Gastbeiträge

Weihnachtsmann spielen: mein neuer Top-Job!

15. Dezember 2016
Weihnachtsmann spielen

Der Job des Weihnachtsmannes ist leider (noch) nicht gender-neutral. So werde ich wohl nie erfahren, wie beglückend es sein kann, für Kinder den Santa Claus zu spielen. Kolumnist Johnny war kürzlich plötzlich Weihnachtsmann und es hat ihm sehr gut gefallen! Hier sein Erfahrungsbericht als bärtiger Mann in rot. Viel Spaß!

Wie ich zum Job des Weihnachtsmannes kam

Ich bin auch ein echter Weihnachtsanalphabet. Ich sehe den Baum, ich sehe die Stiefel, allein was sie zu bedeuten haben, das erschließt sich mir nicht. Mein letzter Kirchenbesuch war beruflicher Natur und liegt wahrscheinlich auch schon einige Jahre zurück. Tja, und dann ist man plötzlich Papa, die Feiertagssituation eskaliert und während man mehr Fragen als Antworten erhält, ist man plötzlich höchstselbst der weihnachtliche Geschenkeschlepper. Ich, der Weihnachtsmann. Ein unerwartete Nachbarschaftsgeschichte:

Religiöses Cross-Over wie bei „Life of Brian“

Lassen Sie uns nicht darüber sprechen, inwieweit ich die figürlichen Erwartungen an den Weihnachtsmann übererfülle. Es gibt neben meiner Figur und der Frage nach dem richtigen Nadelholz nämlich viel Wichtigeres, denn: Wer in drei Katers Namen bringt denn nun eigentlich die Geschenke? Ist es der Weihnachtsmann? Oder ist es das Christkind? Immerhin würde ein vermeintliches Christkind gut durch den Schornstein passen, oder?

Vielleicht muss die Antwort aber lauten: weder noch! Ja, jetzt müssen wir alle ganz tapfer sein, denn: Ich, Johnny der Erste bin der Weihnachtsmann – und auch das Christkind! Zumindest für die Nachbarskinder im Seitenflügel. Ja, so schnell kann’s gehen. Eben noch im Chanukka-Kerzenschein lecker Lattkes verspeist und im nächsten Moment schon der Auserwählte. Jetzt weiß ich, wie sich Brian aus Rübennasenhausen im Film „Life of Brian“ gefühlt haben muss.

 

Bei Männermangel eingesprungen

Ich bin der Weihnachtsmann! Und wenn ich so in den Spiegel schaue und die grauen Barthaare zähle, ja, dann kommt das wohl auch nicht von ungefähr. Eine Nachbarin, alleinerziehend, fragte mich ihrerseits, ob ich nicht die Geschenke für ihre Kinder vor die Tür legen, mit Sternenstaub bestäuben und dann mit einer Glocke läuten könne? So eine Art „Secret Santa“ mit Christkind-Glocken-Feature. Immerhin bleiben mir Mantel, Kissen und „ho ho ho“ erspart. Ein fairer Deal.

Heiligabend. Tatort Seitenflügel, erster Stock. Aus mir selbst auch nicht ganz nachvollziehbaren Gründen entledige ich mich auf halber Treppe meiner Schuhe. Berliner Altbau mag in vielen Belangen überaus charmant sein, zum Anschleichen eignet er sich indes nur so mittelmäßig. Aber nicht aus dem Grund, an den sie jetzt denken.

Der Terrier mag Santa nicht

Mit zwei bis zum Zerreißen gefüllten Geschenktüten, einer güldenen Glocke sowie einem Flakon Sternenstaub, also streng genommen aufgemacht wie immer, nehme ich die ersten Stufen in Richtung Wohnungstür. Plötzlich bricht trotz aller gefühlten Stille linker Hand Tumult aus. Der Jack-Russel-Terrier der Nachbarin.. Moment, ich probier’s nochmal. Aufruhrartiger Tumult hinter der Tür aus Wohneinheit erstes Obergeschoss links. Hier lebt ein Jagdhund, dessen Manieren selbst an guten Tagen noch eher zu wünschen übrig lassen. Das gilt übrigens auch für den dort beheimateten Jack-Russel-Terrier. Meine Mission gerät in Gefahr. Jetzt zahlt es sich aus, im Dunkeln auf Socken in der Kälte zu stehen, denn durch ihren Türspion sieht die Nachbarin: nichts.

Den Job muss man ernst nehmen

Ich drapiere Geschenke und Sterne und wundere mich, was wohl in den verpackten Kisten stecken könnte? Ich möchte sie schütteln oder wenigstens doch mal kurz reinschauen. Ist es als Weihnachtsmann nicht meine vereidigte Pflicht zu wissen, was ich da herschenke? Ich gerate in Rage darüber, was sich die Nachbarin eigentlich dabei gedacht hat, mich bei der Geschenkewahl nicht zu konsultieren. Ich verfasse einen Brandbrief und verteile die Sterne viel verschwenderischer als vorgeschrieben. Ha! Punk ist nicht tot, Punk ist Weihnachtsmann.

Ein letzter Blick auf das Geschenke-Arrangement. Ein Schaufensterdekorateur ist jedenfalls nicht an mir verloren gegangen. Der schwierige Part ist indes nicht so sehr das lautlose Drapieren, sondern die beiden riesigen Geschenketüten, die mit ihrem Rascheln noch in zwei Kilometer Entfernung zu hören sind – und manche wahrscheinlich als Silvesterböller fehlinterpretieren.

Freude schenken macht wirklich Freude

Ich betätige die Klingel. Abermals bricht Tumult aus. Dieses Mal ist es das fröhlich eskalierte Gebrüll zweier Zwillinge, die ganz genau wissen, was die Klingel just an diesem 24. Dezember zu bedeuten hat. Ich stürze die Stufen hinunter, lange in letzter Sekunde nach meinen Schuhen und reiße endlich die Tür zum Innenhof auf. Mein Herz rast in der Geschwindigkeit eines alten Aston Martin, der im Fernsehen Formel 1 schauen muss.

Gelohnt hat es sich aber dennoch. Nicht nur wegen des unerwarteten Adrenalinschubs. Nein, auch das Gefühl, zwei Kindern und vielleicht auch einer Mutter an diesem besonderen Tag eine Freude gemacht zu haben, erfüllt mich mit Zufriedenheit.

Man kann es mit Weihnachten halten, wie man möchte. Ob man es nun liebt oder hasst. Ob die Geschenke am 24. Dezember unter einer echten Nordmanntanne liegen oder auf der Fußmatte vor der Haustür.

Am Ende des Tages geht es nicht um eigene Befindlichkeiten und Unsicherheiten. Vielleicht geht es ganz einfach darum, Anderen mal eine Freude zu bereiten. Auch dann, wenn es bedeutet, etwas zum allerersten Mal zu machen. Oder auch, wenn man gar nicht weiß, was man da eigentlich genau tut.

papa glucke 2

 

Johnny, Museumspädagoge mit Berliner Wurzeln bloggt seit mehr als einem Jahr regelmäßig auf seinem Blog Weddinger Berg. In seinem Papablog offenbart er die satirisch ungeschönte Wahrheit über sich als Vater einer töchterlichen Urgewalt. Manchmal mit einem Augenzwinkern und immer zischend frisch. Aus dem wunderschönen Wedding, Berlin.

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