Familienalltag mit humor Empfohlene

Coming home for christmas? Die weit verzweigte Familie

14. Dezember 2017
coming home for christmas

Die weit verzweigte Familie. Wahrscheinlich leben viele von Euch einige hundert Kilometer entfernt von Oma und Opa, Onkeln und Tanten. Das ist so ein Merkmal unserer Generation, oder?

Meine Eltern sind gerade mal eine Stunde rheinaufwärts von Koblenz nach Mainz gezogen, eine Stunde weg von Eltern, Geschwistern und Jugendfreunden. Klar haben wir auch im Ausland gelebt in meiner Kindheit, aber das waren immer begrenzte Zeiten. Ansonsten hat sich alles in der Nähe abgespielt.

Die wenigsten unserer Schulfreunde leben noch in unserem Heimatort. Bei uns ist es so, dass es eigentlich keine “home base” mehr gibt. Meine Mutter lebt im Pflegeheim in unserer Nachbarschaft, mein Vater in Amerika, meine Halbgeschwister in England. Meine Schwiegereltern im Westerwald, ein Schwager in München, ein anderer in Zürich, die Tante auf Mallorca.

Coming home for christmas? Schwierig, denn für uns ist das Berlin. Aber für alle anderen bedeutet Heimat oder “coming home” etwas ganz anderes.

Zur Einschulung von Constanze im September waren Onkel und die Tante da. Da habe ich gemerkt, wie wichtig den Kindern die Beziehung zu ihnen ist. Und am liebsten auch zu allen gleichzeitig. Während wir noch ausknobelten, wer wann ins Bad gehen soll, waren die Kinder schon wieder in ein anderes Bett geschlüpft. Herrlich, so ein großes Rudel!

Die Kinder wünschen sich:  “Weihnachten im Rudel”

Tatsächlich kann ich mich erinnern, dass ich als Kind auch solche “Rudel-Weihnachten” ganz großartig fand. Wir hatten zwar nur eine Stunde Fahrtzeit, aber Zeit mit Oma, Tanten und Cousinen zu verbringen, war etwas ganz Besonderes für mich, gerade auch als Einzelkind. Und die Menge der Menschen hat mich gar nicht gestört, im Gegenteil.

Meine Oma erzählte vom Krieg, während sie den Karpfen zubereitete, meine Cousinen zeigten mir die neusten Star-Schnitte aus der BRAVO, meine Tante las mir was vor, meine Mutter war latent genervt von allem und mein Vater baute irgendwo irgendwas auf (weil er wahrscheinlich auch genervt war…).

Ihr Kinderlein, Onkel, Tanten, Großeltern kommet!

In unserer Familie gibt es Alternative und Konservative, Rad- und SUV-Fahrer. Überzeugte Katholiken und solche, die mit wehenden Fahnen aus der Kirche ausgetreten sind. Manche spülen gerne, andere spielen gerne, manche sind morgens schon auf 180, andere brauchen länger.  Einige wollen ganz Weihnachten über nur Choräle singen, andere “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel” und “Sisi” in der Endlosschleife schauen. Wie bringt man das alles zusammen? Bei uns klappt das nur mit viel Humor und manchmal kracht es eben auch.

Wir Erwachsenen wägen  heute ab: Wie beschwerlich wird die Fahrt mit Kindern quer durch Deutschland? Haben wir alle ein Bett und kommen wir eigentlich auch auf der menschlichen Seite zueinander?

Die weit verzweigte Familie: Und nun wohin?

Wir sind doch die mit Kindern (bis in ein paar Monaten, dann werde ich Tante!). Sollten dann nicht alle zu uns kommen? So einfach ist es eben auch nicht. Und auch die anderen müssen ja auch eine Fahrt auf sich nehmen…

Dazu kommt auch, dass wir alle ja nun auch Partner haben und deren Familien wollen auch besucht werden. Manchmal denke ich, es wäre toll, wenn man sich einfach alle in ein Hotel einladen könnte. Keiner wäre mit dem Abwasch dran, jeder hätte das Bad, wenn er es braucht und alle wären zusammen.  Auch könnte man sich zurückziehen, wenn es mal gerade wieder “zu viel Rudel” ist. Dafür bräuchte es aber wahrscheinlich einen oder mehrere Lottogewinne.

Aber das ist die Erwachsenen-Sicht, die komplizierte. Für die Kinder würde auch wohl eine Turnhalle, Pizza für alle, ein Weihnachtsbaum und Geschenke reichen. Hauptsache Trubel und Familie.

Ich werde jetzt wohl mal Lotto spielen.

Wie ist das bei Euch an Weihnachten? Kommen alle zu Euch oder fahrt Ihr quer durch Deutschland?

Hier könnt Ihr den Beitrag pinnen!

