Familie

Frau Vanderwitz wundert sich: Der perfekte Babysitter

8. Mai 2015

Kinder Graffiti

Saskia aka Frau Vanderwitz ist zwar kinderlos, hat aber schon einige Erfahrungen mit Kindern sammeln können. Meine Kolumnistin war mal eine sehr erfolgreiche Babysitterin, für circa fünf Minuten.

Sie erinnert sich an ein schweißtreibendes Erlebnis mit zwei wilden, australischen Jungs.

Immerhin hat sie Englisch gelernt, wenn es auch ein bisschen „English for se runaways“ war. Viel Spaß!

„No problem“ for the perfekte Babysitter

„No problem“, hieß es. „My kids are EASY”, hieß es. Zwei total brave, am Abend sehr müde und leicht einzuschüchternde Jungen seien das. Im handzahmen Alter von 3 und 6 Jahren, hieß es. (Mit den Kinderlosen kann man es ja machen. Die glauben das, wenn man es ihnen erzählt.) Man dürfe ihnen nur keine Limonade oder anderes Zuckerzeug geben. Dann drehten sie wohl durch. Ach, dachte ich, das kriege ich schon hin. Und ein bisschen Englisch kann ich ja auch. Da schaffe ich doch wohl, die zwei Kids vom australischen Besuch einer Kollegin. Und für den Notfall habe ich ja eine Übersetzungs-App auf dem Smartphone installiert.

Also sage ich zu. Die Kids, Samuel und Benjamin, lerne ich beim Essen kennen. Die Mutter bestellt Fisch, Pommes – und Limonade. War da nicht irgendwas gewesen mit Limonade? Drehten sie da nicht durch? Oder hatte ich da was falsch verstanden? Vermutlich lag es daran. Meine Vokabular war ja nicht mehr ganz so frisch.

„Go with the German Nanny and pronounce your words e-x-a-c-t-l-y for her!“, mahnt die Mutter nach Beendigung der Mahlzeit, schnappt sich ihr Party-Handtäschchen und ist weg. Zwei Sekunden später sind es auch die Kids. Natürlich in die andere Richtung.

Zwei kleine Australier im Zucker-Rausch

Und jetzt weiß ich auch, was mit Durchdrehen gemeint war. Offenbar bringen 0,2 Liter deutsche Fassbrause kleine Australier auf einen Höhenflug, um den sie so manche Koksnase beneiden würde. Sie rennen die Fußgängerzone entlang und rufen, dass sie die größten und die stärksten sind. Und sie messen dann auch gleich ihre Kraft mit Bänken, Bäumen und den Kleiderständern der Boutiquen.

„Stop this!“, ruft die German Nanny. Das bin ich. „Stop it now!“ Und im Englisch-Unterricht lernte ich seinerzeit, dass man immer ein „please“ dahintersetzen soll. Wegen der Höflichkeit und so. Also rufe ich noch ein verzweifeltes „Pleeeeeeaaaase!“ hinterher. Und was soll man sagen, sie kommen schreiend und kreischend zurückgelaufen, fangen dann aber direkt vor mir an, sich gegenseitig zu hauen. „Stop!“, ruft die German Nanny und: „Don’t hit your brother!“ Steht ja auch schon in der Bibel, dass man sowas nicht macht. Was heißt bloß Nächstenliebe auf Englisch?

Na, das führt auch vielleicht zu weit ins Philosophische. „Don’t hit your brother“, das muss reichen.
Da ich mir denke, dass die Kids in ihrem Rauschzustand sowieso nicht einschlafen würden, beschließe ich mit ihnen erst noch auf den Spielplatz zu gehen, sleeping time hin oder her. Dazu muss man aber eine Straße überqueren. Befahrene Straßen und zuckerbeschwipste Kinder sind einfach eine schlechte Kombination, denkt die weise German Nanny und ruft: „Don’t go by red!“, was die Kleinen erst einmal einen ernstlichen Lach-Anfall erleiden lässt.

Der perfekte Babysitter erzieht auf „denglisch“

Hochgezogene Augenbrauen von Passanten zeigen, dass weder mein aktiver Wortschatz noch meine Autorität genügen, um den kreischenden Blondschöpfen Einhalt zu gebieten. Also schnappe ich mir ihre klebrigen Patschehändchen und halte sie fest, bis es grün ist. „Now is green and we go!“, erwähne ich pädagogisch und lasse ihre Hände los. Ein Wirbelsturm entfesselt sich. Dann sind sie endlich auf der anderen Seite und beim Spielplatz angekommen. Die German Nanny – also ich – läuft schnaufend hinterher.

„Nice playground, isn’t it?“, versuche ich erneut Konversation zu betreiben, aber sie prügeln schon wieder auf sich ein. Es wundert mich so langsam, dass sie Samuel und Benjamin heißen und nicht Kain und Abel. Wie würde das denn dann im Englischen ausgesprochen? Käin und Äbäl? Doch zum Nachdenken ist keine Zeit, ich muss den kleinen Ben aus der Rutsche befreien und Sam davon abhalten, zu schnell auf dem Karussell zu drehen. Das Letzte, was ich jetzt noch brauche, ist ein kotzendes Kind. Was soll ich denn dann sagen? Don’t puke your brother?

Frau vanderwitz mit Katze

In “Frau Vanderwitz wundert sich” schreibt Saskia aus der Perspektive einer kinderlosen Frau. Als Katzenmama und begeisterte Tante nimmt sie die Welt der Familien witzig-ironisch unter die Lupe. Saskia schrieb bereits für mehrere Kabarettgruppen, ist poetry slammerin und Autorin. Mit Frau Mutter verbindet sie eine glorreiche studentische Vergangenheit im Fachbereich „irgendwas mit Medien“.

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3 Kommentare

  • Reply Astrid 8. Mai 2015 at 7:52 pm

    Vielen, vielen Dank für den tollen Artikel. Ich musste mehrfach herzhaft lachen! Grandios! Ich hoffe du hast die beiden australischen Beutelkängurus überlebt. Ich freue mich darauf hier bald mehr von dir zu lesen

  • Reply Nina 8. Mai 2015 at 7:59 pm

    Danke, Astrid für Dein Feedback! LG Nina

  • Reply Sassy Vanderwitz 22. Mai 2015 at 11:55 am

    Danke Astrid, das freut mich sehr!
    Heitere Grüße, Sassy

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