Familie

Rage against the Reihenhaus

14. September 2011


Wenn man sich der 40 nähert, Kinder hat und alle Hoffnungen auf eine Karriere in einer Rockband hat fahren lassen, wird der Gedanke von Wohneigentum plötzlich attraktiv. Von der armen aber sexy Mitte Berlins haben wir uns wohntechnisch in den reichen, aber frigiden Südwesten vorgearbeitet, “weil es hier halt so gute Schulen gibt und es so grün ist”.

Momentan fristen wir noch ein demütigendes Mieterdasein. “Herr Hausverwalter, das Dach leckt und es regnet rein, ferner haben wir eine Rattenplage”. Antwort Hausverwalter: “Das ist aber wirklich Mietersache, schauen Sie mal in Ihrem Knebelvertrag nach, Frau Mutter.”

Alle Schaltjahre kommt in unserer Gegend ein Haus auf den Markt, was wir uns nahezu leisten könnten.
Es gibt die Variante A:
Alt-Nazi Bude mit Leitungen und Elektrik aus der Zeit des 1000jährigen Reiches
oder Variante B: 70er Jahre asbest-verseuchtes Reihenhaus mit erbsgrünen Bädern und Party-Keller in Eiche rustikal.

Um diesen Immobilien-Träumen noch die Krone aufzusetzen, gibt es den ehrwürdigen und gesellschaftspolitisch wertvollen Beruf der Immobilienmakler. Der will für das nervlich aufreibende und körperlich anstrengende Aufschliessen des Hauses 7,14 % des Kaufpreises. Was ja durchaus nobel und bescheiden ist.

So rattern wir eines Tages mit dem gebrauchten Volvo-Kombi zum Objekt, während der Makler, der oft Patrick oder René heisst und einen fragwürdigen Doktortitel trägt, im kanariengelben BMW-Cabrio vorfährt. ”Ich grüsse Sie, Frau Mutter, Sie haben ja die Sonne mitgebracht. “
Zu dem nölenden Sohn sagt er: “Du bist ja ein waches Kind, junger Mann”. Spätestens hier kommt eigentlich schon wieder das Frühstück hoch.

Wir nehmen das verschnittene und düstere Häuschen aus den architektonisch wertvollen 1930er Jahren in Augenschein und stellen uns vor, wie man das ganze mit Ikea-Möbeln aufpeppen könnte. Eventuell alles in weiss streichen, das Badezimmer nach aussen und die Küche auf den Dachboden verlegen? Oder einfach gar nicht mehr duschen?

Auf Nachfragen, ob diese oder jene Wand tragend sei, antwortet der Makler mit einem sonnengebräunten: “Da bin ich aber überfragt, Ihnen aber noch ein ganz herrliches Wochenende!”

Da die Bank uns einen Hammer-Kredit von 7,8 Prozent Zinsen mit einer Laufzeit von 40 Jahren ohne der Möglichkeit einer Sondertilgung angeboten hat, kommt der Hauskauf auch dieses Mal nicht in Frage.

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