Familiengeschichten

Auf der Autofahrt in den Skiurlaub oder: Wann sind wir endlich da?

2. Februar 2017
ein kind mehr lieben als das andere

„Wann sind wir endlich da“? Ach, schon lange nicht mehr gehört, diesen beliebten Satz von Kindern auf Autofahrten. Für alle diejenigen, die dieser Tage zu ihrem Skiurlaub fahren, ist diese kleine Geschichte von uns. Ich habe es einfach noch nicht raus mit der sinnvollen Beschäftigung der Kinder für 800 km im Auto. Staus nicht eingerechnet. Aber ich denke, ich bin nicht die einzige Verzweifelte, oder?

Bibi oder die drei ?: Am liebsten schlafen!

Macht doch einfach mal die Augen zu und schlaft eine Runde. Dann sind wir viel schneller da“, sagt mein Mann, als wir uns alle endlich samt Gepäck ins Auto verfrachtet haben und uns anschnallen. Leider ist es halb neun am Morgen, und die Kinder sind herrlich ausgeruht.
„Ich will Bibi Blocksberg“, kräht meine Tochter.
„Das ist doch was für Babys. Die drei ??? hören wir!“, will mein Sohn bestimmen.
„Nein.“
„Doch.“
„Nein!“
„Doch!“
Constanze singt voller Inbrunst: „Bibi und Tina, auf Amadeus und Sabrina, die jagen geschwind, die jagen geschwind, weil sie Freuuuunde sind!“
Sebastian übertönt sie: „Die drei ???-Kids, owowhowho, ja-gen je-den Übel-tät-er.“
Wir fahren gerade mal eine halbe Stunde, und mir reicht es schon. „Hol doch mal die iPods raus“, sagt Benedikt, der die Singversuche der gesamten Familie offenbar im Keim ersticken will, zu mir. Aber wo sind sie? Ach du Schreck. Ich glaube, ich habe sie liegen gelassen, das darf doch nicht wahr sein! Umdrehen wollen wir nicht, wir sind eh schon spät dran und der zu erwartende Stau wird auch nicht kürzer. Jetzt haben wir mindestens zehn Stunden Fahrt vor uns und das mit nur einem CD-Player im Auto. Wie retro! Genauso wie damals in den 80ern auf den Autofahrten an die Adria. Das bedeutet nun fünf Stunden Bibi und fünf Stunden Die drei ???. Und wenn Stau ist? Im CD-Fach finde ich noch Leo Lausemaus und Extreme Work-Out Hits. Das erscheint mir allerdings auch nicht gerade die perfekte Mischung zu sein.

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Immer gut für einen Geschwister-Streit: Die Rückbank

Während ich über das Entertainment-Programm nachdenke, beginnt es auf der Rückbank zu brodeln.
„Das ist meine Seite!“
„Nein, meine!“
„Geh weg!“
„Mein Glubschi will da sitzen!“
„Da sitzt mein Monchichi!“
„Pubser!“
„Selber Pubser!“
„Wo ist mein Glubschi? Du hast meinen Glubschi gekklaaaauuut!“
„Nein, da liegt er doch!“
„Papa, mein Glubschi ist runtergefaaaaaaalln. Hol ihn mir!“
Mein Mann beugt sich nach hinten und versucht einarmig, Constanzes Plüschtier, das unter dem Vordersitz gelandet war, nach oben zu bugsieren.

„Guck nach vorne! Du fährst AUTO! Willst du, dass wir bald am nächsten Baum kleben?“
Nun brodelte es auf Rückbank und Beifahrersitz gleichermaßen.
„Immer schaust du nach hinten, ich werde noch WAHNSINNIG. Soll ich fahren?“
„Alles okay.“
„Es ist gar nichts okay. Du schaust immer nach hinten.“
„Ich schaue gerade nach vorne.“
„Ja, jetzt, aber sonst nicht.“
„Mamaaaa und Papa, wer von euch beiden kann eigentlich besser Auto fahren?“
„Ich“, sagen wir beide unisono.
„Wer denn nun?“

The all-time favorite: Autokennzeichen raten

„Wir fahren beide gut, Schatz, und jetzt pass auf, wir spielen ein schönes Spiel. Wir lesen Autokennzeichen und raten, woher die Leute kommen, okay?“ Ich bin zufrieden mit meiner großartigen Lösung. Die Kinder sind so begeistert von der neuen Beschäftigung, dass wir sage und schreibe eine geschlagene Stunde damit rumbringen. Ich lese vor, und meine Kinder raten. „MA“ ist „Mamahausen“, das Auto aus „P“ kommt aus Pubsberg, und „KO“ ist natürlich „Kotzstadt“ und nicht Koblenz. Ein Riesenspaß!
Nach diesem Spiel fängt meine Tochter aus Langeweile an, laut und ausdauernd in allen Tonlagen zu heulen. Die Eltern: genervt. Wir haben zum Glück nur noch rund sieben Stunden Autofahrt vor uns.

