Familiengeschichten

Meine Kinder sind undankbar! Warum sich das so gehört

5. Oktober 2017
meine kinder sind undankbar

Meine Kinder sind so undankbar! Ist das eigentlich so ein Vorwurf aus der Mottenkiste? Aber wollen wir Eltern nicht manchmal ein kleines Dankschön hören von den Kleinen? Unterscheiden wir uns eigentlich so sehr von unseren Ur-Großeltern, bei denen die Kinder „brav bitte und danke sagen“ mussten? Mhh…

Ich habe mich schon oft dabei erwischt, wie ich zu Sohn oder Tochter sagte: „Du kannst Dich ruhig mal bedanken!“ oder noch besser: „Und wie heisst das?“ Was dann oft mit einem „Hä?“ seitens der Kinder beantwortet wird.

Selbst Schuld, Mama! Wer fragt auch so blöd…Müssen Kinder dankbar sein bzw. sich bei ihren Eltern bedanken? Vielleicht ist das gar nicht dasselbe.

Ich finde es sehr wichtig, dass wir uns darüber freuen, was wir haben. Dankbarkeit ist ein Schlüssel zu weniger Neid und mehr Zufriedenheit und auch weniger „Wollen“.

Aber danke sagen ist trotzdem so wichtig: Danke für das Geschenk, danke für das gute Essen, danke für Deine Mühe. Danke, dass Du an mich gedacht hast. Und: DANKE MAMA!

Ja, ich gebe es zu: Ich würde manchmal gerne mehr „danke“ hören. Im Familienalltag zwischen Englisch Vokabeln abhören, zum Tennis fahren und Verabredungen organisieren.  So ein kleines „Danke, Mama“ wäre doch nicht zu viel verlangt, oder? So als Motivation für die „Mitarbeiterin des Monats.“ Also mich.

Aber mein Sohn ist da wie ein Patriarch in einem schwäbischen Familienunternehmen: “ Nix g’sagt ischt genug g’lobt.“

Meine Kinder sind undankbar! Dürfen wir Dankbarkeit denn einfordern?

Ich fand das früher immer nervig, wenn meine Eltern mir sagten „Du bist undankbar.“ Warum sollte ich das auch sein? Ich wohnte in einem schönen Haus (aber im falschen Dorf), durfte in die Einliegerwohnung mit eigenen Bad ziehen (aber ohne Badewanne), dann wurde ich „gezwungen“, ein Instrument zu lernen (wie autoritär, ey) und bekam Auslandsaufenthalte bezahlt (das Essen hat dort aber nicht geschmeckt).

Kürzlich schmiss ich nach einem Streit beim Hausaufgaben machen mit Sebastian für kurze Zeit die Brocken hin. „Du machst das jetzt alleine, mir reichts.“

Antwort: „Aber Eltern MÜSSEN mit ihren Kindern üben, Mama.“  Soso, steht das im Grundgesetzt oder was? Kommt gleich die Eltern-Polizei und erteilt mir eine Rüge?

Und ich habe natürlich wie die Ur-Oma geantwortet: „Andere Kinder haben nicht so ein Glück wie Du. Da helfen die Eltern nicht oder können es gar nicht.“ (Kurz nochmal durchschieben, was wir für krasse Bildungsbürger sind, auch immer wichtig).

Den Sohn hat es nicht weiter interessiert. Er liess mich ihn noch zum Tennis kutschieren, obwohl er eigentlich keine Lust hatte und voll müde war. Was will Mama eigentlich noch? Dankbarkeit? Nö.

Unseren Kindern geht es gut. Sie kennen keinen Mangel und mussten sich bisher wenig bis gar nichts erkämpfen oder lange auf einen Wunsch warten. Ich erlaube ihnen nicht alles und kaufe ihnen auch nicht gleich jeden Quatsch, aber im Großen und Ganzen haben sie eine echt tolle Kindheit. Warum ist es aber trotzdem oft alles „Manno“ oder „Mensch, Mama?“

Das ist auch gar keine Undankbarkeit, sondern ihr Leben, wie sie es als „normal“ empfinden. Dieses Leben ermöglichen wir ihnen ja von ganzen Herzem, warum also künstlich etwas verknappen? Trotzdem ist es manchmal ganz gut darüber zu sprechen, dass all das nicht vom Himmel fällt und sonst jetzt keiner zum Tennnisclub fahren würde außer Mama. Gar nicht so einfach, ohne direkt wieder wie die Ur-Oma klingen zu wollen à la „Weisst Du eigentlich wie gut es Dir geht“?

