Familiengeschichten

Stillen in der Öffentlichkeit: Ein Rant gegen Diskriminierung

19. Februar 2016

Stillen in der Öffentlichkeit, gestern kochte zu dieser Diskussion die Milch über. Ein Cafébesitzer in Berlin Mitte verbot einer Frau das öffentliche Stillen, er wollte wohl nicht, dass sie am Fenster sass und dabei ihr Kind fütterte. Sie startete daraufhin eine Petition. Immerhin, die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hält Stillverbote wie dieses für nicht zulässig. Ich bin nun wirklich keine „Leche-Ligistin“. Meinen Sohn habe ich gestillt, meine Tochter nicht. Weder glaube ich daran, dass Stillen schlauer und gesünder macht noch denke ich, dass ich meiner Tochter damals Gift eingeflößt habe, als ich ihr die Flasche gab. Es muss aber einer Mutter erlaubt sein, ihr Baby in der Öffentlichkeit zu ernähren. Wie auch immer sie das für richtig hält.

Mich machen Versuche, Mütter zu diskriminieren, wahnsinnig wütend. Das gilt übrigens nicht nur für das Stillen. In den coolsten Berliner Stadtteilen versteht man aber in dieser Sache wirklich gar keinen Spass. Wo kommen wir da auch hin: stillende Mütter, die mit Ihren gigantischen Brüsten wild um sich wedeln, ihren brüllenden Bälgern bei wirklich jeder Gelegenheit die Milch einflössen, dabei zahlungskräftige Kunden in Cafés vergraulen, die zuviel Natur gesehen haben. Und eventuell ja sogar die Vitra-Stühle mit Milch kontaminierten. So jedenfalls muss man sich die Lage vorstellen, wenn man den Horrorgeschichten verschreckter Kneipenbesitzer glauben darf, die sich von hormongesteuerten Muttertieren und deren enormen Oberweite in die Ecke gedrängt fühlen.

zwillinge stillen

Stillen in der Öffentlichkeit: Jetzt auch Obergrenzen für Oberweite?

Wir reden ja auch schon über Hotels nur für Erwachsene, dann liegen stillfreie Cafès oder Hinterzimmer ja nahe. Parallelwelten. Durchmischung unerwünscht.

Ich habe damals meinen Sohn überall gestillt. Im Café, im Park, sogar in einer Kirche. Auch auf dem Boot in die Schären. Moment mal, ja. Das war in Schweden, denn dort haben wir die ersten Jahre mit Kind gelebt.

Nicht eine Mutter kenne ich, mich eingeschlossen, die sich gerne und vollkommen entblößt beim Stillen. Es geschieht immer diskret, oft mit einem Schal über dem anstößigen Körperteil. Und was ist überhaupt so anstößig daran? Die Nacktheit des Brustansatzes? Das sieht man im Sommer im Bikini und im Winter in jedem Abendkleid. Ist die Vorstellung anstößig, dass hier etwas Archaisches passiert, dass Nahrung fliesst?

Ich finde übrigens Vieles anstößig, was meine Mitmenschen in der Öffentlichkeit so sagen und treiben:

In der Nase popeln
Kein Deo benutzen und trotzdem S-Bahn fahren
„Ich bin ja kein Rassist, aber…..“ sagen
und vieles mehr.

Jeder Mensch, egal ob S-Bahnfahrer, Mutter mit Baby oder Vater mit Kleinkind, jeder sollte versuchen, sich angemessen zu benehmen. Natürlich lasse ich mein Kind nicht schreien oder um die Tische rennen. Klar, das würde stören. Mich als Mutter übrigens auch. Aber stillen? Das stört?

Etwas Gutes hat es ja. Eine junge Mutter gewöhnt sich so daran, dass ihr Tun immer, überall und egal von wem kommentiert wird. Egal ob sie nun gerade stillt, die Flasche gibt oder dem Kind eine Reiswaffel gibt, die nicht aus Dinkel ist.

Wenn Ihr Johanna Spanke mit ihrer Petition zum Thema Stillen in der Öffentlichkeit unterstützen wollt, könnt ihr das hier tun.

Wie steht Ihr dazu?

Still-Foto: Zwillings-Blog Einer schreit immer meiner Kollegin Anneliese. Schaut mal bei ihr vorbei. Es lohnt sich!

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18 Kommentare

  • Reply Andrea 19. Februar 2016 at 8:51 am

    Herrje, 2016 und wir reden IMMER noch übers Stillen in der Öffentlichkeit… Danke für Deine klaren Worte!

