Familiengeschichten

Mein Kind ist „schulreif“und warum das nicht immer was mit Zahlen und Buchstaben zu tun hat

23. Februar 2017

Vor ein paar Wochen wurde bei uns gecheckt, ob Constanze nun schulreif ist. Was immer das bedeutet. Schon bei meinem Sohn hat diese ominöse Prüfung beim schulärztlichen Dienst nichts hervorgebracht, was wir als Eltern nicht schon sehr lange wussten.

Wir wussten zum Beispiel bei Sebastian, dass er eigentlich noch sehr jung ist für „den Ernst des Lebens“ und er vielleicht noch ein Jahr spielen sollte. Damals wurde hier in Berlin aber eingeschult, was das Zeug hält (keine Ahnung, warum eigentlich) und so wurde ihm der Stempel „schulreif“ verliehen. Mittlerweile ist er gut angekommen, was auch daran lag, dass wir die für ihn beste Schule gefunden haben.

Was „schulreif“ ist: Abrufbare Fähigkeiten oder schon selbst denken können?

Nun sass ich also wieder kürzlich im Amt, dieses Mal mit meiner Tochter. Die hatte im Kindergarten vorher kundgetan, dass sie jetzt zu einem Arzt müsse und „der mal prüft, ob ich fit im Kopf bin.“

Im Gegensatz zu meinem Sohn damals halte ich jetzt meine Tochter für mehr als schulreif, aber nicht unbedingt, weil sie alles schon kann.

Die freundliche Dame vom Amt fing also an mit dem Sehtest. Auf der verpixelten Schautafel sah Constanze sehr wohl Auto, Baum und Schmetterling. Und erzählte der Dame sehr lang und ausführlich, dass sie kürzlich bei uns im Keller einen lebenden Schmetterling gefunden hat und ihn „Schmetti“ getauft hat. Das war aber eher nicht gefragt.

Dann sollte sie ihren Namen schreiben. Das konnte sie auch, inklusive aller Familiennamen, die jemals in unserer Familie vorkamen und natürlich auch ihre Spitznamen. Sicher mit ein paar Fehlern, aber die Dame vom Amt weiß nun Bescheid, wer wie heisst bei uns.

Die Zeit wurde langsam schon etwas knapp, denn neben dem langweiligen „auf einem Bein hüpfen“ wollte Constanze noch die dritte Ballettposition darbieten.

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Von Logik und den richtigen Fragen und Antworten

Dann kamen wir zu den mathematisch-logischen Fragen. Meine Tochter zeichnete keine logischen Abfolgen, also Kreis, Dreieck, Quadrat, Kreis, wie sie sollte, sondern welche Form ihr eben am besten gefiel. Die Dame zeigte sich nun etwas besorgt und zeigte mir die Tafeln. Ich nickte hur wissend, obwohl ich auch erst mal übelregen musste. Logik ist schön, aber auch so schwer nachzuvollziehen, oder?

Mit dem Versprechen von uns, „da dran zu bleiben“ wurden wir verabschiedet. Schließlich hatte die Dame auch eine Belohnung für meine Tochter.

„Alle Kinder, die den Test gut gemacht haben, bekommen einen Stempel. Welchen willst Du?“

Constanzes Antwort: „Und was bekommen die Kinder, die den Test NICHT gut gemacht haben?“

Öhhhhm.

Dame vom Amt: „Also, die bekommen auch einen Stempel…glaube ich.“

Tochter: „Hä, das ist KOOOMISCH, oder?“

Meine Tochter ist schulreif und mehr als das. Sie denkt mit und stellt Fragen. Fragen, auf die Erwachsene auch nicht immer die passende Antwort haben. Bleibt dran, ist hartnäckig und neugierig.

Schade eigentlich, dass diese Qualitäten nicht in formale Prüfungen passen. In der Schule geht es auch um Anpassung und Regeln, wann etwas und wie gelernt werden muss. Wollen wir hoffen, dass die eigentlichen Talente der Kinder dabei nicht verschütt gehen…..

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6 Kommentare

  • Reply Ute 24. Februar 2017 at 9:39 am

    Mein Sohn musste sagen was er auf Bilder sieht. Zum Beispiel eine Prinzessin auf ein Traktor. Es ging darum auf , neben ,dazwischen , drunter usw. Zu erkennen. Dann kam das Bild mit ein Fußballtor und daneben ein Fußball. Mein Sohn erzählte eine sehr schöne Geschichte , wie der Fußballspieler den Ball am Fosten abgeprallt ist und der Torwart ein Blidfisch ist usw. Die Frau vom ärztlichen Dienst musste aber Ball neben Tor in einen Satz hören. Sie zog mein Sohn jedes Wort aus der Nase bis es passte.

    • Reply Frau Mutter 27. Februar 2017 at 8:08 pm

      es ist schade, dass Phantasie nicht „belohnt“ wird, oder? viele grüße nina

  • Reply Antje 27. Februar 2017 at 12:15 pm

    Mein Sohn wurde damals gefragt, welche Farbe Gras hat. Er sagte ohne zu überlegen grün und braun. Das verstand die Dame vom Amt damals gar nicht und fragte besorgt nach, ob mein Sohn denn alle Farben kenne. Er sagte „Natürlich!“ und erklärte ihr, dass Gras sehr wohl braun sein kann, nämlich, wenn es verdörrt ist. So sa unser garten nämlich damals aus. 🙂

    • Reply Frau Mutter 27. Februar 2017 at 8:07 pm

      finde ich super und sehr typisch, diese szene. gruß nina

  • Reply Anne 27. Februar 2017 at 3:23 pm

    Mein Sohn sollte Haus, Baum und Papa malen, das scheint hier der Standard zu sein. Wollte er aber nicht, es führte kein Weg hinein. Die Amtsärztin musste sich schließlich mit einer schicken Rakete inkl. Beiwagen für Oma und Opa zufrieden geben.

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