 

 

13 Kommentare

  • Reply Sven 14. Dezember 2017 at 8:26 am

    Oh, liebe Nina, das spricht mir aus dem Herzen. Eine Home Base habe ich seit Jahren nicht mehr – vielleicht jetzt eher die, wo man selbst mit der Familie lebt. Meine alte Heimat in Nordfriesland – dort lebt kaum noch ein Freund. Mein Vater zig damals nach dem Tod meiner Mutter dort weg. Neues Leben, neue Familie, neue Heimat, wenn auch in höherem Alter. Die Schwiegereltern wohnen auch nicht am Ort, sind aber wesentlich dichter dran. Paten und andere Verwandte in Frankreich und Canada. Und ich stimme dir zu, das perfekte wäre ein Retreat in einem Hotel für alle. Jeder kann sich dann zurückziehen, wenn die dunklen Wolken aufziehen. Lädt man alle ein – vorausgesetzt es ist für alle ein Sitzplatz, klappt es mit der Besinnlichkeit oftmals nicht.
    Wir haben Heiligabend seit der Geburt der Kinder immer mit unseren Zwillingen allein gefeiert. Mein Vater & Stiefmutter kommen immer um den zweiten Advent ein paar Tage. Wenn alles rund um Geschenke und Eindrücke verdaut ist, kommen die Schwiegereltern einen Tag zum Nachfeiern. Das ist alles machbar. Doch im Herzen ist die Erinnerung an eine Homebase da. Immer.

  • Reply Frau Mutter 14. Dezember 2017 at 8:39 am

    Lieber Sven,
    danke für Deinen Kommentar. Ja, das Leben und auch Beziehungen ändern sich. Umso besser, wenn wir eine schöne Erinnerung an unsere Kindheit haben- und auch für unsere Kinder Weihnachten so gestalten, dass sie es gerne in Erinnerung behalten. Wir geben jedenfalls unser Bestes-was Zauber und Harmonie angeht. Aber das Leben ist halt das Leben;) LG in den Süden Nina

  • Reply Dinah 14. Dezember 2017 at 9:34 am

    Liebe Nina,
    genau wie Du erinnere ich mich noch gut an die Weihnachten im Kreise unserer größeren Familie, meist bei den Großeltern. Das war ein Zusammentreffen der besonderen Art, da ähnlich wie bei Euch sehr unterschiedliche Menschen aufeinander trafen. Bei meinen Großeltern ging es locker, aber traditionell zu. Die Pute musste in den Ofen, der Opa schmückte mit den Männern den Baum. Da kamen die Onkel, der eine ein wilder 68er, der andere noch mitten im Medizinstudium. Wir als Kinder liebten es, den Großen zuzuhören, in der Küche mitzuhelfen oder einfach nur mal ein Buch auf einem Ohrensessel zu lesen. Auch wenn dann der eine oder andere Konflikt aufkam, das habe ich nie negativ in Erinnerung behalten. Streiten gehörte eben auch dazu. In Erinnerung geblieben sind mir die Wärme, das Zauberhafte der Weihnachtszeit und die Familientradition. Deine Idee vom Urlaub im Hotel konnten wir sogar einmal umsetzen. Es war traumhaft! Vor allem für die Erwachsenen, die nicht aufräumen, Essen kochen und organisieren mussten. Hatte aber natürlich seinen Preis. Und für uns Kinder war es zwar schön, aber zuhause war es fast noch schöner.
    Da unsere Familie inzwischen auch weit verzweigt ist, der eine Onkel sogar in Portugal, der andere in der Schweiz, gestalten sich häufige Familienfeiern als Herausforderung. Jedoch finden wir inzwischen Möglichkeiten, zu besonderen Festen doch wieder zusammenzukommen. Da gab es eine Hochzeit in Portugal, dann ein Geburtstagsfest in der Schweiz. Schöner wäre natürlich, wenn alle öfter spontan zusammenkommen könnten. Denn solche Reisen sind mit Kleinkindern nicht immer möglich. Das Spontane fehlt irgendwie. Dieses Jahr müssen wir ein Weihnachten sogar zwei Mal, an zwei unterschiedlichen Orten feiern. Aber die Kinder freuen sich dennoch über die Traditionen, die wir eingeführt haben und werden die Weihnachten in der kleineren Familie bestimmt auch in guter Erinnerung behalten.

