Erfahrungen

Der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz ist da! Mütter, nun wird aber Karriere gemacht!

1. August 2013

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Tadaaa! Ab heute haben wir Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz. Jauchzet, Frohlocket, Mamas! Ab heute klappt’s doch bestimmt mit der Vereinbarkeit von Kindern und Karriere in Deutschland, oder? Kündigt Euren Teilzeitjob und schaltet den Karriere-Turbo ein! Die real existierende Gleichberechtigung wird bald in diesem unseren Lande eingeführt! Oder?!? Heute spreche ich mit der Journalistin und Autorin Maya Dähne. Ihr grossartiges Buch “Deutschland sucht den Krippenplatz- mein täglicher Wahnsinn zwischen Kita und Karriere” hat mir total aus der Seele gesprochen. Witzig und bissig beschreibt sie den Alltag von uns arbeitenden deutschen Müttern. Ob “Krippencasting”, “Kitastrophe” oder “Der heimliche Traum vom Leben als Hausfrau”…heute interviewe ich Maya zum Thema “Pampers und Powerpoint- und wie der garantierte Krippenplatz unsere Gesellschaft revolutionieren wird.

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Ist eigentlich eine Rundum-Sorglos-Kinderbetreuung Deiner Meinung nach der Schlüssel zu mehr Gleichberechtigung in der Arbeitswelt? Was muss sich sonst noch ändern?

Ich glaube gute Kinderbetreuung ist dringend nötig, für alleinerziehende Mütter sogar überlebenswichtig. Aber der Schlüssel zu mehr Gleichberechtigung, nein. Irgendwie scheint im Moment alle Welt zu glauben: Wenn wir erst genügend Kitaplätze haben, wird Deutschland ein Mütter-, Kinder- und Familienparadies. Plötzlich stürmen massenweise Mütter die Managerbüros, weil sie ihren Nachwuchs unmittelbar nach der Geburt in die Krippe outsourcen können. Quatsch! Was wir Mütter (und Väter!) dringender brauchen als Rund-um-die-Uhr-Betreuungscenter für unsere
Kinder sind familienfreundliche Arbeitszeiten. Im Internet, auf der Webseite des Familienministeriums gibt’s die schon. Aber in der richtigen Welt da draußen herrscht leider nach wie vor die Meinung: Anwesenheit ist Leistung, Karriere wird nach 18 Uhr gemacht und Mütter taugen allenfalls als Teilzeitkraft. Wir brauchen mehr Kitas, ja, aber wir brauchen auch mehr Chefs, für die Familienzeit kein lästiger Kostenfaktor
oder Karrierekiller ist. Und Unternehmer, die Frauen nach der Babypause als das einstellen, was sie sind: hochqualifizierte Arbeitnehmerinnen mit Managerqualitäten.

Maya, Du hast beides ausprobiert als Mutter:Teilzeitjob und Vollzeitstelle. Was ist Dein Favorit und warum?

Mein Traum: Teilzeit-Hausfrau und Vollzeit-Mutter. Nein, im Ernst: Auf den ersten Blick war Teilzeit die perfekte Lösung für mich: Statt 40 Stunden musste ich nur 32 Stunden im Büro sitzen und hatte nachmittags Zeit für die Kinder und das bisschen Haushalt. Mit Kitaöffnungszeiten bis 16.00 Uhr wären acht Stunden im Büro auch einfach nicht machbar gewesen. Der kleine Haken: die Arbeitsmenge blieb die gleiche: Ich war eine Teilzeitkraft mit Vollzeitjob – und Teilzeitgehalt. Nach einem Jahr Teilzeitjob habe ich es dann als Vollzeit-arbeitende Mama versucht. Eigentlich blieb alles beim Alten: Ich musste noch ein bisschen schneller vom Büro zur Kita rennen – und gelegentlich einen Babysitter anheuern, um jede Woche auf meine 40 Stunden Schreibtischpräsenz zu kommen. Das Blackberry blinkte noch immer bis 21 Uhr und am Wochenende. Aber immerhin: Ich bekam etwas mehr Geld.

Viele Experten sprechen mittlerweile von einer “Teilzeitfalle”, siehst Du das auch so?

Ja! Teilzeitmuttis bekommen entweder irgendwelche unwichtigen Hilfsarbeiten zugeteilt (für die sie meistens völlig überqualifiziert sind) oder sie machen den gleichen Job in Teilzeit, den Kollegen in Vollzeit machen – für weniger Geld. Die Aufstiegschancen für Teilzeitler sind gleich null. Denn wer weniger arbeitet, signalisiert seinem Chef: Es gibt in meinem Leben Wichtigeres als den Job. Wer mit seinen Kindern zum Laternenumzug geht, anstatt sich mit dem Vorstand nachmittags um fünf zur wichtigen Strategiesitzung zu treffen, den nimmt man nicht für voll. Und: Was die Altersvorsorge betrifft, da sieht es richtig düster aus für Teilzeitmütter. Frauen bekommen in Deutschland gerade mal
halb soviel Rente wie Männer, weil sie weniger gearbeitet haben. Zehn Prozent der Rentnerinnen leben in Altersarmut!