Wann sind wir endlich da?

„Wann sind wir endlich dahaaa?“ Da ist sie endlich, die Frage aller Fragen auf Autofahrten mit Kindern. Sie wird im Laufe der Rückreise von beiden Kindern noch circa 35 Mal gestellt und endet in einem Streit, wer von beiden lauter fragen kann. Danach hört man auf Vorder- und Rückbank nur noch verzweifelt vorgebrachte Wünsche, im fortgeschrittenen Quengel-Sound.
„Ich will jetzt endlich Die drei ???.“ (Sebastian)
„Will S-Klasse mit Massagesitzen.“ (Mama)
„Pipi.“ (Sebastian)
„Langweilig.“ (Constanze)
„Will eingebauten DVD-Player.“ (Sebastian)
„Will Bumbibärchen.“ (Constanze)
„Will Abstecher ins Design-Outlet.“ (Mama)

Der Mann seufzt die restliche Fahrzeit hinter dem Steuer. Das nächste Mal fliegen wir, ganz bestimmt! Mehr unserer Familiengeschichten findet Ihr übrigens in meinem Buch.

Habt Ihr einen guten Tipp für lange Autofahrten?

 

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7 Kommentare

  • Reply Lea 6. Februar 2017 at 8:46 pm

    Hallo Nina,
    geniale Geschichte! Du hast das Autofahren mit Kindern sehr treffend dargestellt, und so anstrengend es auch manchmal sein mag, im Nachhinein schmunzelt man doch darüber.
    Ich kann mich noch lebhaft daran erinnern, wie meine Eltern meine Geschwister und mich auf langen Autofahrten beschäftigt haben. Auch mit Auto-Kennzeichen! Als wir lesen konnten, hatten wir eine Liste mit allen Kennzeichen und durften das Kennzeichen abhaken, sobald wir eines gesehen haben. Kann mich deshalb heute noch an die seltsamsten Kennzeichen erinnern…
    Liebe Grüße, Lea

  • Reply Anja 10. Februar 2017 at 10:50 am

    Tolle Geschichte, genauso war es mit meinen Kindern auch. Die Sache mit den Autokennzeichen klappt wohl immer – für kurze Zeit. :). Und meine Kinder machen sich heute noch beim Autofahren einen Spaß daraus, uns die Frage zu stellen “ Wann sind wir endlich da“.
    Liebe Grüße, Anja

  • Reply Saphira 7. März 2017 at 5:01 pm

    Super Artikel. So eine Autofahrt kann ja ganz schön spannend sein 🙂

  • Reply Matti 5. April 2017 at 8:46 am

    Hallo Nina,
    vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht. Ähnliche Erfahrungen musste ich auch schon mit meinen Kindern machen. Aber genau das macht ja eine tolle Familie aus 🙂
    Bei unserem nächsten Skiurlaub haben wir vor, einen sogenannten „Ski in Ski out“-Hotel zu besuchen. Das soll wohl eine tolle Erfahrung für Familien sein.

    Liebe Grüße
    Matti

  • Reply Anke 19. April 2017 at 3:22 pm

    Eure Autofahrt liest sich im Nachhinein ganz schön lustig 🙂

    Ihr habt ja schon einige Strategien für eine entspanntere Autofahrt angewendet (=> Kuscheltiere mitnehmen, Hörspiele, Kennzeichen raten)

    Ich habe mal gelesen, dass einige Zwischenstopps, wenn möglich sogar einen Zwischenstopp an einem „spannenden“ Ort (See, Spielplatz, …) und Platzwechsel nach jedem Zwischenstopp die Fahrt etwas entspannen können. 1 bis 2 Stunden Ruhe erhält man auch mit einem Kinderfilm z.B. auf einem tragbaren DVD-Player.

  • Reply Jonas 6. Juni 2017 at 9:25 am

    Guten Tag liebe Mitleser,
    vielen Dank für diesen Beitrag. In der Tat kann diese ständige Fragerei der Kinder nervtötend sein. Aber es sind nunmal Kinder, die ungeduldig ist. Die freuen sich bloß auf den Urlaub, wie jeder im Auto. Für unseren nächsten Urlaub werden wir eine Location suchen, die in der Nähe eine Skischule besitzt.

    Viele Grüße
    Jonas

  • Reply erkantürkei 16. Juni 2017 at 12:02 pm

    Und für den Skiurlaub gibt es eben auch kaum eine Alternative, vor allem bei der Strecke. Denn das ganze Material als Einzelteile im zu transportieren ist ja hoffnungslos.

    Erkan

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