Familiengeschichten

Mein grösster Traum: Im Bällebad übernachten!

15. Januar 2017

Das Bällebad ist sicherlich so eine Sache, um die Erwachsene Kinder beneiden. Fast so wie sich auch im Sommer und ganz ohne Fasching als Prinzessin verkleiden zu können. Frau Mutter-Kolumnistin Frau Vanderwitz schreibt heute über ihren Traum im Bällebad. Wer weiß, vielleicht erfüllt er sich ja noch. Viel Spaß bei diesem Text, mit dem ich mich sehr gut identifizieren konnte…

Erwachsenenparadies Bällebad?

Wir kennen alle diese großen Einrichtungshäuser. Auch das gelb-blaue skandinavische Möbelhaus, das unsere weiblichen Hormone tanzen lässt. Es ist alles so praktisch, so niedlich, so schön! Hachjaa! Aber ich gehe nur aus einem einzigen Grund in dieses Möbelhaus. Nun ja, eigentlich sind es zwei Gründe. Der eine sind die rosa Marzipantörtchen. Der andere das Kinderparadies.

Jedes Mal, wenn ich mit meiner uralten blauen Plastiktasche durch den Eingang komme, bleibe ich im vorderen Bereich des Möbelhauses andächtig stehen. Manchmal erwische ich mich auch dabei, wie ich laut aufseufze.

Ich habe da nämlich diese Sehnsucht.

Ich will auch ins Bällebad. Nur einmal.

Eintauchen und … von mir aus vor Glückseligkeit sterben.Meine Liste von Dingen, die ich vor meinem Ableben unbedingt erlebt haben möchte, ist sehr kurz. Sie enthält nur ein Wort. Es fängt mit B an und hört mit ällebad auf. Ich finde, jeder braucht ein Ziel im Leben. Meins enthält viele bunte Bälle. Es könnte Schlimmeres sein.

Mir ist natürlich klar, dass ich nicht dann bällebaden sollte, wenn dort Kinder spielen. Die Gefahr, dass ich eins kaputtmache, ist einfach zu groß. Das wäre so, als würde ein Orka sich auf einen Haufen Sardinen werfen. Da bräuchte man die danach nur noch in die Konservendose abfüllen.

Nein, ich möchte ganz allein ins Bällebad. Alles nur für mich!

Also gehe ich morgens ganz früh dorthin. Wenn brave Kinder noch im Kindergarten oder in der Schule sind. Ich darf aber trotzdem nicht rein. Bis 12 Jahre, steht auf dem Schild, auf das die Frau von dem Möbelhaus deutet. Sie ist immer noch sehr freundlich. Obwohl ich das jetzt nicht zum ersten Mal frage.

Das Bälle-Paradies: Ich will aber da rein!

„Wenn ein Kind kommt, tauche ich einfach ab“, schlage ich vor.

„Nein, tut mir leid, das geht nicht.“

Also gehe ich in die Caféteria und genehmige mir ein Marzipantörtchen, während ich einen Schlachtplan aushecke. Ich will und ich werde ins Bällebad gelangen! Mit Schwung und Entschlossenheit werfe ich das Tablett aufs Band, schnappe mir meine blaue Plastiktasche und verlasse das Möbelhaus schnellen Schrittes.

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…………..träum…….träum…….träum………..

Nur um circa eine Stunde vor Ladenschluss wiederzukommen. Ich habe nämlich das Ungeheuerliche vor. Das, worüber sie in Hollywood ganze Filme drehen. Ich werde mich über Nacht in besagtem Möbelhaus einschließen lassen. Man kann ja schließlich auch nachts baden gehen! Was soll schon passieren? Zu weit rausschwimmen kann ich ja nicht. Ich kann mir höchstens den Kopf am Beckenrand anstoßen.

Ich gehe also erst mal in die Lampenabteilung und hole mir eine Lichterkette und die zugehörigen Batterien. Das tue ich unauffällig in meine knallgelbe Aushilfs-Shoppingtasche. Meine alte blaue Tasche wartet zu Hause auf mich. Ich werde ihr später von meinem nächtlichen Abenteuer berichten. Ich nehme mir auch eine von den großen, flauschigen Decken und einen großen Stoffhund mit. Ein Kissen einzupacken erscheint mir nämlich zu auffällig. Ach, und da gibt doch tatsächlich in der Schlafzimmerabteilung auch einen Wecker im Angebot! Schnapp! Und rein damit in die Tasche. Denn ich will ja nicht den ganzen Schwimmspaß verpassen!

Als nächstes brauche ich noch ein Versteck. Die Bettenabteilung!

