Gastbeiträge

Der erste Tag im neuen Job oder: Murphy’s Law by Mama

5. Mai 2017

Der erste Tag im neuen Job. Manchmal läuft alles schief und der Tag beginnt schon stressig. Besonders wenn man Mutter ist. Und auch, wenn der erste Tag bei Frau Mutter im Office ist. Meine liebe Praktikantin Maria kam an ihrem ersten Tag bei mir nur 10 Minuten zu spät, hatte aber schon einen Mega-Marathon hinter sich. Wie das für sie war und warum wir trotzdem einen tollen Tag hatten, lest Ihr heute.

Der erste Tag im neuen Job- und es geht schon gut los

Ich freue mich schon seit langem auf diesen Tag, aber natürlich bin ich auch etwas aufgeregt. Daher habe ich mit meinem Schatz abgesprochen, dass er die beiden Mädchen zur Kita und ich vorher „nur“ unseren Sohn an der Schule abliefern muss. Doch so glatt wie geplant verläuft der Morgen leider nicht…

7:00 der Wecker klingelt. Müde drehe ich mich noch einmal im Bett um.

7:40 Mist! Verschlafen. Wer hat denn die Weckfunktion abgestellt – oder habe ich mich im Halbschlaf doch glatt verdrückt?!

Ich wecke meinen Mann, der am Vorabend auch erst sehr spät von der Arbeit nach Hause gekommen ist. Ich frage ihn, ob er vielleicht doch alle Kinder mitnehmen könnte, da ich schon spät dran bin und nicht gleich am ersten Tag zu spät kommen möchte. Verschlafen nuschelt er irgendetwas von wegen „kein Problem“ oder so ähnlich.  Perfekt! Ich frühstücke in Ruhe, ziehe mich an und mache mich fertig. Er zieht die Kinder an. Da bemerke ich, dass es bereits kurz vor 9:00 ist. Mein Mann ist noch da…

Hilfe, muss mein Sohn nicht um 9:00 in der Schule sein?!

Verschlafen, verpeilt und dann wartet noch die strenge Chefin

Ich nehme ihn also doch mit und fahre los. Auf dem Weg rufe ich die Schule an, sage, dass wir spät dran sind. Die Lehrerin klingt nicht erfreut: „Also, wir gehen heute, wie jeden Freitag, in die Gartenarbeitsschule. Um zehn nach neun gehen wir pünktlich los. Wenn Carlos dann nicht hier ist, müssen Sie ihn direkt in die Gartenarbeitsschule bringen, die ist…“ Ich weiß, wo die Schule ist, aber ich sage ihr, dass das nicht gehe, da ich heute eine neue Stelle antrete und nicht zu spät kommen könne, also versichere ich ihr, dass ich es bestimmt bis 9:10 schaffen werde. Da kommt ihr eine zündende Idee: „Wenn nicht, könnten Sie Carlos direkt zur S-Bahnstation bringen.“ Super! Perfekt!

„Ich rufe Sie dann aber noch mal an, bevor wir losgehen.“ OK, verstanden: Kein Anruf bedeutet „Die Kinder sind noch nicht weg, ich liefere Carlos in der Schule ab“. Anruf bedeutet „die Klasse geht los, ich liefere Carlos an der S-Bahn ab“. Ich fahre so schnell ich es verantworten kann ohne dabei eine ernsthafte Gefährdung für die anderen Verkehrsteilnehmer darzustellen. Da kein Anruf kommt, setze ich meinen Sohn um genau 9:10 am Schultor ab und fahre schnell weiter.

Frau Mutter, ich koooommmee!!!  Bestens gelaunt und erleichtert, dass doch noch alles geklappt hat, fahre ich durch den schönen Grunewald.

9:17 die Lehrerin ruft an. Sie stehe nun mit der Klasse am S-Bahnhof…

WAAAAS?!?! Ich erkläre ihr, dass ich Carlos bereits vor zehn Minuten am Schultor abgesetzt habe.

Mein achtjähriger Sohn steht jetzt also ganz alleine vor verschlossenen Schultüren im Grunewald!

Auf diesen leicht panischen Hinweis, meint sie nur, dass sie jetzt nicht mehr umdrehen könne. Nein, ihr Kollege (schließlich ist sie mit den fünf Kindern aus der Klasse nicht alleine unterwegs) könne es auch nicht! Und vorher anrufen, wie vereinbart, hätte sie auch nicht gekonnt – sie habe mir eine WhatsApp geschickt. Toll – die kann ich beim Autofahren natürlich unmöglich sehen, noch dazu, wenn das Handy in der Handtasche im Kofferraum steckt.

Ich kann mich nicht zerteilen: Hallo Unvereinbarkeit und Chaos!

