Eltern Interviews

Eine Familie mit zwei Mamas: Dänemark machte es möglich!

28. Februar 2017

Eine Familie mit zwei Mamas ist heutzutage immer noch ungewöhnlich, aber zum Glück kein Tabu mehr. Heute erzählen Nicole und Anja über Ihr Leben als lesbisches Paar und Familie. Ein sehr interessantes Gespräch darüber ob gleichgeschlechtliche Partnerschaften gleichberechtigter sind, warum sie für Ihren Kinderwunsch nach Dänemark reisen mussten und über das Glück, noch nie diskriminiert worden zu sein. Viel Spaß beim Lesen!

War Euch als lesbische Frauen immer klar, dass Ihr auch mal Mütter werden würdet? Habt Ihr Euch das irgendwie problematisch vorgestellt?

Wir haben erst recht spät festgestellt, dass wir uns auch eine Beziehung zu einer Frau vorstellen können. Da waren wir Beide jeweils bereits über 30 Jahre alt. Vorher waren wir ja auch mit Männern zusammen. Da stellte sich diese Frage nicht. Erst als uns klar wurde, dass wir uns ineinander verliebt haben und zusammen auch eine Familie gründen wollen, war das ein Thema. Problematisch haben wir uns das allerdings auch zu dem Zeitpunkt nicht vorgestellt.

Wann wusstet Ihr beide vom anderen: Ja, mit dieser Frau will ich ein Kind!

Das war uns relativ schnell klar. Eigentlich schon kurz nachdem wir zusammen gekommen sind. Und das, obwohl wir Beide vorher weder heiraten noch Kinder bekommen wollten. Aber wenn man dem richtigen Menschen begegnet, ändert sich eben alles.

Wie entscheidet man als lesbisches Paar, wer nun die biologische Mutter werden darf?

Wir haben entschieden, dass Nicole das Baby bekommt. Einfach weil Sie die Jüngere von uns Beiden ist. Und damit die Chancen höher sind, bei einer künstlichen Befruchtung tatsächlich schwanger zu werden. Und wir hatten enormes Glück. Der erste Versuch war gleich ein Treffer!

Wenn Ihr das verraten wollt: woher kam der männliche Teil der Befruchtung?

Bevor wir beschlossen haben schwanger zu werden, hatten wir diverse Angebote von Männern aus unserem Freundes- und Bekanntenkreis, die uns ihren Samen gern zur Verfügung gestellt hätten. Aber das kam für uns nicht infrage. Deshalb führte unser Weg nach Dänemark. Denn in Deutschland ist es ja für zwei Frauen leider immer noch nicht möglich, gemeinsam ein Kind zu bekommen. Dort ist es sehr viel unkomplizierter. Die Klinik, für die wir uns entschieden haben, arbeitet wiederum mit einer großen europäischen Samenbank zusammen. Dort haben wir dann nach längerer und teils skurriler Suche einen passenden Spender gefunden. Wir haben uns übrigens ganz bewusst für eine „offene“ Spende entschieden. Bedeutet: wenn unser Kind achtzehn Jahre alt ist, kann er selbst entscheiden ob er Kontakt zu ihm aufnehmen will oder nicht.

Wie ist das in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung? Läuft Liebe anders ab? Streitet man über ähnliche Dinge wie Mann und Frau? Ist eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft vielleicht sogar gleichberechtigter?

Dadurch, dass wir Beide vorher auch mit Männern zusammen waren, haben wir ja den Vergleich. Und im Prinzip unterscheidet sich die Beziehung zwischen zwei Frauen nicht unbedingt von der zwischen Mann und Frau. Man kann sich mit einer Frau genauso über dreckige Socken, die offene Zahnpasta-Tube oder Geschirrberge streiten. Wir neigen in unserer Gesellschaft ja leider dazu, Eigenschaften in die entsprechende Gender- Schublade stecken zu wollen. Dabei kommt es einzig und allein auf den Menschen an, mit dem man sein Leben teilt. Wir fühlen uns Beide sehr gleichberechtigt in unserer Beziehung. Für uns ist klar, dass wir uns zu gleichen Teilen um unser Kind oder auch den Haushalt kümmern. Und wenn es Probleme gibt, dann reden wir. Das ist möglicherweise nicht in jeder Beziehung so, hat aber nichts mit dem Geschlecht zu tun.

Welche Termini habt Ihr für Euch? Sagt Ihr „meine Frau“ und wie sagt Valentin zu Euch?

Anja und ich sagen „meine Frau“ zueinander. Und für Valentin haben wir uns überlegt, dass er uns unterscheiden können sollte. Deswegen ist Anja „Mama“ und Nicole „Mami“. So weiß immer jeder von uns ganz genau, wer gerade gemeint ist.

 

Wie offen geht Ihr mit Eurer Lebensform um? Wissen alle Bescheid?

Wir gehen mittlerweile sehr offen mit unserer Lebensform um. Unsere Familien, Freunde und Kollegen wissen, dass wir zwei Frauen sind die sich lieben, verheiratet sind und gemeinsam einen Sohn haben. Da machen wir kein Geheimnis draus. Deswegen haben wir ja auch vor kurzem unseren Blog „Frau und Frau W“ ins Leben gerufen. Dort geben wir Einblicke in unseren Familienalltag und teilen unsere Erfahrungen als gleichgeschlechtliche Eltern. Im besten Fall können wir damit Klischees und Berührungsängste abbauen, die es ja leider nach wie vor gibt.

Gab es je Diskriminierung? Wenn ja, was macht so etwas mit Euch? Wie fühlt sich das an und vor allem: wie geht man damit um?

Wir haben weder als gleichgeschlechtliches Paar noch als homosexuelle Familie bisher negative Erfahrungen gemacht. Glücklicherweise. Wir sind von Diskriminierung komplett verschont geblieben. Oftmals sind wir sogar selbst überrascht, mit welcher Offenheit und Toleranz uns die Menschen begegnen. Dafür sind wir wirklich sehr dankbar.

Liebe Anja, liebe Nicole danke für Eure Antworten und viel Glück für Euch drei!

Das könnte auch interessant sein…

Keine Kommentare

Kommentieren