Aber Mist! Um mich unter einer Decke zu verstecken, bin ich zu dick, und darunter geht es auch nicht. Die Betten stehen frei im Raum und so würde das Reinigungspersonal mich locker hinauskehren. Also auf zu den Schrankwänden! Doch ich mahne mich zu einem entspannten Gehen. Bloß kein Aufsehen erregen!

Ah! Da ist es! Das riesengroße Schranksystem! In den unteren Fächern mit Vordertüren findet die Tante ausreichend Stauraum für sich und den Kuschelhund.

Nachts im Bällebad: The Movie

Ich schaue schnell nach links und rechts, dann werfe ich die gelbe Tasche in den Schrank und rolle mich seitlich hinein. Während mehrere Durchsagen das Schließen des Einrichtungshauses ankündigen, richte ich mich häuslich ein. Den Wecker stelle ich auf 4 Uhr morgens. Meinen Kopf habe ich auf dem Kuschelhund aus hautfreundlichem und kindersicherem Material nach Ökotex-Standard gebettet. So schlummere ich selig ein. Als die Putzkolonne mit den Staubsaugern vorbeikommt, schrecke ich kurz auf und stoße mir den Kopf an dem Schrankbrett über mir.

Autsch!

Zum Glück hört es niemand. Ich lege den Kopf wieder auf dem Kuschelhund ab. Ich beschließe, das treue Tier morgen zu kaufen.

Als dann um 4 Uhr der Wecker klingelt, tut es wieder einen großen Knall, als ich erschreckt hochfahre. Diesmal scheppert mir das Schrankbrett entgegen. Ich flüchte aus dem Riesenschrank – jedoch nicht ohne Köttbullar zu retten, so heißt mein Hund jetzt. Ich hüpfe vorsichtig die stillstehende Rolltreppe ins Untergeschoss. Zum Glück brauche ich kein Licht, denn von draußen scheint hell das gelbe Licht der überdimensionalen Leuchtbuchstaben herein.

Und da ist es: das Kinderparadies!

Es ist natürlich verschlossen. Ich entscheide mich dagegen, die Scheibe einzuschlagen. Nicht dass sich ein Kind an den Splittern verletzt. Außerdem vermute ich, dass es ohnehin Plexiglas ist.

Doch eins ist klar: Ich muss da rein! Ich muss!

Dann fällt mir diese Öffnung in der Scheibe ein, die so aussieht wie eine Katzenklappe. Nur viel größer. Ich habe Kinder da hindurchklettern gesehen. Also schwinge ich mich sehr un-elegant über den Tresen und taste mich an der Scheibe entlang, bis ich die Klappe entdecke. Vorsichtig öffne ich sie.
Und was soll ich sagen: Zu meinem großen Glück kommt das Personal des schwedischen Möbelhauses schon recht früh. Länger als zwei Stunden hätte ich es auch nicht ausgehalten in der Klappe. Aus der mich die Feuerwehr herausschweißen musste.

Aber ich durfte immerhin den Hund behalten. Als Abschiedsgeschenk. Ich habe nämlich jetzt Hausverbot. Für ein ganzes Jahr. Was ich nett finde. Denn in dieser Zeit schaffe ich es, so viel abzunehmen, dass ich durch die Klappe passe. Beim nächsten Versuch. Ich denke nämlich, jeder braucht ein Ziel im Leben.

……….Aufwachen……………

Als ich schweißgebadet aus meinem Schlaf aufwache, suche ich als Erstes nach den Abdrücken der Bällebad-Klappe auf meinem Bauch. Doch da ist nichts. Mein Bauch sieht vielmehr wunderbar rosa und rund aus. Wie das Marzipantörtchen, das ich gestern verspeist habe. Mein nächtlicher Ausflug war nur ein Traum. Ich bin erleichtert. Ein ganzes Jahr Hausverbot! Das würde auch bedeuten, dass ich die Marzipantörtchen nicht mehr essen darf. Oder Kuschelhunde kaufen.

Und das wäre wirklich schade.

 

saskia vanderwitz schulte

 

Saskia aka Frau Vanderwitz schreibt hier auf dem Blog aus der Perspektive einer kinderlosen Frau. Als Katzenmama und begeisterte Tante nimmt sie die Welt der Familien witzig-ironisch unter die Lupe. Saskia schrieb bereits für mehrere Kabarettgruppen, ist poetry slammerin und Autorin. Mit Frau Mutter verbindet sie eine glorreiche studentische Vergangenheit im Fachbereich “irgendwas mit Medien”

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