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Warum ich mich als Mutter politisch engagiere: nicht meckern sondern machen!

16. Oktober 2017
mutter politisch engagiere

Sich als Mutter politisch engagieren: Ja, wer hat denn dazu noch Zeit? Nach der letzten Bundestagswahl kam ich ins Grübeln. Klar war ich wählen, aber reicht das eigentlich? Ist es nicht gerade jetzt besonders wichtig, etwas vor Ort zu tun? Aber ich habe ehrlich gesagt ein paar Berührungsängste.

Rufe ich da bei also bei meiner Partei an und sage: Hallo, ich bin die Nina, darf ich bei Euch mitspielen? Und was macht man da überhaupt? Am Ende muss ich noch Protokoll schreiben (will ich doch schon beim Elternabend nicht)! Wieviel Zeit beansprucht ein politisches Ehrenamt überhaupt? Und sitzt man da nur mit Jungdynamikern oder grauen Herren herum? Und kann man überhaupt einen Unterschied machen?

All diese Fragen durfte ich meiner lieben Kollegin Andrea stellen, die neben Bloggerei, Selbständigkeit und Familie noch Zeit findet, sich beim SPD-Ortverein ihres Heimatortes (in Bayern!!) zu engagieren.

Sie hat übrigens ein super Argument für alle von Euch, die vielleicht mit dem Gedanken spielen, sich lokalpolitisch zu engagieren: „Es gibt ganz wenige Frauen und Mütter in der Lokalpolitik, wir finden praktisch nicht statt. Also: hingehen und für unsere Belange kämpfen.“

Warum ich mich als Mutter politisch engagiere: nicht meckern, sondern hingehen!

Andrea, seit wann engagierst Du Dich in der Lokalpolitik und wie kam es dazu?

Mein Vater war schon immer politisch engagiert, so wurde mir das quasi vorgelebt. Ich selbst bin seit zehn Jahren Mitglied der SPD, aber war das eher nur auf dem Papier. Nach unserem Umzug vor ein paar Jahren bin ich dann mal nach einer netten, handgeschriebenen Einladung in meinem Briefkasten zu einem Treffen unseres Ortsvereins gegangen.

Was war Deine Motivation, Dich politisch zu engagieren?

Ich möchte schon ein aktives Mitglied der Gesellschaft sein und denke man kann sich nicht beschweren, wenn man nicht mitmacht. Gerade in Zeiten von AfD und einer immer mehr gespaltenen Gesellschaft ist es wichtig, für die Demokratie zu kämpfen.

Und wie verlief die Aufnahme im Ortsverein so?

Das war eine sehr herzliche und unkomplizierte Aufnahme, obwohl alle dort viel älter sind als ich. Unsere Altersgruppe (Mütter, so 35-45 Jahre) findet eigentlich gar nicht statt. Wir fehlen in der Lokalpolitik, weil wir natürlich in dieser Zeit so viel um die Ohren haben.

Tatsächlich (und das ist ja bei uns Parteivorgabe) wird Gleichberechtigung gelebt, ich bekam also auch gleich einen recht oberen Listenplatz bei der Gemeinderats-Wahl.

mutter politisch engagieren

Arbeit im Ortsverein: und was kann ich tun?

Wie kann man sich Deine Arbeit vorstellen? Welche Themen setzt Du?

Was interessant war: Als der Bau eines neuen Kindergartens besprochen wurde, hieß es zunächst: „Aber das brauchen wir doch gar nicht.“ Tatsächlich fehlte den (älteren) Kollegen im Ortsverein der Zugang zum Thema Betreuungsplätze für arbeitende Mütter. Ich konnte da viel Umdenken ermöglichen!

Wir werden im Ortsverein nach unseren Talenten eingesetzt, ich kümmere mich um PR und social media. Beim Landtagswahlkampf habe ich auch mitgemacht und unsere Kandidatin unterstützt. Ich habe Veranstaltungen moderiert und auch Reden gehalten. Das ist übrigens super lehrreich!

Was gefällt Dir an der politischen Arbeit und welche Talente sollte man in der Politik besitzen?