  • Reply Viktoria 19. Februar 2016 at 9:58 am

    Vielen Dank für diesen Artikel! Ich finde es furchtbar, wie manche Leute argumentieren, das Stillen mit anderen Bedürfnissen wie Sex oder Notdurft vergleichen – oder, wie der Cafebesitzer sagt: Auf Toilette mache er auch die Tür zu.
    Ich finde es ist eine der wichtigsten Errungenschaften der Gleichberechtigung, dass Frauen sich eben nicht die gesamte Schwangerschaft und Stillzeit über in ihrer Wohnung verstecken müssen. Dazu gehört, dass es genug Wickel- und Stillmöglichkeiten in der Öffentlichkeit gibt. Natürlich kann man sich dabei diskret verhalten. Und wie du schon richtig sagst, wenn es Brüste im Bikini sieht, dann jubeln alle – wenn man Brüste dabei sieht, wie sie einem anderen Menschen das Überleben sichern, dann wird gebuht und geschimpft.. Traurig ist das. Babys machen ja, aber versorgen dann lieber doch nicht.

  • Reply Victoria 19. Februar 2016 at 11:29 am

    Naja, über Brüste im Bikini würde der Cafébesitzer sich wahrscheinlich in seinem Café auch nicht unbedingt freuen. Aber solange das Stillen halbwegs diskret geschieht – und wie Du schon schreibst, ich kenne auch niemanden, der sich gern mehr als nötig in der Öffentlichkeit zum Stillen entblößt – verstehe ich auch nicht, wie Leute dazu kommen, sich daran zu stören. Von dort ist es letztlich nicht mehr weit bis zu der Aufforderung, dass Frauen auch ihr Haar, ihren ganzen Körper oder gar ihr Gesicht verhüllen sollen.

    Allerdings habe ich in 14 Monaten Stillen selbst noch nie erlebt, dass sich jemand daran gestört hätte. Im Gegenteil, ganz zu Anfang, als ich wegen Stillproblemen noch zufüttern bzw. abgepumpte Milch aus der Flasche füttern musste, habe ich mich viel mehr angegriffen gefühlt, weil ich das außerhalb von zuhause wirklich nicht einmal tun konnte ohne ein „Wie, Du stillst/Sie stillen nicht?“ zu ernten.

    Übrigens habe ich vor einiger Zeit gelesen, dass man irgendwo in Südamerika – ich glaube, in Brasilien – ein Bußgeld zahlen muss, wenn man in der Öffentlichkeit stillende Mütter dafür kritisiert, dass sie das tun. Guter Ansatz!

  • Reply Rosalie 19. Februar 2016 at 3:04 pm

    Ja, Mütter sollten immer und überall stillen dürfen. ABER niemand erwähnt, dass es dazu vielleicht auch einige regeln geben sollte. Nach vielen Jahren des Stillens und das werd ich ja nun auch bald wieder, stört es mich selbst trotzdem, wenn einem Mütter ihre blanken Brüste direkt unter die Nase halten. Und ja sowas gibt es öfter. Und da kommt auch das Natürlichkeitsargument oder das Sexargument völlig falsch. Denn das Stillen wird ja immer als intime Sache zwischen Mutter und Kind propagiert. Und das sollte es auch sein. Dennoch sehe ich Mütter, die minutenlang ihre bloße Brust da raushängen haben bis das Kind dann auch mal ran darf. Das ist bloßes Präsentieren. Und das find ich auch nicht gut. Solche Mütter legen die Grundlage für entnervte Mitmenschen, die eigentlich nix gegen das Stillen haben. Z.B. sehe ich auch, dass viele extrem viel Geld in Kinderwagen und sonstigen Schnickschnack investieren, aber keine Stillkleidung kaufen. Dabei erlaubt die wirklich viel einfacheres und diskretes Stillen. Davon haben dann alle etwas.