Das Beste: die echte, spontane Dankbarkeit

Dankbarkeit einzufordern ist auch ein bisschen wie Liebesbekundungen einzufordern. Die „Leistung“ wird vielleicht erbracht, aber es macht beiden Seiten gar keinen Spaß. Wenn den Kindern das Essen wirklich gut schmeckt und sie sich begeistert bedanken oder wir einen Ausflug zusammen genießen und der Sohn sagt: „Das ist der tollste Tag, Mama. Danke“ , das macht Spaß. Und auch wie bei unerwarteten Kompliment freut man sich dann, ganz einfach weil es echt, spontan und nicht eingefordert war.

War ich denn dankbar als Kind? Ähm….nein

Aber es ist wohl einfach so und ganz normal. Als ich vor mehr als elf Jahren zum ersten Mal Mutter wurde und die erste Zeit mit meinem Sohn erlebte, dachte ich damals: „Und das haben meine Eltern alles für mich gemacht?“ All dieses Schreien, die Windeln, die durchwachten Nächte, die Mathe-Hausaufgaben, die Gespräche mit Lehrern, die Pubertät, der Teenie-Quatsch?“

Noch dazu haben sie mich zu einem ganz okayen Menschen erzogen, mir Werte mit auf den Weg gegeben und mir Liebe und Selbstwertgefühl geschenkt. All das….? WAHNSINN.

Damals habe ich zum ersten Mal echte, wirkliche Dankbarkeit für die Arbeit und Mühe meiner Eltern gespürt.

Letzten Sonntag lagen mein Mann und ich morgens nach einer Party etwas verkatert im Bett. Ob er nicht schon mal den Tisch decken könne fürs Frühstück, fragten wir den Sohn.

„Naaa, gut. Dann mache ich wohl auch DAS noch für Euch.“

Wir haben gelacht, sind dann kurz darauf aufgestanden und haben uns artig bedankt. Wenn wir dann Großeltern sind, nehmen wir die dankbaren Huldigungen unseres Sohnes gerne entgegen. Ich freue mich schon drauf!

Bis dahin gilt weiterhin: „Nix gesagt ist genug gelobt.“

 

Sind Eure Kinder dankbar? Stört es Euch, wenn sie es nicht sind?

Foto 2 ist tatsächlich aus der Mottenkiste, nämlich eine Tafel aus einem bayerischen Heimatmuseum und schon über 100 Jahre alt;)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Merken

Merken

Merken

Merken

Das könnte auch interessant sein…

5 Kommentare

  • Reply Katja Nonnenkamp 5. Oktober 2017 at 7:46 am

    Du sprichst mir aus der Seele. Ich bin immer ganz gerührt, wenn fremde Kinder (oder Freunde der Kinder) zu mir „Danke“ sagen. Es ärgert mich dann zeitgleich, dass meine Kinder dann bei fremden Eltern einfach nen Keks nehmen und sich verdünnisieren :-(). Natürlich ohne Danke zu sagen.
    Vielleicht erwarte ich auch Dankbarkeit, weil ich für meine Kinder mehr mache, als meine Eltern für mich. Ich lief einfach so mit und habe mich oft nach mehr Interesse an mir und mehr Aufmerksamkeit gesehnt. All das bekommen und fordern meine Kinder, aber Danke? Nie gehört…
    Alleine das „wie sagt man“ geht mir von mir selbst so auf den Sack. Aber was soll man tun? Einfach ignorieren, dass kein Danke kommt? Es ständig einfordern und es in kauf nehmen, dass es dann nicht ehrlich ist? Puh!

  • Reply Frau Mutter 5. Oktober 2017 at 7:49 am

    Ich finde es auch schwer und kann den Punkt: Wir machen noch mehr als unsere Eltern ganz gut nachvollziehen. Ich denke aber Dankbarkeit wird schon kommen, es dauert halt nur ein bisschen;) lg nina

  • Reply Sonja 5. Oktober 2017 at 4:06 pm

    Oh – mir scheint ich habe wohl Glück gehabt- mein Sohn (10) bedankt sich sehr sehr oft (wenn ich ihn zur Schule fahre, ihm das Essen besonders gut schmeckt, ich ihm bei den Hausis helfe….) – Undankbar kann ich ihn in keinster weise bezeichnen.
    Wer weiß wie sich das in der Pupertät noch so entwickelt 🙂
    liebe Grüße
    Sonja

  • Reply Gudrun 6. Oktober 2017 at 10:56 am

    Ich habe auch erst in dem Moment Dankbarkeit meinen Eltern gegenüber empfunden als ich selber Kinder hatte. Das sage ich mir jetzt immer, wenn ich mich insgeheim ein bisschen ärgere weil ich wieder alle Taschen schleppen muss oder, oder, oder. Ich freue mich schon heute darauf. Denn erst dann wenn man wirklich Dankbarkeit empfindet, ist das gesagte Danke auch ein Kompliment.

  • Kommentieren