Eltern Interviews

„Die Welt mit den Augen eines Kindes sehen“: Interview mit einer Kinderbuchlektorin

31. Oktober 2016

Als ich eine Ausbildung zur Buchhändlerin gemacht habe, war Lektorin mein Traumberuf. Ach, immer lesen und über Bücher reden und nicht die manchmal etwas schwierigen Kunden im Geschäft. 20 Jahre später habe ich selbst ein Buch veröffentlicht und weiß gar nicht mehr, ob das ein Traumberuf ist. So oft wie ich mit meiner sehr guten Lektorin über meine ganz persönliche Interpretation der deutschen Grammatik diskutiert habe. Haha.

Eine große Hinwendung nicht nur zum Wort, sondern auch zum Autoren-Menschen braucht man wohl als Lektor. Ich freue mich, dass ich heute mit der Kinderbuchlektorin Carina Mathern aus dem wunderbaren Oetinger Verlag sprechen konnte. Das tolle Kinderbuch „Caspar und der Meister des Vergessens“ habe ich kürzlich vorgestellt und es wurde auch von  Frau Mathern lektoriert hat.

Was braucht es für Eigenschaften und Talente, um ein guter Kinderbuchlektor zu sein?

Um Bücher zu machen, die Kinder begeistern und bewegen, muss man Kinder Ernst nehmen. Ein gutes Sprachgefühl allein reicht nicht aus. Mindestens genauso wichtig ist die eigene innere Haltung, das Talent und die Offenheit, die Welt mit den Augen eines Kindes zu betrachten. Nur so entdeckt man als Lektorin Geschichten, die die kindliche Phantasie beflügeln.

Kinderbuchlektorin ist für viele Buchliebhaber sicherlich ein Traumberuf. Wie kommt man dazu, welche Ausbildung braucht man und was raten Sie Berufsanfängern?

Der erste Tipp, den ich allen anstrebenden Kinderbuchlektorinnen geben würde, ist tatsächlich: lesen, lesen, lesen. Das ist nach wie vor unerlässlich, um ein Gespür für gute Texte zu bekommen. In der Regel führt der Weg dann nach einem Literaturstudium über Verlagspraktika und ein Volontariat bis hin zur Lektorenstelle.

Sind Sie des Lesens je überdrüssig?

Nein, nie!

 Was war Ihr Lieblingsbuch als Kind und welches ist es heute?

Zwei Bücher – genau genommen ein Buch und eine Serie – haben mich als Kind in besonderer Weise begleitet: Astrid Lindgrens ‚Brüder Löwenherz‘ und Paul Maars geniale Geschichten vom ‚Sams‘. Beide zählen nach wie vor zu meinen absoluten Leseschätzen. Das zeigt mir auch, dass ich im richtigen Verlag gelandet bin

Welche Eigenschaften benötigen Lektoren unbedingt?

Neugier, Empathie, Sprachgefühl – und mehr Management-Qualitäten als man gemeinhin denkt …

In an ideal world, mit welchem Autor würden Sie gerne mal zusammenarbeiten?

Auch wenn es redundant und dazu noch unmöglich ist: aber natürlich träume ich immer wieder davon, ein Mal mit Astrid Lindgren zusammenzuarbeiten – alle, denen das vergönnt war, beneide ich glühend!

Was hat Sie als erstes bei „Caspar und der Meister des Vergessens“ gefesselt?

Bei ‚Capar‘ hat mich schon von der allerersten Seite an die Atmosphäre gepackt. Stefanie Taschinski ist einfach eine Ausnahmeerscheinung, wenn es darum geht, dem Leser eine ganze Welt zu eröffnen. Und natürlich war ich besonders gebannt von Tills geheimnisvollem Verschwinden!

Bitte vervollständigen Sie den Satz: Lesern, denen ……. gut gefallen hat, werden auch „Caspar und der Meister des Vergessens“ gerne lesen

… Michael Endes ‚Momo‘ …

Was gefällt Ihnen an der Hauptfigur am besten?

Dass er ein ‚echter‘ Junge mit Ecken und Kanten ist – und gleichzeitig über sich hinauswächst, ja, zum Helden wird, um seinen kleinen Bruder zu retten!

Vielen Dank, Frau Mathern für das Gespräch und weiterhin viel Freude in Ihrem Beruf!

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