    Niemand soll sich verstecken müssen, aber es setzt sich auch niemand in Unterhosen ins Café. Stillen berechtigt ebenso nicht, sich über gesellschaftliche Normen hinweg zu setzen. Und Cafebestitzer dürfen in ihrem Betrieb Verhaltensregeln aufstellen. Das ist absolut ok und es ist ja nicht so, dass eine Handvoll Cafés mit dieser Regel ein Problem wären in Berlin. Dass aus diesen Einzelfällen immer so ein Theater herbeigeschrieben wird, zeigt eigentlich, welch Luxusproblem das ist und auch, dass sich da halt EINE Mutter persönlich auf den Schlips getreten fühlt. Dabei wird nie gefragt, weshalb der Besitzer so reagierte. Vielleicht hat er dadurch schon Kunden verloren oder Ärger mit Müttern gehabt, die demonstrativ blank zogen und sich einfach gesagt, dass er da klare Regeln aufstellt. Ich persönlich kann nur sagen: Nein, auch stillende Mütter dürfen nicht blöd tun und müssen sich an Regeln halten. Und wenn in einem bestimmten Laden das Stillen nicht erwünscht ist, dann muss glaub keine Berliner Mutter darben, sondern geht einfach ins nächste Café. Niemand schränkt das allgemeine öffentliche Stillen ein. Aber wenn mir ein Platz nicht allein gehört, dann kann ich eben auch nicht allein über die Regeln an diesem Platz entscheiden. Ob das meinem Ego nun passt oder nicht. Bei dieser Diskussion geht es um Rücksichtnahme – ABER UAF BEIDEN SEITEN – denn die Mitmenschen haben vielleicht ein anderes Schamgefühl als man selbst. Ein Baby berechtigt zur Rücksichtnahme, nicht aber jeden zu belästigen, der mir über den Weg läuft. Genauso ist es mit Hunden. Oder Kinderwägen. Leider redet aber bei solchen Posts nie jemand über Gegenseite Rücksichtnahme, sondern nur darüber, dass andere immer und grundsätzlich auf eine Mutter Rücksicht zu nehmen haben.
    Im Übrigen finde ich viel Schlimmer, wenn z.B. Mütter zur Hauptzeit mit ihren Kiwas die Strassenbahnen vollparken und ich dann mit 2 kleinen Kindern an der Hand noch nicht mal einsteigen kann, oder für ältere Menschen mit Rollator keine Platz gemacht wird. Mütter sind häufig im öffentlichen Raum auch ziemlich Rücksichtslos und da schreit keiner.

    • Reply Karl Spanke 11. März 2016 at 4:37 pm

      Nicht Mütter sind häufig im öffentlichen Raum ziemlich rücksichtslos, sondern der öffentliche Raum ist zu Müttern ziemlich rücksichtslos! Es ist übrigens immer wieder interessant wie unsolidarisch Frauen gegenüber Frauen sind! Schauen Sie sich doch mal den neuen Film über die Suffragetten an, dann wissen Sie was das für ein harter Weg bis hierher war. Stillen ist Stillen ist Stillen ist Stillen und ist so ähnlich wie an einer Flasche saugen. Und um es „diskret“ zu machen braucht man bestimmt keine Stillkleidung , jede Mutter hat einen natürlichen Instinkt, wie man das Baby stillt : wieso also hirnrissige Regeln? Freiheit ruf ich !Ihr Unterhosenvergleich ist genauso daneben, wie der von dem Betreiber des Cafes: „zum urinieren gehe ich ja auch aufs Klo !“ Wie man ja jetzt weiß darf der Wirt auch keine Regel aufstellen, was das Stillen anbelangt. Da sind sie im Irrtum! Außerdem gehen Sie doch mal mit einem Zwillingskinderwagen oder mit einem Rollator oder noch schlimmer mit einem Rollstuhl in das Café THE BARN in Berlin, viel Spaß dabei!

  • Reply Nina 19. Februar 2016 at 4:02 pm

    Hallo Rosalie,
    ich gebe Dir Recht, auch junge Mütter müssen Rücksicht nehmen und Rücksichtnahme muss immer beidseitig sein. Aber das Kind in der Öffentlichkeit zu stillen muss erlaubt bleiben. Ich kenne nur Mütter, die das diskret tun. Grüße Nina

  • Reply Suse RevoluzZza 20. Februar 2016 at 1:42 pm

    Danke, super Beitrag!
    Ich habe meine Kinder selbst immer und überall gestillt, wenn sie Hunger hatten. Meistens waren sie dabei im Tragetuch, das sowieso alles verdeckte, was man hätte sehen können oder wollen.
    Ich habe tatsächlich noch nie eine stillende Mutter gesehen, die in „anstößiger“ Weise mit ihren nackten Brüsten „rumgemacht“ hätte – allerdings begegnen mir im Sommer immer wieder Männer mit nacktem Oberkörper – in Cafes, in Parks, auf Baustellen. Und so manche Körbchengröße übersteigt da meine eigene… Wer kümmert sich darum?

