auch im Garagenhof (Urteil des Landesgerichts Wuppertal vom 29.07.08).

Dass das juristische Klima insgesamt etwas kinderfreundlicher wird, zeigt auch die Änderung des Bundesimmissionsschutzgesetzes aus dem Jahre 2011: „Geräuscheinwirkungen, die von Kindertageseinrichtungen, Kinderspielplätzen und ähnlichen Einrichtungen wie beispielsweise Ballspielplätzen durch Kinder hervorgerufen werden, sind im Regelfall keine schädliche Umwelteinwirkung.” Diese Entscheidung betrifft zwar nicht den privaten Bereich, zeigt aber ganz deutlich, dass Kinder ein Recht darauf haben sollen, auch mal etwas lauter zu sein, ohne ständig ausgebremst und ermahnt zu werden.

Kinderlärm bei älteren Kindern

Anders urteilen die Gerichte, wenn es sich um das Verhalten älterer Kinder oder Jugendlicher handelt: Diese können nämlich – im Gegensatz zu Babys und Kleinkindern – durchaus verstehen, wenn man sie auf das Ruhebedürfnis der Nachbarn hinweist. Laute Musik am späten Abend oder regelmäßiger Krach im Treppenhaus fallen eindeutig aus dem akzeptablen Rahmen. Aber auch Familien mit jüngeren Kindern dürfen ruhig einmal Alternativangebote zum täglichen Seilhüpfen oder Bobbycarfahren in der Wohnung machen. Denn auch wenn die Geräusche, die Kinder tagsüber und manchmal auch nachts so machen, Teil ihrer Natur und des sozialen Zusammenlebens sind, gibt es im Sinne eines friedlichen Miteinanders Grenzen, weshalb zum Beispiel das Saarländische Oberlandesgericht 1996 darauf hingewiesen hat, dass man in einer Eigentumswohnung nicht unbedingt Tennis spielen muss …

Ich habe mich entschlossen, meinen Kindern keinen Maulkorb zu verpassen. Sie können und sollen ja auch nicht wie ein Radio ausgeschaltet werden. Gleichzeitig ist Rücksichtnahme wichtig, die aber keine Einbahnstraße ist. Auch Erwachsene müssen Kindern zugestehen, mal Krach zu machen.

Wie seht Ihr das?

Foto: © Heike Berse/Pixelio

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9 Kommentare

  • Reply Anja 13. Oktober 2014 at 9:06 am

    Schwierig….wir wohnen im Erdgeschoss, haben einen kleinen,manchmal recht lauten 4-jährigen Sohnemann…klar versuche ich ihn dranzuerinnern das wir Nachbarn haben,die Babys haben die schlafen müssen.. gleichzeitig denke ich mir,wir haben Nachbarn die Bongos und Klavier spielen o_O,da darf er auch mal laut sein und sein Xylophon spielen 😀 ausser spätabends und zur mittagsruhe sonntags…..aber selbst da gibt es Ausnahmen! Also wie du siehst,ist alles eine Gratwanderung…..Bei Oma darf er so laut sein wie er will-die hat nen eigenes Haus 😀

  • Reply Frau Mutter 13. Oktober 2014 at 9:13 am

    Hallo Anja,
    Bongos und Klavier sind in der Tat auch laut….Einfach mal öfters zur Oma scheint mir eine super Idee zu sein. Viele Grüsse Nina

  • Reply susecks 13. Oktober 2014 at 9:13 am

    Hallo, ich finde Deinen Artikel sehr interessant. Auch ich bin der Meinung das Kinder ruhig etwas lauter sein dürfen. Ach was heißt etwas… sie dürfen schreien. Wenn nicht jetzt, in der Kindheit, wann denn dann? Im Übrigen ist es in Deutschland erlaubt bis etwa 22 Uhr “krach” zu machen, oder? 😀

  • Reply Oliver 13. Oktober 2014 at 12:21 pm

    Unser Kleiner schreit auch gerne mal nachts, wenn er schlecht geträumt hat – das lässt sich leider nicht abstellen. Aber bisher haben unsere Nachbarn da auch viel Verständnis – ich hoffe mal das bleibt, wenn der Kleine älter wird – noch ist die Wahrscheinlichkeit ein freistehendes Einfamilienhaus zu haben bei dem man niemanden in der Umgebung stört leider eher gering 😉

