Familienalltag mit Humor

Kleine Kinder werden groß. Ein Glück, oder…?

2. Juni 2016

Wenn mein Sohn mich umarmt, bin ich seit einiger Zeit immer ganz wehmütig. All der Babyspeck ist verschwunden! Er ist schon so groß geworden! Was für mich ein Grund für Melancholie ist, scheint für meinen Mann ganz okay zu sein. Er verrät uns (und mir!) heute, dass er es wohl gar nicht erwarten konnte, dass die Kinder endlich groß werden. Weil- aha- nun sein Leben wieder neu begonnen hat. Sososososo. Ein ehrlicher Text über die Zeit mit Kleinkind und was danach kommt, die „goldenen Jahre“.

Kinder werden groß: voll krass

Mensch, Du bist aber GROSS geworden‘ – dieser Satz, gerne hervorgebracht von Wirtschaftswunder-gesättigten Verwandten auf tortenlastigen Familienfesten, war mir als Kind immer unangenehm gewesen. Sollte ich mich dafür entschuldigen oder stolz darauf sein? Was war das für ein komisches Gesprächsthema von „diesen Großen“? Also stand ich lieber ungelenk vor den Onkels und Tanten und liess mich zu meinen bemerkenswerten vertikalen Wuchs beglückwünschen.

Heute kann ich das Erstaunen der Vor-Generation jedoch besser nachvollziehen, immerhin wächst man ja irgendwann nur noch in die Breite (siehe -> tortenlastige Familienfeste). Und überhaupt: wollen denn nicht alle Eltern insgeheim, dass Kinder wachsen, und zwar möglichst schnell? Neugeborene, leicht und weich wie ein aufgerollter Daunenschlafsack, sind ja ganz niedlich, aber leider auch so wahnsinnig anstrengend. Die Jahre Null bis Vier sind für Eltern doch in Wahrheit ein einziges Überlebenstraining im Bermudadreieck Schlaflosigkeit, Windelmarathon und Heulattacken. Berichte der Eltern-Konkurrenz, wonach deren Kind ja schon vom ersten Tag an durchschlafe, machen da nur noch wahnsinniger.

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Durchhalten bis zu den „goldenen Jahren“?

Und dann: plötzlich sind sie gross, und das Leben kehrt zurück. In dieser glücklichen Phase befinden wir uns derzeit: DIE GOLDENEN JAHRE. Wickelkommode und Treppengitter sind abmontiert, Plastikgeschirr und -badewanne längst entsorgt, Kinderwagen und Strampler verkauft. Die Schreiattacken ebben ab (ganz verschwinden sie wohl nie), Restaurantbesuche werden zaghaft wieder aufgenommen, die Prospekte fuer Familienhotels („Frühstücksspaß mit Tanz-Bär Purzel – so macht Urlaub für die ganze Familie Spass“) in die Papiertonne getreten. Und der Streit unter den Geschwistern, er lässt nach, tatsächlich. Kurzum: man erobert so langsam wieder sein altes Leben zurück.

Neulich waren wir auf einer Feier, auf der Kinder von 0 bis 10 in jeder Jahresklasse vertreten waren. Ergebnis: Dauerstress, für alle. Stürzende Körper mit schokoverschmierten Gesichtern, nur mühsam von bespeichelten Taschentüchern der Eltern gereinigt, Schreie, Anfälle, Wutausbrüche allenthalben. Dieses Alltagschaos mit kleinen Kindern hatte man schon fast wieder vergessen. Die Wochenenden, an denen man sich den Montag und in die zen-gleiche Ruhe und Ordnung des Büroalltags herbeisehnte.

Umso mehr treibt mich daher nun die bange Frage um: wie lange werden sie wohl anhalten, diese goldenen Jahre? Wann kippt die Stimmung wieder, schlägt die schöne Harmonie um in Pubertätsgenöle, Liebeskummer, Schulstress um? Schon jetzt ist es schwer, die Kinder morgens unter der Woche aus den Betten zu kriegen, nachdem man sich jahrelang nichts sehnlicheres gewünscht hatte, als schlafenden Nachwuchs. Und dennoch: die beste Zeit ist jetzt. Und so ertappe ich mich dabei, wie ich zu eben diesen Onkels geworden bin, die mit Begeisterung in der Stimme deklarieren: „Mensch, seid Ihr GROSS geworden.“
„Und was für ein Glück“, sollte man meinen.

Ist das so? Wann ist für Euch die beste Zeit mit Kindern?

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5 Kommentare

  • Reply Susan 2. Juni 2016 at 9:16 pm

    Oh ich muss es leider schreiben, hier gibt es ein kleines Problem mit Grammatik. „War.. gewesen“ und „zu meinen Wuchs beglückwünschen“. Ich weiss ich bin penetrant, sorry. Ihr könnt meinen Kommentar auch einfach löschen. Ich würde es verstehen. 🙂
    Inhaltlich kann ich nur zustimmen. Ab 4 beginnt die beste Zeit.

  • Reply Frau Mutter 3. Juni 2016 at 7:18 am

    Liebe Susan,
    wo wären wir in Deutschland, wenn wir uns nicht gegenseitig andauernd verbssern würden? Falscher Konjunktiv, oder?;)
    Steine kloppen würden wir noch!
    Trotzdem danke, Fehler können sich manchmal einschleichen. lg nina

  • Reply Antje 3. Juni 2016 at 7:23 am

    Liebe Nina, meine Kinder sind 7 und 5 Jahre alt und ich kann Dir auch nur zustimmen, dass jetzt die beste Zeit ist. Ich war nie eine Babymutter und immer froh, wenn die Kinder dem Kleinkindstatus entwachsen sind. Genießen wir es.

  • Reply Susi 6. September 2016 at 8:07 pm

    Liebe Nina, sehr schöner Aritkel! Meine Kinder sind jetzt drei und sechs Jahre. Ich kann mich nur schweren Herzens von der Babyzeit verabschieden. Jetzt sind die beiden schon so groß. Der eine kommt in die Schule, der andere in den Kindergarten. Ich hoffe, ich kann die kommende Zeit auch bald als die „goldenen Jahre“ bezeichnen und endlich mit der Babyzeit abschließen! Liebe Grüße, Susi

  • Reply Ich möchte die Zeit anhalten oder: was ich als Mutter bereue 8. Januar 2018 at 2:40 pm

    […] haben wir gerade eine sehr schöne Zeit mit den Kindern, mein Mann meint sogar, die beste Zeit. Der Sohn (kurz) vor der Pubertät, die Tochter kurz vor der Einschulung. Man kann viel mit ihnen […]

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