    Die weibliche Brust ist so gefährlich, bedenklich, boshaft… vor der MUSS man geschützt werden.

  • Reply Kerstin 20. Februar 2016 at 5:55 pm

    Was hast du gegen Kinderfreie Hotels? Ich habe vier Kinder. Hab meinem Mann ein Wochenende in so einem Hotel geschenkt. Es war sooo toll. Ich hab auch beruflich mit Kindern zu tun. Sie sind das beste auf der Welt. In dem Hotel waren übrigens fast nur Eltern die einmal nur ein Paar sein wollten. Auch der Hotelbetreiber hat selbst vier Kinder.

    Ich stille übrigens meine 3 Jährige (die bei genau diesem Aufenthalt entstanden ist) auch noch. Hab auch immer diskret öffentlich gestillt. Finde aber extra Stillzimmer total toll. So haben Mama und Kind kurz Ruhe. Heißt ja auch still en. Ich wurde noch nie von irgendjemand deswegen blöd angemacht

  • Reply Anna-lena 20. Februar 2016 at 7:20 pm

    Was soll man dazu sagen. In erster Linie klar ist es das natürlichste der Welt und für mich als Nicht- Mutter zerreißt es manchmal innerlich, ja eigentlich ist es manchmal neid und manchmal ist es einfach schmerz, das sehen zu müssen. Ich weiß nicht wie vielen anderen Frauen da genauso geht. Es tut einfach weh. Andrerseits stelle ich mir das stillen als absolut intimen Moment bei dem ich mich voll auf das baby konzentrieren möchte vor. Das möchte ich doch nie in der Öffentlichkeit mit jemand fremden Teilen. Oder der ganze Schmutz und die Lautstärke die mich abschrecken. Ich kann ganz nachvollziehen warum sich manche Menschen dran stören. Es müssen ja keine Kinder hasser sein. Aber es muss ja einen doch auch freigestellt bleiben,ob jemand das sehen will bzw. Kann.

  • Reply LadyDjango 20. Februar 2016 at 7:34 pm

    Sehr guter Artikel!
    Wir leben im Jahr 2016 und wir solltenuns nicht über das natürlichste der Welt Gedanken machen.
    Ich habe schon überall gestillt im freien, im Auto, im Café, im Restaurant, in einem Mitarbeiterbereich, auf einer Bank und ganz ehrlich ich würde es wieder machen!
    Das schlimmste war in einem Kindercaffee musste ich auf Toilette gehen, weil die anderen Müttern mit denen ich da War das als unangemessen empfanden, wegen ihrem Männern. Beim zweiten mal blieb ich sitzen… Dank meiner Hebamme kann es mir nun egal sein und bin bestärkter denje, weil wenn mein Kind Hunger hat, gibt es Milch und diehalt aus meiner Brust. NA UND!! 😉

  • Reply Lina 20. Februar 2016 at 10:22 pm

    Schade, in was für einer Gesellschaft wir uns befinden.
    Stillen ist das Natürlichste auf der Welt.
    Und ihr tollen Kneipenbesitzer & Co wart ALLE Babys!!
    Ich habe 2 Jahre voll gestillt. Und das auch in der Öffentlichkeit.
    Den Busen sieht man da eh kaum, ist ja durch den Babykopf überdeckt.
    Versteht die Leute nicht – muss ich auch nicht. Mir tun solche Menschen
    einfach nur sehr leid

  • Reply Sandra 21. Februar 2016 at 11:34 am

    Toller Artikel.
    Ich finde, die Reaktion des Cafébesitzers zeigt sehr deutlich, wie weit wir uns von der Natürlichkeit unseres Daseins entfernt haben. Keiner spürt das am eigenen Leib so krass, wie Frauen im allgemeinen – schauen wir uns doch mal den Hygienewahn mit den OBs an, da wird die Menstruation, weil eklig und übelriechend, im weiblichen Körper versteckt (Es gibt Volksstämme, da werden Frauen gefeiert, wenn sie die Tage haben) – und frisch gebackene Mütter im speziellen.
    Durch eine Geburt und den Vorgang des Stillens ist eine Frau auf eben diese sehr ursprüngiche Natürlichkeit so eingestellt, dass es schwer fällt, sich in unserer überzivilisierten, domestizierten Welt noch zu integrieren. Öffentliches Stillen ist so eine Integration. Wenn wir Müttern verbieten, öffentlich zu stillen, werden diese von der Gesellschaft ausgeschlossen, obwohl sie für den Erhalt selbiger sorgen. Denn nebenbei gesagt, was kinderlose Frauen schlicht und ergreifend auch nicht nachvollziehen können, ist Stillen in der Öffentlichkeit einfach praktisch und ermöglicht, je nach Stillrhythmus, einer Mutter überhaupt noch vor die Tür zu kommen!

