Kind und Erziehung

Die richtige Frisur für den Schuleignungstest

28. Oktober 2011

Der Countdown läuft. Der Schulbescheid für Sebastian ist da. Startschuss also im Wettrennen um die Plätze in den begehrten Grundschulen.  Als hyperventilierende Mittelschichtseltern sind wir aus Kreuzberg umgesiedelt in den verträumten Berliner Südwesten, dort, wo der Zahnarzt seinen Jaguar poliert, und die Kinder im Matrosenoutfit zur Schule hüpfen. So haben wir uns das jedenfalls ausgemalt. Wir selbst sind auf verschnarchte Grundschulen im hintersten Tal von Rheinland-Pfalz gegangen. Keine Matrosenhemden, sondern Gummistiefel für die ewige Wein-oder Spargelernte. Aber so war das eben nach dem Krieg. Wir hatten ja nichts. Unseren Kindern soll es mal besser gehen.

„Vorstellungsgespräch“ in der Grundschule

Gestern war nun das Vorstellungsgespräch bei der Wunsch-Grundschule. Büllerbü-Athmosphäre, es duftet nach Dinkelwaffeln aus der Schulküche. Die Schulkinder basteln beseelt mit Moosgummi im Hort, während wir im Gang auf die Direktorin warten.

Dieser Termin wurde von uns natürlich generalstabsmässig vorbereitet. Sebastian bekam einen Haarschnitt verpasst, bei dem er jedes Casting für ein “Au revoir, Les Enfants”-Remake gewinnen würde. Frau Mutter hat ihre Perlenohrringe aufpoliert und sich die Barbour-Jacke umgeworfen. Herr Vater punktet in einer modischen Kombi aus Cord-Jackett und Sneakers. Wir überlegten kurz, ob wir uns einen braunen Labrador aus dem Tierheim ausleihen sollen, um den “upper middle-class-look” zu vervollständigen, haben es dann aber doch gelassen.

Auftritt Grundschuldirektorin, Mitte 40, der respekteinflößende Typ. Sie trägt eine Art Kimono als Kleid.

Direktorin: “Ja, wie heisst Du denn?“
Sebastian: “Sebastian Penis Knallerbse!” (Sie ist etwas verwundert, aber lässt sich noch nichts anmerken)
“Und was machst Du denn so am liebsten?“
Sebastian: “Pupsen und Fussball spielen!”
“Hast Du denn noch eine Frage an mich?”
Sebastian: “Ja, warum hast Du heute Dein Nachthemd an?“

Die Direktorin behält scheinbar die Contenance, wir werden nervöser. Unser Sohn “Penis Knallerbse” verbaut sich hier gerade seine Zukunft.

Die richtige Frisur

Vielleicht kann Sebastian ja beim vorgezogenen Schuleignungstest punkten? Die Direktorin zeigt ihm die Zahl Zwei: “Welche Zahl ist das, Sebastian?”
“Das ist ein E!”
“Ah ja, wenn Du meinst…versuch doch mal hier diese Formenreihe weiter zumachen.”

Anstatt brav Dreieck, Kreis und Viereck aneinander zu reihen, malt Sebastian Gesichter in die Formen. Unsere Handflächen werden feucht. Nur ein Wunder kann uns noch retten. Sebastian merkt nun auch, dass dieses Mini-Assesment-Center nicht so toll für ihn läuft. Er versucht es also mit Charme. Er lächelt die Direktorin strahlend an, reisst seine braunen Kulleraugen auf und klimpert neckisch mit den Wimpern. Und tatsächlich, der Zauber wirkt.

“Ach, das ist ja ein wirklich süsses Kind. Von Schulreife ist noch nicht zu reden, aber wir nehmen ihn“, bemerkt die Direktorin, indem sie ihm die Frisur verwuschelt.

Geschafft! Wir gehen stolz nach Hause. Die Altersvorsorge ist gerettet. Ich bin gespannt, ob die “Klimper-Wimper-Technik” auch bei der Abiturprüfung Erfolg hat….


Foto: Gerd Altmann/pixelio

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8 Kommentare

  • Reply Kaddi 28. Oktober 2011 at 7:36 am

    Sehr geil, ich habe herzlich gelacht. Meine Große hat ihren Test mit Komplettverweigerung bestanden. Was immer DAS bedeutet. Ich bin auch immer dafür, dass man ruhig unlautere Mittel wie Wimpernklimpern einsetzen darf! Kaddi

  • Reply fraumutter 28. Oktober 2011 at 7:38 am

    Das beruhigt mich aber!

  • Reply Beate 28. Oktober 2011 at 10:46 am

    haha, muste auch schallend lachen. Ist übrigens der erste Post, den ich von dir lese, und das wird sicher nicht der letzte sein.^^
    Wir wohnen in Berlin Buch, unser Sohn ist 33 Monate und wir überlegen schon, umzuziehen, weil uns hier die Schulen nicht gefallen (sonst finde ich es schön hier). Südwesten Berlin ist auch meine bevorzugte Gegend. *g* Aber so wie es aussieht, für uns Kleinverdiener zu teuer. Seufz.
    Liebe Grüße, Beate

    • Reply fraumutter 28. Oktober 2011 at 11:17 am

      Viele Grüsse nach Berlin Buch und Danke für Deinen Kommentar!

  • Reply mama007 28. Oktober 2011 at 1:33 pm

    NEIN, nienienienienie will ich umziehen wegen der Schule! Aber sind ja noch 2 Jahre Zeit…..
    Mama007

  • Reply fraumutter 28. Oktober 2011 at 1:41 pm

    @Mama007: Dann bleibt Dir auch erspart, in der „Boutique Chez Peggy“ einkaufen zu müssen und im „Café Ährenkrone“ schlechten Filterkaffee zu trinken :))

  • Reply Liselotte 29. Oktober 2011 at 4:38 pm

    BRAVO zu diesem Beitrag !
    Ich, das weibliche Wesen fortgeschrittenen Alters, hat sich prächtig amüsiert.

  • Reply mama007 31. Oktober 2011 at 12:24 pm

    Also Frau Mutter, wenn Sie sich mit Baby, Kind, Mann oder alleine durch ganz Berlin trauen, dann kommen Sie doch mal in den Friedrichshain. Café mit saugutem Kaffee und Kuchen UND Babyspielecke: Karvana, Gabriel-Max-Straße. Oder, ohne Spielecke, dafür aber NOCH leckerer Café und Kuchen und weniger Touris: WahrhaftNahrhaft, Grünberger Straße/Ecke Boxhagener Platz. Sagen Sie Bescheid wenn Sie kommen, dann schlepp ich den Kleinen Mann auch mal wieder hin! Ihre Mama007
    P.S.: „Chez Peggy“ klingt ganz schlimm.

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