Gastbeiträge

Spielzeug kaufen oder: Die Odysse des Grauens

23. März 2016

Spielzeug kaufen und das zuammen mit dem Kind- das kann schon mal an den Nerven zerren. Mein Gastautor Helge war mit seiner Tochter beim Shoppen und braucht jetzt erst einmal Urlaub. Heute berichtet er uns von seiner Einkaufstour.

Spielzeug kaufen mit Papas Strategie

Da stehe ich nun vor den Toren des Grauens. Langsam öffnet sich die automatische Schiebetür. Duft von Puppen, die nach Himbeeren riechen oder Ähnliches strömt mir entgegen, vernebelt die Sinne, das Atmen fällt schwer. Doch es hilft alles nichts: Ich muss da jetzt rein.

Rückblende: Es ist Zeugnistag. Zwischenzeugnistag, um genau zu sein, also eigentlich kein Grund zum Feiern. Aber dennoch, die Brut hat sich wacker geschlagen, und um zumindest für die nächsten zwei, drei Wochen ein paar Motivationsanreize zu setzen, hat die Liebste leichtsinnigerweise ein Geschenk versprochen. Ich bin da eher zurückhaltend, schließlich birgt die charmante Formulierung „Die Schülerin arbeitet weitestgehend ordentlich und löst einen Großteil aller Aufgaben korrekt“ durchaus noch Optimierungspotenzial. Aber gut, eine kleine Belohnung kann ja wirklich nicht schaden. Das finden Oma und Opa auch, drücken dem Kind auch noch einen Schein in die Hand, und auf geht’s. Auf ins Spielwarenfachgeschäft.

Natürlich muss so ein Feldzug penibel geplant werden, deshalb habe ich mir auch schon eine Strategie zurechtgelegt, und das Töchterchen subtil in die richtige Abteilung zu lenken. Ein Gesellschaftsspiel wäre doch fein, das verrückte Labyrinth, Kindheitserinnerungen, etwas für die ganze Familie! Aber weit gefehlt.

Bitte kein “Topmodel” in 3D!

Zunächst machen wir halt in der Topmodel-Ausstellung: Hier findet das schönheitsbewusste Kind alles, was das Mädchenherz begeht: Federmäppchen, Freundebücher, Malblöcke, alles mit den Konterfeis großköpfiger und dafür viel zu dürrer Comic-Mädchen verziert, die mich eher an Aliens erinnern. Eine Schreibtischunterlage mit 3D-Effekten weckt das Interesse. Mein dezenter Hinweis, das habe doch schon ihre Freundin und sie wolle das doch wohl nicht nachkaufen, lässt Marie kurz nachdenken und dann den Gedanken verwerfen.
Weiter geht’s in die Puppenabteilung – Puppen und Zubehör, so weit das Auge reicht, ein Traum für jede Puppenmutti. Im Kreise ihrer Freundinnen schämt sich Marie völlig zu Unrecht, dass sie noch mit Puppen spielt – keine Ahnung, was die garstigen Biester ihr wieder eingeredet haben. Jetzt allerdings ist sie im Paradies, eine Puppe neben der anderen, dazu allerlei Zeug, was man eben so braucht fürs Kind. Man kennt das ja irgendwoher.Zielstrebig wird ein Puppenbuggy ausgewählt. Meinen Einwand, sie habe schon drei und wo wolle sie denn den vierten Arm zum Schieben hernehmen, quittiert Marie mit: „Ich habe auch noch zwei Füße.“ Dem kann ich schlecht widersprechen, dennoch gelingt es mir zumindest kurz, die Aufmerksamkeit eher in Richtung Zubehör zu lenken.

Zwischenzeitliche Krisensitzung per WhatsApp, wie denn das Ungemach des vierten Puppenwagens abzuwenden sei. Tipps für Alternativgeschenke scheitern: Der kurzzeitige Ausflug in die andere Kaufhausecke zur Eismaschine für Knetgummi („Das ist was für Babys“) wird genauso abgebügelt wie mein Werben für besagtes Gesellschaftsspiel: „Ist zu teuer.“ Nun gut, ein Kostenbewusstsein besitzt meine Tochter scheinbar, im Gegensatz zu… lassen wir das.

Das gute, alte Spielzeug aus Plastik….