    Diskret zu stillen, ist für alle Mütter, die ich kenne, selbstverständlich. Diejenigen, die mit ihren nackten Brüsten rumwedeln, sind eher die Seltenheit und dürfen meiner Meinung nach durchaus aufgefordert werden, rücksichtsvoller zu stillen. Aber mehr auch nicht.

    Und zu Anna-Lenas Beitrag: ja, für kinderlose Frauen kann es aufwühlend sein, das zu sehen, aber wir leben nun mal alle zusammen auf diesem Planeten und das Zusammenleben birgt zwangsläufig die „Gefahr“ – besser die Chance, sich seinen Problematiken stellen zu können/müssen. Wir können ja auch nicht autofreie Stadtteile erzwingen, nur weil Menschen nach Autounfällen eventuell Angst vor Autos haben und die nicht mehr sehen wollen… Und als Beobachter habe ich schließlich eigenverantwortlich die Möglichkeit, mich diesem Reiz nicht auszusetzen.

    • Reply Rosalie 22. Februar 2016 at 11:06 pm

      Ich muss da leider bei ein paar Punkten vehement widersprechen. Zum Einen wird niemanden generell verboten öffentlich zu stillen. Es geht hier um vereinzelte Lokalitäten. Zum Anderen empfinde ich die Argumentation von ursprünglicher Natürlichkeit als Romantisierung und Pauschalisierung. Natürlich ist nämlich für mich, mich zum Stillen möglichst zurück zu ziehen und eben nicht mitten unter Leuten zu Stillen. Dies beruht auf meinem natürlichen Schamgefühl.
      Des Weiteren ist Stillen unterwegs keinesfalls immer geschickt. Nur, wenn man gewisse Zeit in Ruhe irgendwo sitzen kann und Zeit und Platz hat. In einer vollen Strassenbahn, wenn ich in 5 Haltestellen aussteigen muss finde ich Stillen gar nicht praktisch, es sei denn, ich habe das Kind im Tragetuch und Stillbekleidung an. Dann mag das noch umsetzbar sein. Oder beim Bäcker oder im Supermarkt etc. – unpraktisch…
      Und nebenbei, das Beispiel mit den Autos ist schlicht falsch, denn wir erzwingen autofreie Bereiche wo sich eben viele Fußgänger aufhalten, z.B. in Innenstädten, genau damit dort keine Unfälle passieren. Und zudem, die Sache mit ‚kuck doch einfach nicht hin‘ ist irgendwie zu einfach gedacht. Nackte Brüste provozieren grundsätzlich erstmal zum Hinschauen, was da grad los ist, denn es entspricht einfach nicht der Norm in der Öffentlichkeit. Klar, dann kann man ja auch wieder wegschauen. Aber bevor man nicht hingeschaut hat, kann man sich auch nicht gegen den Anblick entscheiden. Wenn ich also wohin komme und dort sitzen Leute, die mir nicht gefallen, kann ich wieder gehen. Wenn ich aber dort bestellt habe und gerade esse, und es kommt jemand, der mir missfällt, dann kann ich nicht einfach gehen. Wir alle kennen diese Situation wenn sich jemand Stinkendes oder Betrunkenes pöbelnd in der Kneipe neben uns setzt. Da würde jeder argumentieren, dass der Betrunkene gefälligst weichen soll. Damit man mir nicht die Worte im Mund rumdrehen kann: ich vergleiche hier nicht Mütter mit Betrunkenen. Der Grund der Unannehmlichkeit ist für denjenigen, der sich unwohl fühlt nämlich völlig nebensächlich.