Und da war sie, diese Unvereinbarkeit, auf die berufstätige Eltern immer wieder stoßen: ICH konnte doch auch nicht umdrehen, war ich doch schon fast an meinem Ziel. Und wenn ich es täte, was würde ich dann tun? Meinen Sohn in die Gartenarbeitsschule fahren und eine Stunde zu spät kommen? Ihn mitnehmen? Gleich am ersten Tag absagen? Ich rufe den Papa an. Natürlich ist sein Handy ausgeschaltet. Wenn schon, dann geht alles schief! Murphy´s Law halt…

Das Positive: ich habe meine erste Story für Frau Mutter! (die das alles auch schon 1000x erlebt hat)

Dieser Morgen ist kein Einzelfall, er verdeutlicht nur wieder einmal, dass es keine wirkliche Vereinbarkeit gibt, vielleicht gar nicht geben kann. Als Mutter müsste man sich am besten zerteilen können, aber das kann man natürlich nicht und so hat man wieder einmal das Gefühl, nichts und niemandem gerecht zu werden, weder seinem Kind, noch dessen Schule, noch seinem Auftraggeber, und am allerwenigsten seinen eigenen Erwartungen an sich selbst.

Unterstützung ist da eigentlich unabdingbar, vor allem, wenn beide Eltern berufstätig sind. Und wenn man die nicht hat, so wie wir? Was kann man dann tun? Nichts. Mein Sohn hat nun eben mal den Vormittag im Sekretariat der angegliederten Schule verbringen müssen. Ist halt dumm gelaufen, aber sicher hat er dadurch keinen Schaden genommen. Und ich auch nicht. Wir müssen halt manchmal unsere Erwartungen an uns selber zurückschrauben. Dann ist es halt nicht perfekt gelaufen. Na und?

Da Ihr also in Zukunft öfter etwas von mir hier lesen werdet, würde ich gerne die Gelegenheit nutzen, mich kurz vorzustellen: ich heiße Maria, bin 35 Jahre alt und komme aus Berlin. Bereits mit 17 Jahren bin ich nach London ausgewandert, habe in Hamburg und Berlin Musical- und Schauspielausbildungen genossen, um mich schließlich auf das zu konzentrieren, was ich am allerbesten kann und am meisten liebe: den Umgang mit Sprache.  Ich bin gerade dabei, meinen Master in English Studies abzuschließen, nebenbei arbeite ich als Texterin und Übersetzerin. Auf www.westendmum.com blogge ich seit fast zwei Jahren über mein verrücktes, nicht immer im besten Sinne aufregendes und oft auch mal stressiges Leben als Dreifach-Mami einer deutsch-spanischen Großfamilie. Diese besteht aus „Westenddad“, einem Flamencomusiker aus Andalusien sowie unseren Kindern Carlos (8), Carla (4) und Emma (3).

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3 Kommentare

  • Reply Christoph 5. Mai 2017 at 8:32 am

    Hmmm… um 09:10 geht erst die Schule los? Da haben meine Kinder schon fast zwei Stunden hinter sich. Schulbeginn 07:30. Aber ist ja auch in Brandenburg…

    Gruß
    Christoph

  • Reply Jessica 5. Mai 2017 at 12:19 pm

    Unvereinbarkeit? Sehe ich hier nicht wirklich, sondern eher schlechte Planung. Und von der Lehrerin verlangen, dass sie die Fehler der Eltern auffängt? Kann ich auch nicht verstehen. Grundsätzlich sehe ich es auch als schwierig an, Job und Kinder ohne jegliche Unterstützung miteinander zu verbinden. Aber in diesem konkreten Beispiel war es einfach nur schlechte Organisation.
    Gruß,
    Jessica

    • Reply Maria 6. Mai 2017 at 10:52 am

      Liebe Jessica,
      Manche Leute haben leider gar keine andere Möglichkeit, als Job und Kinder auch ohne jegliche Unterstützung miteinander zu verbinden. Da kann man noch so toll planen und organisieren, wenn nur eine kleine Sache schief geht, oder wie in meinem Fall eine ganze Reihe von Dingen, dann hilft auch die beste Organisation nicht mehr (die wir an dem Morgen sicher nicht hatten). Die Unvereinbarkeit wird doch immer erst präsent, wenn eben nicht alles nach Plan läuft. Als arbeitende, bloggende und studierende Mutter von drei (mit 8, 4 und 3 Jahren noch ziemlich kleinen) Kindern, gibt es da leider viel Potenzial… Wen es interessiert, der kann gerne auf meinem Blog mehr zum Thema Vereinbarkeit lesen; ich würde mich freuen!:
      https://westendmum.com/2017/03/29/vereinbarkeit-von-wegen/
      Liebe Grüße,
      Maria

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