Kind und Erziehung

Wie soll man erziehen?: Ermutigen oder „die Wahrheit sagen“?

17. Juni 2013

Planschbecken_110stefan_pixelio.de

Ich bin ja eine Freundin klarer Worte. In meinem Job als PR-Referentin muss ich schon andauernd diplomatisch sein, dass mir zu Hause dafür oft die Energie fehlt. Meine Kinder hören von mir schon öfter Klartext als „PR-Sprech für Kinder“. Trotzdem möchte ich natürlich das Selbstbewusstsein meiner Kinder stärken und bewirken, dass sie sich Dinge zutrauen. Mein Sohn ist jetzt fast sieben. Er kann noch nicht schwimmen. Alle seine Freunde können es natürlich und zeigen stolz ihre diversen Schwimmabzeichen. Seine Lösung bzw. „PR-Strategie“ für das Dilemma: Einfach behaupten, er könne schwimmen!

Gestern bei der Gute-Nacht-Geschichte:

Sebastian: „Ich war heute im Pool von Max und bin ganz weit geschwommen“!

Ich kriege einen Schreck. Ohgottogott, wo war die Mutter von Max? War Sebastian in Gefahr? Hat er jetzt noch mehr Angst vorm Schwimmen? Da geht er mir nicht mehr hin!

Bis ich mich erinnere. Maxens „Pool“ ist ein überdimensioniertes Aldi-Planschbecken. Bis aufs offene Meer kann Sebastian also nicht geschwommen sein….

„Sebastian, Du kannst noch nicht schwimmen und es ist auch gefährlich, das zu behaupten. Dann denken die Leute, Du kannst es und lassen Dich aus den Augen und dann können schlimme Sachen passieren.“

Das war offenbar die falsche Ansage. Sebastian bekommt, gelinde gesagt, die Krise. Heulen, Vorwürfe, noch mehr Heulen.

„Mamaaaa, ich KANN schwimmen. Wie kannst Du das sagen, ich kann es nicht?!

„Schätzchen, Du kannst es einfach noch nicht, basta. Wir müssen noch einen Schwimmkurs machen, dann kannst Du es. Aber heute kannst Du es NICHT und Du darfst es auch nicht behaupten.“

Grosses Geheule. Mein Sohn ist am Boden zerstört.

„Papapa, die Mama ist blööööööd und sagt, ich kann nicht schwimmen.“

Papa: „Las uns jetzt die Gute-Nacht-Geschichte lesen.“

Na toll.

Was hätte ich tun sollen? „Du kannst schon so toll schwimmen- fast“? „Du bist „der nächste Phelps“, wenn Du dann das Seepferdchen hast?“ „Ja, Du kannst schwimmen, in der Theorie“?

Ich hatte ein ganz schlechtes Gefühl. Bei meinem Sohn kam an „Du kannst es nicht“.
Ich wollte aber sagen: „Du kannst es jetzt noch nicht, Du wirst es lernen. Bis dahin kommen die Schwimmflügel an die Arme.“

Man kann ganz schön viel falsch machen in der Kommunikation mit seinen Kindern. Ich muss wohl zu Hause doch mal öfter als PR-Referentin agieren……

Foto: 110 Stefan/Pixelio

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7 Kommentare

  • Reply Lucie Marshall 17. Juni 2013 at 8:22 am

    Das kenne ich… Man will nicht drum rumreden, aber redet seinen Sohn leider in die Therapie…verflucht. Mein Sohn behauptet auch er kann schwimmen, aber mit dreieinhalb behauptet amn ja viel: „Bin Pilot“, „Kann alleine zu Kita gehen“, „Bin ein Hund“….
    Viel Spaß Euch beim Seepferdchen!

