Kind und Erziehung

Die Schwiegermutter in mir

1. Oktober 2012

Mein Sohn ist sehr hübsch, witzig und charmant. Das sagt nicht nur seine völlig objektive Mutter, sondern auch sein völlig objektiver Vater und die Frau Oma.
Reicht das nicht als Beweis? Naja, er schart schon eine recht ansehnliche Nummer an Verehrerinnen um sich. Mit dem Silbenklatschen hat er noch so seine Probleme, aber die Kontaktaufnahme mit dem anderen Geschlecht klappt. Ich habe also schon regelmässig Gelegenheit, meine in mir schlummernden Schwiegermutterqualitäten zu erproben. Und ich werde eine 1A-Schwiegermutter sein, das ist klar.

Neulich auf dem Spielplatz:

Luisa, das Mädchen aus der Nachbarschaft, erscheint. Sie tut so, als ignoriere sie Sebastian und baut sich vor mir auf:

„Du, der Sebastian drängelt sich immer vor, wenn wir rutschen wollen. Dabei muss der sich doch hinten anstellen, hat meine Mama gesagt.“

„Ja, Sebastian, stimmt das? Du, lass mal die Luisa auch rutschen, ja? Und jetzt spielt schön, Kinder.“

Und das habe ich gedacht:

„OK. Frollein: Was Deine Mama sagt, die offensichtlich den Knigge gefrühstückt hat, ist mir schnuppe und ich kenne ja die Hintergründe, meine Liebe. Du bist in Liebe entbrannt und das Objekt der Begierde ist mein armes Baby!! Er möchte ganz einfach nur Sandburgen bauen und schaukeln und DU drückst ihm heimlich verstohlene Küsse beim Anstehen an der Rutsche auf! DU bist doch diejenige, die meinem Sohn bereits den dritten Schal „gestricklieselt“ hat. Und jetzt fangen diese Wolldinger Staub im Kinderzimmer, aber ich darf sie nicht wegschmeissen. Ich werd Dir mal eins sagen, Petzen und Gezicke kommt gar nicht gut. Da kannst Du noch so viele Schals für Sebastian stricken, meinen Sohn gibt es NUR ÜBER MEINE LEICHE! Also stell Dich gut mit mir!“

Auf dem Heimweg vom Spielplatz rede ich noch einmal ganz unvoreingenommen mit Sebastian über dieses Mädchen:

„Du… die Luisa, spielst Du oft mit der?“

„Mhh. Weiss nich.“

„Ist die nett?“

„Mhh, jaa.“

„Findest Du die hübsch?“

„Ja, die hat doch so schöne blonde Zöpfe.“

„Gelb, Schatzi, gelb heisst die Haarfarbe!“

Foto: „T-Shirt est Omen“: Schliesst Eure Töchter weg oder sie werden aus Liebeskummer Strickliesel-süchtig!

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6 Kommentare

  • Reply Robin Urban 1. Oktober 2012 at 5:23 am

    Da fehlt nur noch: „Du weißt, keine Frau wird dich jemals so lieben wie ich!“ :mrgreen:

  • Reply miravos 1. Oktober 2012 at 7:57 am

    Knigge gefrühstückt – sehr gut!

  • Reply L'abeille 3. Oktober 2012 at 11:42 am

    Gelb heißt die Haarfarbe?! Offenbar noch jemand, der Blondinen nicht leiden kann… :mrgreen:

  • Reply fraumutter Mutter 3. Oktober 2012 at 5:17 pm

    Oooch, es gibt auch nette Blondinen, meine beste Freundin zum Beispiel.

  • Reply Mara Lang 5. Oktober 2012 at 9:05 am

    Also lieber nur Mädchen bekommen, dann gibt es keine Probleme mit zickigen Schwiegertöchtern und charmante Schwiegersöhne integrieren sich leichter in die Familie;-)

  • Reply Nancy 10. Oktober 2012 at 7:01 am

    Diese Schwiegermutter sieht bei Jungen-Mamas schon wieder ganz anders aus, als bei Mädchen-Mamas. Ich habe eine Tochter und hoffe natürlich, dass sie sich irgendwann auch mal den richtigen angelt 😀 Sonst werde ich wohl zum Schwiegermonster …

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