Schildere doch mal einen Traumjob für eine Mutter, wie könnte der Deiner Meinung nach aussehen?

Idealerweise wäre diese Mama wohlhabend, selbständig und sie hätte einen Mann, der sich gerne und überwiegend um die Kinder und das bisschen Haushalt kümmert.

Und wie sieht für Dich die ideale Kita aus?

Eine Mischung aus Villa Kunterbunt, Hopetosse und magischem Baumhaus.

Wie kamst Du auf die Idee, das Buch zu schreiben?

Ich bin in meinem Freundeskreis berüchtigt für meine bissigen und bitterbösen Vorträge über Teilzeitmamas, Vollzeitjobs, Kinder, Kitastrophe und Karriereknick. Irgendwann sagten immer mehr Leute: „Maya, Du musst in die Politik – oder ein Buch schreiben.“ Ich hab mich dann fürs Buch schreiben entschieden.

Für die angehenden Autoren unter meinen Lesern: Wie wurde aus der Idee das gedruckte Buch?

Zuerst mal hab ich mich mit Dutzenden anderer Mamas und Papas, Erzieherinnen, Babysittern und Omas zum Kaffee trinken getroffen und mir von ihnen ihre Erfahrungen mit dem Kinder-Betreuungszirkus erzählen lassen. Dann habe ich ein Expose geschrieben: Was soll in dem Buch drinstehen? Wer soll es lesen? Was wäre ein möglicher Titel? Welche Konkurrenztitel gibt es schon? Schließlich habe ich ein Probekapitel verfasst und das Paket mehreren Verlagen geschickt. Am Ende fand ich den wunderbaren Beltz Verlag, der mein Buch schließlich gedruckt und veröffentlicht
hat.

Liebe Maya, vielen Dank für dieses Gespräch und Dein tolles Buch!!

Dieses Interview wurde auch auf Brigitte.de veröffentlicht

Foto: Hermann Bredehorst

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3 Kommentare

  • Reply Kristine 1. August 2013 at 7:59 am

    Da bin ich ja mal wieder froh, in den Niederlanden zu leben. Auch wenn es hier nur 16 Wochen Mutterschutz gibt und danach KEINEN langen bezahlten Erziehungsurlaub (nur 13 Wochen unbezahlt oder vom Arbeitgeber freiwillig teilweise bezahlt), das mit der Teilzeit ist gut geregelt, weil gang und gäbe. Die meisten meiner Freunde und Bekannte arbeiten Teilzeit (meist 32 Stunden die Woche, 24 Stunden sind aber auch beliebt bei Müttern) und ich hab noch keinen darüber klagen hören, dass er nur anspruchslose Aufgaben kriegt oder eigentlich Vollzeit arbeitet zum Teilzeitgehalt. Und diese Freunde und Bekannte sind durchaus gut ausgebildet (zwei sind Juristin, einer ist Controller, eine Psychiaterin..). In meinem Freundeskreis arbeiten auch die Papas 32 Stunden, das klappt wunderbar! Die Chefs sind da meistens sehr flexibel, was die Zeiteinteilung und den Arbeitsort betrifft. Die Kitas sind zwar sehr teuer, weil privat (wir bezahlen für 3 Tage die Woche 945 Euro, wovon der Staat ca. 1/3 übernimmt) – dafür sind sie von 7.15-18.15 Uhr auf, sodass man normale Arbeitstage machen kann.

  • Reply Rosalie 1. August 2013 at 9:21 pm

    Habe in der Schweiz ähnliche Kitaerfahrung gesammelt. Super-Kita, lange Öffnungszeiten, 1:3 Betreuung real, sauteuer, aber Gehaltsabhängig bezuschusst. Bei 2 Vollzeit arbeitenden Eltern gar kein organisatorisches Problem. Ging wunderbar. Selbst bei Krankheit. Dafür gibt’s weder Elternzeit noch besonderen Kündigungsschutz nach der Geburt. Nachdem man mit dem Arbeitgeber konkret einen Notfallplan abgesprochen hat, ist das alles halb so wild. Und Kitas gabs hier so viele, dass wir uns eine aussuchen konnten…

  • Reply Zwei working moms unterhalten sich... | Lucie MarshallLucie Marshall 9. August 2013 at 5:02 am

    […] jetzt neugierig geworden ist, der kann noch mehr über Maya Dähne im Interview bei Frau Mutter erfahren oder Maya Dähne auf Facebook […]

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