  • Reply erzaehlmirnix 17. Juni 2013 at 10:49 am

    Ich finde die Reaktion sehr gut. Dem Kind immer nur zu erzählen wie toll es ist und was es alles kann (wenn es das eben nicht kann) vermittelt doch gleichzeitig, dass es was gaaaanz schreckliches ist, etwas nicht zu können. Oder ganz schlimm auch: „Mama, XY hat gesagt er mag mich nicht!“ – „Oh nein, der ist sicher nur NEIDISCH auf dich!“ oder „Ach, das hat er sicher nicht so gemeint, in Wirklichkeit findet er dich sicher supidupitoll“ – warum kann man da nicht mal ganz unaufgeregt sagen „Ja… und?“ oder „Ja, nicht jeder mag jeden, das ist auch OK.“
    Irgendwann steht Mutti schließlich nicht mehr immer dabei und wirft Glitzer auf die Realität^^

    (sorry, zu viel Text… im Endeffekt: ich finde deine Reaktion super)

  • Reply Vanessa 17. Juni 2013 at 11:31 am

    Kann Deine Reaktion seeeeeehr gut nachvollziehen und verstehen, hätte aber – glaube ich – das Hauptaugenmerk auf den bevorstehenden Schwimmkurs und Dinge, die er eben besser kann als andere, gelenkt. Ich habe noch kein 7-jähriges Kind, daher kann ich das natürlich in letzter Konsequenz nicht beurteilen. Ich denke aber, dass es wichtig ist den Kindern direkt positive Anreize zu verschaffen, um sie eben nicht allzu sehr zu frustrieren. Andererseits gehört Frust eben zum Leben und auch die Erkenntnis, dass andere Dinge können und man selber nicht. Wie gehen wir selbst damit um? Wir überlegen was WIR anstelle dessen können und schon geht’s uns (meistens) besser ;-)! Stimme dem vorherigen Kommentar da voll und ganz zu und letztlich geht es darum seine Kinder zu stärken und das passiert eben, indem man aufzeigt wie man mit den eigenen Schwächen umgehen kann :-).

  • Reply TheSwissMiss 17. Juni 2013 at 11:55 am

    Ich denke auch, dass Du richtig reagiert hast. Zu lange würde ich an der Sache nicht rumdiskutieren, spätestens beim nächsten Schwimmbadbesuch, könnte man das Thema dann nochmals ansprechen. Allerdings wenn die Kinder noch klein sind – so zwei oder drei, ich glaub da behaupten die noch oft irgendwelche Dinge die man vielleicht einfach überhören kann. Bei älteren Kinder wie bei deinem Sohn, finde ich es schon ok, wenn man die „Realität“ mal wieder in Erinnerung ruft:)
    Ach herrje, man hat es nicht leicht als Mama aber Gott sei Dank sind solche Dinge schon bald wieder vergessen:)

  • Reply Mel 19. Juni 2013 at 6:38 am

    Ich hätte das gleiche gemacht. Illusionen sind schon aber meistens unreal und er kann und wird es ja wirklich lernen. Im schlimmstenfall übt ihr nochvor dem Schwimmkurs an einem Wochen ende im Schwimmoder Hallenbad und er hat noch zusätzlich spaß 😉

  • Reply Dajana 22. Juni 2013 at 11:17 am

    Schwierige Sache. Ich hätte wohl dasselbe wie du gesagt. Zumal er sich ja wirklich in gefährliche Situationen bringen kann.

  • Reply Anna 15. Juli 2013 at 9:00 am

    Ich habe mal gelesen, dass wir bei Jungen oft die Schuld auf äußere Umstände schieben („Das Wetter war eben zu schlecht, deswegen sind wir nicht ins Freibad gegangen und du konntest nicht schwimmen lernen.“) und bei Mädchen auf sie selbst („Du kannst eben noch nicht schwimmen.“). Beides finde ich nicht gut und vor allem gefällt mir diese Einteilung nicht.

    Wie ich es bei meiner Tochter machen werde, weiß ich noch nicht, sie ist dafür noch viel zu klein. Aber ich denke, dass ich schon versuchen werde, ihr nett ausgedrückt die Wahrheit zu sagen. Denn wie Dajana schon schreibt, beim Schwimmen kann das ja richtig gefährlich werden, wenn man behauptet, es schon zu können.

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