  • Reply Rosalie 22. Februar 2016 at 10:41 pm

    Was mir bei den Kommentaren auffällt, die Leute vermischen ‚Öffentlichkeit‘ und ‚öffentlicher Raum‘. Wir halten alles außerhalb unserer Wohnung oder der Privatwohnungen der Familie für Öffentlichkeit. Ein Restaurant ist aber kein öffentlicher Raum – zwar ist man in der Öffentlichkeit, aber es ist dennoch Privatgelände. Und der Besitzer dieses Privatgeländes darf dort die Regeln machen. Öffentlicher Raum wäre z.B. ein Spielplatz, Plätze in der Innenstadt etc. Für die Regeln dort zeichnet die jeweilige Gemeinde verantwortlich.
    Ich erkenne, dass dieser Unterschied kaum einem klar zu sein scheint. Und wir selbst beharren ja vehement darauf, dass man in seinen eigenen Räumen eigene Regeln aufstellen kann. Nichts anderes machte der Cafebesitzer. Und es ist ja keiner gezwungen dort Zeit zu verbringen – anders als z.B. auf einer Behörde/Amt. Darum muss ich sagen, unabhängig vom Thema, der Cafebesitzer hat das volle Recht so zu handeln. Dass die betroffene Frau tatsächlich eine Petition startet, so hat sie schlicht nicht nicht verstanden, das sie zwar nicht zu Hause, aber dennoch nicht im öffentlichen Raum ihren Kaffee getrunken hat. Wenn von mir jemand verlangte, in meinen Räumlichkeiten prinzipielle Zugeständnisse zu machen, ich würde mich angegriffen fühlen als Besitzer.

  • Reply Cat 24. Februar 2016 at 5:45 pm

    Hi,
    ich muss sagen, mich würde es nicht stören, wenn eine Mama in meiner Gegenwart ihr Kind füttert (werde selbst Mutter und weiß noch nicht, ob ich stillen möchte). Dennoch würde ich für mich immer eine „bedeckte“ Variante vorziehen. Für das Baby (hey, ich würde es hassen, wenn mir jeder auf den Teller glotzen würde und guckt, was ich gerade esse). Man darf von mir als Erwachsene nicht mal Fotos machen, auf denen ich Essen im Mund habe – und dann soll bei meinem Kind jeder zugucken könne? Hm nee. Ich selbst würde mich auch unwohl fühlen – mir ist meine Brustgröße (jetzt in der SS 90 E, mit Pech vielleicht noch größer, sonst 90 D) auch schon ohne Milch unangenehm, sodass ich sie mit entsprechender Kleidung gern etwas „kleiner“ wirken lasse. Ebenso wie den Rest meines für mich zu groß geratenen Körpers, oder die Teile, die nicht jeder sehen soll (also alles ab Taille abwärts ;). Ich halte mich halt lieber generell „bedeckt“ und lenke ungerne die Blicke anderer auf meine Erscheinung. Mich sieht man daher nur in Ausnahmefällen in Kleidung, die mehr als das Nötigste zeigt. Das Stillen im öffentlichen Raum lehne ich dennoch nicht ab. Ich würde nur in jedem Fall eine Decke, ein Tuch oder einen Stillschal zum Abdecken benutzen, und ansonsten mein jeweiliges Gegenüber fragen, ob es ihn/sie stört, wenn das mal nicht klappen sollte. Mit Kommunikation geht glaube ich viel und man zeigt eben auch guten Willen.

  • Reply Kathi 26. Februar 2016 at 1:31 pm

    Das Kranke daran ist doch würde sich die Berufsnudistin, Micaela Schäfer in ihrer Berufskleidung in das Cafés setzen würde sich der Herr und seine Kundschaft, zumindest die Männliche, sehr freuen. Das würde vielleicht sogar die Einnahmen steigern. Sitzt da aber eine Mutter und entblößt ihren Busen, wahrscheinlich hat man nicht viel gesehen der Babykopf verdeckt ja eh meist alles, ist der Busen ieeee bä! Komische Welt.

  • Reply Andrea 14. März 2016 at 1:58 pm

    Prima Artikel. Man sollte dieses Berliner Café beim Namen nennen damit es von stillenden Terroristinnen gemieden werden kann und sie nicht gedemütigt werden müssen.
    Warum ist der Cafebesitzer dann nicht auch so konsequent und erklärt sein Café zur stillenden Mütter Verbotszone? Damit ist sowohl ihm geholfen, als auch Müttern die nicht Gefahr laufen wollen, so einem Kerl auch noch Geld in den Rachen zu schmeißen.
    Echt traurig!

  • Reply WOCHENRÜCKBLICK, BESTER KLICK & FMA #5 – janinchen 1. Juni 2016 at 7:04 am

    […] Frau Mutter hat da ein paar passende Zeilen verfasst, die es unbedingt zu lesen gilt. Hier entlang zum Beitrag. LADY IN RED / OUTFITDie wunderbare Kate. Eine Bloggerin, die mich immer […]

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