Leben mit Kindern

Treffen mit dem Ex: Mamas kleiner Trip in die Vergangenheit

2. Mai 2018
treffen mit dem ex

Ein Treffen mit dem Ex ist immer etwas Spezielles. Egal ob per peinlichem Zufall à la “Hoffentlich erkennt er mich nicht” oder ganz freundschaftlich- man trifft auch immer seine Vergangenheit, die ohne Kinder nämlich. Ich habe meine “Exfreunde” bis auf einen, mit dem ich befreundet blieb, immer nur zufällig getroffen und das war manchmal schön und manchmal hochnotpeinlich. Meine Gastautorin Sandy traf ihren Ex kürzlich und berichtet uns heute davon. Viel Spaß bei ihrem Text.

Vergangene Woche flog ein blauer Briefumschlag ins Haus. Komisch, mit blauen Briefen hatte ich frühestens in acht Jahren gerechnet. Dann wird unser Sohn in der dritten Klasse sein und sein Papa prophezeit schon jetzt „Wenn der Kleine nach mir kommt, kannst Du Dich auf was gefasst machen!“ Ich pflege mich in diesen Momenten immer mit dem Gedanken zu beruhigen, dass das Kind im Idealfall auch 50 Prozent meiner Gene trägt und soweit ich mich erinnern kann, habe ich zu Schulzeiten keinen einzigen blauen Brief bekommen.

Treffen mit dem Ex oder: Der Blaue Brief!

Ungläubig las ich also den Absender auf dem hiesigen Umschlag, den mein Freund aus dem Briefkasten geholt hatte, ohne auch nur den Versuch, seine Neugierde zu überspielen. Ein Exfreund meldete sich aus der Versenkung zurück. Genau genommen nicht irgendein Ex, sondern mein allererster Freund überhaupt, sozusagen der ExExExExExExEx… DER EX aller Ex- Freunde. Nachdem ich den Umschlag mehrmals von allen Seiten begutachtet hatte, öffnete ich ihn gespannt: Eine Geburtsanzeige!

Da sendete mir mein erster richtiger Freund, den ich seit über anderthalb Jahrzehnten nicht gesehen hatte, aus dem Blauen heraus eine „Es freuen sich die glücklichen Eltern“- Karte inklusive Babyfoto und einem handgeschriebenen Brief. „Bin neugierig auf das, was Dir in letzter Zeit widerfahren ist…“ Ich fühlte mich geehrt.

Gerührt, dass er sich meldet

Solche Dinge passierten also wirklich, trotz Facebook und Xing. Vielleicht war es meine fortgeschrittene Schwangerschaft, die einen plötzlichen Sensibilitätsschub zur Folge hatte, aber ich war gerührt. Ich stellte den Brief demonstrativ auf meinen Nachttisch. „Es ist doch eine schöne Geste, sich bei jemandem auf gutem altem Postweg zu melden.“ Mein Freund verdrehte kommentarlos die Augen und löschte das Licht.

Nachdem ich einige Abende über die Überraschung nachgedacht hatte, befürworte ich ein Wiedersehen, obwohl ich mir besseres vorstellen kann, als nach zwei Jahrzehnten dem Ex zu begegnen und dabei auszusehen, wie ein australisches Riesenkänguru. Dennoch würde ich eine gute Ausrede für die zusätzlichen Pfunde haben, die ich mit 14 noch nicht hatte. Jede Frau, die behauptet, es wäre ihr egal, in welchem Zustand sie der Ex nach Jahren wiedersieht, belügt sich selbst.

Unverfängliches Mittagessen?

Wie dem auch sei, weder Äußerlichkeiten noch meine Eitelkeiten sollten bei unserem Treffen eine Rolle spielen. Er schlug seinen Stamminder vor, ich fand’s passend, weil unverfänglich und zeitlich auf seine Mittagspause begrenzt. Auf seine Empfehlung hin bestellten wir das vegetarische Mittagsmenü, war er schon immer Vegetarier? Ansonsten hatte er sich äußerlich kaum verändert, ich war fast ein bisschen enttäuscht. Oder war es einfach zu lange her, als dass ich es beurteilen konnte? Sein Halstuch und diese senffarbene Cordhose kamen mir doch irgendwie bekannt vor. Was hatte ich eigentlich an ihm gefunden?