Du bekommst alles, was Dich als Bürger betrifft mit und kannst aktiv mitgestalten. Ich finde es total super, morgens um 6 Uhr an der S-Bahn zu stehen, und Flyer zu verteilen. Da kommt man mit den Leuten ins Gespräch, das ist so unmittelbar!

Politik ist aber auch langwierig. Geduld muss man lernen und Kompromissbereitschaft!

Wieviel Zeit muss man für politische Arbeit im Ortsverein einplanen?

Ich würde sagen, so 2-10 Stunden im Monat. Ich habe aber auch im letzten Jahr meine Ämter ruhen lassen, weil es zeitlich nicht ging. Das geht auch.

Was war Dein schönster Moment bisher in der Lokalpolitik?

Ich habe wirklich die Betreuungssituation in meinem Ort verbessert. Jeder, der einen Betreuungsplatz für sein Kind möchte, bekommt den auch bei uns! Außerdem bin ich mittlerweile auch Ansprechparterin für die Bürger, das freut mich wirklich!

Liebe Andrea: Super, dass Du Dich engagierst, danke für das Interview und Glück auf!

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6 Kommentare

  • Reply Katja Nonnenkamp 16. Oktober 2017 at 7:15 am

    Ich finds so klasse, was du machst! Viele Menschen sind immer am Meckern, aber bekommen den Hintern nicht hoch. Oft vielleicht, weil sie nicht wissen, wie.
    Ich wünsche dir alles Gute bei deinem Engagement.

  • Reply Christine Finke 16. Oktober 2017 at 8:16 am

    Toll, sehr gerne gelesen!

  • Reply May 16. Oktober 2017 at 9:08 am

    Ich finde den Text auch super. Ein sehr schöner Einblick.

    Ich bin auch im Ortsvorstand einer Partei (bei mir sind es die Grünen) und vermisse sehr mehr andere junge Frauen, auch weil es dann einfach mehr Spaß machen würde. Wobei der Frauenanteil bei uns immerhin 50/50 ist (was wirklich viel ist, bei uns im Ort ist der Männderanteil bei allen anderen Parteien bei über 80%), aber die meisten haben schon erwachsene Kinder.

    Gerade junge Mütter haben eben einfach wenig Zeit und auch ich konnte zu den letzten Treffen nicht gehen, weil immer ein Elternabend dazwischen kam. Das macht aber nichts. Erstens hat jeder Verständnis und zweitens ist jeder Beitrag willkommen und hilft – egal wie klein!

    Ich freue mich über jede Frau, die sich entscheidet, mit gestalten zu wollen! (Auch, weil mitmachen wirklich das beste Mittel gegen Politikverdrossenheit und Politikerschelte ist).

  • Reply Mama Mensch 17. Oktober 2017 at 12:10 am

    Vielen Dank! Auch ich überlege, mich politisch zu engagieren, einer Partei beizutreten und dort auch aktiv mitzuarbeiten. Warum? Weil mir die Bundestagswahlergebnisse so gegen den Strich gehen, dass ich den demokratischen Teil der Parteienlandschaft stärken möchte. Ich möchte auch Vorbild sein. Meine Mutter war damals kommunalpolitisch und in der Frauenbewegung aktiv, als ich klein war und sie alleinerziehend. Es geht also und mit vielen anderen Frauen an vielen anderen Orten hat sie mit zu einem Überdenken tradierter Geschlechterrollen beigetragen. Und doch hindert mich der blöde Gedanke, weniger Zeit für die Familie zu haben. Vielleicht ist dieses Interview ein weiterer kleiner Anstups, es zu tun.

  • Reply Lena 17. Oktober 2017 at 8:00 am

    Toll! Ich denke es geht vielen so seit die AfD immer stärker wird. Leider hat man auf Grund des Umgangs von Medien und Usern sozialer Medien mit Politikern oft das Gefühl, dass man erst eine Kampfsportart beherrschen sollte, bevor man sich auch politisch engagiert. Schön, dass es hier mal anders berichtet wird!

  • Reply Frau Mutter 17. Oktober 2017 at 8:12 am

    Wir freuen uns total über all Euer positives Feedback dazu. Schön, wenn wir Euch inspirieren konnten;)
    LG Nina

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