Erfahrungen

Zeit für Dich: Warum Mütter und Väter auch mal Quatsch machen müssen

21. November 2013

Theater by_Gabriele genannt Gabi Schoenemann_pixelio.de

Es ist ganz einfach, sich neben Arbeit, Wäscheberg, Kindern und Haushalt völlig zu vernachlässigen. Die To-Do-Liste ist einfach zu lang, der Verpflichtungen zu viele…”Früher habe ich gern gemalt”…..Eigentlich will ich mit dem Nähen anfangen”…..”Wenn die Kinder grösser sind, suche ich mir wieder einen Chor”…So haben meine Ausreden auch lange geklungen. Bis ich durch einen glücklichen Zufall wieder mein liebstes Hobby, Theaterspielen, aufnehmen konnte. Die Klassenlehrerin meines Sohnes rief eine Theater-AG für Eltern ins Leben und seit rund zwei Jahren machen wir uns für unsere Kinder auf der Bühne zum Volldeppen. Naja, es macht halt auch irrsinnig Spass zu spielen und Quatsch zu machen. Morgen ist übrigens unsere Aufführung in Berlin! Für DER TAGESSPIEGEL habe ich aufgeschrieben, wie das ist, wenn Mama und Papa spielen gehen….

Unternehmensberater, Anwältin, Oralchirurgin, Dozentin, ein Vertriebschef und noch ein paar andere seriöse Berufe. Den Eltern des “Theaterkombinats Spielwut” der Waldschule Gerdes in der Salzachstrasse würde man ihre dramatische Ader auf den ersten Blick vielleicht nicht ansehen. Als ich meine Mitspieler der elterlichen Theater-AG zunächst auf dem ersten Elternabend der Klasse meines Sohnes kennenlernte, vermutete ich nicht, dass ich fortan mit ihnen die grössten Albernheiten veranstalten würde.
Eine Gulaschkanone, ein Massen-Mörder, eine Leiche, ein gedopter Rad-Profi, eine Dampfmaschine und eine szenische Darstellung zum Thema “Wirtschaftskrise”- die Improvisationsübungen haben wahrlich das Eis gebrochen, und wir wundern uns nun auch nicht mehr über “Rülps-Performances” einzelner Mitspieler. “Abschalten vom Job und Eintauchen in eine andere Welt” nennt das mein Kombinats-Genosse Alexander. “Quatschen und Quatsch machen” ist es für Kollegin Alexandra. Gunter, der im Stück einen Hippie mimt, sieht es mittlerweile gruppendynamischer: “Beim Theater gehen alle aus sich heraus und irgendwie werden wir eine grosse Familie.”

“Deutschland sucht die Superfamilie”, das Stück , das am 22. November um 17 Uhr im Rudolf-Steiner-Haus in der Bernadottestrasse 90/92 aufgeführt wird, ist aus diesen Improvisationen entstanden.

Laien-Musical mit einem guten Schuss Satire

“Deutschland sucht die Superfamilie” wirft einen satirischen Blick auf die verschiedenen “Zehlendorfer Lebensformen”. Eine (nicht ganz intakte) Grossfamilie kommt zum Geburtstag des greisen Urahns zusammen und hört im Radio von einer Castingshow zu “Deutschland sucht die Superfamilie”. Und hier hört auch dann die Gemeinschaft auf und fängt der familiäre Konkurrenzkampf an. Die wertkonservative Familie möchte Kammermusik vortragen, die dazugehörige Teenie-Tochter lieber rocken. “Strick-Omi und Rätsel-Omi” versuchen es an einer Schlager-Performance und eine alternative Hippie-Familie tanzt ihre Namen. Das alles wird kritisch beäugt und kommentiert von einer schillernd egomanischen Jury.

Überhaupt wird es fast wie am Broadway am 22. November im Rudolf-Steiner-Haus. Wir schütteln und rütteln unsere mittelalten Knochen und Stimmbänder, das es eine Freude ist. Chor, instrumentale Darbietung, Gruppentanz, (Luft-) Gitarren-Riff – wir verausgaben uns für unser Publikum bis zum Bandscheibenvorfall.

