Familiengeschichten

Diese verdammte Zuständigkeit: Warum ich manchmal nicht mehr will

8. Juni 2017

Orrr, diese verdammte Zuständigkeit. Auch so eine Sache, die man sich ganz anders vorstellt, bevor man Mutter wird. Ich dachte immer bei jedem „Mama“ meiner Kinder flöte ich „heiter-gelassen-immer fit-und mit perfekt geföhnten Haaren“ zurück: „Was ist denn mein Schatz?“ oder gleich wie die Callcenter-Mitarbeiterin des Monats:

„Wie kann ich Dir heute helfen?“ (Zur Überwachung der Qualität wird das Gespräch aufgezeichnet)

An manchen Tagen und auch, wenn es nicht bei einem „Mama“ bleibt, sondern „Mama, ich will!…“, „Mama, wo ist?“…, Mama, darf ich?“…würde ich manchmal einfach gerne sagen: „Das ist nicht mein Bereich, ich bin nicht zuständig, Kollege kommt gleich.“

Nur doof, dass der „Kollege“ erst in drei Stunden heimkommt und dann fragt: „Wo ist eigentlich der zweite Autoschlüssel? Und diese flaschengrünen Socken…sind die in der Wäsche? Ach, wir haben gar keine Milch mehr!“

Ach.

Ach so! Ich soll das lösen? Weil ich irgendwie zuständig bin? Für alle und alles? Diese Fragen sind ja auch alle irgendwie Arbeitsaufträge. An mich. Dabei könnte den anderen Familienmitgliedern ja duchaus mal was AUFFALLEN.

„Mama, wo ist der Playmo-Ritter, den mir Leon letztes Jahr geschenkt hat. Mamaaaaa? Ach, ich suche den einfach mal selbst. Dabei räume ich gleich mal das Regal mit auf. “

„Mamaaa, darf ich was gucken?“ Hups, ist ja noch gar nicht 18 Uhr und Frernsehzeit, dann bastele ich noch was Schönes und bringe vorher noch spontan und freiwillig den Müll raus!“

„Wo ist eigentlich meine Geldbörse? Hast Du die irgendwo gesehen? Ach Mööönsch. Ich habe ja selbst zwei Augen im Kopf, bin schon volljährig und wohne auch in diesem Haus.“

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Mütter in der Zuständigkeitsfalle

Mädels, es gibt für diese „Zuständigkeitsfalle“ nur eine Lösung. Ihr müsst, um es im Berater-Deutsch zu sagen, „underperformen“ und aufhören „insecure overachievers“ zu sein. Yes. Nix unternehmerisch denken und für alle alles lösen!  Einen Bonus am Ende des Jahres gibt es sowieso nicht.

Wir müssen unsere kleinen (und auch die großen) Familienmitglieder „befähigen“. Wie sollen die Mitarbeiter mitdenken, wenn man alles für sie vordenkt?

Das ist gar nicht so einfach, wenn man selbst recht organisiert und ordentlich ist. Aber mich macht dieser Pesonal Assistant Job für gleich mehrere Chefs aus dem „Kreativbereich“ irgenwie fertig. Nach zehn Jahren muß man sich auch mal „beruflich weiterentwickeln.“

Vielleicht lasse ich mich verbeamten. Gekündigt kann ich nicht werden, Überstunden werden abgefeiert und eine schöne Rente gibt es auch.

An manchen Tagen möchte ich einfach sagen: „IS MIR EGAL.“ Und mir die Stöckelschuhe und Handtasche überstreifen und aus dem Haus hüpfen. Obwohl ich auf Stöckelschuhen nie hüpfen würde und höchstens nur bis zur nächsren Straßenecke käme. Wo mich die „Kreativchefs“ wieder einholen würden.