Der Ex: Was hat mich nochmal an ihm gereizt?

Einen Yogi Tee später wusste ich es wieder: Er war Sozialpädagoge, Anti-Materialist, Idealist und komplett anders als alle Jungs, die ich damals kannte. Das hatte mich gereizt. Acht Monate lang. Dann beendete ich wegen ebendieser Attribute unsere Beziehung, weil ich dachte, der 19-jährige Surfer mit eigenem VW-Polo aus Westdeutschland würde irgendwie besser zu mir passen. Lustig.

Worüber sich nun zwei irgendwie Vertraute, aber dennoch völlig Fremde nach 17 Jahren Funkstille unterhalten? Nun, die erste halbe Stunde verging ungefähr so: Ob das zweite Kind geplant war? Ja, doch. Ob ich auch unter Rückenschmerzen leiden würde? Bisher nur selten. Ob das Baby in meinem Bauch manchmal Schluckauf hätte? Ja. Ob mein Freund (wie er auch) Extra-Elternzeit in Anspruch nehmen wolle? Ich denke nicht. Ob sich der werdende Bruder auch freute? Sofern ich das beurteilen kann, klar.

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Und über was sollen wir jetzt reden?

Hilfe, ich wurde ausschließlich als Schwangere und Mutter wahrgenommen, nicht mehr als Frau! Waren Babythemen wirklich das Einzige, was uns im Jetzt verband? Eine ayurvedische Linsensuppe später erklärte mein Ex, er würde mir gerne bei einem zweiten Treffen sein Neugeborenes vorstellen und im Idealfall die Mutter gleich mit. Aha. Nicht mehr lustig. Um ehrlich zu sein, es war frustrierend. Im fleckigen Spiegel der Damentoilette fragte ich nach dem Sinn unseres Wiedersehens. Was hatte ich mir nur davon versprochen? Komplimente? Eine Botox- Spritze für mein hormongeschwängertes Selbstbewusstsein? Was dachte er über mich? Und warum hatte ich mir über einen last-minute-Frisörtermin die vergangenen Tage eigentlich so viele Gedanken gemacht?

Während der folgenden Portion Tofu- Curry änderte sich wenig. Ob wir ins selbe Krankenhaus wie bei der ersten Geburt gehen würden? Nein. Ob ich mir wegen Geburtsturbulenzen Sorgen mache? Auch nein (natürlich gelogen). Ob ich schon sehr viel zugenommen hätte? Moment mal… Gegenfrage: „Möchtest Du noch einen Mango Lassi?“

BINGO: “Du siehst aus wie immer!”

Nein, seine Zeit war begrenzt, er musste zurück auf die Arbeit und bestellte die Rettung namens Rechnung. Er übernahm sie komplett und blickte einige Momente gedankenverloren unserem Kellner nach. Schließlich die lang ersehnten Worte, die wie Balsam auf meiner vernachlässigten Schwangerenseele klangen „Du siehst übrigens echt toll aus. Enorme Ausstrahlung wie eh und je!“ Ich errötete unfreiwillig „Danke für das Kompliment. Wann darf ich Deine neue Familie kennenlernen?“

Hattet Ihr schon mal ein Treffen mit dem Ex und wenn ja, wie war es???

Fotos: Pixabay. Text: Sandy Bossier-Steuerwald

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1 Kommentar

  • Reply Viola 2. Mai 2018 at 11:51 am

    Witzig, echt ein Thema, das wahrscheinlich viele von uns (mittlerweile) Mamas ab und zu umtreibt! Schön, wenn man am Ende damit zufrieden ist, dass er eben aus gutem Grund der EX geworden ist… und Zuhause der Herzensmann mit Kinderschar wartet 🙂

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