Also landen wir wieder bei den Puppen. Man hat sich mittlerweile auf ein Puppenbett fixiert, oder besser: auf mehrere, denn die Auswahl ist auch hier mannigfaltig. Wiegen, Stockbetten, volles Programm. Das effiziente väterliche Denken setzt ein: „Guck mal, nimm doch das hier, da ist sogar noch ein Wickeltisch und ein Hochstuhl mit dran.“ Stille. Dann: „Wieviel habe ich dann noch übrig?“ „Genug für deine Spardose.“ „Muss ich das in die Spardose tun?“ „Mach was du willst.“

Das Bett wird gewählt, für das Restgeld werden noch zwei Babyflaschen (echte, kein Puppenkram) gekauft und Töchterchen marschiert zur Kasse, Packesel-Papa hinterher. Immerhin 46 Cent bleiben noch für‘s Sparschwein.
Zuhause wird das Bett aufgebaut. Die Liebste schaut entsetzt, als etliche Plastikteile aus dem Karton auf den Wohnzimmerteppich plumpsen. „Ich dachte, es sei Holz“, versuche ich vergeblich zu retten, was noch zu retten ist. Aber ein Gutes hatte die Sache wenigstens: Die Plastikteile kann man zusammenstecken und muss nichts schrauben, das liegt mir ohnehin nicht so. Töchterchen ist beseelt, alle Puppen passen ins Bett, der Nachmittag ist gerettet. Ich werde zur Strafe von der Liebsten zum Bilderaufhängen verdonnert. Dabei habe ich wirklich gedacht, das Bett sei aus Holz. Aber vielleicht war mein Blick nach einer Stunde im Geschäft auch zu sehr getrübt von dem innigen Wunsch, die Odyssee im Spielzeug Land möge bald ein Ende finden.

helge Collage

Helge Zembold (34) kommt eigentlich aus der Lüneburger Heide, lebt aber seit nunmehr zehn Jahren in Ingolstadt und erfreut sich an seinem geduldeten Aufenthalt als „Saupreiß“ in Bayern. Mit einer einheimischen Schönheit hat er mit Anton (4) und Marie (6) zwei Mini-Bayern in die Welt gesetzt hat. Wenn es ihm zu viel wird, fliegt er einfach weg – das ist nämlich sein Job als Pilot bei einer großen deutschen Fluggesellschaft. Auch sonst hält ihn nicht viel am Boden, privat fliegt er nämlich auch noch Motor- und Segelflugzeuge und schreibt als freier Journalist darüber. Geerdet wird er höchstens durch Familie, Katze, Hund und Pferd.

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7 Kommentare

  • Reply Marlen 5. April 2016 at 11:45 am

    Schöner Bericht.. und so wahr. Spielzeug kaufen gleicht wirklich immer einer Odyssee. Aber naja, da muss man durch 😀 Aber da hat sie sich doch was schönes raus gesucht, auch wenn es nicht aus Holz ist 😉

  • Reply Jasmin 18. Mai 2016 at 8:50 am

    Wieso schämt sie sich denn? Ich spiele mit 35 öfter mit Barbie-Puppen als meine 4-jährige Tochter 😀

    Toller Artikel. Liebe Grüße

  • Reply Matthias 7. August 2016 at 6:25 pm

    ich erfülle mir heute so manchen Spielzeugtraum aus der Jugend 😉 mit 34

  • Reply Doreen 28. August 2016 at 8:50 pm

    Hallo, ich kenne das zu gut mit dem Spielzeugkauf. Ich lege allerdings immer großen Wert auf hochwertiges Spielzeug und informiere mich immer sehr ausführlich zuvor. Notfalls lasse ich mich im Laden auch noch mal ausführlich beraten. Vor einiger Zeit habe ich auch einen eigenen Blog zu meinem Hobby gestartet, auf dem ich hochwertiges Spielzeug – speziell Puppenhäuser aus Holz – vorstelle. Ich denke, dass heute viel zu viel aus Plastik ist, was auch nicht gut für die Natur ist. Deswegen ist es mir wichtig da genau drauf zu achten. Just my two cents :o)
    LG
    Doreen

  • Reply Jan Hartmann 19. November 2016 at 5:32 pm

    Hallo zusammen,
    ich bin mir jetzt nicht ganz sicher, ob das jetzt so recht hier rein passt, aber dennoch ein großes Kompliment und vielen Dank an den Blogbetreiber / Blogbetreiberin, für die Zeit und Arbeit die hier investiert wird. Für mich als Vater ist es manchmal schwierig herauszufinden, was denn für meinen Spross (derzeit 2,5 Jahre alt) am besten und natürlich auch am pädagogisch wertvollsten ist. Spielzeug ist ja nicht gleich Spielzeug und da bin ich für Informationen zu diesem Thema doch sehr dankbar. Danke und weiter so!

  • Reply Lisa 12. Februar 2017 at 4:02 am

    Super Seite freue mich schon auf die nächsten beiträge.

  • Reply Mathilda 29. März 2017 at 7:38 am

    Sehr amüsanter Beitrag! Da merkt ma erst mal, was Eltern so alles mitmachen müssen, selbst bei etwas scheinbar so harmlosen wie dem Spielzeug-Einkauf. Aber eine Tochter mit einem gewissen Sparsamkeitsbewusstsein hat man sicher auch nicht so oft 😉 Und Puppenhäuser oder auch Puppenwagen sind eben der ewige Klassiker für kleine Mädchen. Auch wenn ich als Mutter einen Puppenwagen aus Holz auch bevorzugt hätte 😉 Aber Hauptsache, die Kleine ist erst mal glücklich und hat wieder einen Anreiz zum Lernen. Mal sehen, wie lange es vorhält 😉

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