Gedanklich wegbeamen

Dann überlege ich mir ein Projekt, das mindestens vier Wochen meiner Abwesenheit in Anspruch nehmen würde. In Ostwestfalen-Lippe. Oder New York. Brandenburg geht auch. Egal. Hauptsache, ich wäre weg und der Handy-Empfang sehr, sehr schlecht. Obwohl ich ja Internet bräuchte zum Anschauen therapeutischer Schmink-Tutorials auf YouTube. Festnetz wäre auch kaum vorhanden und die Post käme auch nur einmal in der Woche. Aber der Postbote sähe lustigerweise aus wie der biologische Sohn von Magic Mike und Brad Pritt. Ja so wäre das….

Ach, das geht ja nicht. Ich bin ja ZUSTÄNDIG. Das werde ich noch lange sein, bis die kleinen Kreativ-Chefs aus dem Haus sind. Und dann sitze ich da in meinem Vorzimmer und habe keine Aufgaben mehr und verstecke wahrscheinlich aus lauter Zuständigkeits-Sehnsucht die Autoschlüssel meines Mannes….Man will sich ja schließlich auch noch gebraucht fühlen.

Seid Ihr gerne immer zuständig? Plant Ihr manchmal kleine Fluchten aus dem Alltag?

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16 Kommentare

  • Reply Silke 8. Juni 2017 at 7:35 am

    Vielen Dank für diesen schönen Post. Ich habe herzlich gelacht! Genau so ist es.

  • Reply Karin Futschik 8. Juni 2017 at 7:53 am

    Hey,

    klar bin ich immer und für alles zuständig. Seit der Zwerg da ist, selbst für den Papa. Das hätte man mir mal sagen sollen, dass man nicht ein Kind, sondern zwei bekommt, obwohl auf dem Ultraschall nur eines zu sehen ist…

    Nein, über den Papa darf ich nicht meckern. Er tut, was er kann und achtet auch darauf, mir meine Auszeiten regelmäßig zu beschaffen.
    Im Alltag haben sich klare Anweisungen bewährt. „Mama? Kannst du meine Dinos suchen?“ – „Die sind in der grünen Kiste, fang schon mal an, ich helfe gleich!“ Manchmal ist es auch ein klares Nein. „Nein, das kannst du allein.“ Entweder es funktioniert, oder eben nicht. Wenn nicht, steckt aber meistens etwas anderes dahinter und dann helfe ich wiederum gerne und alles ist Sonnenschein.

    Das funktioniert aktuell aber auch nur, weil ich daheim bin. Mich stresst keine Arbeit, keine andere Verpflichtung. Wenn der zweite Zwerg da ist, sieht das wieder anders aus. Bis dahin genieße ich einfach, dass es momentan recht entspannt ist. Und dann kommt der Papa wieder zum Einsatz, der mich auch mal ausschlafen lässt oder mit Kind(ern) zu Oma und Opa fährt. Diese kleinen Auszeiten helfen ungemein.

    Man muss nicht alles selber machen. Man muss nur seinen Perfektionismus über Bord werfen 😉

    Liebe Grüße
    Karin

    • Reply Frau Mutter 8. Juni 2017 at 6:11 pm

      Liebe Karin, ja so lange Du zu Hause bist, nervt es sicher auch noch nicht. Geniesse diese Phase! lg Nina

  • Reply Lena 8. Juni 2017 at 11:45 am

    Ist schon schwer als Mama. Vor allem wenn man Beruf, Haushalt und Kinder in einen Tag packen muss. Der Mann will ja auch nicht zu kurz kommen.

    Ich gönne mir jetzt öfters mal Auszeiten in dem ich einfach mal nicht ansprechbar bin

    Gruß
    Lena

    • Reply Frau Mutter 8. Juni 2017 at 6:11 pm

      Liebe Lena, ich fahre morgen alleine weg und zähle die Minuten. HIHI Nina

  • Reply Nina 8. Juni 2017 at 5:36 pm

    Ich erlaube mir ab und zu die Antworten:
    Ja ich helfe, aber ich kann frühestens in … Stunden, Tagen usw. Vorher hab ich noch anderes zu tun. Wenn du solange warten wills, setzte ich es auf die Liste.
    Wenn du mir hilfst, geht es wahrscheinlich etwas schneller.
    Das hat oft erstaunlich befriedigende Wirkungen.

