Erfahrungen

War das wieder mal alles? Brief an den Muttertag

9. Mai 2014

Muttertag Frau Mutter Blog Rosel Eckstein_pixelio.de

Lieber Muttertag,

nichts für ungut, aber solltest Du nicht eigentlich mittlerweile überflüssig sein? Nach so vielen Jahren gibt es Dich immer noch…Genauso wie der Valentinstag bist Du doch so ein Tag, der Schuldbewusstsein und Kaufhysterie auslöst, oder? Oh Gott, es ist ja morgen Muttertag, noch schnell Blumen und Pralinen besorgen. Eigentlich erinnerst Du mich an Glückwünsche zum Geburtstag auf Facebook. “Soundso hat heute Geburtstag, hinterlasse einen Glückwunsch auf seiner timeline.” Ok, was hinschreiben und weiter geht’s.

Ich weiss, dass meine beiden Kinder schon wie wild wegen Dir in Schule und Kindergarten basteln, aber eigentlich will ich das alles nicht. Natürlich werde ich mich über die selbst gebastelten Dinge freuen wie Bolle, aber weisst Du was? Ich habe einen völlig verrückten Traum. Ich will Muttertag jeden Tag! Was sagst du dazu, Muttertag?

Ich wünsche mir nicht an jedem Tag Pralinen und Blumensträuße, verstehe mich jetzt nicht falsch, lieber Muttertag. Würde ja auch dick machen auf Dauer. Nein, ich wünsche mir jeden Tag ein bisschen Anerkennung und good feelings.

Jetzt zieh’ doch nicht so eine Grimasse, Muttertag! Jaaa, ich klinge wie meine Mutter und Oma und Ur-Oma. “So ein kleines bisschen Anerkennung für meine täglichen Mühen, hach das wäre schön…” Jetzt lass’ mich ruhig mal heulen, Muttertag. Das muss auch mal sein.

Wäre doch super, wenn ich jeden Tag in irgendeiner Zeitung lesen könnte, was für ein cooler Job das eigentlich ist, Mutter zu sein. Und wie wichtig für die Gesellschaft und die nächste Generation. Wie erstrebenswert das eigentlich ist und nicht wie mühevoll und irgendwie saublöd wegen Armutsrisiko und Alltags-Frust etc.

Wenn eine Gesellschaft mir sagen würde: Du bist Ärztin, Anwältin, Friseurin, egal was, und Du willst auch Mutter sein? Grossartig! Danke!!! Du wuppst das! Wie können wir Dir das Leben so leicht wie möglich machen?

“Kinder kriegen die Leute immer”, hat Konrad Adenauer gesagt. Das ist schon lange nicht mehr richtig. Frauen überlegen sich heute ganz genau, ob sie noch Mutter werden wollen. Und das ist ja auch nachvollziehbar.

Hat der Job der Mutter, der “Lebensentwurf Mutter”, eigentlich noch ein gutes Image? Wenn das eine Marke wäre, würden die Leute “Mutter- das Produkt” kaufen? Gäbe es eine Warteliste wie bei einer tollen Handtasche? Hätte die “Mutter-Facebook-Seite” viele Fans?

Nee, oder? Was sagst Du dazu, Muttertag? Reicht eben nicht, einmal im Jahr den Glitzerstaub rauszuholen. Lass Dir mal eine langfristige PR-Kampagne einfallen, Muttertag. Dann mach ich auch mit, versprochen.

Viele Grüsse
Deine Frau Mutter

Wie geht es Euch mit dem Muttertag, freut Ihr Euch drauf oder wollt Ihr auch mehr, so wie ich?