    • Reply Frau Mutter 15. Dezember 2017 at 9:15 am

      Du hast Recht, Unstimmigkeiten sind den Kindern egal. Eigentlich müsste man sich daran ein Beispiel nehmen! Aber soo toll, dass Ihr das mit dem Hotel gemacht habt. Wo wart Ihr denn, bin neugierig! LG Nina

      • Reply Dinah 15. Dezember 2017 at 11:00 am

        Liebe Nina, wir waren damals vor 22 Jahren als es noch entspannt und erschwinglich war in Schloss Elmau. Das kannten wir schon von anderen Familienurlauben. Super schön, aber inzwischen etwas hochpreisiger 😉 Lg Dinah

        • Reply Frau Mutter 16. Dezember 2017 at 1:50 pm

          Davon habe ich schon sehr viel gehört, schaue ich mir gleich noch mal an;) LG

  • Reply Tinislife 14. Dezember 2017 at 9:18 pm

    Liebe Nina, auch uns geht es ähnlich. Ich habe das Glück, dass mein Mann und ich ursprünglich aus dem gleichen Ort kommen. Somit verbringen wir jeden Feiertag in einem anderen Wohnzimmer und haben dank >400km Entfernung und meiner Weigerung sich Heiligabend 4h und Auto zu setzen, auch mit Mitte dreißig noch kein Weihnachtsfest in den eigenen 4 Wänden verbracht. Manchmal wünsche ich es mir ganz kurz, dass sie alle zu uns kämen, aber eigentlich ist dieser Trubel zusammen mit Cousins und Cousinen, der Opa als Weihnachtsmann und dieses liebenswerte Chaos was entsteht, wenn plötzlich 8 Personen ins Haus meiner Eltern “einfallen”, mein Weihnachten…
    LG, Tini

    • Reply Frau Mutter 15. Dezember 2017 at 9:16 am

      cool, und auch cool, dass Eure Eltern das alles noch so mitmachen! LG

  • Reply Anja 15. Dezember 2017 at 9:10 am

    Liebe Nina! Du hast sicher bei vielen Familien mit diesem Beitrag einen wunden Punkt getroffen. Es geht garantiert einer großen Anzahl von modernen Clans wie Euch, uns eingeschlossen. Die Homebase war früher bei den Eltern, Schwiegereltern und Großeltern (meist lebten alle im direkten Umfeld). Und heute? Heute leben Familienmitglieder in alle Himmelsrichtungen verstreut. Es ist doch meist eine Mission-Impossible, alle zusammenzubekommen und vor allem, wohin?! Wir lösen das mittlerweile eher kreativ und treffen uns unter dem Jahr, sofern man sich auf einem Termin einigen kann. An Weihnachten haben wir uns unsere persönliche Familientradition geschaffen und sind im Urlaub. Das hat den positiven Effekt, dass wir dem ganzen Stress entgehen und alle etwas davon haben (vor allem muss ich nicht über die Feiertage in der Küche stehen). In diesem Sinne wünschen wir Euch eine wundervolle Weihnachtszeit! LG Anja

  • Reply Frau Mutter 15. Dezember 2017 at 9:17 am

    Hallo Anja, das mit der “Urlaubs-Tradition” an Weihnachten ist eine ganz tolle Idee, wenn Du einen guten Tipp hast, wohin, immer her damit! LG Nina

    • Reply Anja 15. Dezember 2017 at 9:29 am

      Im letzten Jahr waren wir in New York. Das war einfach großartig! Die beleuchteten Straßenzüge, alles so schön festlich geschmückt. In diesem Jahr wird es hot, hot, hot! Ich schicke Dir dann Poolgrüsse aus Mittelamerika. Das wird auch für uns ein neues Abenteuer und die Chefin (das Kind) hat sich mittlerweile daran gewöhnt, dass der Weihnachtsmann eine WhatsApp-Fotonachricht vom heimischen Weihnachtsbaum mit Geschenk auf ihr Handy schickt. Wir sehen das eher locker und hoffe, dass sie sich später genauso gern wie wir an diese verrückte Zeit erinnern wird.

  • Reply Patricia 15. Dezember 2017 at 9:48 am

    Liebe Nina,
    bei uns ist es ähnlich: Die Familie ist inzwischen in der Welt verstreut: Meine Mama lebt in der Nähe von Paris, mein Bruder in Sydney, mein Onkel und Familie an der Grenze zur Schweiz u.s.w. Es läuft also auf einen Facetime Marathon hinaus.

    Wir feiern Weihnachten dann im kleinen Rahmen Zuhause – wie immer ganz unkonventionell: Die Geschenke gibt es schon nachmittags, das Weihnachtsessen dürfen die Kinder aussuchen (von Raclette bis Pizza ist alles möglich…), dann wird gespielt, jede Menge Süßes gegessen und das ein oder andere Glas Wein bzw. Cola getrunken, bis wir irgendwann satt und glücklich auf der Couch neben dem großen bunten Weihnachtsbaum liegen und vermutlich wie in den letzten Jahren zusammen “Kevin allein Zuhaus” oder den Grinch schauen.

    Merry XMAS und LG, Patricia

    • Reply Frau Mutter 16. Dezember 2017 at 1:51 pm

      Liebe Patricia,

      das klingt trotzdem herrlich entspannt. Ich wünsche Euch auch dieses Jahr frohe Weihnachten, lg nin

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