    • Reply Frau Mutter 8. Juni 2017 at 6:12 pm

      Danke für die Tipps, das mit der Liste gefällt mir. LG Nina

  • Reply Nina 8. Juni 2017 at 5:45 pm

    Wo Dinge sind, die ich nicht suchen will und die ich auch nicht selbst verlegt habe und besonders die, die im Chaos meiner Kinder verschwunden sind, weiss ich aus Prinzip nicht.

    • Reply Frau Mutter 8. Juni 2017 at 6:12 pm

      Prinzipien sind immer seeeehr gut;) LG Nina

  • Reply Jennifer 9. Juni 2017 at 5:27 am

    Hallo Nina!
    Einfach herrlich, so ist es! Ich musste wirklich schmunzeln. Liebe Gruesse jennifer

  • Reply Olga 9. Juni 2017 at 11:33 am

    Danke für diesen tollen Text. Ich musste beim Lesen sehr herzlich lachen. Diese Zuständigkeiten sind manchmal wirklich nervig!

  • Reply Jeannette 27. Juni 2017 at 9:09 pm

    Ja und es nervt mich im Moment gerade sehr. Wasche ich Wäsche, frage ich meine 17jährige ob sie was zum mut waschen hat. NEIN natürlich nicht. Das hat sie dann 1h später nachdem der Wäschekorb leer und die Maschine fast fertig mit waschen ist. Oder man isst etwas und räumt es nicht weg…natürlich wenn ich nicht zu Hause bin…ich sehe das Elend dann immer nur und beseitige es. Bin ja ZUSTÄNDIG….

  • Reply fulltim-mami 3. September 2017 at 7:38 pm

    Hihi, das kenne ich, habe einen ähnlichen Post in meinem Blog geschrieben über das Wort Erziehungsurlaub, wie die Elternzeit ja früher genannt wurde… Wo ich mich frage, welcher Urlaub, so ich doch selbst für alles zuständig bin. Ist unter http://www.fulltime-mami.blogspot.com zu finden !

  • Reply Eva Therre 4. September 2017 at 8:40 am

    Oh ja. Das kenne ich. Mit 3 Kindern bin ich für ALLES zuständig. Keine Socken mehr? Ranzen nicht ordentlich gepackt? Wo sind die Sportschuhe? Mama ist schuld. Das gilt auch für das KiGa Kind, wenn die Brotbox nicht reichlich gefüllt oder der Dinosaurier am Mitbringtag nicht auffindbar ist. Keine coolen Aufkleber für das Freundebuch? Och manno, Mama. Dieser Job fordert einen unfassbar und Du kriegst weder ein Lob der Familienbande (nö wieso, Mama macht das doch selbstverständlich), noch vom Mann ( ach, das machen doch andere Mütter auch) noch gibt es eine finanzielle Bestätigung. Hilft nur, sich selbst mal auf die Schulter zu klopfen. Tollen Job liebe Mütter machen wir, jeden Tag. Und zur Beruhigung : ja, es geht tatsächlich den anderen auch so

  • Reply Martina 5. September 2017 at 8:54 am

    Herrlicher beitrag, in Teilen kenne ich das. Aber Nein, ich versuche, nicht für alles der Koordinator und zuständig zu sein. Ich delegiere gerne Aufgaben ab den Mann (ich kann den verdammten swiffer nicht finden, weißt du….? Nein geh selber suchen und wenn du schon dabei bist, swiffer doch auch mal unter der Couch….“ oder lege dem Kind nahe selber seine Pferde zu suchen oder die vorgegebene Ordnung einzuhalten und sie direkt zu finden. Auch mit essen machen oder Kleidung rausholen: die Motte ist für das meiste groß genug und kann das selber. Ich helfe dann, wenn sie nicht dran kommt oder es an Messer geht oder die olle Verpackung echt nicht aufgeht. Auch wenn man sich oft gemaule anhören muss: ich will, das mein Kind (und mein Mann!) Selbstständig denkt und handelt und weiß, wie wo was geht. Nur weil ich Mutter bin, bin ich doch nicht die privatassistentin.

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