  • Reply skeg 13. Oktober 2014 at 2:03 pm

    Also ich habe selber keine Kinder und finde, dass “Lärm” von spielenden Kindern zu einem guten Wohngebiet dazugehört. Das ist schließlich ein Zeichen dafür, dass es friedlich genug ist, seine unbedarften Kinder draußen rumtoben zu lassen. Die Kids spielen im Gemeinschaftsgarten, auf der Spielstraße und im Hof Fußball oder Pirat oder sonst ein Spiel, bei dem gerannt und gerufen werden “muss”. Das ist für mich schönes Wohnen. Gegen 18/19 Uhr verschwinden die Kinderbanden zum Essen und Fernsehen und Schlafen. Mittags halten sie sich an die Mittagsruhe, so dass die ganz Kurzen und die älteren Mieter ihre Ruhe haben.

    Und (das klingt jetzt vielleicht spießig) solange sie mich grüßen, wenn ich ihnen draußen begegne, solange sie mich nicht über den Haufen rennen und Rücksicht auf die Terrassen der Nachbarn nehmen ist doch alles gut.

    Allerdings möchte ich das Recht haben, die Kids auf diesen Respekt hinzuweisen ohne, dass mich eine Mutter hinterher ermahnt, ich solle ihre Kinder nicht erziehen. Das gehört für mich nämlich genau so zu einem respektvollen Miteinander.

  • Reply Frau Mutter 13. Oktober 2014 at 3:23 pm

    Hallo Skeg,
    danke für Deinen Kommentar. Super, wenn das Zusammenleben so gut bei Euch funktioniert. Und Du hast Recht, natürlich kann man immer auch etwas sagen, wenn es zu viel wird. Gruss Nina

  • Reply Claudia 13. Oktober 2014 at 5:25 pm

    Ich finde es auch in Ordnung, dass Kinder beim Spielen mal laut sind. Das gehört einfach dazu.

    Nervig fand ich nur irgendwann mal, als Nachbarskinder Sonntagmorgen vor 8 Uhr schon mit dem Bobbycar über das Hofpflaster gerattert sind. Ok, ich habe das Fenster zu gemacht und weiter geschlafen. Geärgert habe ich mich dann erst, als ich von der Mutter zu hören bekam: Die sind halt immer so früh wach und machen in der Wohnung nur Krach. Da schick ich sie lieber raus.

    Ich finde, das muss dann auch nicht sein. Um selbst Ruhe zu haben, lieber die Nachbarn stören.

  • Reply swantje 21. Oktober 2014 at 3:50 pm

    Liebe Frau Mutter!
    An aller erster Stelle muss ich dir mal ein Kompliment machen: dein Blog ist wahnsinnig erfrischend!:) Da ich selbst auch viel mit Kindern zu tun habe, finde ich es einfach immer mal wieder interessant sich auf der Suche nach anderen Meinungen in Erziehungsfragen und so, auch mal im Internet umzusehen. Und da kommt mir dein Blog gerade recht!
    Zum Beitrag: die Meinung teile ich uneingeschränkt. Man muss zwar auch mal Grenzen aufzeigen, aber er gibt nichts kontraproduktiveres als den Versuch seitens der Eltern ihre KInder ruhig “zu stellen!” Swantje

  • Reply Danny 3. November 2014 at 4:52 pm

    Hallo Nina,

    ich hatte das Glück in einem Einfamilienhaus mit grossem Grundstück und umgeben von Feldern aufzuwachsen – so das es im Grunde unmöglich war jemanden zu stören, aber dieses Glück hat nunmal nicht jeder. Es ist natürlich ehrenwert seine Kinder daran zu erinnern gewisse Zeiten einzuhalten, aber ich habe auch das Gefühl, das die Empfindlichkeiten im Laufe der Zeit immer grösser geworden sind. Alleine das Wort “Kinderlärm” erscheint mir recht neu zu sein.

    Ob das an der sich stetig weiter öffnenden “Altersschere” und der damit für viele Menschen verbundenen Entfernung zur eigenen Kindheit, eigenen Kindern liegt?

    Viele Grüsse

    Danny

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