Eine Schul-Theater-AG für die Eltern? Wozu das denn?

Im letzten Jahr liefen wir uns noch warm. Ein selbstgeschriebenes Weihnachtsmärchen wurde für die Weihnachtsfeier der Klasse geschrieben. Meine Theater-Kollegen und ich schlüpften in die Rollen von Wichteln, Rotkäppchen und Hexen. Ich durfte mich als Laser-Schwert schwingendes Rumpelstilzchen ausprobieren. Die Mit-Eltern und Kinder fanden uns gut, obwohl….Mein Sohn war nach der Aufführung zunächst drei Tage peinlich berührt, bevor er seine Mutter als Rumpelstilzchen “doch ganz cool” fand.

“Im letzten Jahr wollte ich ein Weihnachtstheaterstück machen, aber da dafür immer die Kleinen herhalten müssen, die außerdem am Heiligen Abend meist auch noch vor der ganzen Familie mit einer kleinen Darbietung „glänzen dürfen“, wollte ich die Sache einfach mal umdrehen und ließ freiwillige Eltern auf die Bühne. Das lief dann für und mit allen Beteiligten so gut, dass wir einfach mal weiter machen wollten”, sagt Katharina Biele, die Klassenlehrerin der 2b und auch die Leiterin des Theaterkombinats. Katharina Biele hat neben ihrer Lehrer-Ausbildung auch Theater-Pädagogik studiert, und sie und ihr Mann Matthias, ein ausgebildeter Schauspieler, führen Regie und schrieben auch das Stück.

Der grösste Antrieb für uns Eltern ist unsere Kinder zu unterhalten. Denn: Wie lange geht das noch? Wie lange werden sich unsere Söhne und Töchter Mama und Papa als Omis, Hippies, Zauberfeen und pubertierende Teenager anschauen wollen? Bis zur Pubertät und einem vernichtenden “Mama, Du bist voll peinlich” ist es nur noch ein kleines Zeitfenster.

“Einmal Rampensau, immer Rampensau”

Die meisten Theater-Kombinats-Genossen haben eine “dramatische Vergangenheit.” Donatella, die im aktuellen Stück die konservative und immer still duldende Mutter spielt, hat in ihrer Jugend Strassen-Theater und Pantomime am Ku`damm gemacht und ich habe es mit meiner studentischen Kabarett-Gruppe immerhin mal ins Mainzer Unterhaus geschafft. “Einmal Rampensau, immer Rampensau” würde ich sagen. Andere aber haben erst mit Start unserer Satire-Kombo (Theater-)Blut geleckt. Camilla, die freundliche und auch beängstigende ältere Damen wie keine Zweite spielt, ist nun auch Mitglied in der Eltern-Theater-AG des Kindergartens ihres jüngeren Kindes. Und Bianca? “Theater spielen ist eine kleine Überwindung für mich – ich allein vor vielen- daran wollte ich auch ein bisschen arbeiten”. Nun ist sie Mitglied der Hippie-Familie im Stück- und auf der Bühne tiefenentspannt.

Meine Blogger-Kollegin Lisa gibt übrigens auf ihrer Website mama-tipps.com Anregungen, wie man sich als Mutter um sich selbst kümmert.

Also, wenn Ihr Euch morgen zufällig in Berlin-Dahlem rumtreibt und um 17 Uhr Zeit habt, würde ich mich freuen, Euch zu sehen. Eintritt ist frei!

Foto: copyright Gabi Schönemann/Pixelio

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1 Kommentar

  • Reply Angela Schmidt 21. November 2013 at 10:10 pm

    Oh, ich bin morgen in Berlin. Aber nur bis 18:00 Uhr :(… Da werde ich das wohl nicht mehr schaffen, dabei hört sich das phantastisch an….
    Vielleicht gibt es ja eine Fortsetzung, denn Quatsch ist überlebensnotwendig 😉

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