Foto: © Rosel Eckstein/Pixelio

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11 Kommentare

  • Reply Rike 9. Mai 2014 at 7:58 am

    Schöner Text, besonders die Analogie zum “Produkt” gefällt mir! Nachdem ich mit Lachen fertig war, als ich mir so überlegte, wie man möglicherweise eine Markenstrategie aufbauen könnte (fundierte Mitbewerber- und Marktanalyse, social branding, interactiv branding usw) sehe ich ein: Ist nicht nötig. Ist ein Liebhaberstück. Teuer! Mit Warteliste (mind. 10 Monate ab Bestellung) und Facebookseite. “Mutter” (fiktiver Charakter…sehr lustig :)) hat 361T Fans, “Mutterliebe” (auch nicht schlecht) 42T. Und jetzt kommts ganz fett! Der oldfashioned Muttertag hat sogar (Tusch!) 3,6 Mio Fans! Grund genug, sich feiern zu lassen. Image hin oder her, du und ich sind Teil der Marke, also Brust raus und her mit jedem Feiertag, den wir kriegen können! Und Glitzerstaub!

  • Reply Rike 9. Mai 2014 at 8:00 am

    …Sorry, ich habe hoffnungslos übertrieben! “Muttertag” hat nur 1,6 Mio Fans. Wir sind also doch ein elitärer Kreis.

  • Reply Frau Mutter 9. Mai 2014 at 8:02 am

    Danke, Rike. “Liebhaberstück” beschreibt es treffend!

  • Reply Britta 9. Mai 2014 at 1:51 pm

    Hallo schöner Text, genau so erging es mir früher auch. Alltag und dann am Muttertag diese “erzwungenen” Geschenke und Aufmerksamkeit. Ich habe dann mal mit meinen Kindern geredet und ihnen gesagt dass ich das nicht brauche. Wir, also mein Mann und ich, schenken uns an Vater-/Muttertagen oder an Valentinstag auch nichts.

  • Reply Grit 9. Mai 2014 at 8:49 pm

    Ich stimme dir da voellig zu! Hast du super auf den Punkt gebracht! Was waere den die Gesellschaft ohne die Muetter? Waere es nicht besser seiner Mutter bzw. Seinen Eltern mehr als nur einmal im Jahr zu zeigen, wie dankbar man fuer sie ist?

    LG Grit

    http://familiejabitte.blogspot.com/2014/05/was-zum-muttertag.html

  • Reply Morgen… | Nieselpriem 10. Mai 2014 at 8:23 pm

    […] diesem Blog fragt die Autorin ironisch, welches Image dieser Muttertag denn hätte, wäre er ein Produkt und in […]

  • Reply Martine 11. Mai 2014 at 10:55 am

    Nach so vielen Jahren zu leben mit einem unterfühlten Kinderwunsch, fühlt es für mich eigentlich jeden Tag ein Bisschen wie Muttertag. Mein Herz weint heute aber für alle Mütter die noch immer, jeden Tag wieder, kämpfen mit dem großen Trauer ungewollt Kinderlos zu sein. An einem Tag wie diese fühle ich mich nur unendlich dankbar Mutter zweier Söhne zu sein. Dafür hange ich dann sogar gerne die Zeichnung meines Sohnes worauf ich braune(?) ausstehende Haaren habe und meine Armen direkt am Nabel anfangen, am Kühlschrank.

  • Reply Tina 15. Mai 2014 at 7:29 am

    Einmal im Jahr den Glitzerstaub rausholen – das ist eine gute Umschreibung für den Muttertag. Ich sehe das sehr ähnlich wie du und habe auch darüber geschrieben: http://vomwerdenzumsein.wordpress.com/2014/05/11/fur-mehr-reflexion-und-weniger-gedichte/

    Viele Grüße
    Tina

  • Reply Ich wollte euch etwas zu lesen geben. Was dann geschah, holte mich aus dem Urlaub zurück! « Chaos² – Familienwahnsinn im Doppelpack 31. Dezember 2014 at 2:23 pm

    […] zu sein und ich übernahm ihre Abneigung. Frau Mutter schreibt mir daher aus der Seele in ihrem Brief an den Muttertag. Ein wirklich überflüssiger Tag, wenn man Müttern nicht das ganze Jahr über Wertschätzung […]

  • Kommentieren

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